Debatte Wir brauchen einen neuen Aufbruch!

Die private Utopie der Liebe lässt uns unpolitisch werden. Die Demokratien brauchen aber Bürger, die handeln wollen. Zwei Rebellen, zwei Bestseller-Autoren im Gespräch: Stéphane Hessel, 93, ehemaliger Widerstandskämpfer aus Paris, und Richard David Precht, 46, Philosoph und Publizist.

Richard David Precht: Offenbar ist unsere Gegenwart eine Zeit des Übergangs. Wir erleben eine Legitimationskrise der politischen Parteien in allen westlichen Demokratien. Und wir stecken in einer globalen Legitimationskrise der Finanzwirtschaft. Es wird Zeit für einen neuen Gesellschaftsvertrag. Der alte ist aufgezehrt. Ist die demokratische Bürgergesellschaft offen dafür, ihn zu erneuern?

Stéphane Hessel: Mein liebster französischer Soziologe und Philosoph Edgar Morin sagt: Wir stehen auf einer Schwelle. Das empfinde ich auch so. Wir brauchen einen neuen Aufbruch, und wahrscheinlich steht vor einem neuen Aufbruch, ebenso in der Philosophie wie in der Politik, das Gefühl der Bürger: So geht es nicht weiter. Um über die Schwelle zu gelangen, brauchen wir neue grundlegende Werte.

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Precht: Welche sind es, die aufgebraucht sind?

Stéphane Hessel

wurde 1917 in Berlin als Sohn des Schriftstellers Franz Hessel und der Journalistin Helen Grund geboren. Hessel schloss sich 1941 der französischen Résistance an, wurde in das KZ Buchenwald deportiert und entkam den Nazis im April 1945. Nach dem Krieg wurde Hessel Sekretär der UN-Menschenrechtskommission; er hat 1948 bei der Entstehung der Charta der Menschenrechte mitgewirkt.

Sein Buch »Empört Euch!« wurde 2010 zum Bestseller; es ist eine scharfe Kritik des internationalen Finanzkapitalismus

Hessel: Die Werte des Geldes, der Verschwendung und die Werte der Produktion – na ja, gegen die sind wir. Aber wofür sind wir denn? Was sind unsere Grundwerte?

Precht: Es wird auch in Zukunft im Kern um die immergleichen Werte gehen – Sicherheit, Freiheit, Gerechtigkeit, Anerkennung, Sinn. Aber unsere Desorientierung ist mit den Möglichkeiten gestiegen, das individuelle Leben selbst zu bestimmen.

Hessel: Weil sie das Risiko einschließen, sich zu verirren und die Ziele auch zu verfehlen.

Precht: Deswegen sind die Menschen heute nicht immer glücklicher als in früheren Zeiten. Sie sind umzingelt von Möglichkeiten, bei denen sie ständig Angst haben, das Falsche zu wählen.

Hessel: In meiner Generation war es schön, dass das Schlimme klar war. Es war klar, wogegen wir kämpften. Heute müssen wir gegen vieles zugleich kämpfen. Aber wir wissen nicht recht, wie. Wir stehen mit starken Finanzmächten da und schwachen Regierungen. Aber wir brauchen die Regierungen, weil wir Bürger nur über sie mit einem neuen Denken Einfluss nehmen können.

Richard David Precht

wurde 1964 in Solingen geboren. Er hat Philosophie, Germanistik und Kunstgeschichte studiert und ist promovierter Literaturwissenschaftler. Mit seinen Büchern »Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?«, »Liebe – ein unordentliches Gefühl« und »Die Kunst, kein Egoist zu sein« wurde er zu einem der erfolgreichsten deutschen Sachbuchautoren der Gegenwart.

Er lebt mit seiner Familie in Köln und Luxemburg. Derzeit ist Richard David Precht Honorarprofessor an der Universität Lüneburg

Precht: In Ihrem neuen Buch Engagiert Euch! weht ein platonischer Geist. Sie wünschen sich, dass die aufgeklärten Eliten mehr Macht und Einfluss bekommen. Sie sprechen zwar nicht von einer Weltregierung, aber immerhin von einer »Weltregulierung«. Das erinnert mich an die Wächter, die Philosophenkönige, die Platon sich ausgemalt hat, also an die Verschmelzung von Politik und Philosophie.

Hessel: Es stimmt, ich setze auf globale Institutionen.

Precht: Das ist kein Zufall, Sie selbst haben eine große Rolle beim Aufbau von globalen Regeln gespielt, wie der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948, die Sie mitformuliert haben. Trauen Sie globalen Institutionen in der zukünftigen Welt zu, Philosophenkönige zu stellen?

