Strauss-Kahn Ein Mann von Welt
Der Absturz von Dominique Strauss-Kahn erschüttert nicht nur Frankreich, er löst ein internationales Beben aus. Paris vibriert, der Euro zittert, und der Machtkampf um die Nachfolge als IWF-Chef tobt bereits. Politischer ist das Private selten gewesen
© Franck Prevel/Getty Images

Ein Bild von Dominique Strauss-Kahn auf der Titelseite der französichen Zeitung "Liberation"
Einer der mächtigsten Männer der Welt in Handschellen; der Staatsanwalt trägt Anschuldigungen vor, die bis zur Vergewaltigung reichen; die New Yorker Richterin Melissa C. Jackson verfügt am Montagnachmittag, dass Dominique Strauss-Kahn, geschäftsführender Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF), mindestens bis Freitag in Haft bleibt. Wegen Fluchtgefahr. Überall senden Fernsehkanäle diese Bilder. Und der Welt stockt der Atem.
Die globale Wirtschaft hing in der jüngsten Zeit mehrmals am seidenen Faden. Dass aus der Krise bis jetzt noch keine Katastrophe wurde, liegt auch an den Entscheidungen Einzelner. Strauss-Kahn ist so eine Schlüsselfigur.
Als in Amerika die Banken kollabierten, brach er mit den wirtschaftsliberalen Traditionen des IWF und empfahl Konjunkturprogramme und Bankenrettungspakete. Als in Europa ganze Staaten zu wanken begannen, bot er die Hilfe des Fonds an. Jetzt gehört der IWF zum Notarztteam für Griechenland, Irland und Portugal. Strauss-Kahns Leute haben Reformprogramme ausgearbeitet und überwachen deren Einhaltung. Sie feilen an neuen Regeln für das Weltwährungssystem, die den Staats- und Regierungschefs der G-20-Staaten im November in Cannes vorgelegt werden.
Doch nun sitzt Strauss-Kahn auf einer Insel im East River im Gefängnis. Da ist vermutlich etwas zwischen zwei Menschen geschehen – mit weltweiten Folgen. Die wichtigste internationale Finanzinstitution steht ohne Chef da, Frankreich hat einen Skandal, der das Land verändern wird, und in den europäischen Hauptstädten beraten Politiker hektisch, wie es weitergehen soll.
Eine Sozialistin achtete stets darauf, mit DSK nie allein in einem Raum zu sein
Berlin, Montagnachmittag. Angela Merkel sitzt in einem Halbrund, links neben ihr der neue Wirtschaftsminister Philipp Rösler, rechts der ehemalige Vorstand des Softwarekonzerns SAP, daneben Spitzenvertreter der Automobilwirtschaft. Als die Kanzlerin nach Strauss-Kahn gefragt wird, wählt sie ihre Worte mit Bedacht. Es gelte die Unschuldsvermutung, sagt Angela Merkel, doch wenn ein Nachfolger gefunden werden müsse, gebe es »gute Gründe dafür, dass Europa auch gute Kandidaten zu Verfügung hat«.
Im Kanzleramt und im Bundesfinanzministerium hatte man lange an der ungelenken Formulierung gebastelt. Deren Botschaft freilich ist eindeutig: Europa beansprucht den Chefposten des Internationalen Währungsfonds für sich. Die Unschuld wird vermutet, aber auf die Schuld bereitet man sich längst vor.
Frankreich hingegen ist am Montag noch zu keiner Reaktion fähig. Es herrscht lähmendes Entsetzen. Dieser bleiche, übermüdete, unrasierte 63-Jährige in seinen zerknitterten Klamotten, der so aussieht wie normalerweise jene Unglücklichen aus der Unterschicht, die aus den Verliesen des französischen Polizeigewahrsams vor ihre Richter gezerrt werden – das soll jener Weltpolitiker sein, ihr »DSK«, auf den die Franzosen so stolz waren?
- Datum 18.05.2011 - 10:54 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 19.5.2011 Nr. 21
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der Fall Strauß-Kahn würde sich nicht in New york, sondern in Teheran abspielen. Angela Merkel würde noch am selben Tag vor die Kameras stürzen und die sofortige Freilassung (!) verlangen. Das gleiche würde in ungefähr 97 Staaten der Erde gleichzeitig passieren. Die Handschellenbilder vom IWF Chef würde auch in den Staaten für empörung sorgen. Die Boulevardpresse, Mneschenrechtsorganisationen, UNO und und und...
