Krimi-BestenlisteDie zehn besten Krimis im Juni

Jeden ersten Donnerstag im Monat geben Literaturkritiker und Krimispezialisten die Romane bekannt, die ihnen am besten gefallen haben.

1(1) Friedrich Ani: Süden
Droemer, 368 S., 19,99 € München
Nach sieben Jahren Exil in Köln kehrt Tabor Süden zurück. Sein verschwundener Vater war am Telefon. Ex-Kommissar und Neu-Detektiv Süden sucht wie nie zuvor: nach dem Vater, nach Mundl, dem vermissten Kneipier. Südens Comeback zu den Verlorenen. Einzig, großartig.

2(-) James Sallis: Der Killer stirbt
A. d. Engl. v. Jürgen Bürger und Kathrin Bielfeldt; Liebeskind, 256 S., 18,90 €
Phoenix, Arizona: Ein Junge, von den Eltern verlassen. Ein Berufsmörder, dem Kraft und Augenlicht schwinden. Ein Detective, dessen Frau stirbt. Ein Mann sucht den Mörder seines Vaters. Er will ihm danken. Leben – Sterben. Ein Buch vom Alleinsein: seltsam, traumhaft, betörend, hart. "Ihr müsst hinschauen!"

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Das Beste vom Besten

An jedem ersten Donnerstag des Monats wählen 18 Literaturkritiker und Krimispezialisten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz die zehn Kriminalromane, die ihnen am besten gefallen haben. Sie halten nach dem literarisch interessanten, thematisch ausgefallenen, besonderen Kriminalroman Ausschau. Die KrimiZeit-Bestenliste entsteht in Kooperation von DIE ZEIT und NordwestRadio. Die Jury besteht aus 18 Spezialisten für Kriminalliteratur, die aus der laufenden Produktion jeweils 4 Titel vorschlagen, die sie mit 7,5,3 oder 1 Punkt bewerten. Der so gefundene Punktwert pro Titel wird mit der Zahl der Stimmen multipliziert, die auf ihn entfallen sind. Daraus wird die monatliche Liste berechnet. Jedes Jurymitglied darf insgesamt drei Mal für den selben Titel votieren. Voten für Titel, an deren Entstehung oder Vorbereitung man beteiligt war, sind verboten. Die Titel dürfen nicht älter als 12 Monate sein und keine Wiederauflagen, Sammelbände oder Anthologien. Unterschiede zwischen Hardcover, Paperback und Taschenbuch werden nicht gemacht. Im Schnitt kommen 5 Titel neu auf die monatliche Liste. Die Ziffer in Klammern gibt den Rang des Vormonats an.

Die Jury

Tobias Gohlis, Kolumnist DIE ZEIT, Sprecher der Jury,
Volker Albers, "Hamburger Abendblatt",
Andreas Ammer, "Druckfrisch", Dlf, BR,
Gunter Blank, "Sonntagszeitung",
Thekla Dannenberg, "Perlentaucher"
Fritz Göttler, "Süddeutsche Zeitung",
Michaela Grom, SWR,
Hannes Hintermeier, "Frankfurter Allgemeine Zeitung",
Lore Kleinert, Radio Bremen,
Elmar Krekeler, "Die Welt",
Kolja Mensing, DRadioKultur,
Ulrich Noller, Deutsche Welle, WDR,
Jan Christian Schmidt, "Kaliber 38",
Margarete v. Schwarzkopf, Literaturkritikerin,
Ingeborg Sperl, "Der Standard",
Sylvia Staude, "Frankfurter Rundschau",
Jochen Vogt, NRZ, WAZ,
Hendrik Werner, "Weser-Kurier",
Thomas Wörtche, "Penser Pulp bei Diaphanes", "culturmag", DradioKultur

Die Jury der KrimiZEIT-Bestenliste erreichen Sie über
Krimibestenliste@zeit.de.

3(2) Peter Temple: Wahrheit
Aus dem Englischen von Hans M. Herzog;C. Bertelsmann, 480 S., 21,99 €
Melbourne, Victoria. Nackte Tote in gläserner Wanne. Drei Räuber gefoltert. Vaters Haus vom Waldbrand bedroht. Wahlkampf in Victoria. Tochter auf Droge. Stephen Villani, Leiter der Mordkommission, ist klug, kein mutiger Mann, aber tapfer im Sturm des Jetzt. Ausgezeichnet: Bester australischer Roman 2010.

4(6) Dominique Manotti: Roter Glamour
Aus dem Französischen von Andrea Stephani;Ariadne im Argument Verlag, 256 S., 12,90 €
Paris/Libanon 1985. Wie tickt die Elite der Franzosen? Zeitbombenmäßig, sexbesessen, machtgeil. Im Schatten des Präsidenten arrangiert Ex-Nazi-Kollaborateur Bornand Raketenschmuggel, Polizeiaktionen, Meuchelmorde. Und stolpert über eine fixe, harte Araberin: Noria Ghozali. Bitte mehr davon!

