Es soll ja Menschen geben, für die ein Auto vor allem ein schnödes Vehikel ist, um vergleichsweise selbstbestimmt von A nach B zu gelangen. Manche dieser Menschen erfreuen sich besonders an der praktischen großen Freifläche, die clevere Autobauer rechts unten im vorderen Innenraum eingeplant haben, weil sie da ihre leer getrunkenen Kaffeebecher, geplünderten Gummibärchen-Tütchen und unbezahlten Strafzettel hinmüllen können.

Waschanlagen kennen diese Menschen nur von außen, den Hebel für die Motorhaube gar nicht, und dass es Autostaubsauger geben soll, halten sie für einen Mythos, der sich erstaunlich lange hält. Diese Menschen erfreuen sich in aller Regel eines geruhsamen Autofahrerlebens, in dem sie von störenden Beifahrergeräuschen ebenso weitgehend verschont bleiben wie von Beifahrern selbst. Ich bin so ein Mensch. Und der Hyundai i10 ist mein Wagen.

Die Autotests aus dem ZEITmagazin © Zeit Online

Vier Räder, ein Lenkrad, die Freifläche rechts unten – mehr Auto braucht kein Mensch. Und mehr Mensch als einen Fahrer kein Auto. Im schnickschnackgetriebenen iPadPodPhone-Zeitalter markiert der i10 den kulturgeschichtlichen Gegenentwurf zur Bespaßungsmoderne: die rigorose Reduktion auf das Essenzielle. Einsteigen, starten, losfahren. Startknopf oder Zündschloss? Auf die Kupplung oder auf die Bremse treten, damit das Auto anspringt? Surren kleine Motoren die Rückspiegel beim Einparken in den idealen Blickwinkel, oder muss man noch selber schauen? Hat das Teil hinten schon eine Kamera, oder darf ich mir noch den Hals verrenken? All die Fragen, die einem beim Ersteinstieg in einen der modernen Hightech-Wagen die Zeit rauben, erübrigen sich bei diesem kleinen Koreaner. Man dreht einfach den Schlüssel rum, gibt Gas und fährt.

Alles passt, alles sitzt, alles ist da, wo es sein muss und wo es früher immer war, nichts piept, nichts leuchtet auf, keine Computerstimme quatscht einen an. Herrlich. Und bereits nach wenigen Metern, als man vor der ersten Ampel bremst, bekommt das Essenzielle eine spirituelle Dimension: Es ist alles wie beim ersten Auto, das Kleine, das Billige, das Einfache. Und plötzlich fühlt man sich wieder jung.

Der i10, so denkt man da, ist gar kein Auto, sondern eine Mischung aus Zeitmaschine und Jungbrunnen. Prompt würgt man beim Anfahren den Motor ab.

Technische Daten

Motorbauart: 4-Zylinder-Benzinmotor
Leistung: 51 kW (69 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 15,0 s
Höchstgeschwindigkeit: 156 km/h
CO2-Emission: 110 g/km
Durchschnittsverbrauch: 4,7 Liter
Basispreis: 10.290 Euro

Peter Dausend ist Redakteur im Hauptstadtbüro der ZEIT