SchulzeitverkürzungLiebe Sophie,

Warum müssen Fünftklässler sonntags büffeln statt Freunde zu treffen? Weshalb dieser Unsinn? Henning Sußebach versucht, es seiner Tochter in einem Brief zu erklären. von 

Musik statt Mathe: Neben der Schule darf die Freizeit nicht verloren gehen.

Musik statt Mathe: Neben der Schule darf die Freizeit nicht verloren gehen.  |  © Franziska Fiolka / photocase.de

Liebe Sophie, erinnerst Du Dich noch an den Tag, an dem wir das letzte Mal im Kino waren? An diesen Tierfilm, den Du so gerne sehen wolltest? Wie hieß der bloß noch? Ich glaube, Tiger, Bären und Vulkane, aber sicher bin ich mir nicht. Denn unser Ausflug liegt schon ein paar Monate zurück. Wir sind alle zusammen mit dem Auto in die Stadt gefahren: Mama, Henri, Du und ich. Es war Sonntag – und wir beide saßen mit Karteikarten auf der Rückbank und haben gelernt. Wie viel ist 172? Wie viel 56? Wie viel 28? Auf dem Weg nach Hause dann noch mal: 27 = 128, 182 = 324, 56 = 15625. Und noch mal. Und zur Sicherheit gleich noch mal.

Wir hätten so viel Sinnvolleres tun können auf unserem Heimweg! Den Bildern der Bären nachhängen und Bonbons lutschen zum Beispiel. In dem Zauber verweilen, den jeder kennt, der aus dem Kinodunkel ins Licht tritt – als laufe man erwachend durch einen Traum. Aber noch nicht mal an einem Sonntag ist es mir gelungen, Dich das Kind sein zu lassen, das Du sein solltest mit zehn Jahren.

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Bitte mach mir diesen Mist nicht nach, wenn Du erwachsen bist, Sophie!

Du merkst schon: Der Brief, den ich Dir schreibe, ist eine verzwickte Angelegenheit. Du wirst ihn genau lesen müssen, damit Du alles verstehst. Und dass Du verstehst, ist wichtig: Denn es geht um Dein Leben und um das, was wir Erwachsenen daraus machen.

Ich werde Dir von Schülern berichten, die krank werden vom dauernden Üben. Von Bildungsexperten, die Euch vorm Lernen warnen. Und von Eltern, die ihre Kinder trotzdem nicht in Ruhe lassen. Von Zeile zu Zeile werde ich wütender werden – weil ich wütend bin auf mich und auf ein Land, das Euch alle zu Strebern macht.

Liebe Sophie

Angeregt vom großen Leser-Echo, hat unser Autor Henning Sußebach den offenen Brief an seine Tochter überarbeitet, ausgeweitet und vertieft. Er hat unter anderem mit Bildungsforschern, Soziologen und Kinderbuchautoren über die "Vernutzung" der Kindheit gesprochen und geht auch ausführlich auf seine eigene Verantwortung ein. Der Brief ist unter dem Titel "Liebe Sophie!" als Buch im Herder-Verlag erschienen und auch im ZEIT-Shop erhältlich.
 

Deshalb habe ich meinen Brief auch nicht auf Deinen Platz gelegt, dort am Küchentisch, an dem wir morgens Einkaufszettel schreiben und abends Vokabeln lernen: Wie lautet das englische Wort für Gummistiefel, Stiefvater, Drachenfestival, Schiffsausguck, Küstenstadt, Karaoke-Gerät, Schatzkarte, Gartenschuppen, Geschmacksrichtung Hühnchen? Ich schreibe diesen Brief in der Zeitung, weil es noch 275.000 andere Fünftklässler in Deutschland gibt, die ein Gymnasium besuchen wie Du. Die gerade wie Du für die letzten Arbeiten vor den Zeugnissen büffeln. Und die wie Du trotzdem nur mit halbem Ohr diese rätselhaften Wörter hören: "Turbo-Abi", "Schulzeitverkürzung", "G8".

In diesem Brief, Sophie, möchte ich Dir und Tausenden anderer Schulkinder etwas verraten. Es gibt da ein paar Geheimnisse, von denen Ihr nichts ahnt, denn jedes Kind nimmt die Welt ja erst einmal als gegeben hin.

Literatur zur Schulzeitverkürzung

Vera F. Birkenbihl: "Trotz Schule lernen", Ariston

Sabine Czerny: "Was wir unseren Kindern in der Schule antun", Südwest Verlag

Kurt A. Heller (Hrsg.): "Begabtenförderung im Gymnasium", Leske & Budrich

Remo H Largo / Martin Beglinger: "Schülerjahre: Wie Kinder besser lernen", Piper

Birgitta vom Lehn: "Generation G8", Beltz

Julia Strelow: "Ratgeber Nachhilfe", Books von Demand

Stopp, das war zu kompliziert! Ich meine: Ein Kind hält sein Leben, so wie es ist, für ganz normal. Woher soll es wissen, dass alles auch anders sein könnte? Oder wie die Erwachsenen gelebt haben, als die noch klein waren? Dieses Hinnehmen ist schön, weil Ihr nicht so viel grübeln müsst: "Was wäre, wenn...?" Aber es macht Euch auch da fügsam, wo Auflehnung angebracht wäre.

Du hast jeden Tag sieben Stunden Schule und weißt nicht, dass ich als Kind niemals täglich sieben Stunden hatte, in keinem einzigen Schuljahr. Dass ich nachmittags allenfalls vor dem Abitur so viel gelernt habe wie Du jetzt in der fünften Klasse, und niemals auf dem Weg ins Kino. Und dass ich heute manchmal so tue, als müsste ich noch arbeiten, wenn ich abends nach Hause komme und sehe, wie Du über Grammatik-Arbeitsblättern sitzt: Kreuze die richtigen Aussagen an! Der Genus ist das grammatische Geschlecht eines Nomens / Nomen können im Singular und im Plural auftreten. Dies nennt man den Kasus des Nomens / Der Numerus ist der Fall, in dem ein Nomen steht / Man kann Präpositionen steigern / Der bestimmte Artikel gibt im Nominativ Singular das grammatische Geschlecht eines Nomens an / Der Imperativ gehört zu den finiten Verbformen / Präsens wird benutzt, wenn man über etwas sagen kann: Es war gestern so, ist heute so und wird auch morgen so sein / Das Partizip I gehört zu den infiniten Verbformen / Verben kann man deklinieren. Ich hefte dann Rechnungen ab, schreibe EMails und sortiere Zeugs. Ich will nicht freihaben, solange Du noch arbeitest. Ist das nicht verrückt? Irgendjemand hat die Welt verdreht! Nur wer?

Weißt Du: Das alles ist nicht einfach so passiert. Die freie Zeit ist nicht einfach so verschwunden. Wir Erwachsenen haben Euch ein Jahr Eurer Kindheit gestohlen. Aus Eile und Angst.

Wie soll ich Dir das erklären?

Ich versuche es mal so: Unser Leben ist voller Reichtum und Mangel zugleich. Es gibt so viel Essen, dass wir die Reste wegwerfen. Nichts ist richtig knapp, außer manchmal Klopapier. Doch was uns fehlt, ist Zeit. Jedenfalls glauben wir das.

Wir Erwachsenen schauen selten im Kühlschrank nach, ob noch Käse oder Wurst da ist – aber wir gucken ständig auf die Uhr. Wir klagen dauernd über "Stress" – doch wenn wir nichts zu tun haben, fühlen wir uns nutzlos. Wir sind genervt, wenn der Chef uns auch am Wochenende anruft – aber eifersüchtig, wenn ein anderer Kollege mehr Anrufe bekommt. Unsere Computer sind voller Updates und Reminder, unsere Köpfe können Wichtiges von Drängendem nicht mehr unterscheiden – und den Sonntag nicht vom Montag. Das ist die Hast, die ich meine. Deine Großeltern haben seit 40 Jahren dieselbe Telefonnummer, wir haben unsere seit Deiner Geburt zweimal gewechselt – und noch zwei Handynummern dazugekriegt, damit wir immer erreichbar sind. Ein Brief war früher Tage unterwegs, eine Mail ist heute augenblicklich da. Die ganze Welt ist in einen Wettlauf geraten, den wir Erwachsenen "Globalisierung" nennen: Wer näht die billigsten T-Shirts? Wer baut die schnellsten Autos? Wer erfindet zuerst neue Telefone und Computer, die uns noch rasanter updaten und reminden können?

Irgendwann haben wir Deutschen gemerkt, dass die Kinder in anderen Ländern noch schneller lernen als unsere. Dass sie in China früher damit anfangen und in Amerika früher damit aufhören. Und gleich arbeiten. Da hat uns die Angst gepackt. Wir haben uns nicht gefragt, ob es klug ist, zu lernen wie die Chinesen. Wir haben nur gedacht: Bevor die uns einholen, beeilen wir uns auch.

Und noch etwas kam hinzu. Etwas, das mit Deutschland zu tun hat: das sogenannte Demografieproblem. Es gibt zu wenige Kinder und zu viele Alte. Aber das siehst Du ja, weil zu unseren Familienfesten mehr Onkel und Tanten kommen als Cousins und Cousinen. Ich hatte lange gedacht, dieses Demografieproblem werde Dein Leben als Erwachsene prägen. Jetzt bestimmt es schon Deine Kindheit. Denn wer früher die Schule verlässt, kann länger arbeiten. Und wer länger arbeitet, kann uns, wenn wir alt und müde sind, länger Geld für die Rente geben.

