Google-Vorstand Eric Schmidt © Sean Gallup/Getty Images

Er bekomme »Kopfschmerzen, so schnell entwickelt sich die Computertechnik«, sagt Eric Schmidt. Andere bekommen Kopfschmerzen, wenn sie hören, wie optimistisch der langjährige Google-Vorstandschef über die Technik und die Menschen denkt.

Dass Google-Handys jetzt simultan übersetzen, »könnte einen dritten Weltkrieg verhindern«, ließ er im Januar beim Weltwirtschaftsforum in Davos fallen.

Bald werde das Mobiltelefon auch die »Vital-Funktionen des Menschen« überwachen können, so als wären die Besitzer ständig an EKG, EEG, Stressmonitor und Fieberthermometer angeschlossen, warb er kurz zuvor in München.

»Computer sind auch die besseren Autofahrer«, sagte er bei einem früheren Besuch in Berlin ernst – und witzelte dann, die Deutschen sollten das bitte nicht als Beleidigung auffassen.

Freitag vergangener Woche hat er seine Mission in Berlin fortgesetzt. Mehr als 300 Menschen haben den Weg in eine großzügige Gründerzeitvilla am Wannsee gefunden, einige sind aus New York eingeflogen, einer sogar aus Las Vegas. Sie drängen sich auf eine große Steinterrasse, bis Schmidt kommt, und dann in einen engen Vortragssaal, weil Schmidt da ist.

Eingeladen hat die American Academy , die gleichermaßen ein Refugium für herausragende Wissenschaftler und ein Ort für Debatten ist. In der Eingangshalle und in den Treppenaufgängen hängen gerahmte Fotos von Besuchern, Rednern, Weltveränderern, die in der Academy aufgetreten sind: Helmut Kohl, Hillary Clinton, Henry Kissinger, Joschka Fischer, Richard von Weizsäcker. Jetzt ist es an Schmidt, seine Vision zu verteidigen.

»Ich glaube fest daran, dass die überwiegenden Auswirkungen positiv sind«, antwortet er auf einen kritischen Zuruf aus dem Publikum, und auf die Nachfrage, wie er da so sicher sein könne, sagt er: »99 Prozent der Menschen sind gut. Ein Prozent ist schlecht.« Weil Computer und Internet nun allen Menschen mehr Fähigkeiten und am Ende mehr Macht geben würden, nicht bloß Kriminellen und Diktatoren, glaube er, dass sich die Guten eher durchsetzen könnten. So wie bei den Revolutionen in Nordafrika.

Schmidts Gesetz der großen Zahl ist so technozentrisch wie das ganze Unternehmen Google, und seine digitale Sicht auf die Menschen führt zu einer neu entflammten Debatte: Wie weit tragen die Konzepte aus dem Silicon Valley wirklich? Sind sie menschengerecht? Oder muss die Technik viel stärker reguliert werden, weil sie den Menschen in einen Cyborg verwandelt, in ein Wesen, das nur noch komplett ist in seiner Verbindung mit künstlicher Intelligenz, virtuellem Gedächtnis und durch technische Geräte erweiterte Körperfunktionen? Schmidt muss sich dieser Debatte stellen.

Zehn Jahre lang hat er den Internetkonzern Google geführt, bis er vor wenigen Wochen auf den Posten des Verwaltungsratschefs wechselte. Ohne Schmidt wäre Google nicht das, was es heute ist. Unter ihm wuchs die Firma von 25 auf 25.000 Mitarbeiter, unter ihm ging sie an die Börse, unter ihm wurde Google der erfolgreichste Internetkonzern aller Zeiten: Heute betreibt das Unternehmen die beliebteste Suchmaschine der Welt, das größte Video-Portal, den populärsten Kartendienst, das erfolgreichste Betriebssystem für moderne Handys , dazu noch viele andere Angebote, bis hin zu Google News , das Nachrichten aus aller Welt sortiert, kurz zitiert und dann auf die Originalquelle verweist.

Dieser Erfolg machte Eric Schmidt zum Milliardär, aber er ist noch nicht am Ziel.