Entfernt. Bitte argumentieren Sie sachlich und artikelbezogen. Danke, die Redaktion/jz
Vielleicht könnten Sie, oder einer der Leser, die Ihren Beitrag gut finden, einmal kurz dessen Aussage erläutern? Ich verstehe ihn nämlich nicht.
Wollen Sie behaupten, daß die Menschen, die im Iran eingesperrt sind, dort sicherlich zu Recht im Gefängnis sitzen?
Daß der Iran wie die USA ein Rechtsstaat ist, wo Angklagte eins faires Verfahren bekommen, so daß es grundsätzlich nicht angezeigt ist, gegen von der iranischen Justiz ergangene Urteile zu protestieren?
Daß Menschenrechtsorganisationen, die sich um iranische Gefangene kümmern, parteiische Idioten sind?
Wollen Sie Menschen, die gegen das Unrecht im Iran die Stimme erheben, mit Ihrem Beitrag verächtlich machen?
Da es Ihnen anscheinend nicht klar ist:
Der Iran ist ein Unrechtsregime, wo junge Menschen, die für Ihre Zukunft demonstrieren, auf der Straße erschossen werden. Wo Männer an Baukränen aufgehängt werden, weil sie homosexuell sind. Wo zur Strafe Amputationen durchgeführt werden. Wo Journalisten willkürlich verhaftet werden.
Dagegen muß man protestieren! Und eine Verhaftung eines Verdächtigen in den USA, nach dortigen rechtsstaatlichen Kriterien erfolgt, mit den im Iran stattfindenden Verhaftungen von Regimegegnern, Homosexuellen oder unverschleierten Frauen zu vergleichen ist eine Frechheit.
Und eine Frage an die Redaktion: Warum werden solche Beiträge, die sich nicht mit dem Thema des Artikels befassen und dazu nicht mal einen intellektuellen Gehalt besitzen, nicht sofort gelöscht?
Entfernt. Bitte argumentieren Sie sachlich und artikelbezogen. Danke, die Redaktion/jz
Vielleicht könnten Sie, oder einer der Leser, die Ihren Beitrag gut finden, einmal kurz dessen Aussage erläutern? Ich verstehe ihn nämlich nicht.
Wollen Sie behaupten, daß die Menschen, die im Iran eingesperrt sind, dort sicherlich zu Recht im Gefängnis sitzen?
Daß der Iran wie die USA ein Rechtsstaat ist, wo Angklagte eins faires Verfahren bekommen, so daß es grundsätzlich nicht angezeigt ist, gegen von der iranischen Justiz ergangene Urteile zu protestieren?
Daß Menschenrechtsorganisationen, die sich um iranische Gefangene kümmern, parteiische Idioten sind?
Wollen Sie Menschen, die gegen das Unrecht im Iran die Stimme erheben, mit Ihrem Beitrag verächtlich machen?
Da es Ihnen anscheinend nicht klar ist:
Der Iran ist ein Unrechtsregime, wo junge Menschen, die für Ihre Zukunft demonstrieren, auf der Straße erschossen werden. Wo Männer an Baukränen aufgehängt werden, weil sie homosexuell sind. Wo zur Strafe Amputationen durchgeführt werden. Wo Journalisten willkürlich verhaftet werden.
Dagegen muß man protestieren! Und eine Verhaftung eines Verdächtigen in den USA, nach dortigen rechtsstaatlichen Kriterien erfolgt, mit den im Iran stattfindenden Verhaftungen von Regimegegnern, Homosexuellen oder unverschleierten Frauen zu vergleichen ist eine Frechheit.
Und eine Frage an die Redaktion: Warum werden solche Beiträge, die sich nicht mit dem Thema des Artikels befassen und dazu nicht mal einen intellektuellen Gehalt besitzen, nicht sofort gelöscht?
der Politiker, Finanzmenschen, der Emanzen. Ganz gleich was DSK tat, das war entwürdigend hoch 3.
Ein würdiger Nachruf, so denke ich umreisst man den Artikel von Gero von Randow und Mark Schieritz am besten.
Abgesehen davon, dass das Leben einer New Yorkerin zerstört wurde, zeigt der Fall, dass unser Bewusstsein sich verändert hat: http://berlin2011.wordpre...
