Soziale NetzwerkeForschen mit Facebook

Wissenschaftler nutzen Soziale Netzwerke als Labor für ihre soziologischen Studien.

Die Daten auf den Servern Facebooks sind eine Fundgrube für die Wissenschaft.

Die Daten auf den Servern Facebooks sind eine Fundgrube für die Wissenschaft.

Der traurigste Tag des Jahres 2010 war für die Deutschen laut Facebook der 7. Juli. Als die Nationalmannschaft bei der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika mit 0:1 gegen Spanien verlor und damit das Finale verpasste, sank der » Facebook Happiness Index « auf sein Jahresminimum. Die Stimmung in dem Sozialen Netzwerk war demnach trüber als an jedem anderen Tag.

Im Jahr 2007 hat das Unternehmen diesen Index eingeführt. Anhand von positiven und negativen Begriffen in den Statusmeldungen, die Facebook-Nutzer ins Netz stellen, ermitteln die Betreiber der Seite die kollektive Stimmung der Facebook-Gemeinde international, aber auch für einzelne Länder. Am schlechtesten bisher war demnach die Stimmung der Deutschen am 23. Januar 2008. Am Vortag hatte sich der Filmschauspieler Heath Ledger das Leben genommen. Und die höchsten der Gefühle, abseits von Feiertagen wie Weihnachten, Silvester und Ostern, zeigte die Nation am Tag nach der Wahl von Barack Obama zum Präsidenten der USA.

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»Der Index ist schneller und genauer als jede Umfrage, bei der immer auch die Gefahr besteht, dass man keine wahrheitsgemäßen Antworten erhält«, sagt der Sozialwissenschaftler Niels van Doorn, der zurzeit an der Johns Hopkins University in Baltimore arbeitet. Schon wegen der Menge seiner Daten schlage der Facebook-Indikator bei der statistischen Genauigkeit alle konventionellen Erhebungen. »Eine Analyse dieses Umfangs ist erst mit den Sozialen Netzwerken im Internet möglich geworden.« Andererseits: Erdbeben, Tsunami und Reaktorunfall in Japan hinterließen keine Delle im Facebook-Index. Waren die Deutschen von den Ereignissen völlig unbeeindruckt?

Auf Facebook äußern Menschen ihre Gedanken und Gefühle vor ihrem Freundeskreis. Und diese Entblößungen werden dauerhaft in einer Datenbank gespeichert. Der mangelnde Datenschutz in Sozialen Netzwerken wird immer wieder kritisiert, aber für Soziologen und Psychologen können die Daten einen wertvollen Fundus darstellen. Manche sprechen schon von einer neuen Ära der empirischen Sozialforschung. Allein auf Facebook sind 700 Millionen Menschen angemeldet, die einander Nachrichten schreiben, Bilder und Videos miteinander teilen und ihre Lieblingslinks austauschen. Mit jeder Aktivität offenbaren sie ein bisschen mehr über ihr Leben, ihre Ansichten, Sehnsüchte und Abneigungen.

Niels van Doorn hat bereits vor einigen Jahren fünf Wochen lang die Mitteilungen, die ein Kreis von 19 niederländischen Freunden im Sozialen Netzwerk Myspace untereinander austauschte, mit deren Einverständnis protokolliert und analysiert. Er sammelte Hunderte von Nachrichten, angefangen vom Austausch über die Erlebnisse im Nachtclub am Vortag bis hin zu Fragen nach geliehenen CDs. Die Kommunikation der Clique gliederte er in vier Bereiche: Popkultur, Nachtleben, Drogen und Sexualität. 2009 veröffentlichte er seine Ergebnisse in der Zeitschrift New Media and Society – das Protokoll eines authentischen Austauschs, untersucht mit der Forscherlupe des Sozialwissenschaftlers. »Solche Daten hätte ich vor zehn Jahren kaum so unkompliziert sammeln können«, sagt van Doorn.

