Bob Dylan wird 70 Ein Niemand seiner StimmeSeite 2/2
Nachhaltig faszinierend an diesem Spiel mit Masken und Tonfällen ist die Fähigkeit, eine ganze Welt heraufzubeschwören. Obwohl sie nach der sprichwörtlichen Straße schmeckt, auf der er nie gelebt hat, bleibt viel Platz für andere Einflüsse. In Dylans Geisterrepublik herrscht Dauerséance, namenlose Herumtreiber bevölkern sie so selbstverständlich wie altbekannte: Shakespeare, Petrarca, Ovid, Rimbaud. Amerika trifft gleichsam auf seine europäische Vorgeschichte, von der altschottischen Mörderballade bis hin zum jüngsten Bewusstseinsstrom. Bruce Springsteen lag richtig mit seinem Bonmot, Elvis habe der Rockmusik den Körper gebracht, Dylan aber den Geist: Er ist das Nadelöhr, durch das Techniken der europäischen Avantgarde elektrisch verstärkt in die Arenen der Gegenwart Einzug halten. Auf nur einen Schutzheiligen festgelegt allerdings hat er sich nie.
Es ist die Figur des drifters und shapeshifters, in der der multiple Dylan für die Dauer eines Songs zu sich selbst findet. Als Figur von den Rändern der Gesellschaft umgibt ihn ein zweifelhafter Ruf. Als unkorrumpierter Außenseiter aber ist er zugleich Träger einer höheren Moral. »To live outside the law you must be honest«: Auch dieser Satz aus dem unverbrüchlichen Bestand Dylanscher Lebensweisheiten behält die ihm mitgegebene Wahrheit nur, wenn man ihn als Aufforderung zum permanenten Aufbruch liest. Die Regeln dazu allerdings setzt keine weltliche Macht: Dylans Radikalität besteht darin, allein seiner inneren Stimme zu gehorchen. Dass diese Stimme letztlich anderen gehört, macht, wie der Literaturwissenschaftler Heinrich Detering bemerkt hat, die Paradoxie, aber auch das anhaltende Charisma des Unternehmens aus: noch einmal »Originalgenie« zu sein, aber bloß noch im Rollenspiel.
Ein Spieler ist der talentierte Mr. Dylan bis heute geblieben, wenngleich sein Pokerface in den letzten Jahren eine gewisse Milde ausstrahlt. An die Stelle von Dylan, dem angry young man, und Dylan, dem an der Himmelstür rüttelnden Weltenwanderer, ist eine Art Märchenonkel getreten, der im Radio alte Platten auflegt und dazu mopsfidel seine Schnurren erzählt. »Dreams, schemes and themes«: Mehr, als der jeder Sendung vorausgeschickte, mit der gelassenen Wehmut eines Fastolympiers vorgetragene Slogan verspricht, gibt es nicht zu berichten von den Irrfahrten durch die Archive der Weltkultur, was bleibt, ist die Verwaltung des Erbes. Sein letztes Album hieß gar konziliant Together Through Life und warb bei Erscheinen mit einem herunterladbaren Song. Dylan digital: Das hat ihn erneut Fans gekostet. Dafür sieht man auf seinen Konzerten wieder viele junge Gesichter.
Heute spricht er zu uns in den Zungen einer verschwindenden Welt
Ausgerechnet als Veteran knüpft Dylan noch einmal an die Formexperimente seiner Jugend an, indem er neue Kanäle für die alten Lieder erschließt – iPhone-Fummler, hergehört: Eine Dylan-App rückt zumindest in den Bereich des Denkbaren! Neuerdings begegnet er uns sogar als lächelnder Zeitzeuge, der sich von Martin Scorseses Kameras einfangen lässt. Eine Garantie, endlich den wahren Dylan vor sich zu haben, beinhaltet freilich auch das nicht, im Gegenteil: Je biegsamer er agiert, desto mehr erweist Dylan sich als der buchstäbliche Niemand seiner Lieder. Der Clou an seinen Multimedia-Experimenten ist die Wiederkehr der Einsicht, dass »Dylan« selbst nur ein Medium ist: Einst brachte er das Neue am Allerältesten zum Sprechen, jetzt spricht er zu uns in den Zungen einer verschwindenden Welt.
