FachkräfteGesucht: IT-Experten

Mit den Datenmengen wächst die Missbrauchsgefahr – und das Arbeitsfeld für Sicherheitsberater. von Mischa Drautz

Sein Vater versteht nicht viel von Computern. Deshalb hat sich Volker Burgers auch für ihn eine ganz einfache Antwort überlegt auf die Frage, warum sein Beruf wichtig ist. Er hat zu seinem Vater gesagt: »Ich sorge dafür, dass deine E-Mails nicht geklaut werden.«

Burgers, 25, schreibt gerade bei Siemens Enterprise Communications in Düsseldorf an seiner Masterarbeit zum Thema »Risikoanalyse Cloud-Computing«. Danach darf er sich Internationaler Wirtschaftsingenieur nennen und wird als IT-Sicherheitsberater arbeiten. Cloud-Computing heißt so viel wie In-einer-Wolke-Rechnen: Daten, Software oder Hardware werden nicht mehr auf einer Festplatte vor Ort im Büro gespeichert, sondern – etwas wolkig – irgendwo auf großen Servern im Netz. Neu ist das eigentlich nicht: Schon wer vor 15 Jahren seine erste E-Mail verschickt hat, bewegte sich in der Cloud. Schließlich wurden Mails schon damals meist nicht auf dem eigenen Rechner gespeichert, sondern auf dem Server des E-Mail-Dienstleisters. Früher war nur wegen des kleinen Datenspeichers schnelles Löschen angesagt.

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Derzeit ist Cloud-Computing das Hype-Thema schlechthin im IT-Bereich . »Dem kann sich keiner mehr entziehen«, sagt Burgers. »Es spielt überall irgendwie eine Rolle.« Zum Beispiel scheinen MP3-Player als Abspielgeräte von Musiktiteln langsam überholt zu sein. Man erstellt sich Playlists im Internet und spielt sie dann von dort ab. Auch Smartphone-Apps nutzen die Wolke. Highspeed-Internetverbindungen sind die Grundvoraussetzung für alle Cloud-Dienste.

Ein Passwort allein bietet wenig Schutz

»Die Welt wird immer mobiler. Umso wichtiger wird Cloud-Computing«, sagt Volker Burgers, »weil eben so jeder von überall auf seine IT-Infrastruktur zugreifen kann.«

Wenn er spricht, schaut er einem oft in die Augen, um zu registrieren, ob man seinen Informatikersätzen folgen kann. Wenn er länger geredet hat, fasst er seine Punkte am Schluss noch mal in ein, zwei einfachen Sätzen zusammen. Ein in sich gekehrter Technikfreak ist er nicht. Mit der Cloud müsse das System auch nicht mehr aufwendig verwaltet werden, erklärt Burgers. Man arbeite ständig mit den neuesten Programmversionen, weil man die Dienste ja eher ständig neu miete, als sie einmal zu kaufen und dann bei sich zu installieren.

»Aus technischer Sicht ist Cloud-Computing eigentlich das, was man immer haben wollte«, sagt Linda Strick, die beim Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme arbeitet und an einer Studie über Cloud-Computing mitgewirkt hat. »Für Start-up-Unternehmen ist Cloud-Computing zum Beispiel ideal, weil man schnell eine Top-Infrastruktur besitzt. Geheimdiensten kann man Cloud-Computing dagegen natürlich nicht empfehlen.«

Tatsächlich ist der wunde Punkt an der funktional so hübschen Entwicklung immer noch die Sicherheit der Daten in der ungreifbaren Wolke . Wer die Risiken beurteilt, muss aber erst einmal verschiedene Wolken unterscheiden. Google-Mail beispielsweise gehört zu den sogenannten Public Clouds. Diese sind im Internet für jeden zugänglich, wenn auch passwortgeschützt. Man kann sie sich wie eine Kneipe vorstellen, in die jeder hineindarf. Private Clouds sind dagegen wie Kneipentage mit »geschlossenen Gesellschaften«. Durch Verschlüsselung sind Private Clouds nur wie eine Art Intranet zu erreichen.

Leserkommentare
  1. Offshoring nach China. Soll ja aus Lohngründen noch immer attraktiv sein. So entsteht eine eindeutige WIN-WIN Situation. Der deutsche Unternehmer spart Lohnkosten und die Chinesen kommen leichter an die Daten heran.

    • Lapje
    • 05. Juni 2011 10:47 Uhr

    [...]

    Wenn IT-Experten so gesucht werden, warum bekomme ich als INformatiker dann nirgends einen Job?

