Wochenmarkt Jetzt Waldmeister pflücken gehen

Kann mehr als in Berliner Weißer ertrinken: Waldmeister, zart heuartig im Geschmack

Kann mehr als in Berliner Weißer ertrinken: Waldmeister, zart heuartiger im Geschmack

Kann mehr als in Berliner Weißer ertrinken: Waldmeister, zart heuartiger im Geschmack

Entgegen allgemeiner Annahme ist Waldmeister nicht wie die Piemont-Kirsche eine geniale Erfindung des Süßwarenmarketings. Es gibt ihn wirklich. Man kann ihn jetzt, bevor er blüht, im Wald an schattigen Plätzen pflücken. Die Pflanze riecht nicht wie Götterspeise und färbt nicht alles knallgrün. Sie ist geruchslos. Erst wenn sie welkt, entwickelt sie ihr Aroma (eine schöne Metapher). Die Blätter schmecken nach Cumarin, »heuartig« sagt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, deren poetische Begabung unterschätzt wird.

Ralf Hiener ist Koch und pflanzt mit seinem Kompagnon, einem Gärtner, in einem 2,5 Hektar großen Garten in Mecklenburg-Vorpommern Wildkräuter an, »Essbare Landschaften«. Er beliefert Köche in ganz Deutschland mit Zimtbasilikum und Bronzefenchel. Waldmeister pflückt er nebenan im Wald, um damit eine Crème brûlée und einen Aperitif zu aromatisieren.

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Crème brûlée mit Waldmeister

1 Bund Waldmeister (20 g)
100 ml Apfelsaft
6 Eigelb
300 ml Sahne
100 ml Milch
40 g Puderzucker
4 EL braunen Zucker

Waldmeisterbündel an einem schattigen Ort welken lassen, anschließend eine Weile ins Gefrierfach legen, um das Cumarinaroma zu verstärken. Apfelsaft auf etwa 40 Grad erwärmen, den Waldmeister einlegen und 2 bis 3 Stunden ziehen lassen. Waldmeister entfernen und den Auszug auf ein Drittel der ursprünglichen Flüssigkeitsmenge einkochen.

Eigelb, Sahne, Milch, Puderzucker sowie Apfelsaft verquirlen und durch ein feines Sieb abseihen. In vier feuerfeste Förmchen füllen und auf einem mit heißem Wasser gefüllten Backblech im auf 100 bis 120 Grad vorgeheizten Ofen etwa eine Stunde, eventuell eineinhalb Stunden, stocken lassen. Den Backofen nicht zu heiß einstellen, lieber die Crème länger im Ofen lassen! Abkühlen lassen, mit braunem Zucker bestreuen und unter dem Grill oder mit einem kleinen Bunsenbrenner karamellisieren.

Waldmeister-Spritzer

1 Bund Waldmeister
200 ml guten Weißwein
1 Flasche Crémant

Statt Maibowle, der teuflischen Kreation eines Benediktinermönchs im 9. Jahrhundert, gibt es bei Hiener einen Waldmeister-Spritzer.

Dazu den Waldmeister wie für die Crème brûlée welken lassen und frosten. Dann in einem Glas mit dem Weißwein über Nacht im Kühlschrank ziehen lassen. Kurz vor dem Servieren die Waldmeisterstängel entfernen, den Auszug auf acht Sektgläser verteilen und mit Crémant auffüllen. Wer will, kann noch Erdbeerstückchen in die Gläser geben und ein paar Blättchen Waldmeister.

 
Leser-Kommentare
  1. Da hat wohl jemand vergessen, aus dem Fenster zu schauen. Unser Waldmeister im Garten in Oberfranken, blüht seit zwei Wochen ...

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    Freier Autor

    Liebe Leserinnen und Leser –

    Nun wohnen nicht alle Menschen in Oberfranken und der schönen Pfalz und wenn man in nördlicheren Gefilden aus dem Fenster schaut, ist der Süden eben früher von der Sonne verwöhnt.

