Ich verbrachte einen Abend mit meiner Freundin M. in einer Bar, wo jede von uns zweieinhalb Margarita trank. Leider hatte ich vergessen, dass Margarita, ein schöner, fast 100 Jahre alter Cocktail, in gewöhnlichen Bars mit Tequila gemixt wird, der nicht aus Agaven, sondern aus mexikanischem Nagellackentferner besteht. Jedenfalls redeten meine Freundin M. und ich an diesem Abend ausführlich über die Probleme unseres Lebens, eine unserer Lieblingsbeschäftigungen. Dann wollten wir gehen, es war vielleicht einUhr, also nicht spät für Freitagnacht. Aber wir arbeiten viel, sind eigentlich immer müde und auch nicht mehr 25. Wir wollten also nach Hause, M. steht auf, sortiert ihr Outfit, schwankt ein wenig, aber auf recht nette, gar nicht peinliche Weise. Die Räumlichkeiten der Bar sind etwas unübersichtlich, sie deutet auf eine der Türen, sagt, da geht’s raus. Doch die Tür ist keine, sondern ein Spiegel, sie rennt dagegen und fällt um. Mehr erwarte ich nicht von einem Frauenabend: Cocktails trinken, ernsthafte Probleme besprechen und grandioser Slapstick am Ende.

Um elf Uhr am nächsten Morgen rief M. an, um sich zu entschuldigen. Ich für meinen Teil tat so, als wäre ich schon lange wach. Sie habe gerade so viel zu tun, Stress, und neue Kontaktlinsen, deshalb habe sie den Spiegel übersehen. Sie redete immer schneller, wahrscheinlich war sie immer noch betrunken. Ich dürfe nie jemandem davon erzählen, niemandem, jemals. Sie würde ja auch niemandem verraten, sagte sie schließlich mit rauer Stimme, dass dieser Ratscher neulich in meinem Gesicht überhaupt nicht die Folge einer allergischen Reaktion war, sondern eines nächtlichen Sturzes auf den Sisalteppich in meinem Schlafzimmer. »Hör mal bitte«, sagte ich sanft, »ich habe gar kein Sisal im Schlafzimmer. Reg dich ab, dein Geheimnis ist bei mir gut aufgehoben. Du musst mich nicht erpressen.«

Es ist ein jahrtausendealtes, exotisches Ritual zwischen Frauen, das man vielleicht mal in die Unesco-Liste immaterieller Kulturgüter aufnehmen könnte: sich am nächsten Tag für alles Mögliche entschuldigen. Fiele Männern nicht ein. Aber wir haben es so von unseren Müttern gelernt, und die haben es von unseren Großmüttern gelernt. Nie werden wir trinkende Genies sein, deren Kreativität der Suff beflügelt. Trunkene Melancholie, behagliches Selbstmitleid am nächsten Morgen, diese schönsten aller Gefühle sind Männern vorbehalten. Wir haben Stress, verquollene Augen und eine große Auswahl kühlender Cremes im Badezimmerschrank, damit niemand sieht, was letzte Nacht passiert ist. Ein Mann, sagte Ernest Hemingway, ist erst ein Mann, wenn er betrunken ist.