Mimi Müller-Westernhagen Mimis Freiheit

Die Mutter ein Model, der Vater ein Rockstar – und wer ist sie selbst? Mimi Müller-Westernhagen hat lange nach ihrem eigenen Weg gesucht – und nach ihrer eigenen Musik.

Es beginnt gleich nach ihrer Geburt im September 1985, im Krankenhaus. Die Mutter, das englische Model Polly Eltes, ist ganz sicher, dass die Stimme des Babys sie an Ella Fitzgerald erinnert, und will es Ella nennen. Der Vater ist dagegen, Ella sei kein guter Name für ein junges Mädchen. Er will lieber, dass sie Reema heißt, nach der besten Freundin der Mutter, einem palästinensischen Model, dem Duran Duran in ihrem Videoclip Rio huldigen. Das wiederum will die Mutter nicht. Sie hat in einer Umfrage gelesen, dass Sarahs ihren Vornamen mögen, also einigt man sich auf Sarah. Doch die Großmutter hat andere Pläne. »Sie ist eine Mimi!«, sagt sie. Mimi, die tragische Figur aus der Oper La Bohème, die erkrankt und früh stirbt? Nein, sagt die Mutter, so können wir unser Kind nicht nennen. Doch, sagt die Großmutter, seht sie euch an mit ihren großen, traurigen Augen, sie ist eine Mimi, und so wird sie das Kind, das für die anderen Sarah ist, fortan rufen. Und weil die Großmutter viel Zeit mit der Kleinen verbringt, setzt sie sich durch.

Ein Vierteljahrhundert später sitzt Mimi Müller-Westernhagen, ein schmale Person mit kurzen Haaren und blasser Haut, etwa 1,70 Meter, aufgewachsen in der englischen Kleinstadt Twickenham bei London, in einem Tonstudio in Hamburg und lacht, als sie die Geschichte ihres Vornamens erzählt. (Ihre Eltern werden ihre Version später bestätigen, aber der Vater wird hinzufügen, dass er nicht ganz sicher ist, ob es allein die Großmutter war, die sich mit dem Namen durchsetzte, oder ob die Tochter nicht auch selbst darauf bestanden hat, einen eigenen Namen zu tragen, »ich glaube, sie war gerade einmal drei, als sie zu mir gesagt hat: Ich heiße aber Mimi.«)

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Ein eigener Name. Zumindest ein eigener Vorname. Denn der Nachname gehört ihrem Vater, Marius Müller-Westernhagen, 62, einem der erfolgreichsten deutschen Musiker und Sänger. Über 15 Millionen verkaufte Platten. Lieder, die jeder kennt, man muss nur ihre Titel nennen, und schon hört man ihre Melodien. Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz. Lass uns leben. Dicke. Freiheit.

Und jetzt kommt die Tochter und nimmt ein Album in Deutschland auf. Road To Last Night erscheint nächste Woche, begleitet von Konzerten und Fernsehauftritten, alles in der Heimat ihres Vaters.

Die Mutter klingt etwas besorgt, wenn sie am Ende des Interviews über ihre Tochter fragt: »Glauben Sie, dass man sie als eigenständige Künstlerin wahrnehmen wird?« Und dann fügt sie hinzu, dass es einen verletzlich, angreifbar mache, wenn man nicht genau wisse, warum einem Aufmerksamkeit geschenkt wird, ob es um einen selbst geht oder nur um den Namen, den man trägt, »man fragt sich, was bist du selbst wert?«

Der eigene Wert. Der eigene Weg. Mimi Müller-Westernhagen erzählt, es sei eine ihrer frühesten Kindheitserinnerungen, wie sie einmal zu ihrer Mutter sagte: »Mum, ich ziehe aus, bye-bye!« Und ihre Mutter antwortete: »Aber du bist erst drei!« Mimi Müller-Westernhagen lacht wieder ihr lautes Lachen. »Ich wollte immer allen zeigen, dass ich selbstständig bin und unabhängig. Ich war als Kind ernsthaft frustriert, dass ich noch ein Kind war. Ich wollte immer alles alleine machen.«

Was dieses »alles« sein würde? Ihre Mutter hat lange geglaubt, die Tochter würde vielleicht Tierärztin, weil sie sich für Tiere interessiert (die Tochter hat heute einen Boston-Terrier, Lucille, den sie nach B.B. Kings Gitarre benannt hat). Der Vater hat bis vor Kurzem gehofft, sie würde erst einmal studieren, Philosophie zum Beispiel.

