Klaus Wowereit 99 Fragen an Klaus Wowereit

Mehr braucht kein Mensch

Klaus Wowereit

Klaus Wowereit

Ein Konferenzraum im Roten Rathaus zu Berlin: der für Konferenzräume übliche große Glastisch, auf dem eine Thermoskanne mit Kaffee steht. Seit zehn Jahren ist er Regierender Bürgermeister von Berlin, am 18. September stellt er sich erneut zur Wahl zum Abgeordnetenhaus. Im direkten Vergleich braucht er auch diesmal keinen Konkurrenten zu fürchten, die Berliner Grünen und ihre Kandidatin Renate Künast liegen in diesen Wochen allerdings vor der Berliner SPD. Er ist groß und breit. Wowi, der mit dem Teddybär-Gesicht. Bekannt und beliebt geworden ist dieser Politiker mit gleich zwei grandiosen Sprüchen, seinem Coming-out (»Ich bin schwul, und das ist auch gut so«) und einer Gleichung, die längst ein Klassiker ist (»Berlin ist arm, aber sexy«). Es gibt – aufs Angenehmste – kein echt brisantes oder zwingendes Thema mit ihm zu besprechen; aber man kann mit ihm, dem Kommunikationsprofi, dem Talkshow-Gestählten, der alten Plaudertasche, natürlich über praktisch alles sprechen, ohne dass es langweilig wird, von Integrationsproblemen in Neukölln bis zur Wahl der richtigen Partycracker. Er faltet die Hände. Er setzt ein demonstrativ staatstragendes und prophylaktisch genervtes Gesicht auf – das mit dem Plaudern soll nicht ganz so einfach werden. Egal, wie ernst dieses Gesicht guckt, die Wowi-Äuglein amüsieren sich schon mal.

1. Sekt oder Selters?

Selters.

2. Currywurst oder Austern?

Currywurst.

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3. Ku’damm oder Friedrichstraße?

Ku’damm.

4. Udo Walz oder Marlene Dietrich?

Marlene Dietrich.

5. Schnurrbart oder Vollbart?

Vollbart.

6. Rot-Rot oder Rot-Grün?

Rot-Rot.

Klaus Wowereit

57, ist seit 2001 Regierender Bürgermeister von Berlin und seit 2009 stellvertretender Bundesvorsitzender der SPD. Als er vor zehn Jahren seine Kandidatur für das Amt des Bügermeisters bekanntgab, sagte er den Satz "Ich bin schwul - und das ist auch gut so.", und war damit der erste Spitzenpolitiker, der sich zu seiner Homosexualität bekannte.

Das Gespräch hat bis hierher exakt sechs Sekunden gedauert, je eine Sekunde pro Frage und Antwort. Er zögert null. Wir operieren hier in den oberen Etagen des Politprofi-Smalltalkertums: Das kann was werden. Seine gefalteten Hände. Wowereits Daumen drehen sich.

7. Fukushima, Nato-Einsatz in Libyen, FDP-Erosion, die Grünen auf der Suche nach einem Kanzlerkandidaten – können Sie sich an Wochen erinnern, in denen es in der Politik so rundging?

Richtig ist: Die Zeiten sind unruhig. Politik ist insgesamt schnelllebig geworden. Wenn sich Naturkatastrophen wie die in Japan ereignen mit den daraus folgenden politischen Entscheidungen, dann ist jede programmatische Planung über den Haufen geworfen.

8. Rückblick auf einen Schlüsselmoment: Als die Bundeswehrkapelle beim Abschied für Guttenberg »Smoke on the Water« spielte – war das der Moment, in dem die Republik, wie wir sie kannten, sich verabschiedete und etwas irres Neues losging?

Ich würde es nicht so dramatisch ausdrücken. Es war kein Anfang. Es war der Abgesang eines gescheiterten Ministers.

9. Ist die FDP noch zu retten?

Es ist nicht meine Aufgabe, mir Gedanken zu machen, ob die FDP sich rettet oder verändert. Sie soll so bleiben, wie sie ist.

10. Ist die SPD noch zu retten?

Die SPD muss nicht gerettet werden. Die SPD ist eine starke Kraft.

11. Spinnt der Innenminister Friedrich?

Er hat einen ganz schlechten Start gehabt. Er sollte endlich anfangen, sich mit den Realitäten zu befassen.

12. Kapieren Sie Westerwelle?

Es ist eine objektiv richtige Wahrnehmung, dass diese Bundespolitik es nicht versteht, den Deutschen in wesentlichen Politikfragen eine Orientierung zu geben.

13. Mit welchen Worten trösten Sie den SPD-Chef Gabriel?

Der SPD-Chef muss nicht getröstet werden. Er hat viele Ideen. Die werden umgesetzt.

14. Mal ehrlich, kennen Sie einen deprimierenderen Verein als die SPD?

Ich kenne Vereine, bei denen ich eine Depression bekommen würde. Die SPD gehört nicht dazu.

15. Ist das theoretisch auch denkbar, dass eine ganze Partei hinwirft und sagt, sie hat keinen Bock mehr?

Wie gesagt: Die SPD ist programmatisch gut aufgestellt. Und sie wird kämpfen.

16. Ein Gag oder die Wahrheit, dass Andrea Ypsilanti ihr Comeback plant?

Andrea Ypsilanti ist Politikerin der SPD, deshalb braucht sie kein Comeback. Ansonsten ist seit geraumer Zeit Thorsten Schäfer-Gümbel der Frontmann der SPD in Hessen.

17. Wo bleiben die jungen Frauen in der SPD?

Wie Sie an Manuela Schwesig sehen, sind sie ganz weit vorne.

Kein Stress, keine Regung. Sein freundliches Teddybär-Gesicht schluckt alles. Bei Frage 15 schenkte er uns ein kleines Lächeln, nach dem Motto: »Da haben Sie sich aber eine hübsche Formulierung ausgedacht.« In seinen Antworten lässt er sich zu gar nichts hinreißen. Des Politprofi-Talkers Daumen drehen ihre Runden. Wir bleiben dran. Wir prügeln nun mit Wahlkampf-Fragen auf ihn ein.

Leser-Kommentare
    • slot
    • 19.05.2011 um 13:00 Uhr

    Wowereit sagt: "Unsere Gesellschaft ist nicht monokulturell zu verstehen. Wir unterliegen vielen Einflüssen. Die Welt kann sich nicht abschotten, Berlin und Deutschland haben eine multikulturelle Gesellschaft."

    Da fragt man sich allerdings, ob Wowereit mitbekommt, dass es bestimmten Einwanderergruppen hingegen in Deutschland wunderbar gelingt, sich abzuschotten und nach eigenen Regeln zu leben? Seine ganze Integrationspolitik hat aufgrund seiner mangelnden Wahrnehmung einen völlig falschen Ansatz!

    • altex
    • 16.06.2011 um 16:51 Uhr

    Müsen denn nun auch in der Zeit solch peinlich formulierte Fragen sein??
    Wo ist der sachliche, informative Journalismus geblieben?
    Dann darf man sich nicht wundern, dass den Politikern nur noch plakative Floskeln als Antwort eifallen.

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