Ungeordnet ist die Datenflut zunächst ein riesiger Haufen Informationsmüll. »Aber wer richtig sucht, findet darin unermesslich kostbare Datenschätze, die nur darauf warten, von uns untersucht zu werden«, behauptet Sam Gosling, Psychologe an der University of Texas. In seinem Tonfall schwingt die Erregung des Goldgräbers mit, der in wertlosem Geröll nach Nuggets sucht. »Wir werden in den nächsten Jahren eine Menge über uns lernen!«

Aber lernen die Forscher dabei tatsächlich etwas über die Menschen – oder nur darüber, wie die sich darstellen? Ist das Verhalten in Sozialen Netzwerken tatsächlich authentisch? Oder schaffen sich die Beteiligten eine künstliche Identität, die mit ihrem »Offline-Verhalten« nur wenig zu tun hat? Die Ansicht, der Benutzer erschaffe auf den Seiten ein geschöntes, idealisiertes Bild seiner selbst, war in den vergangenen Jahren weit verbreitet. Doch inzwischen gewinnt die Gegenthese an Boden: dass wir unsere Persönlichkeit einfach auf die Sozialen Netze ausdehnen. Zeige mir dein Facebook-Profil, und ich sage dir, wer du bist.

Wer hat recht? Mitja Back, Psychologe an der Universität Mainz, wollte es wissen. Gemeinsam mit Kollegen, darunter auch Sam Gosling aus Texas, rekrutierte er 236 Nutzer von Facebook und StudiVZ aus Deutschland und den USA. Die Forscher verglichen die Persönlichkeit und Verhaltensweisen, die das Profil auf ihrer Internetseite widerspiegelt, mit dem Verhalten, das die Menschen offline an den Tag legten. Sie machten mit den Testpersonen und jeweils vier Freunden Persönlichkeitstests, während sie den Charakter auf den Onlineprofilen von Fremden einstufen ließen. Das Ergebnis sei eindeutig gewesen, sagt Back: »In den Facebook-Profilen spiegeln sich reale Persönlichkeitseigenschaften wider.«

Für Nicole Ellison, Medienwissenschaftlerin an der Michigan State University, war das keine Überraschung. »Dass sich alles ändert, das dachte man schon beim Telefon, auch bei der E-Mail. Inzwischen sind diese Medien so gut in den Alltag integriert, dass wir gar nicht mehr darüber nachdenken. So wird es bei Sozialen Netzwerkseiten auch sein, so ist es heute bis zu einem gewissen Grad schon.«

Mehr als 200 nur mit Facebook-Daten zustande gekommene wissenschaftliche Arbeiten wurden bereits veröffentlicht. Die Untersuchungen beschäftigen sich zum Beispiel mit der Frage, wie sich Facebook an Universitäten in der Lehre einsetzen ließe oder wie man durch Soziale Netzwerke die ärztliche Betreuung verbessern könnte. Auch für Familienforscher ist das neue Medium interessant.

»Früher haben sich selbst große Familien regelmäßig an einem zentralen Ort getroffen, etwa im Haus des Ältesten«, sagt Janosch Schobin vom Hamburger Institut für Sozialforschung. »Eine norwegische Studie zeigt, dass auch Familienbeziehungen zunehmend auf Facebook gepflegt werden.« Man tausche Bilder, Videos, Neuigkeiten aus und stärke so den familiären Zusammenhalt. »Gerade für verstreute Familien dürfte diese Möglichkeit auf Dauer immer attraktiver werden«, sagt Schobin. Nachdem die Globalisierung die Welt vergrößert hat, lassen Soziale Netze sie wieder näher zusammenrücken. Die Motivation aber ist dabei häufig die gleiche wie vor Hunderten von Jahren.

Das größte Problem für die Forscher ist, überhaupt an die Daten zu kommen. Entgegen dem Vorurteil sind die Facebook-Entblößungen eben nicht für jeden zugänglich. Wer von außen etwa mit Suchrobotern versucht, an möglichst viele Nutzerdaten zu kommen, der erhält nur das, was die Mitglieder für jedermann öffentlich zeigen – und das ist oft nicht mehr als der Name. Zudem verbietet Facebook diese Sammelei in seinen Nutzungsbestimmungen und droht mit Klagen. Nur in sehr wenigen Fällen hat die Firma anonymisierte Datensätze an externe Forscher weitergegeben.

Die übliche Methode, die externe Forscher wie Janosch Schobin benutzen: Sie programmieren eine Anwendung, die mit Zustimmung der Nutzer die Aktivitäten automatisch aufzeichnet. Verweigert aber nur eine Handvoll Nutzer aus der Zielgruppe die Zustimmung, ist der Datensatz schon nicht mehr repräsentativ.