Hessel: Das ist die Hauptfrage. Wir können uns nicht von den globalen Institutionen verabschieden, wir haben nichts anderes. Denken Sie vor allem an die UN, eine große Institution, aber mit ungenügender Macht.

Precht: Wer kann heute handeln?

Hessel: Wir müssen versuchen, Gedanken nicht nur in Institutionen, sondern auch in die Köpfe der jungen Leute zu bringen. Um ihre Haltung ändern zu können, brauchen sie Gedanken der Gelassenheit, der Nicht-Gewalt, des Zusammenlebens von Kulturen, von Zivilisationen. Wir brauchen asketische Menschen, wie der liebe Sloterdijk immer wieder sagt. Wir brauchen Menschen, die genügend Vertrauen in sich selbst haben und dabei wissen, dass die Institutionen nur das sind, was sie gewollt haben.

Precht: Seine Seele in Bestform zu bringen und sich an der Tugend zu orientieren – dieser platonische Geist ist mir nicht unsympathisch. Der platonische Geist, der mir dagegen etwas fremd ist, ist die Weltregulierung – sie scheint mir allzu utopisch. Wird sie sich je gegen die Macht- und Verwertungsinteressen des Kapitals durchsetzen können?

Leser-Kommentare
    • anyweb
    • 05.06.2011 um 15:58 Uhr

    Das ist ja alles sehr nett und wohlklingend, aber über diese Dinge redet doch mittlerweile jeder, der sich auf ein Bier mit Freunden trifft. Wir brauchen eine Weltregulierung, die Zügelung der Banken und Perspektiven für die jungen Leute....Ich sage nicht, dass man überhaupt eine umfassende philiosophische Antwort auf die Probleme unserer komplexen Lage Finden kann, aber diese Art der Wohlfühl-Philosophie ist mir zu wenig.
    Lieber eine gewagte, hoffnungsvolle These, die sich als zu radikal oder zu schwer umsetzbar herausstellt, als diese resignative klein-klein Analyse ohne neuen Esprit.

  1. Wie sehr wünsche ich mir, dass solche Menschen, wie diese beiden Gesprächspartner, mehr Gewicht bekommen. Auch dadurch, dass viele andere ihre Gedanken weiter denken und empfinden. Danke für diesen Dialog!

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    ... beiden Gesprächspartner, mehr Gewicht bekommen."

    Dass man von "solchen Leuten", wie den beiden 20-30 Jahre lang kaum was gehört hat, liegt an den Soziologen, Künstlern und Philosophen selber.

    Schauen sie sich mal nur die SPD-nahen Künstler an. Viele von denen repetieren heute immer noch, dass Hartz IV notwendig und richtig war, weil Deutschlands Unternehmer damit zu ultra-erfolgreichen Exporteuren wurden. Da wir der kurzsichtige parteipolitische Erfolg dankbar angenommen und es wird ignoriert, dass Deutschlands Hyper-Export dabei ist die EU auseinander zu sprengen.

    Es wird akzeptiert, dass die Unternehmer die Gewinne des Exports einstecken, dabei kaum Steuern zahlen und die Steuergelder der kleinen Leute dazu genutzt werden, das System aus Rettung und Bad Banks am Leben zu halten. Zum Preis, dass sich der Staat hoffnungslos verschuldet, beiden Banken abhängig wird und der Zinsdienst zum zusätzlichen Boost für die Umverteilung von unten nach oben wird.

    Keiner hat unseren Soziologe, Künstlern und Philosophen verboten öffentlich zu denken. Alles was wir die letzten Jahre hatten, war dann leider z. B. ein Sloterdijk, der auf der neoliberalen Welle, ganz der waghalsige Prozykliker, seinen gesellschaftspolitischen Teufelsritt wagte und empfahl, man möge die Reichen ganz von den Steuern befreien, dann wären sie sicherlich versöhnt mit dem Staat und würden ihn freiwillig appanagieren.

    ... beiden Gesprächspartner, mehr Gewicht bekommen."

    Dass man von "solchen Leuten", wie den beiden 20-30 Jahre lang kaum was gehört hat, liegt an den Soziologen, Künstlern und Philosophen selber.

    Schauen sie sich mal nur die SPD-nahen Künstler an. Viele von denen repetieren heute immer noch, dass Hartz IV notwendig und richtig war, weil Deutschlands Unternehmer damit zu ultra-erfolgreichen Exporteuren wurden. Da wir der kurzsichtige parteipolitische Erfolg dankbar angenommen und es wird ignoriert, dass Deutschlands Hyper-Export dabei ist die EU auseinander zu sprengen.