Schon 1993 (als uns die Chinesen noch egal waren und es keine Schulvergleiche gab) passierte es: Da empfahlen die Finanzminister aller deutschen Bundesländer, Euch ein Schuljahr wegzunehmen. Nicht die Kultusminister, die sich um die Schulen kümmern! Sondern die Politiker, die aufs Geld aufpassen, die Zahlen statt Menschen sehen und deshalb wissen: Jeder Gymnasiast kostet 5000 Euro im Jahr. Geld für die Lehrer, den Hausmeister, die Tafeln und Turnmatten. Allein an Dir und Deinen 27 Klassenkameraden konnten sie also 140.000 Euro sparen.

Deshalb wurde Euch ein Jahr aus der Schulzeit gestrichen – aus dem Lernstoff aber strich man nur wenig. Ihr sollt auf dem Gymnasium in acht Jahren begreifen, wofür Eure Eltern noch neun Jahre Zeit hatten. Unseren Mangel an Zeit – wir haben ihn zu Eurem gemacht.

Deshalb hast Du jetzt eine 40-Stunden-Woche voller Unterricht und Hausaufgaben. Deshalb hast Du vor wenigen Monaten das Gitarrespielen aufgegeben. Deshalb telefonierst Du die halbe Klassenliste rauf und runter, bis Du jemanden zum Spielen findest. Alle sind beschäftigt.

So kommt ein kleiner Raub an Freizeit und Freiheit zum anderen, jeder für sich kaum der Rede wert. Aber wenn man alle zusammenrechnet, in jeder Familie zwischen Nordsee und Alpen, kommt eine große Statistik der Überforderung dabei heraus: Ein Viertel aller Gymnasiastinnen klagt regelmäßig über Kopfweh, das hat die Krankenkasse DAK herausgefunden. Kinder sagen ihre Teilnahme an Geburtstagsfeiern ab. Sie treten aus Sportvereinen und Chören aus. In Schleswig-Holstein, unserem Bundesland, sind die Teilnehmerzahlen bei "Jugend forscht" eingebrochen, dabei wollte Deutschland doch möglichst schnell möglichst viele möglichst junge Ingenieure. In Baden-Württemberg hat sich die Zahl der Fünft- und Sechstklässler, die nachmittags in Nachhilfe-Instituten nachsitzen, fast verdreifacht. Sie haben plötzlich das Gefühl, nicht gut genug zu sein – obwohl sie gar nicht schlechter geworden sind! Drei Milliarden Euro investieren nervöse Eltern jedes Jahr in die Nachhilfe, 20 Prozent von ihnen mehr als 200 Euro im Monat. Das sind 2400 Euro im Jahr. Fast so viel, wie die Finanzminister an Euch gespart haben. Das macht den Reichen nichts aus, aber den Armen umso mehr. In Internetforen werden "Pillen fürs Abi" empfohlen: Ampakin – eigentlich für alte Leute mit Alzheimer – für mehr Gehirnleistung. Fluoxetin – eigentlich gegen Depressionen – für mehr Leistungsbereitschaft. Metroprolol – eigentlich gegen Bluthochdruck – für weniger Prüfungsangst. Und an Deinem Gymnasium hat eine "Wirtschaftspsychologin" uns Eltern vor einigen Tagen erklärt, woran wir bei Euch einen Burn-out erkennen. Das bedeutet, dass manche Kinder jetzt schon ausgebrannt sind – wie überarbeitete Erwachsene.

Ich habe einen Professor für Soziologie angerufen. Soziologen erforschen, warum die Gesellschaft so ist, wie sie ist. Warum wir so leben, wie wir leben. Der Professor heißt Hartmut Rosa und ist 45 Jahre alt, hat aber noch nicht vergessen, wie es ist, ein Kind zu sein. Deshalb hat er etwas geschafft, was Professoren selten schaffen: Er hat ein Buch geschrieben, das auch normale Menschen lesen können. Es heißt Beschleunigung und handelt von unserer täglichen Raserei.

Hartmut Rosa sagt, er macht sich Sorgen, weil Eure Kindheit so "vernutzt" ist. Dass alles einen Zweck hat, einen Sinn erfüllen muss. Dass wir Euch sogar dann, wenn wir Euch Gutes tun wollen, bloß wieder auf ein Leben als Erwachsene vorbereiten. "Es ist wichtig, körperlich fit zu sein und musikalisch, gesund zu essen, Freunde zu haben – und sich entspannen zu können!", sagt er. Hartmut Rosa will, dass wir Erwachsenen Euch endlich in Ruhe lassen. Ein Kind soll im Jetzt leben und nicht dauernd ans Morgen denken. Ein Kind soll ganz bei sich sein dürfen, nicht für andere da sein müssen. Ein Kind soll die Muße haben, mit etwas zusammen zu wachsen. Das kann ein Baum sein, eine Straße, ein Fußballplatz, ein Tier.

Vor allem fordert Hartmut Rosa: Ihr Kinder müsst Euch wieder langweilen dürfen. Denn irgendwann wird aus Langeweile Bewegung, ein Stromern und Streunen, das ziellos ist und doch an tausend Orte führt. Den schönsten Augenblicken der Kindheit geht die Langeweile voraus. Wer Langeweile hat, kommt auf die verrücktesten Ideen. "Die allermeisten Menschen würden im Rückblick doch sagen: Die endlos langen Sonntagnachmittage, an denen eigentlich nichts passierte, waren die Momente, in denen ich meine Seele spürte. In denen ich lernte, mich selber zu ertragen." So sagt es Hartmut Rosa.

Ganz sicher ist der Rückblick in die eigene Kindheit weichgezeichnet von Gefühlsduselei. Aber ich kann nur von meiner Kindheit erzählen: Ich bin groß geworden in einer Welt, in der es nicht pausenlos piepte und ploppte, niemand twitterte und livetickerte, in der Computer dick und braun waren wie Brotkästen und nur bei pickligen Stubenhockern in verdunkelten Kinderzimmern standen. Wenn ich mit jemandem spielen wollte, habe ich keine Klassenliste abtelefoniert, sondern beim Nachbarn geklingelt und gefragt: "Kommt der Christian raus?"

Als Fünftklässler habe ich endlose Nachmittage in der festen Überzeugung verbracht, der berühmte Fußballspieler Karl-Heinz Rummenigge zu sein – auch wenn ich meinen Lederball nur gegen Garagentore gedroschen habe. Mal allein, mal mit Freunden, mal mit fremden Jungen aus fremden Vierteln, rauen Burschen mit rauer Sprache, Hauptschülern, die der Zufall in meine Straße geführt hatte. Ich habe mich auf aufregende Weise gelangweilt! Jeden Schritt, jeden Schuss kommentierte eine innere Reporterstimme: "Was für eine Körpertäuschung! Mit diesem Volleykracher sichert sich Kalle Rummenigge die Torjägerkanone! Inter Mailand hat hundert Millionen für ihn geboten!" Später war ich Boris Becker, Tennisstar, der im Finale gegen eine bis dahin unbesiegte Brandmauer antrat. Ich ließ vor meinem Aufschlag den Ball auftitschen wie er. Ich leckte meine Lippen wie er. Ich schälte sogar meine Bananen wie er. "6:1, 6:0, 6:1!", brüllte die innere Stimme jetzt, "anders als der falsche Boris Becker gewinnt der echte zum dritten Mal in Folge Wimbledon! Und jetzt überreicht ihm die Herzogin von Kent auch schon den goldenen Pokal!"

Heute klingt das alles bescheuert, oder? Aber als Kind habe ich mir Baugenehmigungen für Luftschlösser erteilt. Wenn ich an früher denke, schlendere ich als Fußballgott und Tenniskönig durch gleißend helle Nachmittage. Ich habe immer Zeit. Und es ist immer Sommer. Ein größeres Kompliment kann die Erinnerung der Kindheit nicht machen.

Wenn es regnete? Habe ich den Tropfenrennen am Fenster zugesehen oder die Holzvertäfelung neben meinem Bett angestarrt. So lange, bis sich aus der Maserung Berge erhoben und sich die Astlöcher in Vulkankrater verwandelten. Kennst Du das auch?

Ich habe mal gerechnet: Du wirst in den Schulklassen fünf bis zwölf 1200 Stunden mehr Schule haben, als ich es hatte. 1200 Schulstunden! 1200-mal 45 Minuten. Das sind 600 Fußballspiele. Das ist die Zeit, in der ich Karl-Heinz Rummenigge und Boris Becker war. In der ich zum Golfplatz radelte und mit einem flinken Griff durch den Zaun eine Handvoll Bälle klaute, weil ich das für rebellisch hielt. In der ich mir ein Segelboot aus Holz baute, das dann leider auseinanderfiel. Erfahrung entsteht nur beim Gehen von Umwegen, heißt es. Ich hatte Zeit, um Zeit zu verschwenden! Mich zu irren. Fehler zu machen. In eine Sackgasse zu laufen und wieder zurückzugehen.

Mach auch mal Fehler, Sophie! Sachen, die wir Eltern für falsch halten. Du bist ja schon vernünftiger als wir: Als ich Dich neulich gefragt habe, ob ich mittwochs mal schwänzen soll, den Kollegen bei der Zeitung sagen, ich würde zu Hause arbeiten, in Wahrheit aber mit Dir schwimmen gehen, hast Du geantwortet: "Ich habe keine Zeit. Ich kann nur an Wochenenden."

