Präsentation der Streubombe CBU-105 auf der Dubai Air Show (Archivbild) © Haider Shah/AFP/Getty I

Neulich habe ich mir eine Streubombe gekauft, sie heißt CBU-105. Es ist ein amerikanisches Modell, olivgrün, fast zweieinhalb Meter lang und 421 Kilogramm schwer. Das Besondere an dieser Bombe ist, dass sie nicht explodiert. Sie öffnet sich nur. Sie gleitet durch die Luft, der Stahl springt auf, und heraus fliegen vierzig kleine Sprengkörper, flach und rund, kaum größer als Eishockeypucks. Sie heißen Bombletten.

Im Internet habe ich ein Video über meine Bombe gefunden. Man sieht darauf Panzer, die lautlos auf einen zurollen. Es gibt dieses Video in verschiedenen Versionen. Die Bilder sind dieselben, nur der Text ändert sich. Mal ist von Irakern die Rede, die in den Panzern sitzen, mal von Pakistanern, einmal heißt es nur: die Feinde. Jedes Mal aber ist es ein einzelnes Flugzeug, das die Rettung bringt. Die Rettung ist meine Bombe. Sie öffnet sich, verstreut die Bombletten in der Luft, die Panzer explodieren. Am Ende erscheint ein Satz auf dem Bildschirm: »Eine Bombe, viele Ziele.«

Naser Aayash ist auf dem Video nicht zu sehen.

Er ist ein 39-jähriger Mann, der in einer kleinen Stadt im Süden des Libanon lebt, sie heißt Harouf. Aayash hatte dort früher eine Autowerkstatt. Er hämmerte an Achsen und Ölwannen herum, das Geschäft lief gut. Hinter der Werkstatt steht ein Haus, dort wohnte Aayash mit seiner Frau, seiner Mutter und seinen drei Kindern. Das war sein Leben, damals.

Ich traf Naser Aayash, als ich mehr über die Art von Bombe herausfinden wollte, die ich mir angeschafft hatte. Die Stadt Harouf ist ein guter Ort dafür. Es ist von dort nicht weit bis zur israelischen Grenze, nicht weit zu der Stelle, an der die islamistische Hisbollah-Miliz am 12. Juli 2006 mehrere israelische Soldaten tötete und zwei weitere in den Libanon entführte. Wenige Stunden danach stiegen die ersten Kampfflieger auf. Die Israelis nannten es »Operation gerechter Lohn«.

Die Flugzeuge feuern Raketen und werfen Streubomben . Eine Bombe, viele Ziele. Die Bombletten durchschlagen Fenster und Dächer, sprengen Löcher in Mauern, zerstören Autos. Oft fallen sie nur auf die Erde und bleiben liegen.

Nach vier Wochen ist der Krieg vorbei. Es herrscht wieder Frieden in Harouf. Naser Aayash dankt Gott und ruft seine Familie an. Während der Bombardements hat er seine Frau und seine Kinder zu seinem Bruder in die Hauptstadt Beirut geschickt, dort waren sie sicher. Jetzt kommen sie zurück.

Ein paar Tage später, am Morgen des 18. August 2006, setzt sich Naser Aayash in seinen Wagen und fährt an die Küste. Es ist warm, die Sonne lässt das Meer leuchten. Es ist ein Bild, das zum Frieden passt. Aayash will einen Freund besuchen. Sie wollen ihr Überleben feiern.

Auf dem Weg kommt er an einem Haus vorbei, es steht auf einem Feld. Das Dach ist eingestürzt, von Bomben getroffen. Aayash will sich den Schaden ansehen, er kennt das Haus, ist oft daran vorbeigefahren. Er steigt aus, geht einen Schritt zum Straßenrand. Hohes Gras wächst dort, auf brauner Erde, dicht stehen die Halme. Aayash beachtet sie nicht, es ist ja nur ein Acker, erst später wird er sich erinnern, sich fragen, warum er nicht gesehen hat, was da auf dem Boden lag. Jetzt aber geht er weiter. Der zweite Schritt. Der dritte. Dann bricht das Feuer aus ihm heraus.

So beschreibt er es, heute, fünf Jahre später, auf dem Sofa sitzend, bei verdunkelten Fenstern, an einem sonnigen Frühlingsvormittag in der Stadt Harouf, zu einer Uhrzeit, zu der er früher bei der Arbeit war, in der Werkstatt, die es nicht mehr gibt. Einer seiner Nachbarn wird später erzählen, Aayash sei der beste Sportler der Stadt gewesen. Fast zwei Meter hoch konnte er springen und den Handball werfen wie kein Zweiter. Jetzt sitzt er da und raucht, und an der Wand lehnen die Krücken.

Aayash beugt sich nach vorn. Ob ich ihn fotografieren dürfe, habe ich gefragt. Er sagt, er wolle sich nicht selbst als Krüppel sehen. Nur von seinen Beinen solle ich ein Bild machen, die sollten die Leute sich anschauen.

Er zieht die Socke von seinem Stumpf, dort, wo früher sein rechter Fuß war, der Fuß, der auf die Bomblette trat. Er zeigt den linken Fuß, der an einem seltsam dünnen Bein hängt, weil die Bombensplitter ihm die Muskeln zerrissen. Vor ein paar Wochen haben die Ärzte ihm wieder ein Stück Metall aus dem Fleisch geschnitten, es war die 21. Operation in viereinhalb Jahren.

Nach Schätzung der Vereinten Nationen enthielten die Streubomben, die auf dem Südlibanon niedergingen, vier Millionen Bombletten. Etwa eine Million prallten auf dem Boden auf, ohne zu detonieren. Manche Blindgänger sind kugelrund, nicht größer als Tennisbälle. Andere erinnern an kleine Getränkedosen, wie man sie in Flugzeugen bekommt. Selten enthalten sie mehr als dreißig Gramm Sprengstoff, genug, um einen Menschen zu töten oder ihn zu verstümmeln.