    Es wird akzeptiert, dass die Unternehmer die Gewinne des Exports einstecken, dabei kaum Steuern zahlen und die Steuergelder der kleinen Leute dazu genutzt werden, das System aus Rettung und Bad Banks am Leben zu halten. Zum Preis, dass sich der Staat hoffnungslos verschuldet, beiden Banken abhängig wird und der Zinsdienst zum zusätzlichen Boost für die Umverteilung von unten nach oben wird.

    Keiner hat unseren Soziologe, Künstlern und Philosophen verboten öffentlich zu denken. Alles was wir die letzten Jahre hatten, war dann leider z. B. ein Sloterdijk, der auf der neoliberalen Welle, ganz der waghalsige Prozykliker, seinen gesellschaftspolitischen Teufelsritt wagte und empfahl, man möge die Reichen ganz von den Steuern befreien, dann wären sie sicherlich versöhnt mit dem Staat und würden ihn freiwillig appanagieren.

    • helgam
    • 05.06.2011 um 16:20 Uhr

    Möge Herr Hessels Zuversicht uns alle erreichen.
    Solange die menschen lernfähig bleiben und ein Gespür für recht und Unrecht behalten , bleibt die Gesellschaft lebendig.
    Momentan fliegt man von seiner Arbeitstelle, wenn man berechtigte Kritik an den oft intransparenten Umstrukturierungen in Behörden oder anderen Einrichtungen vorbringt.
    Belohnt werden in der Regel die, die die (fragwürdigen) Zielsetzungen mittragen . Die Medien helfen uns zu selten.
    Aber Asien und Afrika haben viele jungen Menschen und diese sind nicht dumm. Sie haben (im Ggs.zu vielen Westlern) noch die bitteren Erfahrungen im Kopf und werden sich ihren Anteil an der Welt zurecht zurückholen.Es wird spannend, welche Regeln dann gelten, wo doch die NATO-EU sich über Völkerrecht weltweit hinwegsetzte.
    Wi

    • TDU
    • 05.06.2011 um 16:37 Uhr

    Schon dieses Satemnt ist so alt wie der ganze Exkurs auf den ersten zwei Seiten. Den Rest lese ich später.

    Wenn alle Menschen mit Liebe beschäftigt wären und sie pflegen würden: Die Gefährtin, den Gefährten, die Kinder, die Arbeit, wofür würde man Institutionen brauchen? Zur Regelung des Daseins und zu nichts sonst.

    Nicht für Ideologien, um dem Menschen was einzutrichtern. Das hält ihn von der Liebe ab, damit die Institutionen und Mächtigen sich erhöhen können. Dann alles stören um dann beim Durcheinander wieder gebraucht werden und behaupten können: Die Liebe ist apolitisch.

    Genauso pauschal sidn meine Ausführungen, wie diese ewig gleiche Kritik am Besitzen und dem Warencharakter allen Seins.

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    ... diejenigen, die von genuegend anderen Menschen geliebt werden, brauchen vermutlich keine Institutionen. Leider ist Liebe ziemlich ungerecht verteilt. Institutionen stellen sicher, dass auch die Ungeliebten ein Mindestmass an elementarer Versorgung (wenn auch nicht emotionaler Art) erhalten.

    ... diejenigen, die von genuegend anderen Menschen geliebt werden, brauchen vermutlich keine Institutionen. Leider ist Liebe ziemlich ungerecht verteilt. Institutionen stellen sicher, dass auch die Ungeliebten ein Mindestmass an elementarer Versorgung (wenn auch nicht emotionaler Art) erhalten.

  2. "In beiden Fällen entstanden neue Gesellschaftssysteme, weil die alten Eliten sich in einer Legitimationskrise befanden. Es gab eine Kluft zwischen dem, was legal war, und dem, was die Bevölkerung für legitim hielt. Diese Situation ist heute nicht anders. Wir brauchen eine dritte Aufklärung."

    Ich finde diesen Abschnitt wirklich sehr treffend.
    Es mag heute Recht sein, dass Banken extrem viel Geld horten oder für 20% Dividende verwenden aber ist es auch legitim, wenn man mit dem Geld so viel sinnvolleres tun kann?

  3. Man darf "die Geschichte der europäischen Einheit" nur auf die erste Art erzählen. Es ist die gute, Kraft und Zuversicht gebende Art.

    Die andere, die zweite Art ist die eines sich an seinem ach so abgeklärten Zynismus distinktionssüchtig Delektierenden (damit sind nicht Sie gemeint)und ist daher nicht tragfähig im Hinblick auf positive Entwicklungen.

    Sie, die letztere, nährt irgendwas, das Ego im Zweifelsfall, aber nicht die gute Kraft für alle.