An Deinen Lehrern liegt das kaum. Deine Schule erscheint mir als eine der besseren in einem schlechten System – fast wie das Richtige im Falschen. Du hast zwei Klassenlehrer, nicht nur einen. Die beiden strahlen eine Gelassenheit aus wie Teetrinker in der Espresso-Gesellschaft. Du hast bei ihnen zunächst das Lernen gelernt: Ich beginne meine Hausaufgaben mit etwas Einfachem und Interessantem. Ich lege Pausen bei meinen Hausaufgaben ein. Ihr bekommt Übungsarbeiten mit nach Hause, damit Ihr wisst, was Ihr Euch einprägen müsst (und was nicht...). Ihr bewertet Euch mit Selbstkontrollbögen: Was kann ich schon? Was noch nicht? Auf den Elternabenden fragen Eure Lehrer uns: "Sollen wir weniger Hausaufgaben aufgeben, damit den Kindern mehr Zeit bleibt? Oder mehr, damit sie den Stoff besser verstehen?"

Auf dem anderen Gymnasium in unserer kleinen Stadt hagelt es Fünfen und Sechsen, und Kinder geben halb leere Arbeitsblätter ab.

An deiner Schule haben die Lehrer hier und da die Lehrpläne entrümpelt. Und sie haben das Fach "Science" erfunden: Biologie, Physik und Chemie in einem. Wenn Ihr über Vögel sprecht (Biologie!), lernt Ihr auch, wie an ihren Flügeln Auftrieb entsteht (Physik!). Wenn Ihr über die Lunge und das Atmen sprecht (Biologie!), redet Ihr gleich über Sauerstoff und Stickstoff (Chemie!). Es gibt Lehrer anderer Gymnasien, die bei Euch lernen, wie man Science unterrichtet. Es gibt Verlage, die ihre Schulbücher den Ideen Deiner Lehrer anpassen. Ihr habt in Klasse fünf jeweils sechs Stunden Englisch, Mathe und Deutsch pro Woche, damit Ihr in Klasse sechs nur mehr vier braucht – denn dann kommt ja noch Französisch oder Latein hinzu. Eure Klassenlehrerin hat sich drei statt zwei Stunden Musik erkämpft, in denen sie mit Euch singt und lacht. Deine Lehrer nennen das "Stunden zum Ausatmen". Auch deshalb also habt Ihr so viel Unterricht.

Warum sollten Lehrer Euch auch von der Schule fernhalten? Uns Eltern aber hat der Soziologe Hartmut Rosa Hausaufgaben aufgegeben: "Es muss Nachmittage geben, an denen nichts im Terminkalender steht. Oder an denen NICHTS! im Terminkalender steht."

Ich hätte zwar lieber mit den Finanzministern, diesen Sparschweinen, gestritten, als schon wieder in Dein Leben einzugreifen, Sophie – aber als Du das Gitarrespielen aufgegeben hast, war das nicht nur Dein Wunsch, sondern auch der von uns Eltern. Damit Du weiter Basketball spielst. Denn da bist Du mal keine Einzelkämpferin.

Jetzt hängt Deine Gitarre an einem Haken neben Deinem Schreibtisch, und ich frage mich: Wirst Du uns später einmal übel nehmen, dass Du nur zuhören kannst, wenn andere Musik machen?

Ist es Zufall, dass Dein Freundeskreis nur noch aus Klassenkameradinnen besteht? Oder liegt es daran, dass Ihr im selben Rhythmus lernt und lebt?

Wie viel Platz wird Dir Dein Alltag für Liebeskummer lassen? Für die Pubertät? Für den Aufstand?

Wird Dir jemals ein Lehrer erzählen, dass das Wort Schule aus dem Griechischen stammt und eigentlich "freie Zeit" bedeutet?

Warum wird das Buch einer verkniffenen chinesisch-amerikanischen Mutter, die über das Drillen ihrer Töchter schreibt, in Deutschland ein Bestseller? Wieso beschäftigen wir uns ernsthaft mit dieser Frau, die ihren Töchtern droht, die Stofftiere zu verbrennen, wenn sie faul sind?

Woher kommt unsere Globalisierungsangst? Die Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland ist viel geringer als in Frankreich, Italien, Spanien. Unser Land ist klein, aber unsere Wirtschaft ist die viertgrößte der Welt. Wir verkaufen Autos, Windräder und Medikamente überallhin. Und sind all die Erfinder, Konzernchefs und Gewerkschaftsführer nicht dreizehn Jahre aufs Gymnasium gegangen?

In wie vielen Familien kreisen die Gespräche nur noch um Schule? Hast Du die Vokabeln drauf? Bist Du fit für die Arbeit? Schreibe eine möglichst kleine Zahl auf, indem Du jedes der folgenden römischen Zahlzeichen genau einmal verwendest: M, C, I, X, V.

Nicht dass Du mich falsch verstehst, Sophie: Die Schule ist nicht fürs Kinderglück verantwortlich. Dafür sind wir Eltern zuständig. Und Schüler müssen nun mal lernen. Aber sie müssen auch Zeit haben für eigene Entdeckungen.

Wir üben jetzt oft gemeinsam. Manchmal gibt es Krach, manchmal erleben wir innige Momente: dieses wärmende Glück, wenn wir beide wieder etwas begriffen haben, wenn die Erkenntnis durchbricht wie die Sonne nach drei Tagen Regen! Du hast gelernt, wie die Ägypter ihre Pyramiden bauten. Warum ein Londoner Vorort mit Namen Greenwich weltbekannt ist. Dass es am Horizont einen Fluchtpunkt gibt, auf den alle Linien zulaufen. Jede Schulstunde kann ein Geschenk sein. Und alles zusammen fügt sich zu einem Schatz. Kostet es zu viel Kraft, zu viel Zeit, zu viel Leben, ihn zu heben?

Euer Schuldirektor sagt: Nein. Das sei nur die übliche Sorge der Eltern, deren Kinder von der Grundschule aufs Gymnasium wechseln. Das größte Problem der Schulzeitverkürzung sei "mangelnde Akzeptanz". Also Leute wie ich!

Er sagt das aus einer privilegierten Position heraus, so wie ich diesen Brief aus einer bevorzugten Lebenslage schreibe: Dein Direktor leitet ein Vorstadtgymnasium in einer besseren Gegend. In Eurer Schulkantine servieren "Kochmütter" das Mittagessen. Es gibt aber auch Frauen, die bis abends arbeiten möchten (Du später vielleicht auch!). Alleinerziehende Eltern, die das müssen. Und Väter und Mütter, die keine Lust haben, mit ihren Kindern zu lernen, die gibt es auch.

Was wird aus diesen Schülern?

"Die Übungsphasen, die dazu da sind, Stoff zu vertiefen, sind nach Hause verlagert worden. Kinder, die niemanden haben, der ihnen bei den Hausaufgaben hilft, kommen schlecht weg", sagt Heinz-Peter Meidinger. Er ist Vorsitzender des Deutschen Philologenverbandes. Das ist ein Zusammenschluss von Lehrern, die an Gymnasien arbeiten.

Ich habe im schleswig-holsteinischen Bildungsministerium nachgefragt: Der Anteil der Schüler, die nach der sechsten Klasse die Gymnasien verlassen müssen, hat sich verdreifacht. In Bayern macht die erste G-8-Generation gerade Abitur – seit der fünften Klasse sind dort 31 Prozent aller Schüler auf der Strecke geblieben. Bei G9 waren es 22 Prozent. Diese Kinder wurden "abgeschult", so nennt man das in den Statistiken.

Es klingt fast weltfremd, wenn die Kirche gegen dieses eiskalte Wort protestiert und daran erinnert, dass "jeder Mensch mit reichen und vielseitigen Anlagen beschenkt" sei. Bildung müsse auch die "Kräfte der Fantasie, der Liebe, des seelischen Erlebens und des moralischen Wertens" wecken.

Der Pädagoge Andreas Gruschka sagt: "Es kommt nicht mehr Saft aus einer Zitrone, wenn man mehr presst." Gruschka selber ist zweimal sitzen geblieben und trotzdem Professor geworden. An der Goethe-Universität in Frankfurt am Main erforscht er, wie Lehrer unterrichten und wie Kinder lernen. Er meint: Ihr paukt zwar viel, aber Ihr habt nicht viel davon. Euch fehlt die Zeit, wirklich zu kapieren, was die Lehrer Euch erzählen. Und darüber eine eigene Meinung zu bilden. Er sagt: "Die Kinder heute lernen Organisation und Präsentation." Referate, Wochenpläne – er hält das alles für eine Vorbereitung auf ein kritikloses Büroleben, in dem der Chef in der Tür steht und sagt: "Frau Müller, stellen Sie mir bis Freitag bitte alles über die indischen Märkte zusammen!"

G8 habe "für 25 bis 30 Prozent der Gymnasiasten mehr gebracht – für die anderen wäre G9 vorteilhafter gewesen", sagt der Münchner Bildungsforscher Kurt Heller, ein Pädagoge und Psychologe. Das ist besonders interessant, weil niemand in Deutschland so gründlich zu dem Thema geforscht hat wie er: In den neunziger Jahren hat Heller in ein paar baden-württembergischen Gymnasien G8 ausprobiert – mit durchschnittlich 16 Schülern pro Klasse. Am Ende empfahl er: Es sollte G8-Schulen und G9-Schulen geben. Aber dann, sagt Heller heute, habe die Politik überall das Turbo-Abi eingeführt. Der Professor hat sehr frustriert geklungen, als er mir gesagt hat: "Ist leider so gelaufen."