Warum hält es der von Ihnen verlinkte Dr. Alexander Kissler eigentlich für eine gute Idee, die (immerhin durch Beweismittel erhärtete) im Raum stehende Beschuldigung einer mutmaßlichen schweren sexuellen Nötigung (möglicherweise sogar einer versuchten Vergewaltigung!) als harmloses 'Abgrapschen' zu verniedlichen?
Da scheint sich m.E. bei einigen Zeitgenossen tatsächlich gerade so Einiges an moralischen Maßstäben zu verschieben oder gar umzukehren:
Nämlich in Richtung 19. Jahrhundert oder früher.
Das ist doch genau der Punkt. Sie müssen die Gesetzgebung und Rechtsprechung zur Ächtung sexueller Übergriffe in der Perspektive von 2.500 Jahren aufgezeichneter Rechtsgeschichte sehen. Strauss-Kahn hat nach der Darstellung der Ankläger das Opfer an den Brüsten begrapscht, versucht ihre Strumpfhose auszuziehen, ihre Scham befummelt und mit seinem Geschlechtsteil zweimal ihre Lippen berührt, ind der Absicht, es in die Mundhöhle einzuführen (ich entschuldige mich für Widergabe die widerwärtigen Details). Nur: Erst seit 50 Jahren verfolgen wir mit der Empörung, die auch in Ihrem Beitrag mitschwingt, solche Handgreiflichkeiten nicht nur als Vergehen der Körperverletzung, sondern auch als schweres Verbrechen gegen die sexuelle Selbstbestimmung.
Merken Sie was? Die 70 Jahre Strafandrohung gegen Strauss-Khan wären zu Zeiten Flauberts, Molières oder auch Goldonis, die solche Übergriffe zumeist des Adels in aufklärerischer Absicht auf die Bühne brachten, unvorstellbar gewesen. Und auch diese Medaille hat zwei Seiten: Die Anzeigeerstatterin wird nie mehr in ihr altes Leben zurückkehren. Sie wurde von geilen Medien vor einem geilen Publikum als HIV-Verdächtige stigmatisiert. Sie wird - wie die Anzeigeerstatterin gegen Kachelmann - einen Preis zahlen, der im Zweifel nicht geringer ist als derjenige, den der Täter zahlt. Wie das zu verhindern wäre, weiß ich auch nicht. Ich ahne nur, dass wir in der Ächtung sexuell motivierter Übergriffe - in bester Absicht - viel zu weit gegangen sind.
Warum hält es der von Ihnen verlinkte Dr. Alexander Kissler eigentlich für eine gute Idee, die (immerhin durch Beweismittel erhärtete) im Raum stehende Beschuldigung einer mutmaßlichen schweren sexuellen Nötigung (möglicherweise sogar einer versuchten Vergewaltigung!) als harmloses 'Abgrapschen' zu verniedlichen?
Da scheint sich m.E. bei einigen Zeitgenossen tatsächlich gerade so Einiges an moralischen Maßstäben zu verschieben oder gar umzukehren:
Nämlich in Richtung 19. Jahrhundert oder früher.
Das ist doch genau der Punkt. Sie müssen die Gesetzgebung und Rechtsprechung zur Ächtung sexueller Übergriffe in der Perspektive von 2.500 Jahren aufgezeichneter Rechtsgeschichte sehen. Strauss-Kahn hat nach der Darstellung der Ankläger das Opfer an den Brüsten begrapscht, versucht ihre Strumpfhose auszuziehen, ihre Scham befummelt und mit seinem Geschlechtsteil zweimal ihre Lippen berührt, ind der Absicht, es in die Mundhöhle einzuführen (ich entschuldige mich für Widergabe die widerwärtigen Details). Nur: Erst seit 50 Jahren verfolgen wir mit der Empörung, die auch in Ihrem Beitrag mitschwingt, solche Handgreiflichkeiten nicht nur als Vergehen der Körperverletzung, sondern auch als schweres Verbrechen gegen die sexuelle Selbstbestimmung.