    Solange die Firmen nicht von ihrem hohen Ross runterkommen wird sich nichts ändern. Wenn die Unternehmen jemanden suchen, der sich mit 5 Programiersprachen auskennt, dazu noch ein Datenbankexperte ist und gleich die ganze Infrastruktur herstellen kann - natürlich für 1500.- Brutto - dann ist klar dass sie niemanden finden. Oder um es mal für nicht IT'ler verständlich zu machen: Ich kann keinen Dolmetscher bekommen, der 5 Sprachen fließend und Verhandlungssicher spricht, für den Lohn einer Kassiererin im Supermarkt!

    [...]

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    Mit den angeblich so verzweifelt gesuchten IT-Fachkräften verhält es sich im Speziellen genauso wie mit den im Allgemeinen angeblich händeringend gesuchten "Fachkräften". Alles nur reine Propaganda, um ausländische Fachkräfte ins Land zu holen und die Löhne noch weiter zu drücken.
    Jedesmal wenn ich solche Artikel lese, kann ich meine Wut kaum zügeln. Ich bin nämlich einer dieser angeblich gesuchten Informatiker. Und um die Analogie meines Vorkommentators aufzugreifen - ich spreche u.a. drei Fremdsprachen fließend und habe umfangreiche Berufserfahrung. Aber das reicht den Firmen anscheinend noch nicht. Auch nicht meine moderaten Gehaltsvorstellungen. Oder meine zusätzlichen umfangreichen Fortbildungen im Bereich der Soft Skills. Und das ich bereit bin in ganz Deutschland zu arbeiten. Ich bin trotzdem seit längerer Zeit arbeitslos und was ich sowohl im vorherigen Arbeitsleben als auch bei Vorstellungsgesprächen in den Firmen erlebt habe, darüber könnte ich ein Buch schreiben - völlig überzogene Anforderungen, die kein Mensch erfüllen kann. Jugendwahn. Nicht legale Arbeitsverträge. Unmaßliche Arroganz sowie Inkompetenz, gepaart mit grenzenlosem Narzissmus bei Führungskräften. Und eine Einstellung den Arbeitnehmern gegenüber, als befänden wir uns auf Baumwollplantagen in den USA vor dem amerikanischen Bürgerkrieg. Das ist das neoliberale Schlaraffenland Deutschland. In ein paar Jahren wird es dann tatsächlich keine Fachkräfte mehr geben. Der Letzte macht das Licht aus.

    • lepkeb
    • 05. Juni 2011 13:57 Uhr

    erstaunt ist, wie sich anscheinend die Bilder zum Fachkräftemangel im MINT Bereich in D-land gleichen, ob jetzt Ingenieure, Natwiss oder wie hier Informatiker. Denn wie es scheint glauben alle dt. AG in diesen Branchen ihre hochqualifizierten Arbeitnehmer für ein Gehalt kurz über der Armutsgrenze zu bekommen [...]

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  2. Aber nur solange sie scheiße bezahlt werden...
    Das Ausland ist da weitaus attraktiver

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    bei Bewerbungsverfahren auftritt, als ginge es drum, ein Haus zu entrümpeln, kaum Kommunikationsfähigkeit beweist und dazu noch gern Ansprüche erfüllt hätte, wie sie nicht marktüblich sind und die derzeit dort tätigen auch nicht haben, wird das nichts mit dem Beruf...

    Bei uns sind recht viele IT-Leute im Umfeld tätig. Alles Menschen, die lange schon hier leben oft mit Familie und nicht auf der weltweiten Durchreise sind, um mit Minigehältern ihr Dasein zu fristen.

    Wenn ich die Bewerber der letzten 5 Jahre allerdings sehe, habe ich das Gefühl, dass deren Ideen von Einkommen und Büroausstattung und das, was sie von sich anbieten einzubringen, nicht zusammen kommen können.

    Ich würde den meisten empfehlen von ihren Ideen weg zu kommen und zunächst einmal mit dem Arbeiten zu beginnen, zeigen, was sie können und wenn sie tatsächlich solche Überflieger sind, aufzusteigen.... aber dazu scheint mir bei vielen nicht viel hinter dem Anspruchsdenken zu sein.

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    Antwort auf "Meine Güte..."
  4. Was ist denn daran unsachlich Zustimmung zu äußern? Las es sich zynisch oder wie? Sind wir heute ein wenig empfindlich, wa? Fachkräftemangel, my ass...

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    Antwort auf "Meine Güte..."
  6. Nein, Geheimdiensten kann man Cloud-Computing nicht empfehlen. Aber sie empfehlen es uns. Das tun sie natürlich guten Gewissens, denn wir alle haben ja nichts zu verbergen, zahlen immer pünktlich unsere Steuern, auch die Hundesteuer, fahren auch nie bei Rot über die Ampel, nicht einmal bei Gelb. Ich würde mich aufs Äußerste verunsichert fühlen, wenn ich nicht wüsste, dass da oben in den Clouds ständig jemand sitzt und über mein Wohlergehen wacht.

    Herr Gott - für wie bescheuert hält man uns eigentlich?

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