Philologen und Psychologen, Pädagogen und Prozente – wie schnell wird der Streit um Eure Schulzeit abstrakt und entfernt sich wieder aus der Wahrnehmung der Kinder. Und weg von tausend kleinen Lebenswirklichkeiten.

Es gibt einen Arzt in Bremen, der heißt Stefan Trapp und hat vor drei Jahren einen Brief an die Bildungssenatorin seiner Stadt geschrieben. Darin steht: "Als niedergelassener Kinder- und Jugendarzt wie auch als betroffener Vater erlebe ich die Folgen der Verkürzung des Gymnasiums auf acht Jahre täglich in Praxis und Familie." Seine Patienten zeigten Symptome, die sonst bei gestressten Managern auftreten. Kopfschmerzen und Erschöpfungszustände, auch Traurigkeit und Angst. Die Senatorin hat ihm bis heute nicht geantwortet. Aber weil Trapp in seiner Stadt ein bekannter Mann ist und den Bremer Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte leitet, hat eine Zeitung seinen Brief abgedruckt.

Trapp ist noch jung. Er trinkt Cola und isst gerne Kuchen, obwohl das nicht gesund ist. Er ist ein fröhlicher Arzt, solange er nicht von den müden Mädchen und Jungen in seinem Sprechzimmer erzählt. Er sagt: "Früher hatten Kinder Kopfschmerzen, weil sie eine Brille brauchten. Heute, weil sie beim Gedanken an die Schule mittlerweile die Gefahr des Scheiterns mitdenken." Er behandelt Schüler mit Schlafstörungen und Depressionen. Das sind Krankheiten, die früher bloß Erwachsene bekamen, die richtig Pech hatten. "Die Rolle des Gymnasiasten als Sorgenkind ist neu", sagt Trapp. Gymnasiasten sind seltener dick, essen meist gesünder und prügeln sich kaum. "Aber die Schulzeit ähnelt immer mehr einer anspruchsvollen Bürotätigkeit – kein Wunder, dass sich auch die Krankheitsbilder ähneln." Wie sollen Jugendliche mit Anforderungen fertigwerden, an denen Erwachsene scheitern? Zumal sie dauernd beobachtet und benotet werden. Alle sind unzufrieden: Schüler, Eltern und Lehrer. Alle haben Stress. Und in diesem Gezerre sind die Kinder die Schwächsten.

Warum schützen wir die Schwächsten nicht mehr? Auch nicht die Aufmüpfigen, die Sperrigen, die unser Tempo bremsen? Ich sage Dir, Sophie: weil wir Erwachsenen die wahren Streber sind! Weil wir zu feige sind, mal richtig wütend, richtig sperrig, richtig uncool zu sein.

Vor einigen Monaten hat der neue Bildungsminister in unserem Bundesland alle Gymnasien abstimmen lassen, ob sie das neunte Schuljahr zurückhaben wollen. Die Lehrer Deiner Schule haben sich entschieden, bei G8 zu bleiben. Einstimmig, sagt der Direktor. Ich kann mir vorstellen, dass viele aus Stolz auf ihre eigenen Ideen so entschieden haben. Manche aus Erschöpfung nach all den Konferenzen. Andere, weil sie finden, dass nicht nach jeder Landtagswahl alles geändert werden sollte, dass zu viele Rollen rückwärts schwindlig machen. Und einige vielleicht auch aus Respekt vor dem Direktor.

Wochenlang habe ich versucht, mit der Schulpsychologin unseres Landkreises zu reden. Aber sie hat mir in kurzen Mails geantwortet, für ein ausführliches Gespräch habe sie keine Zeit – und für ein kurzes Telefonat sei das Thema zu wichtig. Auch das meine ich mit Feigheit, Sophie.

In Bremen fragt der Kinderarzt Stefan Trapp die Schüler in seiner Praxis: Warum kommst du zu mir? Was machst du in deiner Freizeit? Was tust du gern? Was würdest du gern tun? Wann fühlst du dich wohl? Wenn die Antwort lautet: Ich war das letzte Mal in den Ferien froh, dann ist das ein Problem. Auch für ihn. Ein Arzt will heilen, nicht nur herumdoktern. Mit Scharlach oder Läusen ist Trapp immer fertiggeworden, aber wie kann er einem mutlosen Kind helfen? "Wenn jemand krank wird durch die Schule, ist eine Therapie, eine ursächliche Therapie, nicht möglich", sagt Trapp. Das bedeutet: Wer sich einen Arm gebrochen hat, bekommt einen Gips und braucht Geduld. Wer eine Pferdeallergie hat, kann mit dem Reiten aufhören. Aber wen das Lernen krank macht, der kann nicht die Schule abschaffen.

Unsere Gesellschaft ist dringend auf jedes einzelne Kind angewiesen – aber es wird so getan, als ginge es immer nur um die Stärksten und Schlausten. Als könnten wir auf alle anderen Kinder verzichten.

Weißt Du, was passiert ist, als eine Mutter eine Lehrerin Eurer Schule gefragt hat, ob sie nicht zu schnell zu viel von Euch verlangt? Da hat die – eine junge Frau – kühl geantwortet: "Sicher ist dieses Lernen nicht für alle geeignet." Und Klassenarbeiten seien dazu da, "zu überprüfen, ob die Kinder auf dem Gymnasium Schritt halten können".

Weißt Du, was das bedeutet, Sophie?

Ich werde es Dir erklären: Es bedeutet, Klassenarbeiten sollen nicht nur helfen, herauszufinden, welcher Schüler wo Schwächen hat – um dafür zu sorgen, dass es beim nächsten Mal besser klappt. Nein: Sie sollen auch helfen, die Schwächsten zu finden und auszusortieren. Deine Lehrerin hat nicht gesagt, es gehe ihr darum, alles zu tun, "damit" Kinder Schritt halten können. Sondern zu prüfen, "ob".

Meine Lehrer hätten so etwas nie gesagt, selbst wenn sie heimlich so dachten. Du wirst das verrückt finden, Sophie: Als vor 25 Jahren in der Ukraine ein Atomkraftwerk explodierte, schickten meine Lehrer uns zum Demonstrieren! Als vor 20 Jahren in Kuwait ein Krieg losbrach, ließ mein Mathelehrer uns aus Protest nicht mit Äpfeln und Birnen rechnen, sondern in der Recheneinheit "Leichensäcke". Das hört sich ziemlich grotesk an, was? Einige meiner Lehrer sprachen im Unterricht voller Pathos, wie ein Pastor in der Sonntagspredigt. Aber es ging ihnen darum, uns mitzureißen. Uns zu gewinnen. Wenn auch nur für ihre eigenen Träume von einer besseren Welt.

Und jetzt? Spricht diese Lehrerin wie die Jurypräsidentin einer gigantischen Castingshow – in der nicht Werbeverträge vergeben werden, sondern Lebenschancen. Und zwar nur an die Passgenauen.

Das macht mich wütend. Sie hat G8 zwar nicht erfunden – aber sie hat sich damit abgefunden. Mindestens das. Andererseits gibt sie nur den Druck weiter, den andere aufgebaut haben. Und zu diesen anderen gehöre – ich. Die Versuchung, mit Dir auf die Jagd nach immer besseren Noten zu gehen, ist so groß. Wie schnell passiert es, dass ich eine gute Klassenarbeit nach den wenigen Fehlern ausspähe, nicht nach den korrekt gelösten Aufgaben. Es gibt Eltern in unserer Stadt, die ihren Kindern das Taschengeld kürzen, wenn die keine Eins heimbringen. Die mit all den fleißigen Chinesenkindern drohen, von denen wir noch gar nicht wissen, ob die ganze Paukerei sie wirklich schlau macht oder bieder.

Wenn Du Geburtstag feierst und Deine Klassenkameradinnen kommen, freue ich mich über all die wohlerzogenen Kinder, die den ganzen Tag keine Mühe machen – aber ich wundere mich auch. Wo sind die Querköpfe, die Nervensägen, die Rotznasen? Wer hat sie aussortiert?

Vor fünf Jahren hat ein Kollege in dieser Zeitung geschrieben, er finde die verkürzte Schulzeit gut, denn es sei noch "Luft im System". Schon möglich. Aber ist Luft schlecht? Ist sie nicht zum Atmen da? Und lernt, wer atmen darf, nicht sogar mehr? Oder jedenfalls lieber?

Das Gerede von der "Luft im System" ist gefährlich, Sophie. Man kann so lange sagen, es sei "Luft im System", bis keine mehr da ist.

Wir haben Euer Leben den Regeln der Wirtschaft unterworfen: In einem Motor kann Luft schaden, in einem Windkanal ist Druck sinnvoll. Aber wer hat uns eingeredet, dass ein beschleunigtes Leben ein gelingendes Leben ist? Wenn ich sehe, wie Manager auf Flughäfen und in ICE-Abteilen ihre iPhones und BlackBerrys anstarren, auf eingehende Mails so angewiesen wie Junkies auf Rauschgift, und wenn ich höre, wie sie endlos von "Quartalszahlen", "Jahresabschlüssen" und der Marktforschung faseln, die sie nur noch "Mafo" nennen, wie sie von Hamburg nach München fahren, ohne dabei auch nur einen einzigen eigenen Gedanken zu äußern – dann glaube ich, wir sollten uns kein Beispiel an ihnen nehmen.

