Personenrätsel: Lebensgeschichte
Sie war das 23. der 25 Kinder, die ihre Mutter zur Welt brachte. Minuten später wurde als 24. ihre Zwillingsschwester geboren. Da die Mutter nur ein Kind stillen konnte, wurde die Schwester einer Amme übergeben, starb aber bald. Das zunächst zarte Kind wuchs zu einem kräftigen und eigenwilligen Mädchen heran, das seinem Kosenamen »Frohsinn« alle Ehre machte. Schon mit fünf Jahren war sie in der Nachbarschaft ein beliebter und wegen ihrer klugen Reden gern gesehener Gast. Eine Schule besuchte sie nie, lesen und schreiben lernte sie erst als Erwachsene.
Mit sieben Jahren war sie bereits entschlossen, nicht den Weg zu gehen, den die Gesellschaft und ihre Familie für sie vorgesehen hatten. Weniger wegen ihrer Schönheit als ihrer Klugheit rechnete die Familie mit einer aussichtsreichen Heirat. Um einer Ehe zu entgehen, schor sie sich mit zwölf Jahren lieber das Haar ab. Zur gleichen Zeit begann sie auch, sich zu kasteien, und fand in der Verweigerung von Nahrung und Schlaf ein Mittel, ihre Autonomie zu behaupten. Nach diesem Sieg über den Willen ihrer Familie gelang es ihr, mit Beharrlichkeit und List die Lebensform durchzusetzen, zu der sie sich berufen fühlte. Mit Anfang zwanzig hatte sie eine Wahlfamilie um sich geschart, von der sie ehrfürchtig »Mutter« genannt wurde.
Sie lebte weiter in ihrem Elternhaus, und ihr gutmütiger Vater ließ ihr nicht nur die Freiheit, sich ihrer karitativen Arbeit zu widmen, sondern gestattete ihr auch, über sein Hab und Gut zu verfügen, das sie mit vollen Händen als Almosen an die Armen verteilte. Alle anderen Hausgenossen, bis zu den Mägden, hielten fortan ihre Habe vor ihrem Zugriff verschlossen. Bei all ihren Guttaten fehlte es nicht an Neidern und Verleumdern. Immer wieder musste sie sich rechtfertigen, weil sie nicht den für ihr Geschlecht »wahren Platz« einnahm, immer wieder trug sie mit ihren »feurigen« Reden den Sieg davon. Durchdrungen von der Gewissheit, eine höhere Wahrheit zu sagen, nahm sie kein Blatt vor den Mund und scheute sich nicht, sich mit Ermahnungen auch an hochgestellte Personen zu wenden.
Zu ihrem Mut und ihrer Fähigkeit, die richtigen Worte zu finden, trat ihre Bereitschaft, auch Gegner geduldig und respektvoll anzuhören; so wurde sie zur idealen Streitschlichterin. Ihr Ruf verbreitete sich schnell, und auf allerhöchste Einladung wurde sie zur Vermittlerin auch in der politischen Arena. Überzeugt von ihrer Mission, warb sie in leidenschaftlichen Briefen für politischen Ausgleich. Ihr Ansehen und die ihr zugeschriebenen Wunder gaben ihrer Stimme Gewicht. Ihre Ziele erreichte sie nicht, es blieben ihr nur kleine Erfolge. Geschwächt von ihrer asketischen Lebensweise, »mehr Gespenst als ein Wesen aus Fleisch und Blut«, verfasste die ungebildete Weise am Ende ihres Lebens ein Buch, in dem sie allen, die ihr nachfolgen, ein Beispiel geben wollte. Wer war’s?
Lösung aus Nr. 20:
Nelson Rolihlahla Mandela (*18. 7. 1918), Südafrikas lebende Legende, stammt aus dem Dorf Mvezo in der Transkei und kämpfte sein Leben lang als Mitglied des (erst 1990 legalisierten) African National Congress (ANC) gegen Rassismus und Apartheid. Seit 1964 war der Anwalt inhaftiert, bis 1982 auf Robben Island, 1990 wurde er entlassen. Der ehemals berühmteste Gefangene der Welt setzt sich bedingungslos für Versöhnung ein. 1994 bis 1999 war er der erste schwarze Präsident Südafrikas. Nach der Scheidung von Winnie Mandela heiratete er 1998 Graca Machel, die Witwe des Präsidenten von Mosambik. Sein Sohn Makgatho aus erster Ehe mit Evelyn Mase starb 2005 an Aids. Das Zitat stammt von Nigerias berühmtem Autor Wole Soyinka




