"Ich würde nicht wieder einen Freund in ein Amt berufen"
ZEITmagazin: Berichtet wurde über Sie und Ihren Partner erst, als Sie nicht mehr Bürgermeister waren. Drei Wochen nach dem Ausscheiden sind Sie gemeinsam zur Eröffnung eines Armani-Shops erschienen. Haben Sie gedacht, das interessiert keinen mehr?
Ole von Beust: Mich hat die Reaktion gewundert. Ich dachte, dass man mit dem Ausscheiden aus dem Amt nicht mehr Gegenstand der öffentlichen Betrachtung ist. Da war ich naiv.
ZEITmagazin: Ihr Partner ist mehr als 30 Jahre jünger als Sie . Auch aus diesem Grund war die Überraschung groß.
Ole von Beust: Das ist doch bei anderen genauso. Denken Sie nur an Joschka Fischer oder an Franz Müntefering und seine heutige Frau. Darüber wurde genauso geschrieben.
ZEITmagazin: Es gab nach der Konfrontation mit Schill noch eine zweite Situation, in der das Private für Sie politisch wurde. Sie hatten mit Roger Kusch einen Freund zu Ihrem Justizsenator gemacht. Nach einer Reihe von politischen Affären haben Sie ihn 2006 entlassen. War es im Rückblick ein Fehler, jemanden zum Senator zu machen, der Ihnen nahestand?
Ole von Beust: Wenn Sie mit jemandem lange befreundet sind, sind Sie befangen, positiv wie negativ. Es ist daher schwierig, einen Freund in ein Amt zu berufen, das Sie selbst vergeben. Ich würde es nicht wieder machen.
ZEITmagazin: Sehen Sie Kusch heute noch?
Ole von Beust: Wir hatten zunächst lange Zeit keinen Kontakt mehr, aber das hat sich wieder normalisiert. Ich bin nach wie vor mit ihm befreundet. Manches, was er sagt, halte ich für richtig, manches für falsch.
ZEITmagazin: Sie meinen Kuschs Einsatz als Sterbehelfer , der sogar staatsanwaltschaftliche Ermittlungen nach sich gezogen hat.
Ole von Beust: Dafür kritisiere ich ihn. Wobei ich mich mehr an der Form stoße als an der Sache.
ZEITmagazin: Herr von Beust, welches war die beste Zeit in Ihrem Leben?
Ole von Beust: Die Jahre 2004 bis 2008, als wir in Hamburg mit absoluter Mehrheit regiert haben. Da war ich sehr frei und konnte im Grunde machen, was ich wollte.
ZEITmagazin: Sie galten als König von Hamburg...
Ole von Beust: ...ach, immer hieß es, ich würde präsidial regieren. Vielleicht sehe ich so aus, vielleicht rede ich so, aber ich habe mein Amt sicher nicht wie ein Präsident geführt.
ZEITmagazin: Wäre Bundespräsident eigentlich etwas für Sie gewesen?
Ole von Beust: Ach, wenn man mich gefragt hätte – ich hätte nicht Nein gesagt.
ZEITmagazin: Und heute? Könnten Sie sich denn vorstellen, noch einmal in die Politik zurückzukehren?
Ole von Beust: Ich sehne mich nicht danach, und ich bitte nicht darum. Aber wenn es eine interessante Aufgabe gäbe, dann würde ich darüber nachdenken.
- Datum 30.05.2011 - 15:58 Uhr
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- Quelle ZEITmagazin, 1.6.2011 Nr. 23
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Mit diesem Thema haben sich schon viele beschäftigt.
Doch handelt es sich hier nicht viel mehr um überzogenes Machtgehabe, Prüderie und Neid auf der Seite derer, die vergessen haben, wer sie sind? :)
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