So geschieht es bis heute Abend für Abend, wenn der selbst ernannte song and dance man irgendwo Station macht: Alles ist bekannt, doch nichts bleibt sich gleich, weil die Dinge noch immer im Fluss sind und die alten Geschichten neu erzählt sein wollen. Und sind seine größten Hits nicht selbst längst Traditionals, vielstimmig vererbt an Lagerfeuern, Wiegen- wie Totenlieder des Rock’n’Roll? Dafür aber, dass das Kunststück der Weitergabe gelingt, steht niemand anderes ein als er selbst: Dylan, der Zeremonienmeister, der vor unseren staunenden Augen den Stein um und um rollt. Sollte sich eine historische Botschaft darin verstecken, so lautet sie: Es gibt mich noch, und solange ich lebe, geht die Show weiter.
Es ist das Pathos der Zeugenschaft, in dem der fortwährende Avantgardeanspruch sich erneuert. Man sagt, mit Dylan sei der Rock’n’Roll erwachsen geworden, jetzt gilt es ein letztes Abenteuer zu bestehen: das Altern der Pioniere mit ihrer Kultur. Noch gibt es wenig Erfahrungen damit – so how does it feel? Dylans Beitrag zur Klärung des Sachverhalts bleibt gewohnt nullsilbig, doch er gibt eine tadellose Figur dabei ab. Deshalb sollten wir unseren Dylan lieben und ehren, auch wenn er uns höchstens hinter vorgehaltener Maske zurückliebt. Auf einen Zweiten seiner Art werden wir lange warten müssen.
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- Datum 24.05.2011 - 09:52 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 19.5.2011 Nr. 21
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Ich weiß nicht ob Dylan ein Visionär ist, schaut man sich den beinahe 50 jahre alten Text von "The times they are a-changin´" an, so steht man vor einem unlösbaren gedanklichen Dilemma:
"Come senators, congressmen
Please heed the call
Don’t stand in the doorway
Don’t block up the hall
For he that gets hurt
Will be he who has stalled
There’s a battle outside and it is ragin’
It’ll soon shake your windows and rattle your walls
For the times they are a-changin’"
Wenn man an die heutige Welt denke, so muss man feststellen: Offenbar haben sich die Zeiten doch nicht geändert, entgegen Dylans Prophezeiung.
Oder aber er war 1963 so visionär, dass er ahnte das die Zeit huete wieder reif für einen Wechsel sein wird....
Dylan war ein großer Künstler, und ist heute doch völlig irrelevant -- zumindest für fast alle, die nach 1970 geboren wurden. All die autopoietischen Würdigungen und Glückwunsche der Ü50-Dylan-Nerds, wie dieser hier auf ZEIT-Online, beweisen das nur.
Dylan ist super, vor allem für einige (tendenziell) einsame, gebildete weiße Männer. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Schon mal versucht, 20- oder sogar 30-Jährige für seine Musik zu begeistern? Schon mal versucht, eine Frau für Dylan zu erwärmen? Unmöglich.
Zum Geburtstag "Vivat, vivat" zu sagen, ist natürlich trotzdem völlig angemessen und richtig, nur bitte nicht immer die große, aktuelle, allumfassende weltgeschichtliche Bedeutung rausstellen. Klappt nicht.
Komisch ist dann, dass ich als "20-Jähriger" sehr wohl gefallen finden kann an Alben wie "Highway 61 Revisited".
Und eine Freundin von mir ist sehr große Dylan-Verehrerin. Damit wäre ja schon ein Großteil Ihrer Argumentation widerlegt.
Außerdem machen Sie es sich mit Ihrer Argumentation (fälschlicherweise) viel zu leicht. Bob Dylan beeinflusste zum einen Künstler/Bands wie z.B. die Beachboys, Beatles, The Clash, Joy Division, David Bowie oder The Smiths, deren Einflüsse bei den heutigen "Kritiker-Lieblingen" wie Animal Collective, Interpol o.ä. sehr offensichtlich sind. Das könnte man als "passiven Einfluss" bezeichnen.
Zum anderen kann man auch direkten Einfluss von Dylan auf heutige Musiker wie Fleet Foxes, Mumford&Sons, Lykke Li und so weiter entdecken.
Außerdem sind ja zig Dylan Songs gecovert worden. Jimi Hendrix, Guns'n Roses, Eric Clapton, van Morrison, Johnny Cash und bestimmt noch ein paar weitere berühmte Artists.
"Dylan ist super, vor allem für einige (tendenziell) einsame, gebildete weiße Männer. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Schon mal versucht, 20- oder sogar 30-Jährige für seine Musik zu begeistern? Schon mal versucht, eine Frau für Dylan zu erwärmen? Unmöglich."
Ich (weiß, Jahrgang < 1970, selten einsam gewesen, mäßig gebildet) habe Dylan immer gut gefunden. Meine Frau (ähnliches Profil) dagegen ist keineswegs für ihn zu begeistern, genauer gesagt: Texte OK, aber keine Stimme und keine Ausstrahlung.