Es wäre schön, wenn Ihr später nicht nur Zahlen lesen könntet. Sondern auch die Menschen hinter den Zahlen erkennen würdet. Wenn Bildung hieße: mit Wissen vernünftig umgehen. Der Schriftsteller Erich Kästner, von dem Du Das doppelte Lottchen kennst, hat das viel schöner gesagt: "Der Mensch soll lernen, nur die Ochsen büffeln."

Wir haben Eure Lebensläufe begradigt wie die Flüsse. Wo wir noch mäandern konnten, uns treiben ließen, rauscht Ihr geradeaus durch. Es wäre schade, wenn dabei alles an Euch glatt geschliffen würde, wenn von Eurer Persönlichkeit nicht mehr viel übrig bliebe. Das hört sich sehr hässlich an, Sophie, aber: Ich habe nicht nur Mitleid mit Euch als Kindern. Ich habe auch ein bisschen Angst vor Euch als Erwachsenen.

Wenn Du Abitur machst, wirst Du 17 sein. Mit 17 lassen wir Euch nicht alleine Auto fahren und keine Mietverträge unterschreiben. Wenn Du Pech hast, musst Du Dich für ein Leben als Lehrerin, als Mathematikerin, als Managerin entscheiden, bevor Du überhaupt weißt, was Du kannst, was Du willst, wer Du bist. Falls Du dann ein eiliges Bachelorstudium durchhastest, wirst Du mit 20 die Universität verlassen. Worauf haben wir uns da nur eingelassen? Wollen wir, dass unsere Enkel von 21-jährigen Lehrern unterrichtet werden, die kaum mehr von der Welt gesehen haben als Legehennen? Wollen wir uns von 22-jährigen Bankern mit Geradeausbiografien betreuen lassen? Uns von 23-jährigen Unternehmensberatern begutachten lassen?

Wenn Dich Deine Lehrer, unsere Nachbarn oder die Eltern Deiner Freundinnen jetzt fragen, warum Dein Vater so aufgebracht ist, dann musst Du wissen: Es liegt nicht an Dir. Wer glaubt, ich schreibe hier gegen schlechte Noten an, der hat nichts begriffen. Deine Zensuren sind gut. Ich bin zornig, weil wir Eure Kinderzimmer zu Büros gemacht haben, Eure Schreibtische zu Werkbänken, Eure Köpfe zu Lagerhallen.

Wenn sie Dir sagen, es ist doch nur das eine Jahr, dann antworte ihnen, es geht um Millionen beschleunigter Leben. Und wenn sie Dich fragen: "Acht oder neun Jahre, ist das nicht einerlei?", dann sag ihnen: Was wäre los, wenn die Lokführer plötzlich 15 Prozent mehr arbeiten müssten? Dieses Land stünde still, über Wochen. Die Tagesschau würde Abend für Abend mit Streikmeldungen beginnen. Es gäbe Demonstrationen, auf denen wütende Männer rote Fahnen schwenken. Es gäbe aufgeregte Talkrunden im Fernsehen, in denen die Erwachsenen "Ausbeutung" und "Raubtierkapitalismus" brüllten.

Natürlich frage ich mich: Ist eine Sache nicht nur dann schlimm, wenn Du, Sophie, sie selber schlimm findest? Habe ich Dich mit diesem Brief zum Faulenzen aufgefordert, Dir Ausreden und Ausflüchte in den Mund gelegt? Habe ich Dich verwirrt? Dir überflüssige Sorgen gemacht? Ich hoffe fast, dass Du diesen Brief inzwischen zur Seite geschoben hast und irgendwo Waveboard fährst, weil Du das Geschreibsel hier dröge findest und sowieso Quatsch ist, was von den Eltern so kommt.

Aber Du sollst ruhig wissen, warum wir auf dem Weg ins Kino 17², 56 und 28 gelernt haben.

Du sollst wissen, warum ich Dich manchmal dressiere wie ein Dompteur sein Zirkuspferd – und mir dann wieder auf die Lippen beiße, statt nach der Schule zu fragen.

Du sollst wissen, dass Du mehr bist als die Summe deiner Leistungen.

Du sollst wissen, warum es manche Deiner Freundinnen nicht schaffen werden, warum ihre Stühle irgendwann leer bleiben werden.

Du sollst wissen, dass Depression keine Kinderkrankheit ist.

Du sollst wissen, dass die Schulzeit mehr sein sollte als ein Trainingslager fürs Berufsleben.

Du sollst wissen, dass die Gesellschaft an denen wächst, die sie infrage stellen.

Und Du sollst wissen, dass ich Dir das gestohlene Jahr zurückgeben möchte. An jedem Tag, an jedem Wochenende – und nach dem Abitur. Am besten kein Auslandsstudium. Kein Sommerseminar. Sondern einfach eine Reise ohne Weg und ohne Ziel. Denn wenn Du Deine Seele bis dahin nicht in einem Klassenzimmer gefunden hast, wirst Du sie auch in einem Hörsaal nicht finden. Aber vielleicht tief in einem finnischen Wald, mitten in einem äthiopischen Dorf oder auf der Sitzbank eines amerikanischen Überlandbusses. Irgendwo, irgendwann, wenn Du es nicht erwartest.

Und ich hoffe, dass Du mich dann, wenn es losgehen soll, nicht mitleidig anschaust und sagst: "Das ist doch reine Zeitverschwendung."

Dein Papa

* Name von der Redaktion geändert

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Leserkommentare
  1. [...]Ich habe letztes Jahr das Abitur abgelegt und kenne Abiturienten aus SH, Hamburg, Bayern, Sachsen und Hessen (G8 und G9). Da sind überall gute Leute dabei und von denen hat kaum einer was IN der Woche gemacht, geschweige denn Sonntags. Man beschwert sich in TV-Beiträgen im ARD/ZDF und in Zeitungen über die "vielen" Klausuren, dabei schreiben sie gleich viele oder sogar weniger Klausuren. Irgendwas kann daran jedenfalls nicht stimmen. Ich schätze viele Ungeeignete jammern mit denen zusammen, den man es sowieso nicht recht machen kann.
    Auf diesem stofflichen Niveau kann man auch auf G7 umsteigen. Wenn man sich im Unterricht mit Aufgabe 1a) auf Seite 3 des Mathebuches 2 Wochen lang beschäftigt, der braucht sich nicht wundern, wenn alles vollgemüllt ist. Das ist doch paradox, vielleicht sollten die Lehrer auch mal über sich nachdenken. Der Lehrplan ist voll aber trotzdem ohne Inhalt.
    Wer die entsprechenden Leute aus seinem Umfeld kennt weiß, dass diese Diskussion unberechtigt und totaler Unsinn ist.

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/ag

    31 Leserempfehlungen
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    • sammo
    • 31. Mai 2011 9:34 Uhr

    aber ich kann ihre Meinung nicht teilen. Der Autor beschreibt in seinem Artikel die Generation der heutigen Fünftklässler. Sagen wir, bis zur siebten Klasse. Das ist die Unterstufe. Zumindest habe ich das so rausgelesen. Wer in der 11. oder 12. Klasse ist, der hat im Normalfall das Selbstbewusstsein zu sagen, leck mich, heute geh ich an den See. Oder er speist sein Selbstwertgefühl aus Leistung und büffelt halt den Sonntag durch. Mit 10 oder 11 Jahren hat man das noch nicht. Man hinterfragt nichts, man nimmt hin. Eltern rennen dann mit ihren Kleinen zum Psychologen. "Machen sie mein Kind gesund!" Neulich in der Sendung 37 Grad hatte sich ein 9 jähriges Mädchen hingestellt und gesagt: "Ich bin krank. Ich habe ein ADS."
    Man kann immer über den Lehrplan flennen und den Lehrern die Verantwortung in die Schuhe schieben. Damit macht man es sich supereinfach. Ich habe VWL studiert und verstehe auch nicht immer sofort alle Matheaufgaben meines kleinen Bruders. Und ich kenne viele Lehrer, die ihren Job sehr wohl ernst nehmen. Klar gibt es auch an dieser Stelle Versäumnisse. Aber der eigentliche Fehler liegt m.E. im System. Man sollte ein Kind auch mal ein Kind sein lassen. Viele Eltern vergessen das. Zu einem perfekten leben gehört für sie auch ein perfektes Kind. Ich bin froh, dass es Väter gibt wie Herrn Sußebach.

    ...mal sagen, das hängt arg von der Schule ab. Ich musste definitiv auch am WE was machen und unter der Woche war die Zeit verplant, dass man kaum die Hausaufgaben schaffte und ich war NICHT der einzige. Aber das war Sachsen auf dem TG, die Vergleichbarkeit hinkt also etwas.

    "Ich schätze viele Ungeeignete jammern mit denen zusammen, den man es sowieso nicht recht machen kann."

    Tja, so ist das in diesem kranken dreigeteilten Schulsystem und einer Arbeitslosen-Gesellschaft. Da sieht man die eigene Lebenplanung den Bach runtergehen, wenn man es nicht aufs Gym schafft.