Gut dran sind die Wissenschaftler, die für Facebook selbst arbeiten – ihnen steht der gesamte Datenbestand offen. Unter Leitung des Soziologen Cameron Marlow beschäftigt die Firma das Facebook Data Team, eine mehr als 15-köpfige Gruppe von Soziologen und Statistikern. Von ihnen stammt auch der Facebook Happiness Index, den sie inzwischen so weit verfeinert haben, dass sich die Daten auch gezielt für bestimmte Personenkreise auswerten lassen. Sind beispielsweise Mitglieder, die angegeben haben, in einer Beziehung zu sein, glücklicher als der Durchschnitt? Ja, sind sie. Natürlich beteuern die Facebook-Forscher, die Daten würden nur anonym verarbeitet und ließen keinen Rückschluss auf einzelne Personen zu.

Cameron Marlows Data Team hat auch eine Antwort auf die Frage, mit wie vielen Menschen man überhaupt eine wirkliche Beziehung haben kann. Die Grenze seien 150, offline wie online, postulierte vor einigen Jahren der Anthropologe Robin Dunbar von der Oxford University – mehr verkrafte unser Gehirn nicht. Tatsächlich scheint Facebook das zu bestätigen: Auch in Sozialen Netzen gilt die Dunbar-Zahl, wie sie inzwischen genannt wird. Die durchschnittliche Zahl an Freunden liegt bei 120. Und selbst wer mehr als 500 hat, kommuniziere nur mit einem knappen Dutzend von ihnen regelmäßig direkt über Nachrichten, hat Marlows Team festgestellt.

Und was ist mit der dunklen Seite von Facebook? Mit Online-Stalking, Mobbing und der Weiterverbreitung peinlicher Partyfotos? Von den offiziellen Firmen-Forschern wird man darauf wohl kaum eine Antwort bekommen. Der Student Robert Wilson von der University of Texas hat alle bisher erschienenen Forschungsarbeiten über das Soziale Netz gelesen und eine Handvoll zu den Problemen mit Facebook gefunden. So wurde etwa festgestellt, dass potenzielle Arbeitgeber Frauen in Vorstellungsgesprächen strenger bewerteten, wenn sie vorher auf ihrem Facebook-Profil allzu offene, saloppe Äußerungen gefunden hatten. Umfragen in Unternehmen ergaben, dass Facebook-Surfen bis zu fünf Prozent der Produktivität schluckt.

All diese Forschungen sind nur die ersten Sonden, mit denen Wissenschaftler in das neue Sozialgeflecht vordringen. »Eine Menge ungelöster Fragen liegt vor uns«, sagt Sam Gosling. Wie gehen Menschen zum Beispiel damit um, dass sie auf Facebook ihre unterschiedlichen Freundeskreise nicht mehr voneinander trennen können? Offline differenzieren wir da sehr stark – seit Jahrhunderten. »Schon die Medici haben streng unterschieden zwischen Heiratskreisen und Handelskreisen und sind damit in beiden Kreisen ziemlich erfolgreich gewesen«, sagt Schobin. Auf Facebook sieht jeder »Freund« alle unsere Veröffentlichungen – der Kumpel aus dem Fußballverein wie der Chef im Büro. Viele Studenten zögern schon, wenn ihre Dozenten oder gar Eltern ihnen die Online-Freundschaft andienen. Sollen die alle kompromittierenden Partyfotos sehen können? Die Möglichkeit von Facebook, Freunde bestimmten Gruppen zuzuteilen, hält Gosling noch nicht für ausreichend.

Längst wirkt das Soziale Netzwerk auf unser reales Leben zurück. Es beeinflusst, welche Konzerte wir besuchen, welche Produkte wir kaufen, wo wir essen gehen. »Vor fünf Jahren suchte man im Internet noch den Chinesen anhand der Speisekarte aus. Heute schauen viele nur noch, wer ihn bei Facebook mit ›gefällt mir‹ markiert«, sagt Gosling. »Facebook ist eine neue Möglichkeit, Einfluss zu nehmen«, bestätigt auch der Medienwissenschaftler Cliff Lampe von der Michigan State University. Manches YouTube-Video wird erst durch eine Erwähnung auf einem Facebook-Profil wirklich bekannt, haben Forscher aus Zürich bereits 2008 gezeigt. Und so könnten die Sozialen Netze dazu führen, dass wir uns in einer immer mehr fragmentierten Öffentlichkeit wieder so orientieren wie einst unsere Vorväter: nämlich an dem, was unsere Freunde empfehlen.