:)
Also ich bin 25, weiblich und ein riesiger Bob-Dylan-Fan (seit gut 10 Jahren übrigens). Soviel zu ihrer These, dass Dylan nur alten Männern gefällt. Auch dass er heute irrelevant sei, stimmt nicht, es gibt sehr viele junge Künstler, die von ihm beeinflusst wurden: Ryan Adams, Joe Pug, Justin Townes Earle, Sam Beam, Josh Ritter, Cat Power (eine Frau!), Joanna Newsom (auch eine Frau!), Caitlin Rose (noch eine Frau!) und und und...
Gut, dass Sie Bescheid wissen.
Ich (24, m) bin seit gut sechs Jahren Dylan-Anhänger, ebenso wie viele meiner gleichaltrigen Freunde. Eine meiner Freundinnen habe ich sogar über die gemeinsame Begeisterung für Dylan kennen gelernt.
Als ich 2007 eines seiner Konzerte besucht habe (20. April in Stuttgart), war das Publikum gut durchmischt, von 15 bis 70 waren alle Altersgruppen und beide Geschlechter vertreten. Dass sehr viele junge Menschen da waren, ist angesichts der (damaligen) Kartenpreise von über 50 € keine Selbstverständlichkeit.
Falls Sie noch weitere Belege dafür suchen, dass Dylan durchaus auch bei der jüngeren Generation gut ankommt, empfehle ich Ihnen einen Blick in die entsprechenden StudiVZ-Gruppen. Die größte hat immerhin 2.400 Mitglieder, und zwar sowohl Männlein als auch Weiblein. Zum Vergleich: Die größte Lady-Gaga-Gruppe hat ca. 2.800 Mitglieder (etwa so viele wie U2), andere Bands (Red Hot Chili Peppers, Coldplay, Radiohead) etwa 3.000 bis 6.000 Mitglieder.
Vielleicht könnten Sie ja auch noch ein paar Argumente nachreichen, die Ihre These stützen. Meine These lautet: Dylan ist - wie auch Johnny Cash - bei jüngeren Menschen im Moment so populär wie lange nicht mehr.
Obwohl weibl. und Dylan-Fan seit langer Zeit, denk ich tatsächlich jedes Mal auf den Konzerten über dieses Phänomen nach. Die ersten Reihen werden haargenau von der genannten Zielgruppe hart umkämpft (wobei ich mir und anderen genauere Beschreibungen erspare!). Seht es Euch in Mainz/HH selbst an!
"...heute doch völlig irrelevant -- zumindest für fast alle, die nach 1970 geboren wurden."
.
Ich bin einige Jahre nach Mozarts (und Bachs und Mahlers und Dowlands...) Tod geboren, trotzdem sagen die mir was.
Und Musik braucht man doch nicht, um Mädels abzuschleppen, himmelhilf, was für'n Weltbild!?
Dylan ist zeitlos und nichts anderes. Sie haben wohl stets die falschen Menschen nach Dylan gefragt? Ich kenne viele in meinem Alter (25) und Jüngere, die ihn fast verehren, da spielt auch das Geschlecht keine Rolle. Sicherlich ist Dylans nasales Protestnörgeln keine Platte mit der man eine Rendevouz unterlegt. Doch haben Sie schon mal auf einer Gitarre Dylan angestimmt? Wahrscheinlich nicht, dann wüssten Sie nämlich, dass es auch unter vier Augen gut ankommt und in größerer Runde mehr Menschen mitsingen, als Sie es für möglich halten. Ich hoffe, Sie schöpfen daraus Hoffnung :-)
Komisch ist dann, dass ich als "20-Jähriger" sehr wohl gefallen finden kann an Alben wie "Highway 61 Revisited".
Und eine Freundin von mir ist sehr große Dylan-Verehrerin. Damit wäre ja schon ein Großteil Ihrer Argumentation widerlegt.
Außerdem machen Sie es sich mit Ihrer Argumentation (fälschlicherweise) viel zu leicht. Bob Dylan beeinflusste zum einen Künstler/Bands wie z.B. die Beachboys, Beatles, The Clash, Joy Division, David Bowie oder The Smiths, deren Einflüsse bei den heutigen "Kritiker-Lieblingen" wie Animal Collective, Interpol o.ä. sehr offensichtlich sind. Das könnte man als "passiven Einfluss" bezeichnen.
Zum anderen kann man auch direkten Einfluss von Dylan auf heutige Musiker wie Fleet Foxes, Mumford&Sons, Lykke Li und so weiter entdecken.