    Wahrscheinlich nicht dein Problem, du klingst wie gesättigter oberer Mittelstand mit optimalen Voraussetzungen. Dein Pech, dass die nicht alle mitbringen. Vielleicht hättest du auf eine Privatschule gehen sollen. Eine Nicht von mir ist da und was die an Leistungsanforderungen haben, kommt mir schlicht ein bisschen pervers vor. Die müssen z.B. mal eben 5-strophige Gedichte bis zum nächsten Tag lernen und sind aber selten vor 18:00 zu Hause.

    Und was tut Ihnen jetzt leid? Dass Sie Ihr Abitur verhältnismäßig entspannt durchlebt und schließlich absolviert haben? Oder tut es Ihnen leid, dass die anderen scheinbar zu dumm sind für das Abitur und ihren Abschluss besser an einer Baumschule machen?
    Sie sprechen hier lediglich für sich. Sie beurteilen einen Sachverhalt nur aus der eigenen Position – und der einiger Freunde – heraus. Argumentativ haben Sie auf jeden Fall viel über ein Jahr vergessen.
    Auch ich habe im letzten Jahr mein Abitur gemacht. Und ich würde mich nie hinstellen und behaupten, dass sich der Druck für die kommenden Abiturienten mit G8 nicht drastisch erhöht, nur weil ich meine gesamte Schulzeit hindurch einen Lenz schieben konnte. Ohne eine gewisse Intelligenz und Gerissenheit – und das meine ich ganz uneitel – hätte ich mir diese Faulheit nicht leisten können. Aber selbst mir blieben Hausaufgaben und Lernen, in der Woche, sowie am Wochenende, nicht erspart.
    Ja, ich könnte mich auch hinstellen und über diese ganzen "Jammerlappen" schimpfen, die zu dumm für das Abitur sind. Mach ich aber nicht! Ich bin dankbar dafür, dass ich mehr Zeit hatte für die gleiche Menge Stoff. Und ich empfinde Mitleid für diejenigen, die schon als Kinder in eine Leistungsgesellschaft gepresst werden; die einen enormen Fleiß aufbringen und sich ein kleines bisschen Opfern, damit sie eben einen guten Schulabschluss erhalten und später auf dem Arbeitsmarkt eine gute Chance erhalten.

    Also was tut Ihnen jetzt leid?

    ich habe 2008 Abi gemacht. Also auch noch ganz entspannt mit insgesamt 13 Jahren Schule. Und trotzdem musste ich viel büffeln. Unter der Woche kamen dann ja auch noch die Hausaufgaben und normalen Klausuren dazu und am Wochenende wurde dann weiter gelernt. Ich weiß ja nicht, wie Sie das sehen, aber ich denke Sie brauchen sich nicht wundern, dass Sie und ihre Freunde "nur" gut sind und nicht sehr gut. Und Sie wissen genauso gut wie ich und die anderen hier, dass gut oftmals ncihtmehr ausreicht. Und wenn ich mir meine Schwester anschaue, 14 Jahre jung 8. Klasse, die nur 12 Jahre Schule hat, dann sehen ich einen extrem vollgepackten Wochenenplan und eine kleine junge Dame, die meist total müde ist und sich freut, wenn sie mal am Wochenende nichts tun muss.
    Also ich finde schon, dass das ein durchaus diskussionswürdiges Thema ist und nicht so leicht abgetan werden sollte. Also bitte ich Sie, auf die jungen Menschen und die kleinen Menschen, die zur Zeit zur Schule gehen, nicht so respektlos herabzuschauen!!!!!

    Super, Glückwunsch, Ich bin von Ihnen begeistert... Ich war zum Glück auch noch G9 (Bay), habe nichts gelernt, auch fürs Abi nicht, bin mit 2er Schnitt raus und könnte mich aufregen dass Leute wie Sie auf der selben Bildungsebene wie Ich stehen. Was soll dieser Kommentar? Früher hieß das Abitur noch Reifeprüfung! So etwas zeigt, dass die Probleme in diesem Bildungssystem noch andere Facetten haben als die in diesem, mir von der Seele sprechenden, Artikel angedeutet.

    Der Autor dieses Artikels gibt vorallem zu denken, dass Schüler keine Zeit mehr für andere Sachen haben und wie ein Fluß so begradigt werden, dass sie einfach nur "funktionieren" und sich nicht mehr so stark entfalten können. Auch Marie hat laut dem Artikel gute Noten.

    Außerdem: Wer ist den Bitteschön "ungeeignet" (mal von geistig behinderten abgesehen)? Viele die auf Real- oder Hauptschule gehen sind intelligenter als so manch einer auf dem Gymnasium. Bei denen liegt es vielleicht nur an den ersten Sozialisationsinstanzen, dass sie nicht aufs Gymnasium gehen.
    Und die wirklich überforderten Gymnasiasten, die trotz Pauken geradeso durchs Schuljahr kommen, können ihre Defizite nicht mehr durch Fleißarbeit ausgleichen, weil die Zeit und vielleicht auch die Kraft nicht ausreicht. Sollte ein Schulsystem nicht dafür sorgen, dass auch diese Schüler gute Aussichten auf einen guten Job haben? Sollte eine Schule nicht möglichst alle mitnehmen? Ich gebe nicht nur G8 Schuld dazu. Aber ich glaube auch nicht, dass das "neue System" ganz unschuldig ist.

    Ich bin nun ein Mensch aus entsprechendem Umfeld, ich mache dieses Schuljahr mein Abitur. G8. Mein Jahrgang war einer der Probejahrgänge in NRW und wurde nach der 9. Klasse mit der Stufe über uns zur Oberstufe zusammengelegt. Das Tempo und der viele Stoff den wir aufholen mussten (uns fehlte ja sozusagen ein Jahr, ich bin in der 5. Klasse als G9 Jahrgang eingeschult worden) war mir damals gar nicht mal bewusst. Das merkte ich erst, als ich im Deutschunterricht saß und als (eigentliche) 10. Klässlerin stofflich weiter war als die "echten" 11er. Viel zu tun habe ich seit der 11/12 (oder heute: Q1) jeden Tag. Da sitzt man schon mal Sonntags 4 Stunden an einer Deutschhausaufgabe! Und ich im Mathe-LK beschäftige mich mitnichten 2 Wochen mit einer Aufgabe. Im Gegenteil: Jede Stunde wird etwas Neues eingeführt. Das Tempo ist wirklich rasant. Wer da mal krank wird, hat Pech gehabt. Fehlen bedeutet heute leider beinahe zwangsläufig eine schlechte Note. Zu den Klausuren:ich kann behaupten seit 3 Monaten wirklich jede Woche Klausuren geschrieben zu haben - und das ist Stress. Viel Anstrengung ist sicherlich normal wenn es ans Abitur geht. Aber ich finde man darf das dennoch nicht relativieren. Meiner Meinung nach ist der Druck zu hoch. Besonders da Die Schülerinnen und Schüler in Zukunft jünger sein werden als bis her wenn sie von der Schule abgehen. G8 zwingt Kinder schneller erwachsen zu werden und das führt leider schnell zu Überforderung und Verzweiflung...

    • zeit-ig
    • 31. Januar 2012 23:22 Uhr

    Auch ich mache dieses Jahr Abitur nach 8 Jahren am Gymnasium und kann vieles was im Brief erwähnt wird nicht bestätigen. Ich hatte zwar nicht selten das Gefühl ich würde zu viel Zeit in der Schule verbringen, doch wenn in der Schule ein angenehmes Klima und ein gutes Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern herrscht, ist das oft nicht einmal ein großes Problem. Das Problem liegt weniger in der Schulzeitverkürzung und der stofflichen Menge, die für das Abitur notwendig ist, sondern am direkten System des Stundenplans. Durch einen wesentlich höheren Lehrer-Schüler-Schlüssel könnte die Stundenanzahl meiner Erfahrung nach beliebig heruntergefahren werden. In den Abi-Vorbereitungskursen, die ich momentan besuche, lerne ich, dadurch dass wir nur zu Viert sind, in einer Stunde oft mehr als in 10 Stunden gemeinsamen Unterrichts.

    Zudem liegt der zusätzlich, angeblich so zeitintensive, nötige Lernaufwand auch meistens an den Schülern selbst. Meiner Erfahrung nach sind weder gute noch schlechte Mitschüler stundenlang zu Hause vor den Aufgaben gesessen und haben gebüffelt. Natürlich gibt es Wochen, in denen mehr Klausuren geschrieben werden und deswegen auch mehr gelernt werden musste, doch weder ich noch die Großzahl meiner Mitschüler empfanden das als unerträgliche Belastung.

    • EM55
    • 21. Oktober 2013 18:56 Uhr

    Hallo,
    ich habe noch nie einen Kommentar verfasst aber jetzt muss ich es tun.
    Ich bin 20, habe letztes Jahr mein Abitur gemacht und bin jetzt in einem dualen Studium. Ich muss gestehen, dass mir nicht alles zugefallen ist und ich - im Gegensatz zu anderen - viel außerhalb des Unterrichts tun musste.

    Trotzdem weiß ich: viele aus meinem Jahrgang haben sich tatsächlich keinesfalls totgearbeitet! Das ist auch wirklich kein Problem

    Was aber ein Problem ist: mein kleiner Bruder ist 11, gerade in die 5. Klasse gekommen.... er ist auf einer Realschule und trotzdem hat er Berge von Hausaufgaben und muss wesentlich mehr Zeit investieren als es irgendeiner von uns es je tun musste!!!
    Ich sehe wie es ihn belastet und wie meine Mutter versucht ihn zu fördern aber nicht zu überfordern, denn sie weiß, dass sie ihm mit jeder neuen Nachhile wieder sagt, dass er so wie er ist nicht ausreicht......