 
Leserkommentare
    • Mejan
    • 03.06.2011 um 7:24 Uhr

    Wie können die Wissenschaftler, die scheinbar das Glück hatten gute Bildung geniesen zu können, mit Daten der Netzwerke arbeiten, wenn diese doch zu großteil nicht stimmen. Ein FB Heppiness Index. Da muss man doch kein Studium absolvieren. Die Wissemschaftler wühlen in den Abgründen der Menschlichen Seele, bilden sich ein dort irgendwelche Eigenschaften ausgemacht zu haben. Was erhoffen sie sich dort zu finden? Wann wir d dieses Analysieren, herumwühlen und das sammeln der Studien auf? Facebook ist nicht nur un dem Finanziellem Wert total überbewewrtet. Wenn man den den Studien glauben mag, hat FB in Deutschland 20.000.000 Aktive Nutzer. Das Herumwühlen in den Datensätzen mit dem einzigem Ziehl daraus Geld zu machen, ist angesichts dieser Taatsache wirklich das denkbar verkehrter Weg.

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    ...aber ich nutze es nicht, es sind dort keine persönliche Daten von mir zu finden ausser meinen Namen und mein Geburtsdatum. Nachdem ich festgestellt habe, dass sich genau die Leute von früher dort aufhalten, mit denen man eh nichts zu tun haben wollte, war die Geschichte für mich erledigt. Übrigens habe ich dort drei alte Freunde dort gefunden, die sind inzwischen auch nicht mehr aktiv bei FB.
    So sind dort wohl nur die Jungen und die sonst im echten Leben zu kurz gekommenen noch dort. Die lassen sich schon von einem Fussballspiel beeinflussen oder der Wahl eines Versprechers in den USA.

    ...aber ich nutze es nicht, es sind dort keine persönliche Daten von mir zu finden ausser meinen Namen und mein Geburtsdatum. Nachdem ich festgestellt habe, dass sich genau die Leute von früher dort aufhalten, mit denen man eh nichts zu tun haben wollte, war die Geschichte für mich erledigt. Übrigens habe ich dort drei alte Freunde dort gefunden, die sind inzwischen auch nicht mehr aktiv bei FB.
    So sind dort wohl nur die Jungen und die sonst im echten Leben zu kurz gekommenen noch dort. Die lassen sich schon von einem Fussballspiel beeinflussen oder der Wahl eines Versprechers in den USA.

  1. und da wollen die wissenschaftler das man ihre studien und sie selbst, ernst nimmt? muhaha, schuldigung aber wer den sachen in facebook glaubt darf sich nicht wundern wenn er den kopf hebt und merkt das er in einer ganz anderen welt lebt.

    wie war das noch(?):
    es gibt zwei dinge die unendlich sind, das universum und die menshcliche dummheit. nur bei dem universum bin ich mir noch nicht sicher. [albert einstein]

    also das trifft es glaub ich

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  2. ...aber ich nutze es nicht, es sind dort keine persönliche Daten von mir zu finden ausser meinen Namen und mein Geburtsdatum. Nachdem ich festgestellt habe, dass sich genau die Leute von früher dort aufhalten, mit denen man eh nichts zu tun haben wollte, war die Geschichte für mich erledigt. Übrigens habe ich dort drei alte Freunde dort gefunden, die sind inzwischen auch nicht mehr aktiv bei FB.
    So sind dort wohl nur die Jungen und die sonst im echten Leben zu kurz gekommenen noch dort. Die lassen sich schon von einem Fussballspiel beeinflussen oder der Wahl eines Versprechers in den USA.

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    Gestern war Vatertag, vielleicht habe ich aufgrund der Nachwirkungen das Wort dort zu oft benutzt ;-)

    Gestern war Vatertag, vielleicht habe ich aufgrund der Nachwirkungen das Wort dort zu oft benutzt ;-)

  3. Gestern war Vatertag, vielleicht habe ich aufgrund der Nachwirkungen das Wort dort zu oft benutzt ;-)

  4. Was wir "eigentlich" wollen ist doch immer Offline - Online ist nur das Vehikel dazu. Wir wollen geliebt und respektiert werden, wir wollen möglichst viele schöne Dinge erleben. Flirttaugliche Profile, Filmempfehlungen, kluge Kommentare - das alles dient dazu diese "Offline" Effekte herbeizuführen.