Außerdem sind ja zig Dylan Songs gecovert worden. Jimi Hendrix, Guns'n Roses, Eric Clapton, van Morrison, Johnny Cash und bestimmt noch ein paar weitere berühmte Artists.
"Dylan ist super, vor allem für einige (tendenziell) einsame, gebildete weiße Männer. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Schon mal versucht, 20- oder sogar 30-Jährige für seine Musik zu begeistern? Schon mal versucht, eine Frau für Dylan zu erwärmen? Unmöglich."
Ich (weiß, Jahrgang < 1970, selten einsam gewesen, mäßig gebildet) habe Dylan immer gut gefunden. Meine Frau (ähnliches Profil) dagegen ist keineswegs für ihn zu begeistern, genauer gesagt: Texte OK, aber keine Stimme und keine Ausstrahlung.
:)
Also ich bin 25, weiblich und ein riesiger Bob-Dylan-Fan (seit gut 10 Jahren übrigens). Soviel zu ihrer These, dass Dylan nur alten Männern gefällt. Auch dass er heute irrelevant sei, stimmt nicht, es gibt sehr viele junge Künstler, die von ihm beeinflusst wurden: Ryan Adams, Joe Pug, Justin Townes Earle, Sam Beam, Josh Ritter, Cat Power (eine Frau!), Joanna Newsom (auch eine Frau!), Caitlin Rose (noch eine Frau!) und und und...
Gut, dass Sie Bescheid wissen.
Ich (24, m) bin seit gut sechs Jahren Dylan-Anhänger, ebenso wie viele meiner gleichaltrigen Freunde. Eine meiner Freundinnen habe ich sogar über die gemeinsame Begeisterung für Dylan kennen gelernt.
Als ich 2007 eines seiner Konzerte besucht habe (20. April in Stuttgart), war das Publikum gut durchmischt, von 15 bis 70 waren alle Altersgruppen und beide Geschlechter vertreten. Dass sehr viele junge Menschen da waren, ist angesichts der (damaligen) Kartenpreise von über 50 € keine Selbstverständlichkeit.
Falls Sie noch weitere Belege dafür suchen, dass Dylan durchaus auch bei der jüngeren Generation gut ankommt, empfehle ich Ihnen einen Blick in die entsprechenden StudiVZ-Gruppen. Die größte hat immerhin 2.400 Mitglieder, und zwar sowohl Männlein als auch Weiblein. Zum Vergleich: Die größte Lady-Gaga-Gruppe hat ca. 2.800 Mitglieder (etwa so viele wie U2), andere Bands (Red Hot Chili Peppers, Coldplay, Radiohead) etwa 3.000 bis 6.000 Mitglieder.
Vielleicht könnten Sie ja auch noch ein paar Argumente nachreichen, die Ihre These stützen. Meine These lautet: Dylan ist - wie auch Johnny Cash - bei jüngeren Menschen im Moment so populär wie lange nicht mehr.
Obwohl weibl. und Dylan-Fan seit langer Zeit, denk ich tatsächlich jedes Mal auf den Konzerten über dieses Phänomen nach. Die ersten Reihen werden haargenau von der genannten Zielgruppe hart umkämpft (wobei ich mir und anderen genauere Beschreibungen erspare!). Seht es Euch in Mainz/HH selbst an!
"...heute doch völlig irrelevant -- zumindest für fast alle, die nach 1970 geboren wurden."
.
Ich bin einige Jahre nach Mozarts (und Bachs und Mahlers und Dowlands...) Tod geboren, trotzdem sagen die mir was.
Und Musik braucht man doch nicht, um Mädels abzuschleppen, himmelhilf, was für'n Weltbild!?
Dylan ist zeitlos und nichts anderes. Sie haben wohl stets die falschen Menschen nach Dylan gefragt? Ich kenne viele in meinem Alter (25) und Jüngere, die ihn fast verehren, da spielt auch das Geschlecht keine Rolle. Sicherlich ist Dylans nasales Protestnörgeln keine Platte mit der man eine Rendevouz unterlegt. Doch haben Sie schon mal auf einer Gitarre Dylan angestimmt? Wahrscheinlich nicht, dann wüssten Sie nämlich, dass es auch unter vier Augen gut ankommt und in größerer Runde mehr Menschen mitsingen, als Sie es für möglich halten. Ich hoffe, Sie schöpfen daraus Hoffnung :-)
Heute irrelevant? Nur für weiße Männer? Nun, im Funkhaus Europa laufen heute den ganzen Tag über schon aktuelle Cover-Versionen von Dylan-Songs. Hören Sie da mal rein, dann werden Sie merken, dass Dylans Lieder nicht nur für die von Ihnen beschriebene Zielgruppe eine Rolle spielen, sondern ganz im Gegenteil auch heute noch ein buntes, gemischtes Publikum erreichen. Ein Konzertbesuch kann übrigens die gleiche Wirkung haben..