    Man muss also definitiv beachten, dass sich innerhalb der letzten paar Jahre SEHR SEHR viel getan hat und man die heutige 5te Klasse nicht mit der des aktuellen Abiturjahrgangs vergleichen hat. Es macht mich wirklich traurig das zu sehen.

    @Hr. Sußebach: Ihr Artikel geht mir wirklich unter die Haut und ich wünschte, er würde wenigstens ein bisschen was bewegen...

    • tabmary
    • 20. November 2013 21:14 Uhr

    Hallo,
    meine Antwort kommt zwar etwas spät, aber lieber spät als nie.
    Ich bin der 2. Jahrgang G8, bin jetzt in der Abiturvorbereitung und möchte eigentlich im letzten Jahr mit allem, was Oberstufe heißt, abschließen. Lieber meine gesamte Schullaufbahn bis auf die mittlere Reife in die Tonne treten und einfach aufhören. Durch dieses Jahr musste ich alle das, was auch nur im Entferntesten Spaß machen könnte, aufgeben. Ich bin vier mal pro Woche von halb sieben morgens bis sieben Uhr abends nicht zu Hause, nein, in der Schule, auf dem Schulweg, in einer Freistunde in der Schule. Dann kommen dazu Hausaufgaben, die ich in Hauptfächern aufbekomme, aber nicht morgens, sondern im Nachmittagsunterricht. Die liegen dann also abends auf meinem Schreibtisch.
    Also selbst wenn ich jetzt beschließen würde, meine Hausaufgaben nicht zu machen, dann hätte ich immer noch keine Zeit zu irgendwas.
    Und wenn ich meine Hausaufgaben nicht mache, dann zieht das meine Noten nach unten, den Stress im Unterricht nach oben und persönliche Differenzen mit Lehrern werden auch nur gefördert: Weil im Unterricht keine Zeit mehr ist, alles zu schaffen, wird das dann halt in Hausaufgaben verlagert. Und die werden natürlich umso strenger kontrolliert, bewertet und teils benotet.
    Schüler sein heißt dann jetzt: im Unterricht aufpassen, nicht zu viele Fehlstunden, häufig die Hausaufgaben machen und absolut keine Freizeit mehr. Und bloß nicht ehrgeizig sein, sonst gibt's als Krönung dann Burn-Out.

    Ich will das auch nicht so stehen lassen, was manche hier behaupten. Ich hab vor einem Jahr (2012) mein Abitur gemacht und zwar von Anfang an in der G8 Schiene.
    In der Unterstufe hatte ich spätestens um 1 frei, in der Mittelstufe und Oberstufe bis spätestens 3 Uhr. Danach bestand die Zeit so gut wie nur aus Freizeit und Erholung. Ich hab nie auf dem Weg ins Kino im Auto gelernt oder ähnliches (da waren wohl die Eltern/Tochter zu übermotiviert gewesen ?!). Hausaufgaben waren in ein bis maximal zwei Stunden erledigt. Für die Klausuren wurde in der Regel 1-2 Tage vorher gelernt, für anspruchsvollere Klausuren manchmal dann auch 3-4 Tage, das war aber schon in der Oberstufe und kam selten (!) vor. Für die Abiturprüfung wurde insgesamt 1,5 Wochen intensiv gelernt.
    Meine Kindheit ist also eher so gewesen, wie der Vater seine eigene beschrieben hat und nicht wie das seiner Tochter, obwohl ich eig. die gleiche Schiene bestritten habe, wie sie gerade !
    Außerdem soll das Gymnasium (immerhin der höchste Schulabschluss in DE, den viele aber als selbstverständlich sehen), auf das Studium (Abitur=Hochschulzugangsberechtigung) vorbereiten und wer im Gymnasium nicht dem Stoff gewachsen ist und schon unter Stress leidet, wie soll man dann in der Uni klar kommen ?

    P.s Bevor jetzt einer denkt, dass hier jmd. redet der sich irgendwie durchs Abitur geschlagen hat: ich hatte einen 1,x Schnitt.

    Ich muss Mohamad da recht geben! Es ist ein bisschen naiv zu sagen, dass an allem das Schulsystem schuld ist. Klar ist das Schulsystem nicht perfekt, aber ich denke der Löwenanteil dieses Problems ist auf die Eltern zuzuschreiben. Der Leistungsdruck in der heutigen Gesellschaft wird schon in ganz jungen Jahren auf die Kinder übertragen. Genau da ist das Problem: Ein Kind braucht seinen Freiraum, den es aber nicht kriegt, weil es schon von jungen Jahren an mit Druck erzogen wird. Wie soll so ein Kind dann bitte die Hochschulreife erlangen?

    Ich denke, dass Johnny McKoi mit seiner Überschrift ausdrücken wollte, dass es ihm wohl Leid tut, dass er nicht die Meinung vieler anderer teilt. Also immer erst Hirn einschalten bevor man mutmaßlich gegen andere Meinungen schießt!

  2. Vielen Dank für Ihren Artikel,
    er ist nicht nur inhaltiche sehr gelungen, sondern ist zugleich wunderbar geschrieben und hat bei mir sowie vielen anderen Menschen etwas angerührt!

    25 Leserempfehlungen
    • MJB
    • 30. Mai 2011 20:13 Uhr

    "Du bist mehr als die Summe deiner Leistungen."
    Ein sehr richtiger Satz, der mit seiner bestechenden Einfachheit das entmenschlichende "Modul-Denken" des modernen Bildungssystems entlarvt. Heutzutage wird man mit Scheuklappen durch Schule und Universität gehetzt. Durch eben diese Reduzierung der Schüler auf ihre Leistung in einem System, das bis auf "Richtig" und "Falsch" nichts mehr zu kennen scheint, versagen wir ihnen nicht nur einen guten Teil ihrer Kindheit, sondern auch die Fähigkeit, kritisches Reflektieren auszubilden und zu kultivieren. Das, was doch eigentlich Grundpfeiler unserer demokratischen Gesellschaft sein sollte.

    Hervorragender Text, sollte in Schulen als Lehrstoff durchgenommen und besprochen werden!

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  3. Hallo Herr Sußebach,

    kann Ihren Ausführungen zu G8 nur zustimmen. Ich habe einen Sohn in der dritten Klasse, bei dem demnächst die Entscheidung wegen der weiterführenden Schule ansteht - jedoch werden wir - da wir zwar in Hessen, aber an der Grenze zu Rheinland-Pfalz wohnen sowieso umziehen und das Bundesland wechseln, sodass er in Rheinland-Pfalz G9 machen wird. Was aber auch viel besser ist, schließlich haben wir seinerzeit auch G9 gemacht, ohne dass man sich viel den Kopf drum gemacht hat. Die Entschleunigung kann ihm nur gut tun; es gibt hier im "Grenzland" auch Familien, die geben ihre Kinder auf ein Gymnasium in Rh-Pf, obwohl das eine ziemliche Fahrerei ist - aber die wissen schon, warum...
    Im übrigen: diese Generation wird doch auf dem Arbeitsmarkt in 20 Jahren mit Kußhand genommen werden, alleine aufgrund der demografischen Entwicklung. Warum sollte man sie jetzt so "knechten"? Wir müssen eher dafür sorgen, dass jeder mitkommt und sie hegen und pflegen.

    Viele Grüße und Danke für den Beitrag

    spunk123

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  4. Meine These: Eltern/Lehrer/Schüler selbst/Zeitgeist sind verantwortlich dafür dass einfach die Schüler sich zu viel druck machen. Wenn ich meine kleine Schwester und ihre Freundinnen anschaue, die wollen überall gut sein! Auf ein Fach wie BK oder Erdkunde haben wir damals halt "geschissen", wenn wir glaubten eine HA ist unnötig, haben wir sie einfach nicht gemacht! Blinde Obrigkeitshörigkeit und realitätsfremdes Notenstreben sind verantwortlich. Wenn ich die Mädels schon reden höre: Über 2.0 ist schon "schlecht" für die, da ists ja kein wunder dass man Stress hat. Und glauben sie die haben Allgemeinbildung? Kein bisschen, ausser Schulkram ham die von nichts Ahnung, was wird ihnen das später helfen? Nichts!
    Die Noten spielen am Ende eh keine Rolle mehr, von den wenigen NC Fächern abgesehen. Wozu also die 1.xx anstreben.
    Selbst schuld sag ich da nur.

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  5. .. wer hat denn das beschlossen?
    Ich habe wie viele andere mein Abi auch in 8 Jahren geschafft, nämlich in Sachsen. Wir mussten an den Unis schon immer mit den Studenten mithalten, die ihr Abi in 9 Jahren "erbummelten" und es ist recht bekannt, dass das sächsische Abi trotzdem eines der besten in Deutschland ist (Zentralabi, übrigens).
    Weiterhin habe auch ich schon vor 20 Jahren am Wochenende UND in den Ferien das kleine Einmaleins gelernt, mit den Quadratzahlen lief es später genauso. Da hat sich auch kein Lehrer hingesetzt und das jahrelang geübt, das musste dann einfach irgendwann mal gekonnt werden.
    Ich bin seit der 5. Klasse täglich um 5.15 Uhr aufgestanden um mit dem Schulbus in die Stadt zu fahren, und war 16 Uhr wieder zu Hause. Mit 11 Jahren.
    Ich habe ein Jahr lang olle Flöte gespielt und ansonsten keine weiteren Hobbys gehabt, aber draußen war ich gefühlt trotzdem noch genug.
    Diese Zustände haben sich langfristig entwickelt... und ich will ja gar nicht sagen, dass am Schulsystem im Osten/ DDR alles besser war, aber eine Rückbesinnung auf einige Elemente könnte nicht schaden.
    Das ist natürlich nicht Mariechens Schuld.
    Aber wessen eigentlich?

