Anton Hammerl ist tot. Der südafrikanische Fotograf starb, wie jetzt erst bekannt wurde, schon vor Wochen, am 5. April, erschossen von Gadhafis Truppen. Er ist der fünfte Journalist, der im Krieg in Libyen getötet wurde. Im März starben die Reporter Mohamed al-Nabbous und Ali Hassan al-Jaber. Zwei Wochen nach Hammerls Tod wurden die Fotografen Tim Hetherington und Chris Hondros getötet.

Ich kannte Anton Hammerl nicht. Aber Chris Hondros kannte ich. Wir haben einen langen Abend in New York verbracht, gelacht und geredet, über den Krieg im Irak und Guantánamo, aber vor allem über die Musik von Gustav Mahler. Chris liebte Musik.

Den Krieg liebte er nicht.

Das ist ein Mythos, dass Kriegsreporter fasziniert seien vom Krieg, dass sie die Gefahr suchten, dass es süchtig mache, dieses Leben im Wendekreis der Gewalt.

Und es ist der ewig selbe Reflex des Zweifels, der auch jetzt, nach dem Tod von Anton Hammerl, wieder auftaucht: Warum begeben sich Menschen wie er in den Krieg? Was treibt Kriegsreporter nur an? Braucht der, der das Grauen abbildet, nicht ein voyeuristisches Verhältnis zu Tod und Versehrung? Muss nicht zynisch sein, wer sich dem Leid der anderen aussetzt?

Mir sind sie widerlich, diese Unterstellungen. Nicht nur jetzt, da ein Kollege ermordet wurde, der das Leid der anderen dokumentieren wollte. Sondern immer.

Niemand, der sich dem unstillbaren Kummer und der Verzweiflung hilfloser Menschen aussetzt, niemand, der zerrissene Schädeldecken oder vergewaltigte Kinder gesehen hat, niemand, der Flüchtlinge hat trauern hören, der ihre Gesänge kennt, ihre Zelte, ihre Würde auch, ist fasziniert von Krieg und Gewalt.

Wer in Länder voll Tod und Zerstörung reist, den widert Krieg an; wer nicht nachlassen kann, jeden Krieg wieder neu zu dokumentieren, der kann sich nicht daran gewöhnen, dass Unrecht und Gewalt uns selbstverständlich oder gewöhnlich erscheinen sollen.

Nein, nicht wir, die als Reporter in Krisenregionen reisen, um Zeuge zu werden, um den Menschen dort eine Stimme oder ein Gesicht zu verleihen, sind zynisch, sondern die, die annehmen, es könne das geben im Angesicht des Leids der anderen: Gewöhnung. Ist es nicht vielmehr zynisch, zu wissen, was an anderen Orten der Welt geschieht, und sich nicht darum zu scheren?

Nein, nicht wir, die aufbrechen in den Kongo, den Irak oder nach Libyen, um Bilder vom Krieg zu machen, sind voyeuristisch, sondern viel eher die, die sich über die Ästhetisierung des Leids echauffieren oder über die Kaltblütigkeit des Fotografen. Ist nicht vielmehr das kaltblütig? Nur noch die Bilder zu verhandeln, aber nicht mehr das, was auf ihnen dargestellt wird?