    Viele Grüße!
    Daniel Erk

    Freier Autor

    Liebe Leserinnen und Leser –

    Nun wohnen nicht alle Menschen in Oberfranken und der schönen Pfalz und wenn man in nördlicheren Gefilden aus dem Fenster schaut, ist der Süden eben früher von der Sonne verwöhnt.

    Viele Grüße!
    Daniel Erk

  2. Auf die Crème brûlée muss ich leider bis zum nächsten Jahr warten - bei uns im Garten ist der Waldmeister schon fast verblüht. Wir ernten derzeit Holunderblüten.

  3. Und wieder wird hier leider eine Chance vertan, wie schon beim Rhabarber: Waldmeister kann mehr als süß!

    Mit Waldmeister kann man Saucen "beduften", oder Fisch, oder Risotto, oder noch mehr...

    http://goccus.com/magazin...

    Außerdem: 1 Bund Waldmeister ist eine zu vage Angabe! Waldmeister, so er antrocknen durfte, ist im Aroma sehr intensiv. 1 Bund erscheint mit zum Parfumieren der o.a. Rezepte deutlich zu viel. Waldmeister ist ein tolles Aroma, kann aber penetrant künstlich schmecken, wenn zu stark dosiert.

    Kann es sein, dass die Methode Einfrieren, die ich nicht kenne, dazu führt, dass die durchs Trocknen aktivierten Aromen wieder erstickt werden und deshalb die hohe Menge zustande kommt? Mir erschließt sich der Vorgang des Einfrierens zum Herauskitzeln von Aromen nämlich nicht! Trocknen ist (wie Erhitzen / Rösten) eine bekannte Methode, die bestimmte Aromen brauchen, um sich zu entfalten. Oregano ist bspw. auch so ein Kraut, dass das braucht und getrocknet intensiver ist als frisch. Aber Einfrieren? Was soll da passieren?

    Eine Leser-Empfehlung
  4. Freier Autor

    Liebe Leserinnen und Leser –

    Nun wohnen nicht alle Menschen in Oberfranken und der schönen Pfalz und wenn man in nördlicheren Gefilden aus dem Fenster schaut, ist der Süden eben früher von der Sonne verwöhnt.

    Viele Grüße!
    Daniel Erk

    Eine Leser-Empfehlung
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    Heuer ist der Süden aber nicht die einzige Region, die Sonne abbekommen hat. Im Norden, zumindest in Berlin, blüht er auch bereits ;-)

    Heuer ist der Süden aber nicht die einzige Region, die Sonne abbekommen hat. Im Norden, zumindest in Berlin, blüht er auch bereits ;-)

  5. 5. Norden

    Heuer ist der Süden aber nicht die einzige Region, die Sonne abbekommen hat. Im Norden, zumindest in Berlin, blüht er auch bereits ;-)

    Antwort auf "Waldmeistersaison"
  6. Ist der nicht schwer giftig? Ich wurde bei Waldspaziergängen immer fürchterlich von meinen Eltern gewarnt... Bitte klären Sie mich auf, auch Google hilft da nicht weiter, da widersprüchlich...

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  7. Antwort auf "Aber..."
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    Danke! Dort habe ich dann auch gleich den anderen guten Hinweis gefunden: "Der nach dem Genuss von Maibowle häufig zu beobachtende Kater ist meist mehr auf den Alkoholgenuss als auf das Cumarin zurückzuführen."

    Danke! Dort habe ich dann auch gleich den anderen guten Hinweis gefunden: "Der nach dem Genuss von Maibowle häufig zu beobachtende Kater ist meist mehr auf den Alkoholgenuss als auf das Cumarin zurückzuführen."

  8. 8. Miau!

    Danke! Dort habe ich dann auch gleich den anderen guten Hinweis gefunden: "Der nach dem Genuss von Maibowle häufig zu beobachtende Kater ist meist mehr auf den Alkoholgenuss als auf das Cumarin zurückzuführen."

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  • Serie Wochenmarkt
  • Quelle ZEITmagazin, 12.5.2011 Nr. 20
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  • Schlagworte Nahrungsmittel | Kochen | Essen | Trinken
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