Für alle Säugetiere gilt: Während die Mutterschaft bei einer Geburt eindeutig geklärt ist, bleibt für den Vater zumindest ein Restzweifel, ob er wirklich der Erzeuger ist. Zieht er da vielleicht ein Kuckuckskind auf und sorgt gar nicht für die Weitergabe der eigenen Gene? Beim Tier wie beim Menschen wurde gezeigt: Die Väter investieren umso mehr in den Nachwuchs, je stärker sie davon überzeugt sind, dass er auch wirklich von ihnen ist. Und für Menschen ist die Ähnlichkeit der Gesichtszüge der wichtigste Anhaltspunkt für diese Überzeugung.

Deshalb wäre es eigentlich eine ganz gute Strategie der Natur, wenn Neugeborene (wie es viele Hebammen behaupten) zunächst dem Vater ähneln würden – einmal ganz abgesehen von der Frage, wie die Evolution dieses Kunststück hervorbringen sollte. Tatsächlich stimmt es aber nicht. Mehrere Studien haben das belegt, zuletzt eine Untersuchung von Alexandra Alvergne an der Universität von Montpellier, veröffentlicht 2007 in der Zeitschrift Evolution and Human Behavior : Ihr Team ließ die Ähnlichkeit von 83 Kindern aus 69 Familien mit Vater und Mutter beurteilen, und zwar sowohl von den Eltern als auch von unabhängigen Gutachtern.

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Das interessante Ergebnis: Die neutralen Beobachter fanden, dass Neugeborene mehr der Mutter ähneln, erst mit zwei oder drei Jahren sieht ein Junge eher wie sein Vater aus. Aber 100 Prozent der Mütter beteuerten, dass ihr Junge ganz der Papa sei!

Das also ist der simple der Trick der Natur: Sie sorgt dafür, dass die Mutter im Hormonrausch der Geburt eine Ähnlichkeit erkennt und den Vater in Sicherheit wiegt.

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