Komisch ist dann, dass ich als "20-Jähriger" sehr wohl gefallen finden kann an Alben wie "Highway 61 Revisited".
Und eine Freundin von mir ist sehr große Dylan-Verehrerin. Damit wäre ja schon ein Großteil Ihrer Argumentation widerlegt.
Außerdem machen Sie es sich mit Ihrer Argumentation (fälschlicherweise) viel zu leicht. Bob Dylan beeinflusste zum einen Künstler/Bands wie z.B. die Beachboys, Beatles, The Clash, Joy Division, David Bowie oder The Smiths, deren Einflüsse bei den heutigen "Kritiker-Lieblingen" wie Animal Collective, Interpol o.ä. sehr offensichtlich sind. Das könnte man als "passiven Einfluss" bezeichnen.
Zum anderen kann man auch direkten Einfluss von Dylan auf heutige Musiker wie Fleet Foxes, Mumford&Sons, Lykke Li und so weiter entdecken.
Außerdem sind ja zig Dylan Songs gecovert worden. Jimi Hendrix, Guns'n Roses, Eric Clapton, van Morrison, Johnny Cash und bestimmt noch ein paar weitere berühmte Artists.
"Dylan ist super, vor allem für einige (tendenziell) einsame, gebildete weiße Männer. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Schon mal versucht, 20- oder sogar 30-Jährige für seine Musik zu begeistern? Schon mal versucht, eine Frau für Dylan zu erwärmen? Unmöglich."
Ich (weiß, Jahrgang < 1970, selten einsam gewesen, mäßig gebildet) habe Dylan immer gut gefunden. Meine Frau (ähnliches Profil) dagegen ist keineswegs für ihn zu begeistern, genauer gesagt: Texte OK, aber keine Stimme und keine Ausstrahlung.
:)
Es stellt sich nicht die Frage ob er Künstler der Gegenwart und auch schon der Vergangenheit beeinflusst hat. Es stellt sich auch nicht die Frage wie alt er ist, er prägt die Zeit und hat in meinem Leben ein Loch geschlossen wo keines war. Ich bin 20 Jahre und erhoffe mir nichts weiter von ihm. Einzig würde ich gerne erfahren warum man diesen Mann so sehr in seine Einzelteile zerlegt? Doch dies ist wohl das Schicksal einen melancholischen Propheten, der den Rhythmus des Weltgeschehens aufzugreifen scheint, doch nicht darüber Antwort geben möchte. Es ist Musik die sprechen kann. Ich befinde mich derzeit an dem Punkt in meinem Leben an dem ich begreife, dass andere große Meister in meinem Alter, alias Dylan, schon weit mehr erreicht haben als die meisten von uns es sich jemals auch nur erhoffen können. Mr. Dylan soll als Inspiration wie auch andere Musiker dienen und genau diesen Quell hat er bei mir ausgelöst. Dieser Künstler in all seinen Facetten hat seit einigen Jahren eine immense Bedeutung und hält sich tapfer als 'One Man Show' im neuen Jahrtausend. Egal ob Bedeutung oder nicht, sein Werk wird auch noch existieren wenn er der Bühne längst den Rücken zugekehrt hat. Die Kunst ist nicht zu begreifen etwas verändern zu können und nie aufzugeben. Die Kunst ist zu begreifen nichts ändern zu können und trotzdem zu tun was nichts bringt. Diesen Gedanken scheint der Meister sein ganzes Leben zu verfolgen.
Alles Gute!
Mit größter Hochachtung
Ein Hörender, mit Emotionen...
Ein großer Musiker ansonsten ein arroganter Oberlehrer deutscher Qzualität.
Also ich bin 25, weiblich und ein riesiger Bob-Dylan-Fan (seit gut 10 Jahren übrigens). Soviel zu ihrer These, dass Dylan nur alten Männern gefällt. Auch dass er heute irrelevant sei, stimmt nicht, es gibt sehr viele junge Künstler, die von ihm beeinflusst wurden: Ryan Adams, Joe Pug, Justin Townes Earle, Sam Beam, Josh Ritter, Cat Power (eine Frau!), Joanna Newsom (auch eine Frau!), Caitlin Rose (noch eine Frau!) und und und...
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