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    • Hickey
    • 31. Mai 2011 7:17 Uhr

    ist das Abi das schwerste ganz Deutschlands, Sachsen folgt gleich danach soweit ich das noch in Erinnerung habe.

    Wie sie sehen kommt es auch noch darauf an WO man sein Abi gemacht hat.

    Da ich in München lebe und einige Abiturienten aus anderen Bundesländern kennenlerne durfte, weiß ich das diese hier in Bayern Probleme damit haben.

    Ein alter Freund ist z.b. aufgrund des anscheind graviernden Unterschieds nach Hamburg gezogen um dort sein Abi zu machen.

    Man müsste die Bildungspolitik endlich einmal zentral steuern, aber naja die Politiker mögen alle Fleißig sein, nur wirklich Intelligente Leute sind oftmals nicht dabei.

    Mit Fleiß schafft man heute wirklich viel, aber nur mit einem hohen IQ kann man z.b. Forschen etc...

    Intelligenz zeichnet sich halt leider nicht durch einen guten Schulabschluss aus, das kann meiner Meinung nach jeder der viel "auswendig lernt", selbst bei Jura ist weniger Intelligenz als auswendig lernen gefragt.

    Dann haben sie eben ein verkürztes Abitur gehabt ! Toll ! Wollen sie n´ Keks ? Hat ihnen das in irgendeiner Weise Vorteile verschafft ? Oder waren sie nur ein Jahr früher arbeitslos ? Nicht jeder will studieren !
    Wenn man den neusten Nachrichten trauen will, darf der frische Abiturient danach noch 52 Jahre arbeiten (ich wette, dass war noch nicht das Ende!).Unterbrochen wird dieser CV noch von strukturbedingter / saisonaler / fremdgesteuerter Arbeitslosigkeit (ich glaube, ihr Sachsen könnt davon ein Lied singen !)diversen Umschulungen, Weiterbildungen, Qualifizierungen, etc. um weiter wirtschaftlich "verwertbar" zu bleiben. Da fällt dieses eine Jahr kaum ins Gewicht !
    Also, lasst den Kids doch das bisschen Zeit !

    Wenn das schnelle Abi zu so viel unangenehmen und überflüssigen Sarkasmus führt, gehört es ganz schnell wieder abgeschafft, sogar in Sachsen!

    Wie können Sie stolz darauf sein, so früh aufgestanden zu sein und erst so spät wieder nach Hause zu kommen und kein Hobby zu haben?
    Wonach sollten wir in dieser Welt streben? Nach möglichst viel Arbeit, Unternehmung, Action, Anspannung, Burn-Out mit 12?
    Wo ist das Toben mit Freunden, Fünfe gerade sein lassen, sich selbst ausprobieren und testen, sich selbst entwickeln, zu sich finden?
    Wem oder was jagen wir in einer solchen Geschwindigkeit hinterher, dass wir davon krank werden? Können wir nicht den Kindern ihre Kindheit und eine angemessene Entwicklung lassen?
    Mir ist es lieber, eine 30-jährige einzustellen, die etwas länger gebraucht hat, aber dafür in sich ruht und Lebenserfahrung hat, als eine 20jährige, die noch nichts von der Welt kennt und keine Zeit hatte, zu sich selbst zu finden.

  6. Ich glaube, den Wenigsten ist wirklich klar, welch gigantisches Potenzial wir als Gesellschaft verschenken, indem wir Schule weiterhin als Wissensmaximierungsmaschine denken.

    Mein Englisch habe ich mit 15 beim Übersetzen von Metallica Texten und beim Lesen von Stephen King Romanen gelernt. In der Unter- und Mittelstufe habe ich so manche 5 in Englisch geschrieben. Heute reicht es für James Joyce und für professionelle Übersetzungen von Fachliteratur.

    Meinen ersten Computer hatte ich mit Anfang 20. Heute programmiere ich mit einer Menge Spaß und einigen Mathedefiziten auf semiprofessionellem Niveau.

    Mein Fazit lautet, dass die mit großem Abstand wichtigste Triebfeder für das Lernen die Leidenschaft ist, die ein Mensch für eine Sache entwickelt. Der von außen oder selbst eingeredete Konkurrenzdruck und die gewaltige Masse an sinnlosem Paukstoff, der uns als Bildung verkauft wird, bieten die denkbar schlechtesten Bedingungen für die Entwicklung von Leidenschaft. Dieses dysfunktionale System gilt es zu überwinden.

    Ich bin selbst Instrumentallehrer, d.h., ich habe täglich mit übermüdeten Fünftklässlern zu tun, in deren Leben es keine Langeweile (die Quelle der Kreativität!) mehr gibt. Die häuftigste Antwort auf meine Frage: "Wie geht's?" lautet: "Ich bin müde!"

    Ja, es wird zu viel gejammert. Die Kinder jammern, die Eltern jammern, und die meisten Lehrer, die ich kenne, jammern auch.

    Wir sollten handeln. Ein begrüßenswerter Artikel.

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    • Hainuo
    • 30. Mai 2011 20:02 Uhr

    Das wäre doch mal eine angemessene Lektüre in diesem Alter.

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    Es ist doch alles bekannt! Die Bildung unserer Kinder: Unter der Prämisse der Wirtschaftlichkeit!!! Diejenigen, die sich mit Pädagogik beschäftigen, wissen um den Schwachsinn der immer kürzeren Zeiten in den "Lernbetrieben". Ähnlich Legehennen soll möglichst schnell das Abfragewissen antrainiert werden... wo bleibt der Humanismus, die Zeit, sich wirklich zu bilden? Wissenschaftler haben schon lange bestätigt, dass Kinder, die Zeit zum Spielen haben, eine sehr viel komlexere Gehirnstruktur entwickeln... Auch gibt es Alternativen zu den staatlich gesteuerten Lernbetrieben: Das Konzept der Waldorfschulen ist ja teilweise bekannt. Wichtiger als das Abfragewissen ist hier die Ausbildung der Phantasie, der Kräfte in uns, die neue Ideen und Impulse ermöglichen, die heute mehr als je gefragt wären. Aber solche Menschen sind natürlich unbequem... besser, wir produzieren angepasste Bürger. Das Hamsterrad des Berufslebens - falls man eine Stelle findet - wartet! Und warum sollte die Wirtschaft und die Politik auf arbeitswilliges, konformes und gleichgeschaltetes Arbeitmaterial verzichten?

    ...haben Finanz- und Wirtschaftspolitiker getroffen, die den Forderungen der Wirtschaftsverbände nach kamen und keine Pädagogen. Aus einigen Unternehmenrkreisen wurde nämlich zuvor unverholen gedroht, käme G8 nicht, würde man nicht mehr betrieblich ausbilden und statt dessen ausländische Arbeitnehmer holen. Und wie immer, wenn "vom Ergebnis her gedacht" wird, kam am Ende nur Murks heraus.

    Also ich lebe in Brandenburg, allerdings in Berlin Nähe. Ich gehe in die 10. Klasse eines Gymnasiums und bin in der Leistungs-MINT Klasse. Wenn ich das lese kommt bei mir ausschließlich Unverständnis auf. Wir haben nur Frontalunterricht. Insgesamt haben wir 36 Stunden in der Woche und dennoch habe ich sehr viel Freizeit, etwa 6 Stunden am Tag, wobei ich sehr früh ins Bett gehe (gehen muss). Ich lerne sehr selten, bis nie. Das Ergebnis ist vernünftig, bei meinen Mitschülern sieht es ähnlich aus. Ein paar Schüler nutzen ihre enormen Freizeitüberschüsse mit Arbeit, sind etwa 15 Stunden in der Woche im Discounter beschäftigt.

    Allerdings wird mir wenn ich das hier lese einiges klar: "Wie viel ist 17 hoch 2? Wie viel 5 hoch 6? Wie viel 2 hoch 8? Auf dem Weg nach Hause dann noch mal"

    Was soll das? alles auswendig lernen ist im heutigen Schulsystem katastrophal ist, Man kann üben wie man mit Zahlen im Kopf umgeht oder notfalls wie man sie schriftlich rechnet. Aber auswendig lernen, das ist irreal bei solchen Rechenoperationen. Es heißt nicht umsonst "Rechen.

    Gut, ich kann mit meinem Aufwand sicher nicht Arzt werden, aber ich denke man sollte nicht zu hohe Ansprüche an seine Zukunft stellen. So wird man nicht glücklich und Opfert seine Kindheit.

    Wenn die gegebene Intelligenz es nicht zulässt, sollte man zum Beispiel auch sich mit einer Ausbildung zufrieden geben und nicht unnötig nach unerreichbarem streben. Man verdient heute in sehr vielen Jobs super.

    Ist meine Meinung.

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