Atomausstieg Gesucht: Ein Gütesiegel
Die Opposition muss die Energiewende mitmachen. Ob sie will oder nicht.
Es ist nicht so, dass es keinen Widerstand gegeben hätte. Nicht jeder in der schwarz-gelben Koalition freundete sich nach der Katastrophe von Fukushima so schnell mit dem beschleunigten Atomausstieg an, wie es Angela Merkel tat. Der Wirtschaftsflügel der Union warnte vor steigenden Strompreisen und dem Schwinden der Versorgungssicherheit. Die FDP entschloss sich, zur Stimme der Vernunft zu werden, was nur heißen konnte, dass sie in puncto Atomausstieg auf die Bremse zu treten gedachte.
Doch es blieb erstaunlich ruhig, Sonntagnacht im Kanzleramt. Kein Streit. Kein Auseinandergehen ohne Ergebnis. Stattdessen sieben Seiten, die Deutschlands »Weg zur Energie der Zukunft« beschreiben. Merkels Energiewende, deren wichtigste Bestandteile schon am kommenden Montag im Kabinett beschlossen werden sollen, nimmt Gestalt an – auch, weil der ihr Stunden zuvor ausgehändigte Bericht der Ethik-Kommission kaum Zweifel an ihrem Kurs zulässt.
Bis »Ende 2022«, das ist der Kern der Einigung, soll Deutschland nun »schrittweise« und »vollständig« auf die Kernenergie verzichten. Der Pannenreaktor Krümmel und die sieben ältesten Meiler gehen nicht wieder ans Netz. Allerdings soll, auf ausdrücklichen Wunsch der FDP, einer davon bis zum Frühjahr 2013 in Reserve gehalten werden, um im Notfall noch einmal Strom liefern zu können. Die umstrittene Brennelementesteuer bleibt bestehen. Gorleben wird als möglicher Standort für ein nukleares Endlager weiter erkundet, »alternative Entsorgungsoptionen« werden allerdings nicht ausgeschlossen. Ein Monitoringprozess soll all das und zudem auch noch die Neuausrichtung der Energieversorgung begleiten, allerdings »ohne die Entscheidung zum Ausstieg aus der Kernenergie noch einmal infrage zu stellen«.
Entscheidung? Das Problem ist, dass bisher vollkommen offen ist, wie Merkel und Co. ihren Ausstiegswillen gesetzgeberisch umzusetzen gedenken. Die Genehmigung zum Betrieb einer Stromfabrik kann der Staat nicht einfach entziehen. Soll die Operation vor Gerichten Bestand haben, muss er schon einen guten Grund nennen für einen solchen Eingriff ins grundgesetzlich geschützte Eigentum. Eine generelle zeitliche Befristung wäre eine Möglichkeit, mangelnde Sicherheit eine andere. Doch erst vor einem guten halben Jahr, als sie die Laufzeiten verlängerte, hatte die Regierung sämtlichen Meilern bescheinigt, sicher zu sein. Womöglich ließe sich das Ende der sieben Altmeiler mit dem Schutz vor Terrorgefahren begründen, aber nach welchem Kriterium die Abschaltung der restlichen zehn Anlagen geregelt werden soll, bleibt bislang unbeantwortet. Im ungünstigsten Fall müssen sie alle erst um das Jahr 2020 vom Netz genommen werden, heißt es aus der Regierung. Das wäre alles andere als der angekündigte »schrittweise« Ausstieg.
Trotz solcher Unklarheiten reklamiert die SPD das Urheberrecht auf die Energiewende. »Das ist ein großer Tag der Genugtuung für alle Atomkraftgegner, ein großer Tag der Genugtuung für die deutsche Sozialdemokratie«, schwärmt Parteichef Gabriel. Zweieinhalb Jahrzehnte lang sei die SPD von CDU, CSU und FDP »verhöhnt, verlacht und beschimpft« worden. »Jetzt sind unsere politischen Gegner gezwungen, unsere Politik zu akzeptieren.« Das klingt, als dürfe die Kanzlerin mit einem parteiübergreifenden Konsens rechnen.
Noch nicht ganz. Schwarz-Gelb betreibe jetzt zwar rot-grüne Energiepolitik, tue das aber nicht konsequent und nicht stimmig genug – so klingen die Kommentare aus der SPD. Und weil die Energiewende in mehr als einem halben Dutzend Einzelgesetzen daherkommen wird, lassen sich Zustimmung und Ablehnung am Ende wunderbar aufteilen – sei es aus Überzeugung, sei es aus politischer Opportunität.
- Datum 01.06.2011 - 14:55 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 1.6.2011 Nr. 23
- Kommentare 11
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Den Ausstieg wollte Rot-Grün schon vor über 6 Jahren. Die CDU/FDP brauchte für diese Einsicht halt zwei Rückwärsrollen und ein paar Jahre länger. Insofern besteht nun über das Ausstiegsdatum Konsenes. Also Haken dran.