Merken Sie was? Die 70 Jahre Strafandrohung gegen Strauss-Khan wären zu Zeiten Flauberts, Molières oder auch Goldonis, die solche Übergriffe zumeist des Adels in aufklärerischer Absicht auf die Bühne brachten, unvorstellbar gewesen. Und auch diese Medaille hat zwei Seiten: Die Anzeigeerstatterin wird nie mehr in ihr altes Leben zurückkehren. Sie wurde von geilen Medien vor einem geilen Publikum als HIV-Verdächtige stigmatisiert. Sie wird - wie die Anzeigeerstatterin gegen Kachelmann - einen Preis zahlen, der im Zweifel nicht geringer ist als derjenige, den der Täter zahlt. Wie das zu verhindern wäre, weiß ich auch nicht. Ich ahne nur, dass wir in der Ächtung sexuell motivierter Übergriffe - in bester Absicht - viel zu weit gegangen sind.
und die EU fällt darauf rein!
Wie können Länder die den Euro wollten so
wenig Vertrauen ausstrahlen.
Der Dollar ist seit Jahren die Problemwährung Nr 2
nach der Türkischen
Nur die Amerikaner stehen zu Ihrer Währung.
Und wir ?
"Der Absturz .... erschüttert nicht nur Frankreich, er löst ein internationales Beben aus. Paris vibriert, der Euro zittert."
Na das passt ja gut. Dann war das wohl bestellt und es hat funktioniert.
Den Sozialisten ist man los, freie Bahn für die nächsten Schweiniereien auf den Finanzmärkten. Da war wohl einer im Weg.
Zu allem Überfluss konnte man in der nypost lesen, dass das Zimmermädchen in der Bronx (vor der dortigen AIDS-Hilfe gesponsort) lebt und HIV-positiv sein soll. Leider ist der Artikel nicht mehr auffindbar.
Wenn das stimmen sollte, dann hat DSK in dieser Affäre wirklich nichts ausgelassen. Da das Zimmermädchen ja angeblich tiefe Kratzer auf der Haut des Mannes hinterlassen haben soll, würde ich an seiner Stelle ins Grübeln kommen.
Sollten sie Verschwörungstheorien stimmen und DSK wirklich in eine Falle gelockt worden sein, dann wollte da wohl jemand auf Nummer sicher gehen und eine mögliche Infektion gleich mitliefern.
Ich weiß wirklich nicht, was davon zu halten ist.
Aber immerhin ein gelungener Nachruf der Zeit.
Der Kieler Wissenschaftler Jörg Wettlaufer hat über das Feudalrecht 'Jus primae noctis' ein Buch geschrieben: 2Das Herrenrecht der ersten Nacht2, Frankfurt-New York: Campus, 1998. 430 S.
In einem Aufsatz zu diesem Thema schreib er folgenden bemerkenswerten Satz:
"Mit dem Verschwinden der Macht von Grundherren und Adeligen über die Eheschließung von Hörigen sowie der zunehmenden Entritualisierung auch der ländlichen Gesellschaft ist diese rituelle Despotie praktisch unmöglich geworden, denn die dafür entscheidenden Hierarchie- und Machtstrukturen wurden aufgelöst. Allerdings lebt das Prinzip des Machtmißbrauchs auch heute noch in der Sprache und Realität weiter, und zwar in dem, was man heute "droit de cuissage" in Frankreich nennt und man hierzulande wohl weniger metaphorisch mit sexueller Belästigung am Arbeitsplatz bezeichnen würde."
Aus: „Jus primae noctis.“in: Francia (Forschungen zur Westeuropäischen Geschichte), Bd. 21/1 (1994), S. 245-262.
Mit dem Eingeständnis, dass EINVERNEHMLICHER Sex stattgefunden hat, hat die Verteidigung de facto den sexuellen Übergriff zugegeben.
Es ist schon unfassbar: Jemand, der auf dem Weg zu Verhandlungen ist, von deren Ergebnis das Schicksal von Millionen von Menschen abhängt, springt mittags ein Zimmermädchen an!!
Schlimmer geht's nimmer!
Dieser Fall zeigt aber auch noch etwas anderes: Bei jeder Person, die ein sehr verantwortliches Amt anstrebt, muss auch ein Persönlichkeitscheck gemacht werden.
... den führen Sie dann aus, weil sie ja offenbar dabei waren und uns genau erklären können, was dort von statten ging.
... den führen Sie dann aus, weil sie ja offenbar dabei waren und uns genau erklären können, was dort von statten ging.
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