    Anders gesagt: Hobbes'scher "Realismus" tötet ab und wird hauptsächlich von Profiteuren dieser "Realitäten" hochgehalten (eine Strategie, derer Sie unverdächtig sind.)

    Eine Leser-Empfehlung
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    "Man darf "die Geschichte der europäischen Einheit" nur auf die erste Art erzählen. Es ist die gute, Kraft und Zuversicht gebende Art."

    Welche europäische Einheit? Es gibt keine.

    Und man kann gerne europäische Utopien anstreben, aber man sollte die dann auch mal kritisch hinterfragen BEVOR man Fakten schafft.

    Auch Hessel werfe ich das vor, er redet über Demokratie und wünscht sich gleichzeitig eine Weltregierung aus "aufgeklärter Elite". Wie das zusammenpassen soll, diese Erklärung bleibt er schuldig.

    Sicher ein symphatischer Mann, aber gut gemeint ist eben nicht immer auch gut gemacht und konkrete Ideen hat er eher wenige. Wünschen tu ich mir auch viel.

    "Man darf "die Geschichte der europäischen Einheit" nur auf die erste Art erzählen. Es ist die gute, Kraft und Zuversicht gebende Art."

    Welche europäische Einheit? Es gibt keine.

    Und man kann gerne europäische Utopien anstreben, aber man sollte die dann auch mal kritisch hinterfragen BEVOR man Fakten schafft.

    Auch Hessel werfe ich das vor, er redet über Demokratie und wünscht sich gleichzeitig eine Weltregierung aus "aufgeklärter Elite". Wie das zusammenpassen soll, diese Erklärung bleibt er schuldig.

    Sicher ein symphatischer Mann, aber gut gemeint ist eben nicht immer auch gut gemacht und konkrete Ideen hat er eher wenige. Wünschen tu ich mir auch viel.

  4. ... beiden Gesprächspartner, mehr Gewicht bekommen."

    Dass man von "solchen Leuten", wie den beiden 20-30 Jahre lang kaum was gehört hat, liegt an den Soziologen, Künstlern und Philosophen selber.

    Schauen sie sich mal nur die SPD-nahen Künstler an. Viele von denen repetieren heute immer noch, dass Hartz IV notwendig und richtig war, weil Deutschlands Unternehmer damit zu ultra-erfolgreichen Exporteuren wurden. Da wir der kurzsichtige parteipolitische Erfolg dankbar angenommen und es wird ignoriert, dass Deutschlands Hyper-Export dabei ist die EU auseinander zu sprengen.

    Es wird akzeptiert, dass die Unternehmer die Gewinne des Exports einstecken, dabei kaum Steuern zahlen und die Steuergelder der kleinen Leute dazu genutzt werden, das System aus Rettung und Bad Banks am Leben zu halten. Zum Preis, dass sich der Staat hoffnungslos verschuldet, beiden Banken abhängig wird und der Zinsdienst zum zusätzlichen Boost für die Umverteilung von unten nach oben wird.

    Keiner hat unseren Soziologe, Künstlern und Philosophen verboten öffentlich zu denken. Alles was wir die letzten Jahre hatten, war dann leider z. B. ein Sloterdijk, der auf der neoliberalen Welle, ganz der waghalsige Prozykliker, seinen gesellschaftspolitischen Teufelsritt wagte und empfahl, man möge die Reichen ganz von den Steuern befreien, dann wären sie sicherlich versöhnt mit dem Staat und würden ihn freiwillig appanagieren.

    Antwort auf "Inspirierender Dialog"
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    ... dass - wie in den Kommentaren bereits von einigen Mitforisten angemerkt wurde - die Probleme sehr komplex sind und man diese eben nicht_so_einfach in der Öffentlichkeit präsentieren, diskutieren und erläutern kann, wie sich das viele Menschen vielleicht vorstellen.

    Wenn ich mir die Diskussions"kultur" in den Talkrunden der Fernsehsender ansehe, sehe ich dort keine Plattform, um bspw. soziologisch-systemtheoretische Betrachtungen über die Bankenkrise zu senden (wie es im Gespräch zwischen Dirk Baecker und Alexander Kluge in der Sendung "News und Stories - Der blinde Fleck in der Intelligenz der Banken" sehen konnte - Videos finden sich auf youtube). Bei anderen Frage- bzw. Problemstellungen ist es ähnlich.