Entscheidend aber wird sein, wie sich der dazu erforderliche Ausbau der alternativen Energien entwickeln wird, der nun mit großem Tempo vorangebracht werden muss. Hier liegt doch der eigentliche Knackpunkt.
Dazu muss ja wohl die CDU/FDP Regierung Vorschläge machen oder wollen die nicht mehr regieren?
Hierauf sollten die SPD und Die Grünen meiner Ansicht nach ab sofort das Schwergewicht legen, um in zwei Jahren zum Regierungswechsel die wieder einmal verlorene Zeit des Nichtstuns der CDU/FDP aufzuholen, denn gedanklich ist die CDU/FDP gerade erst beim Ausstieg aus der Atomindustrie angekommen, bzgl. des Ausbaus alternativer Energien aber noch Jahre zurück.
Das scheint die Taktik dieser Regierung. Man muß ihr schon Respekt zollen, wenn sie Angebote ersinnt mit denen man am Ende kaum was anfangen kann, obwohl sie in die richtige Richtung gehen. Das ist die hohe Kunst der Diplomatie in eigener Sache.
Ich traue diesem Vorschlag der Regierung nicht. Aus zwei Gründen:
1. Da die Gesetze wieder so gebastelt werden, dass der Bundesrat nicht beteiligt wird, kann es, je nach Ausführung, dazu kommen, dass man diese Ausstiegsgesetze über das Verfassungsgericht wieder nichtig macht.
2. Da der Ausstieg nach dieser Vorlage ganz plötzlich kommt und man quasi nichts davon hört, wie man die EEG bis 2022 verstärkt fördern will so das der Umstieg auch klappt, kann es sein das die Parteien der "Vernunft" 2017 oder gar 2021 wieder gegen ihr eigenes Gesetz sind, eine Verfassungsklage einreichen und vor dem Stromkollaps warnen. Endergebnis: Der Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg - die Atomkraft lebt weiter.
CDU/CSU/FDP müssen einfach nur eine Grundlage schaffen, damit die EEG nicht so schnell wachsen und effizienter werden, damit man die plötzlich wegfallenden Atomkraftwerke wirklich ersetzen kann.
Die Regierung wird nicht alles aufhalten können, aber das sie versuchen wird geschickt zu blockieren ist bestimmt nicht im Bereich des Unmöglichem. Das machen die großen 4 Versorger schon seit Jahren bei den EEG. Sie steigen in Projekte ein und verlangsamen diese dann.
"Da die Gesetze wieder so gebastelt werden, dass der Bundesrat nicht beteiligt wird, kann es, je nach Ausführung, dazu kommen, dass man diese Ausstiegsgesetze über das Verfassungsgericht wieder nichtig macht."
Ja warum ist das denn so?
Weil die Opposition, auch wenn sie das bekommt, was sie lautstark gefordert hat, erst mal dagegen ist.
Ein Kern-Wahlkampfthema ist weg. Aber anstatt das Wohl des Volkes obenan zu stellen, wird aus machttaktischen Gruenden geblockt. Weil von der Regierung nichts Gutes kommen darf.
Wie waere es, mal den Konsens zu suchen und den Weg ueber den Bundesrat vorzuschlagen. Ich glaube kaum, dass sich die Regierung dem verweigern wuerde oder koennte.
"Da die Gesetze wieder so gebastelt werden, dass der Bundesrat nicht beteiligt wird, kann es, je nach Ausführung, dazu kommen, dass man diese Ausstiegsgesetze über das Verfassungsgericht wieder nichtig macht."
Ja warum ist das denn so?
Weil die Opposition, auch wenn sie das bekommt, was sie lautstark gefordert hat, erst mal dagegen ist.
Ein Kern-Wahlkampfthema ist weg. Aber anstatt das Wohl des Volkes obenan zu stellen, wird aus machttaktischen Gruenden geblockt. Weil von der Regierung nichts Gutes kommen darf.
Wie waere es, mal den Konsens zu suchen und den Weg ueber den Bundesrat vorzuschlagen. Ich glaube kaum, dass sich die Regierung dem verweigern wuerde oder koennte.
Wenn rotgrün glaubwürdig bleiben will dürfen sie NICHT zustimmen!
Diese Atomlaufzeitverlängerung light ist eine Betrügerei. Und es ist nicht nur das: Der Ausbau von WKA, PV u. Biomasse soll, wenn die EEG-Novelle so kommt wie schwarzgelb es will, gestoppt werden.
Scheint Ihr Grundsatz zu sein.
Müssen sich halt alle einschrenken und günstigen
Strom für die Industrie unwichtig
ist eh zu Laut u.Schmutzig
Das Biomasse die Umwelt weit mehr als
Autos belastet ist wohl Nebensache?
Viel Biomasse bedeutet ,
weniger und dafür Teuereres Korn für
Lebensmittel
Scheint Ihr Grundsatz zu sein.
