Ob man später einmal sagen wird: Hier hat es angefangen? Hier, in dem alten Harzstädtchen Goslar, zwischen prachtvoll restauriertem Renaissancefachwerk und schiefergetäfelten Fassaden begann – ja, was? Die Gegenwehr der Frauen gegen den Vormarsch einer reaktionären Männerrechtsbewegung? Oder die Befreiung des Mannes aus der Knechtschaft eines retrofeministischen Matriarchats? Sicher ist, dass die Stadt Goslar in der vergangenen Woche ihre Gleichstellungsbeauftragte Monika Ebeling entlassen hat, weil zunächst Vertreterinnen der örtlichen Frauenbewegung und dann auch der Stadtrat mit ihrer Arbeit nicht einverstanden waren. Frau Ebeling hatte einen Teil ihrer Zeit einer aus ihrer Sicht benachteiligten Gruppe gewidmet, Männern nämlich. Nie zuvor wurde eine Gleichstellungsbeauftragte aus dem Amt gejagt, und schon gar nicht aus einem solchen Grund. An geschichts- und geschlechtspolitischen Deutungen herrscht kein Mangel.

Wer sich eine Weile in Goslar umgehört hat, der muss sich allerdings fragen, ob die Stadt für solch große Fragen nicht doch zu klein ist. Da ist die grüne Ratsfrau Doris Juranek. Sie hat die Kampagne im Stadtrat begonnen, die mit der Abwahl der Gleichstellungsbeauftragten endete, und glaubt, dass Frau Ebeling »an ihrer Persönlichkeit gescheitert« sei. Die Frage, ob sie sich einen eigenen Eindruck von Frau Ebelings Persönlichkeit habe verschaffen können, beantwortet sie mit einem klaren »Nö«. Als Politikerin, sagt sie, müsse sie sich auf das Urteil anderer verlassen.

Die, auf die sich Doris Juranek verlässt, ist Cornelia Grote-Bichoel, die Kreisgeschäftsführerin der Grünen. Sie ist, wie sie sagt, in frauenpolitischen »Netzwerken« aktiv und hat den Eindruck gewonnen, dass die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt sich nicht um Gleichstellung, sondern bloß um allerlei Männeranliegen gekümmert habe. Ist sie da sicher? Immerhin widerspricht Monika Ebeling dieser These vehement. »Der Eindruck ist jedenfalls entstanden«, sagt Frau Grote-Bichoel. Aber hat die Gleichstellungsbeauftragte nicht detaillierte Jahresberichte über ihre ziemlich weit gestreuten Arbeitsschwerpunkte verfasst? Wie sich zeigt, kann Frau Grote-Bichoel dazu nicht viel sagen. Einen dieser Berichte habe sie »mal durchgeblättert« – welcher es war, daran könne sie sich heute nicht mehr erinnern.

Soll man das wirklich glauben: dass die Stadt Goslar unter Führung ihrer Frauenpolitikerinnen auf Basis eines durchgeblätterten Berichts und eines Leumundszeugnisses vom Hörensagen ihre Gleichstellungsbeauftragte in die Wüste geschickt hat?

An dieser Stelle muss nun doch noch von Geschlechterpolitik die Rede sein. Wer Monika Ebeling trifft, erlebt eine eloquente Vertreterin einer unparteiischen Gleichstellungsarbeit. Nicht dass sie die Benachteiligung von Frauen bestreiten würde – sie ergänzt das Bild nur. Männer, argumentiert sie, leben kürzer und bringen sich häufiger um, Jungen haben die größeren Schulprobleme, Väter werden häufiger als Mütter Opfer von Umgangsverweigerung. Wer wollte einen dieser trivialen Befunde bestreiten?, fragt sie. Und gehört es nicht selbstverständlich zu den Aufgaben einer Gleichstellungsbeauftragten, Väter in Sorgerechtskonflikten zu beraten oder Selbsthilfeinitiativen wie ein »Papafrühstück« zu unterstützen?