Länderspiel Österreich - Deutschland22 Freunde

Vermehrt verschaffen sich österreichische Fußball-Legionäre in der deutschen Bundesliga Respekt. Das Nachbarschaftsduell am Freitag wird zu einer internen Auseinandersetzung. von Roger Stilz

Der Linksverteidiger des 1. FSV Mainz 05, Niederösterreicher Christian Fuchs, feiert den Sieg seiner Mannschaft im Spiel gegen Eintracht Frankfurt am 30. April 2011

Der Linksverteidiger des 1. FSV Mainz 05, Niederösterreicher Christian Fuchs, feiert den Sieg seiner Mannschaft im Spiel gegen Eintracht Frankfurt am 30. April 2011  |  © Daniel Roland/AFP/Getty Images

Wenn am Freitag im Wiener Stadion die beiden Fußballnationalmannschaften von Österreich und Deutschland aufeinandertreffen, werden sich viele Spieler schon vor der Partie wie gute, alte Bekannte begrüßen. Beim Warmlaufen. Hier eine Umarmung, da ein Handschlag, ein Lächeln, ein Augenzwinkern. Sie treffen ja das ganze Jahr über fortwährend auf einem Spielfeld aufeinander.

Die Stützen beider Teams sind miteinander vertraut. Und zwar aus direkten Duellen in der deutschen Bundesliga. Sie spielen mit ihren Vereinsmannschaften Wochenende für Wochenende gegeneinander. Und deshalb kommt es am Freitag, wenn sie sich ihre Nationaltrikots überstreifen, nicht so sehr zu einem Nachbarschaftsduell, sondern zu einer Begegnung von Kollegen. Mittlerweile stehen über ein Dutzend österreichischer Profis bei deutschen Erstligisten unter Vertrag. Weitere fünf Legionäre tauchen in der zweithöchsten Spielklasse auf. Kicker aus der Alpenrepublik sind gefragt in dem Land, in dem Fußball als nationaler Religionsersatz dient.

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Früher war das alles ganz anders. »Wiener Kaffeehausfußball halt, langsam, lässig, ungelenk.« Armin Hauffe, der deutsche Fernsehkommentator der Direktübertragung des legendären Nachbarschaftsduells bei der Weltmeisterschaft 1978, hatte nicht viel übrig für die Ballkünste, welche die österreichischen Nationalhelden Herbert Prohaska und Hans Krankl damals in Córdoba vorführten. Das Ergebnis des Spiels, das »Wunder« des 3:2 gegen den Angstrivalen, kennt jedes Kind in Österreich. Córdoba ist ein bis heute unerreichter Moment der Fußballgeschichte. Ob die David-Überraschung freilich am Freitag wiederholt werden kann, ist eher fraglich. In den vergangenen 23 Jahren gelang der österreichischen Auswahl lediglich ein Sieg (ein 4:1 bei einem Freundschaftsspiel 1986 in Wien) gegen den Fußball-Goliath. Zehn Mal trottete sie geschlagen vom Feld.

Österreich wird nicht mehr als »fußballfreie Zone« angesehen

Die österreichische Nationalmannschaft qualifizierte sich in den vergangenen 21 Jahren lediglich für zwei Großturniere. Aktuell rangiert sie an 74. Stelle der Weltrangliste. Doch österreichische Einzelspieler setzen sich vermehrt als Fußballprofis in der glitzernden deutschen Bundesliga durch.

Noch vor drei Jahren hätten auch die kühnsten Experten die stattliche Anzahl von zwanzig Profis, die beim großen Nachbarn Vereinstrikots erobern konnten, ins Reich der Träume verwiesen. Österreichische Fußballer genossen einen traurigen Ruf. Doch nun befinden sich die »Ösis«, wie die Alpen-Profis in deutschen Landen etwas despektierlich bezeichnet werden, auf dem Vormarsch. »Ich vergleiche uns gerne mit der Schweiz. Die Ligen sind auf einem ähnlichen Niveau. Die Möglichkeiten sind gering. Und die Schweizer haben es uns mit einer gezielten Nachwuchsförderung vorgemacht, was als kleines Land möglich ist. Auch bei uns ist nun eine Entwicklung zu sehen«, sagt Martin Harnik, Stürmer beim VfB Stuttgart, der die Saison als Zwölfter der Bundesliga abschloss. In der abgelaufenen Spielzeit gelang dem knapp 24-Jährigen der Durchbruch. Für die Schwaben erzielte er in 32 Partien neun Treffer. Hinzu kamen acht Torvorlagen. Es sei Labsal auf seine Kickerseele, dass nun Österreich an seiner Wirkungsstätte nicht mehr ausschließlich »als fußballfreie Zone, in der man gut Skiurlaub machen kann«, angesehen werde.

Leserkommentare
  1. Es wird sehr schwer werden für die ÖFB-Elf, vor allem taktisch wird Didi Constantini wieder daneben liegen. Ein Nationaltrainer sollte eigentlich fähig sein, mit Kritik von Topspielern nach österreichischem Maß wie Andreas Ivanschitz und Martin Stranzl klarzukommen anstatt sie vorzeitig auszusortieren. Aber auch von Jogi Löw sind wir ja auch einiges gewohnt. Na gut, über Kurani und Frings kann man streiten, aber auf Ivanschitz und vor allem auf Stranzl als besten Verteidiger darf man nicht verzichten. Doppelt schade für dieses Spiel, denn beide spielen ja bekanntlich in der Deutschen Bundesliga und hätten sich das verdient.

    Meinen Landsleuten wünsche ich mal einen Erfolg, den Anhängern von Jogis Elf ein gutes und spannendes Spiel, möge der bessere Gewinnen.

    Der Artikel hat mir sehr gefallen. Respekt vor dem respektvollen Umgang.

  2. Der Artikel gefällt mir sehr gut. Wie schon erwähnt, ist er wirklich objektiv geschrieben!

    Der österreichische Fußball wurde wirklich besser in den letzten Jahren und die Bundesliga profitiert davon. Ich denke zum Beispiel immer wieder gerne an die tollen Tore per Freistoß von Christian Fuchs. Alaba ist zudem wirklich ein außerordentliches Talent. Vielleicht sogar weltweit einer der ausichtsreichesten auf seiner Position. Ich freue mich schon darauf, wenn er in ein paar Jahren für Bayern München auf der europäischen Bühne glänzt.

    Trotzdem: Wir werden morgen klar gegen unsere Nachbarn gewinnen ;)

  3. Es gibt keinen Bericht über ein Länderspiel Österreich : Deutschland ohne die Erwähnung von Cordoba. Deutschland belächelt diesen Mythos, Österreich richtet sich daran auf.
    Dabei hätte Österreich aus eigener Kraft Deutschland bei der EM 2008 aus dem Bewerb werfen können ( http://karinkoller.wordpr... ). Diese Chance ist ungenutzt verstrichen. Gute Spieler gab es damals und gibt es heute noch. Aber ohne Trainer, der ein Konzept erstellt und aus guten Einzelspielern eine Mannschaft macht, wird auch heute kein Erfolg gegen Deutschland möglich sein. Der Mythos wird bleiben und immer wieder thematisiert werden, bis der ÖFB endlich begreift, dass eine Mannschaft nur so erfolgreich sein kann wie ihr Trainer.

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