Müssen sich halt alle einschrenken und günstigen
Strom für die Industrie unwichtig
ist eh zu Laut u.Schmutzig
Das Biomasse die Umwelt weit mehr als
Autos belastet ist wohl Nebensache?
Viel Biomasse bedeutet ,
weniger und dafür Teuereres Korn für
Lebensmittel
"Da die Gesetze wieder so gebastelt werden, dass der Bundesrat nicht beteiligt wird, kann es, je nach Ausführung, dazu kommen, dass man diese Ausstiegsgesetze über das Verfassungsgericht wieder nichtig macht."
Ja warum ist das denn so?
Weil die Opposition, auch wenn sie das bekommt, was sie lautstark gefordert hat, erst mal dagegen ist.
Ein Kern-Wahlkampfthema ist weg. Aber anstatt das Wohl des Volkes obenan zu stellen, wird aus machttaktischen Gruenden geblockt. Weil von der Regierung nichts Gutes kommen darf.
Wie waere es, mal den Konsens zu suchen und den Weg ueber den Bundesrat vorzuschlagen. Ich glaube kaum, dass sich die Regierung dem verweigern wuerde oder koennte.
Ihren Kommentar verstehe ich nicht ganz. Das Verhalten der Regierung zeigt doch das sie sich dem Konsens verweigert. Man klammert alles aus und versucht ohne Gespräche seine Linie zu fahren. Ihr Vorschlag einen Konsens zu suchen kann sich ja nur an die Regierung richten.
Bemüht sich die Kanzlerin um einen *echten* Konsens, dann gibt es keinen Grund den Bundesrat mit einzubeziehen.
Ihren Kommentar verstehe ich nicht ganz. Das Verhalten der Regierung zeigt doch das sie sich dem Konsens verweigert. Man klammert alles aus und versucht ohne Gespräche seine Linie zu fahren. Ihr Vorschlag einen Konsens zu suchen kann sich ja nur an die Regierung richten.
Bemüht sich die Kanzlerin um einen *echten* Konsens, dann gibt es keinen Grund den Bundesrat mit einzubeziehen.
Ihren Kommentar verstehe ich nicht ganz. Das Verhalten der Regierung zeigt doch das sie sich dem Konsens verweigert. Man klammert alles aus und versucht ohne Gespräche seine Linie zu fahren. Ihr Vorschlag einen Konsens zu suchen kann sich ja nur an die Regierung richten.
Bemüht sich die Kanzlerin um einen *echten* Konsens, dann gibt es keinen Grund den Bundesrat mit einzubeziehen.
Scheint Ihr Grundsatz zu sein.
Müssen sich halt alle einschrenken und günstigen
Strom für die Industrie unwichtig
ist eh zu Laut u.Schmutzig
Das Biomasse die Umwelt weit mehr als
Autos belastet ist wohl Nebensache?
Viel Biomasse bedeutet ,
weniger und dafür Teuereres Korn für
Lebensmittel
Hätten Sie sich informiert würden Sie wissen daß u.a. gerade der Gülle-Bonus für Biogasanlagen halbiert wird.
[...]
Gekürzt. Bitte bleiben Sie höflich. Die Redaktion/sc
Hätten Sie sich informiert würden Sie wissen daß u.a. gerade der Gülle-Bonus für Biogasanlagen halbiert wird.
[...]
Gekürzt. Bitte bleiben Sie höflich. Die Redaktion/sc
Alle 10 verbleibenden Kraftwerke auf einmal stillzulegen bedeutet, das bis dahin eine erhebliche Zusatzkapazität aus erneuerbaren Energien aufgebaut werden müsste, für die es keinen entsprechenden Bedarf gibt. Die Betreiber der KKW werden bis dahin alles mögliche unternehmen, die Einspeisung dieser Kapazitäten zu verhindern (geschieht ja z.T. schon heute). Folglich können besagte Kapazitäten nicht aufgebaut werden.
Nur bei schrittweisem Abbau der Kernenergie ist ein Ersatz durch erst zu schaffende Kapazität wirtschaftlich möglich.
Sonst wird man 2020/21 feststellen, dass es "leider" noch nicht genug erneuerbare Energieerzeugung gibt.
Ich kann mir nicht denken, dass Merkel hier gemeinsam mit der Atomlobby ein krummes Ding dreht, also ist es wohl nur wieder der gewohnte Murks der aus der Hüfte ballernden Kanzlerin.
Überaschend an den Überlegungen ist doch,dass vor der Schwarz-gelben Regierung der ausstieg schon seit Jahren beschlossen war!?Es müssten doch längst Vorbereitungen für den Ausstieg auf dem Tisch liegen und nun umgesetzt werden.
Ohne Bundesrat ist die Zustimmung aller betroffenen Länder
"null und nichtig" und jederzeit angreifbar.
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