Doch es ist bei diesen Eltern, für die Musik so wichtig ist, keine Überraschung, dass die Tochter mit sieben Jahren anfängt, eigene Songs zu schreiben, mit 15 Jahren ihre ersten Auftritte in einem Londoner Folkclub hat und mit 19 ihre Band Battlekat gründet.

Ihre Eltern, die in dem Film Der Schneemann aus dem Jahr 1984 noch gemeinsam als Schauspieler vor der Kamera standen, sind nicht lange zusammengeblieben. Nach der Trennung, die Marius Müller-Westernhagen einmal als so schmerzhaft beschrieben hat, dass er danach eigentlich keine feste Beziehung mehr habe führen wollen, wächst Mimi bei der Mutter in England auf. Der Vater bleibt in Deutschland, er kommt, sooft es geht, zu Besuch. Seine heutige Frau Romney, die er nach der Trennung von Polly kennenlernte, ist mit Mimis Mutter befreundet. Die Familien haben Weihnachten oft gemeinsam gefeiert. Fragt man Mimi Müller-Westernhagen, was das Erste ist, was ihr zu Deutschland einfällt, sagt sie: Weihnachten in Hamburg, Schnee, Girlanden im Fenster. Fragt man Marius Müller-Westernhagen, was das Erste ist, was ihm zu seiner Tochter einfällt, erzählt er, dass er einmal, als er Mutter und Tochter in London besuchte, nachts von einem Knall geweckt wurde – die kleine Mimi war aus dem Bett gefallen. Im stern hat er vor zwei Jahren gesagt: »Vaterschaft war für mich etwas, das sich erst über die Jahre entwickelt hat. Ich bin nicht gut im Umgang mit Babys, die machen mir irgendwie Angst.«

Leser-Kommentare
  1. Dann wird sie ihren Weg schon machen. In England hätte man sie wohl kaum in ein Studio gelassen, hier geht sie gleich auf Tournee. Mal ganz im Ernst: was hst sie nur im Zeit Magazin zu suchen? Welche Verpflichtung gibt es da, über solch einen Durchschnittsmenschen zu schreiben?

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  2. Bitte äußern Sie Ihre Kritik sachlich und konstruktiv. Danke. Die Redaktion/ag

  3. Entfernt. Bitte formulieren Sie Ihre Kritik sachlich und konstruktiv. Danke. Die Redaktion/ag

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  4. die sich zu Modellstehen, Schauspielern und Musizieren berufen fühlen, langweilen sehr.

    Wieso sich die ZEIT für solche Promotereien hergibt, wird mir nicht klar.

  5. Der Artikel hat einen ganz üblen Beigeschmack. Was rechtfertigt 4 Seiten CD-Promotion für den unbedeutenden Sprössling eines Neureichen?
    Ist irgendwie unfair gegenüber vielen anderen jungen Talenten, die ihr musikalisches Handwerk beherrschen, aber keinen reichen und bekannten Papi haben.
    Ob das der Zeit gefällt oder nicht: Die Vermutung liegt auf der Hand, dass es sich um eine Form des Gefälligkeitsjournalismus handelt. Man kennt sich, man sieht sich, man hilft sich.

  6. ist das nicht!

    Bitte begründen Sie Ihre Kritik mit sachlichen Argumenten. Danke. Die Redaktion/lv

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  7. Finde ich die Hörprobe nicht oder gibt es tatsächlich, trotz einem 4-seitigen Artikel(!), keine?

    Naja, ich habe mal bei Youtube recherchiert. Harmlose Pop-Musik. Das hat nichts mit Rock etc. zu tun. Passt aber ins Feature-Schema von Zeit-Online. Da gibt es deutlich bessere Musiker, die hier nicht im Ansatz eine so große Aufmerksamkeit genießen.

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  8. Entfernt. Bitte verfassen Sie sachliche Kritik. Danke, die Redaktion/se.

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