    Ich habe häufig den Eindruck, man möchte simple Antworten auf extrem komplexe Sachverhalte, damit es auch noch der Letzte kapiert. Nur häufig gibt es in solchen gesellschaftlich-sozialen Themengebieten eben nicht "die eine Wahrheit", weil diese vom jeweiligen Blickwinkel abhängig ist (darunter fasse ich nicht nur eine konstruktivistische Perspektive, sondern auch verschiedene theoretische Erklärungsansätze etc.).

    Ich sehe im Moment einfach nicht, wie dies auf eine Art und Weise zu leisten wäre, an der auch die entsprechenden Sender ein Interesse hätten. Einzig die öffentlich-rechtlichen Sender könnte ich mir hier vorstellen, aber auch die sind stark an der Quote orientiert und senden lieber den Musikantenstadl, als eine sozialwiss. geprägte Diskussionsrunde.

    ... dass - wie in den Kommentaren bereits von einigen Mitforisten angemerkt wurde - die Probleme sehr komplex sind und man diese eben nicht_so_einfach in der Öffentlichkeit präsentieren, diskutieren und erläutern kann, wie sich das viele Menschen vielleicht vorstellen.

    Wenn ich mir die Diskussions"kultur" in den Talkrunden der Fernsehsender ansehe, sehe ich dort keine Plattform, um bspw. soziologisch-systemtheoretische Betrachtungen über die Bankenkrise zu senden (wie es im Gespräch zwischen Dirk Baecker und Alexander Kluge in der Sendung "News und Stories - Der blinde Fleck in der Intelligenz der Banken" sehen konnte - Videos finden sich auf youtube). Bei anderen Frage- bzw. Problemstellungen ist es ähnlich.

    Ich habe häufig den Eindruck, man möchte simple Antworten auf extrem komplexe Sachverhalte, damit es auch noch der Letzte kapiert. Nur häufig gibt es in solchen gesellschaftlich-sozialen Themengebieten eben nicht "die eine Wahrheit", weil diese vom jeweiligen Blickwinkel abhängig ist (darunter fasse ich nicht nur eine konstruktivistische Perspektive, sondern auch verschiedene theoretische Erklärungsansätze etc.).

    Ich sehe im Moment einfach nicht, wie dies auf eine Art und Weise zu leisten wäre, an der auch die entsprechenden Sender ein Interesse hätten. Einzig die öffentlich-rechtlichen Sender könnte ich mir hier vorstellen, aber auch die sind stark an der Quote orientiert und senden lieber den Musikantenstadl, als eine sozialwiss. geprägte Diskussionsrunde.

    • TDU
    • 05.06.2011 um 17:11 Uhr

    Genau. Die könnte mit Hilfe des Internet als kritische, aufdeckende und informierende Gemeinschaft gelingen. Als internationale Dorfgemeinschaft, die den Mächtigen und denen entgegensteht, die schon die Deutungshoheit okkupieren wollen.

    Utopien und Entwürfe sind nur dann gefährlich, wenn man ihnen den Menschen unterordnen will. Wer hat denn sonst was dagegen. Die Machbarlkeitsfrage wird allerdings früher als sonst gestellt. Zu früh vielleicht. Und warum? Weil die Güter und Ressuorcen wegen neuer Partner im Verteilungskampf knapper werden. Und m. E. wird das regelmässig ausser acht gelassen.

    Die wohl ausgestatteten Prediger des Verzichts haben dann Konjunktur, statt in der Gemeinschaft für ein mehr zu kämpfen und zu arbeiten. Kein Wunder, dass die Finanzmärkte so stark sind. Die Kritiker machen selbst den Kotau. Indem sie die eigenen Bedürfnisse abwerten und klein reden. Ok. essen, trinken, urlauben, stromverbrauchen wir alle nicht mehr so viel.

    Wen trifft das denn?. Doch nicht die Inhaber der Finanzmärkte. Diejenigen, für die dann noch weniger übrig ist, während die Wohlversorgten die Lücken schliessen. Gut, dass es noch keine Weltregierung gibt. Dann gäbs gar kein Entkommen mehr und die Zementierung von arm und reich wäre endgültig organisiert.

    Jedenfalls unter Zugrundelegung der Konzepte der Gesprächspartner, die nach meiner Ansicht mit alten Begründungen zu neuen Ergebnissen kommen wollen.

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    Die könnte mit Hilfe des Internet als kritische, aufdeckende und informierende Gemeinschaft gelingen.
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    Darum versuchen CDU und SPD das ja auch durch die Hintertür zu zensieren. Noch hält die FDP dagegen.... noch

    Die könnte mit Hilfe des Internet als kritische, aufdeckende und informierende Gemeinschaft gelingen.
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    Darum versuchen CDU und SPD das ja auch durch die Hintertür zu zensieren. Noch hält die FDP dagegen.... noch

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