5(-) Giancarlo de Cataldo: Schmutzige Hände
Aus dem Italienischen von Karin Fleischanderl; Folio, 376 S., 22,90 €
Italien 1992–93. Fortsetzung des grandiosen Romanzo Criminale. Politik & Mafia, Geheimnis & Gewalt, Liebe & Betrug. Die Cosa Nostra bombt, Polizist Scialoja dealt, Agent Rossetti schickt die Killer los. Italien vor Berlusconi. Autor & Richter de Cataldos Binnensicht – ein Thrill der Tatsachen. Bravourös, notwendig.

6(10) Reginald Hill: Der Tod und der Dicke
Aus dem Englischen von Karl-Heinz Ebnet; Droemer, 560 S., 22,99 €
Mid-Yorkshire/Manchester. Nach einem Bombenanschlag liegt DSI Dalziel im Koma. Sein DCI Pascoe wächst auf der Suche nach der Wahrheit über sich hinaus. Terroristen, angebliche Terroristen, der Irakkrieg und England danach – Hill knüpft Fädchen zu Fallstricken. Kunstvoll, human, göttlich.

7(-) Leif GW Persson: Der sterbende Detektiv
A. d. Schwedischen v. Lotta Rüegger und Holger Wolandt; btb, 542 S., 14,99 €
Stockholm 2010. Johansson, Ex-Chef des Reichskriminalamtes, hat einen Schlaganfall. Am Krankenbett erhält er neue Indizien zum Mordfall Yasmine. Die letzte Meisterleistung des Detektivs: Vom Sofa aus klärt der Moribunde den Kindermord von vor 25 Jahren auf. Anrührend, witzig, elegant. Intelligente schwedische Arbeit.

8(3) Daniel Woodrell: Winters Knochen
Aus dem Englischen von Peter Torberg; Liebeskind, 224 S., 18,90 €
Tief in den Ozarks. Jessup, bester Meth-Koch im Tal, ist verschwunden, sein Haus für die Kaution verpfändet. Die 16-jährige Ree muss des Vaters Tod beweisen, sonst landet sie mit Mutter und kleinen Brüdern auf der Straße. Ree steht’s durch, härter als alle. Country Noir, original vom Erfinder.

9(-) Malla Nunn: Lass die Toten ruhen
A. d. Englischen von Armin Gontermann; Rütten & Loening, 384 S., 19,95 €
Durban 1952. Ex-Detective und Schauermann Cooper wird Zeuge des Mordes an einem elfjährigen weißen Jungen. Cop bleibt Cop. Cooper buddelt und wühlt üblen Dreck auf: Rassistischer Terror der Apartheid, Kalter Krieg, Paranoia. Authentisch und zornig. Südafrika aus Underdog-Sicht. Nunn zum Zweiten!

10(5) Patrick Pécherot: Belleville – Barcelona
Aus dem Französischen von Cornelia Wend; Edition Nautilus, 224 S., 14,90 €
Paris 1938. Nestor Burma – der Detektiv, den Leo Malet unsterblich gemacht hat – soll ein Bürgertöchterchen finden und landet plauz! im Weltbürgerkrieg. Waffen für Spanien, ein blutsaufender GPU-Killer, ein Zauberer und André Breton sind Pécherots Zutaten: brillanter Histoire-Remix.

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Leserkommentare
  1. Der Tatort ist doch, mit 10 Millionen, mit der Erfolgreichste Krimi, vier mal im Monat, und sollte hier auch Einfluß bekommen.
    Am Sonntag 10 Millionen, schafft nicht jeder.

  2. Sorry es ging ja um Literatur.

  3. auf diese Weise ein Segment, das ohnehin keiner Förderung bedarf und vernachlässigt darüber die ernsthafte Literatur?

  4. Der beste Krimi aller Zeiten ist und bleibt Shakespeare's Hamlet. Anderes zu lesen lohnt sich nicht!

    - Wer hat Hamlet's Vater wirklich umgebracht?
    - Was war da mit der Mausefalle?
    - Was machte Hamlet in England, das ihn so veränderte?

    • gohlis
    • 03. Juni 2011 10:44 Uhr

    Die KrimiZEIT-Bestenliste fördert keine Segmente, sondern stellt gute und ernsthafte Literatur vor. Die gibt es auch unter Krimis, selbst wenn das manche verbohrten Un-Bildungsbürger nicht wahrhaben. Ich glaube nicht, dass jemand den Nachweis führen kann, dass auch nur ein Titel dieser exzellenten Juni-Bestenliste läppisch, trivial oder belanglos ist.

  5. Da ich hier schon den ganzen Tag mir meine Augen schwindlig und verschwommen lese, durch die Vielzahl von interessanten Kommentare, und ich keine Brille dazu brauche noch nicht, kann ich wirklich nicht mehr Abends noch ein Buch lesen.
    Krimich genug ist ja der einfache Blog hier manchmal auch.
    Ist Hamlet lesen wirklich nicht langweilig?
    Ich bewundere die Leute, die wirklich noch sone 700 Seiten genügsam auslesen.

    • ManRai
    • 28. Juni 2011 13:27 Uhr

    Ich persoenlich stelle Krimis sofort zurueck wenn ich "aus dem Englischen/Amerikanischen" lese. Wir haben herausragende deutsche Krimiautoren auch mit viel of skurilem Humor, wo bleiben die in der Liste. Fuer mich keine Kaufempfehlung......

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