Sexueller Missbrauch Mit aller Wucht
Ein Dokumentarfilm über die Abgründe einer besonderen Schule.
© Herbstfilm

Flur in einem Gebäude der Odenwaldschule
Der Regisseur Christoph Röhl hat einen leisen Film gedreht. In Und wir sind nicht die Einzigen lässt er Schüler der Odenwaldschule reden, die von ihren Lehrern sexuell missbraucht worden sind. Schnörkellos, ungeschönt, anderthalb Stunden lang. Es sind die Mutigen, ohne die der Stein niemals ins Rollen gekommen wäre.
Röhl, der von 1989 bis 1991 an der Odenwaldschule als Sprachassistent arbeitete, lässt auch Lehrer zu Wort kommen. Burgunde Niemann sagt, sie habe damals »eher Gerold Becker geglaubt«, dem früheren Schulleiter und Haupttäter. Sie ringt nach Worten und wirkt erschüttert, als sie sagt, ihre Vorstellung von der Welt sei heute eine andere.
So leise der Film ist, er entfaltet eine unglaubliche Wucht. Es sind die Worte, und manchmal vielmehr die Pausen zwischen den Worten, die begreifbarer machen, was an der Odenwaldschule geschehen ist und warum es den meisten Schülern einfach unmöglich war und vielen bis heute ist, darüber zu sprechen.
Der Film zeigt aber auch die Mechanismen, die den Missbrauch ermöglicht haben. Die Mystifizierung der Schule gehörte dazu. Die Schüler seien eben auch stolz gewesen auf die Schule und auf Becker, sagt der Ehemalige Jochen Weidenbusch. »Wir haben gedacht, wenn wir über den Missbrauch reden, dann gehen wir zusammen mit Becker in den Abgrund.« Jetzt endlich reden sie.
3sat zeigt den Film am 24. Mai um 22.25 Uhr. Er läuft außerdem ab dem 19. Mai im Kino Babylon Mitte in Berlin sowie ab dem 20. Mai im Kino Brennessel in Hemsbach bei Frankfurt.
- Datum 19.05.2011 - 11:27 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 19.5.2011 Nr. 21
- Kommentare 7
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selbstverständlich habe ich respekt vor den opfern und finde die täter sollten bestraft werden-trotzdessen halte ich das thema für einen film im tv ungeeignet - wenn wir die gesamte negative vergangenheit deutschlands filmen und zeigen kommt es am ende doch nur zum frust und motiviert mögliche täter eher als das es sie abschreckt
Tatsächlich fühlt man in solchen Aufarbeitungsversuchen immer auch etwas falsch-unrichtig-schuldiges. Das ist ein recht vertracktes schwieriges Feld, bei dem Gefühlswertungen, Identifikationen gerne verwischen. Man spürt ein Gefühl, dass es irgendwie nicht richtig ist, etwa bei einem Film zu diesem Thema.
Wird doch letztlich immer auch Heilung angestrebt und ersehnt - gleichzeitig ist es notwendig, die Wunde erst aufzubrechen, und erst durch die Aufgebrochenheit etwas zu bewirken, es dadurch erst wirklich 'sein' zu lassen, um es dann irgendwann 'sein lassen' zu können.
Dieser quasi pädagogische Vorgang zielt auf ein eigenes Anerkennen, und dauerhafte Integration des Leids als zum Leben gehörend (im positiven 'sinngewachsenen' Sinn) und akzeptiert das Geschehen, die Tat als Gegebenheit ohne den Täter zu entschulden oder zu rechtfertigen, und es zielt auf einen Wandel des Täters. Irgendwie wird in diesem Vorgang Arbeit für den Täter mitgeleistet, als würde man ihn durch ein Dickicht schupsen oder leiten, und als wäre die Entschuldung des Täters dann auf den Täter übergegangen, wenn der Schuldige selbst dieses Schupsen für sich übernehmen, und so vom Opfer ablassen, und sich von ihm abnabeln würde.
Aber die Täter sind Opfer ihrer trägen Unmündig, und oft nicht bereit ihren Weg zu gehen, um das Opfer aus ihrer Opferrolle zu entlassen, indem sie quasi selbst das Kreuz tragen, bzw. Selbst einen Film drehen, um endlich selbst zu sprechen, so dass es sich wahr und richtig anfühlt.
Aufgrund eines Mehrfachpostings entfernt. Die Redaktion/ls
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Wird doch letztlich immer auch Heilung angestrebt und ersehnt - gleichzeitig ist es notwendig, die Wunde erst aufzubrechen, und erst durch die Aufgebrochenheit etwas zu bewirken, es dadurch erst wirklich 'sein' zu lassen, um es dann irgendwann 'sein lassen' zu können.
Dieser quasi pädagogische Vorgang zielt auf ein eigenes Anerkennen, und dauerhafte Integration des Leids als zum Leben gehörend (im positiven 'sinngewachsenen' Sinn) und akzeptiert das Geschehen, die Tat als Gegebenheit ohne den Täter zu entschulden oder zu rechtfertigen, und es zielt auf einen Wandel des Täters. Irgendwie wird in diesem Vorgang Arbeit für den Täter mitgeleistet, als würde man ihn durch ein Dickicht schupsen oder leiten, und als wäre die Entschuldung des Täters dann auf den Täter übergegangen, wenn der Schuldige selbst dieses Schupsen für sich übernehmen, und so vom Opfer ablassen, und sich von ihm abnabeln würde.
Aber die Täter sind Opfer ihrer trägen Unmündig, und oft nicht bereit ihren Weg zu gehen, um das Opfer aus ihrer Opferrolle zu entlassen, indem sie quasi selbst das Kreuz tragen, bzw. Selbst einen Film drehen, um endlich selbst zu sprechen, so dass es sich wahr und richtig anfühlt.
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Wird doch letztlich immer auch Heilung angestrebt und ersehnt - gleichzeitig ist es notwendig, die Wunde erst aufzubrechen, und erst durch die Aufgebrochenheit etwas zu bewirken, es dadurch erst wirklich 'sein' zu lassen, um es dann irgendwann 'sein lassen' zu können.
Dieser quasi pädagogische Vorgang zielt auf ein eigenes Anerkennen, und dauerhafte Integration des Leids als zum Leben gehörend (im positiven 'sinngewachsenen' Sinn) und akzeptiert das Geschehen, die Tat als Gegebenheit ohne den Täter zu entschulden oder zu rechtfertigen, und es zielt auf einen Wandel des Täters. Irgendwie wird in diesem Vorgang Arbeit für den Täter mitgeleistet, als würde man ihn durch ein Dickicht schupsen oder leiten, und als wäre die Entschuldung des Täters dann auf den Täter übergegangen, wenn der Schuldige selbst dieses Schupsen für sich übernehmen, und so vom Opfer ablassen, und sich von ihm abnabeln würde.
Aber die Täter sind Opfer ihrer trägen Unmündig, und oft nicht bereit ihren Weg zu gehen, um das Opfer aus ihrer Opferrolle zu entlassen, indem sie quasi selbst das Kreuz tragen, bzw. Selbst einen Film drehen, um endlich selbst zu sprechen, so dass es sich wahr und richtig anfühlt.
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