    Was die Untersuchungen angeht: Klar sind große Datenmengen des Statistikers Traum - aber man muss sich ja auch bewusst sein, dass die Grundgesamtheit in diesem Fal z.B. nicht "Die Deutschen" sind , sondern die aktiven(!) deutschen Facebook-nutzer. Von den FB-Äußerungen dieser Gruppe 1:1 auf "Die Deutschen" zu schließen ist besonders unter statistischen Gesichtspunkten nicht seriös.

    Auch lässt das Onlineprofil viele Dinge die im Alltag eine Rolle spielen ja auch unberücksichtigt - von den Leuten vielleicht mal abgesehen die jede Kleinigkeit ("Habe eine Banane gegessen - schmeckte Scheiße") online stellen.

    Der Aussagekraft des "Facebook Happiness Index" misstraue ich daher ebenfalls - zumal: mal ehrich Leute: War Obames Präsidentenwahl wirklich schöner als das 4:2 gegen England???

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    "Was die Untersuchungen angeht: Klar sind große Datenmengen des Statistikers Traum - aber man muss sich ja auch bewusst sein, dass die Grundgesamtheit in diesem Fal z.B. nicht "Die Deutschen" sind , sondern die aktiven(!) deutschen Facebook-nutzer. Von den FB-Äußerungen dieser Gruppe 1:1 auf "Die Deutschen" zu schließen ist besonders unter statistischen Gesichtspunkten nicht seriös."

    Soweit ich weiß, gibt es mittlerweile 20 Mio. Deutsche, die bei Facebook Mitglied sind. Bedenken Sie eines: andere Studien und Umfragen, wie z. B. Sonntagsfrage etc. pp. arbeiten mit vieeeel kleineren Stichproben, die dann als repräsentativ verkauft werden. Wenn Sie also Bedenken haben, inwiefern 20 Mio. deutsche Facebooknutzer repräsentativ für 80 Mio. Deutsche insgesamt sein können, dann müssten Sie folgerichtig auch allen anderen empirischen Untersuchungen mit kleineren Stichproben misstrauen, also der Inferenzstatistik im Allgemeinen.

    Inwieweit auf Facebook gelogen wird und die dortigen Daten überhaupt aussgekräftig bezogen auf die Facebooknutzer selbst sind - nun, das ist eine andere Frage, die ich auch nicht beantworten kann. Aber FALLS die FB- Daten aussagekräftig im Bezug auf die Nutzer sind, dann sind sie auch aussagekräftig im Bezug auf "die Deutschen", bei einer Stichprobe von 20 Mio.

    "Was die Untersuchungen angeht: Klar sind große Datenmengen des Statistikers Traum - aber man muss sich ja auch bewusst sein, dass die Grundgesamtheit in diesem Fal z.B. nicht "Die Deutschen" sind , sondern die aktiven(!) deutschen Facebook-nutzer. Von den FB-Äußerungen dieser Gruppe 1:1 auf "Die Deutschen" zu schließen ist besonders unter statistischen Gesichtspunkten nicht seriös."

    Soweit ich weiß, gibt es mittlerweile 20 Mio. Deutsche, die bei Facebook Mitglied sind. Bedenken Sie eines: andere Studien und Umfragen, wie z. B. Sonntagsfrage etc. pp. arbeiten mit vieeeel kleineren Stichproben, die dann als repräsentativ verkauft werden. Wenn Sie also Bedenken haben, inwiefern 20 Mio. deutsche Facebooknutzer repräsentativ für 80 Mio. Deutsche insgesamt sein können, dann müssten Sie folgerichtig auch allen anderen empirischen Untersuchungen mit kleineren Stichproben misstrauen, also der Inferenzstatistik im Allgemeinen.

    Inwieweit auf Facebook gelogen wird und die dortigen Daten überhaupt aussgekräftig bezogen auf die Facebooknutzer selbst sind - nun, das ist eine andere Frage, die ich auch nicht beantworten kann. Aber FALLS die FB- Daten aussagekräftig im Bezug auf die Nutzer sind, dann sind sie auch aussagekräftig im Bezug auf "die Deutschen", bei einer Stichprobe von 20 Mio.

    • Mari_
    • 03.06.2011 um 9:10 Uhr

    Ich sehe da ja schon zwei methodische Probleme...

    (1) die Facebook-Nutzer aus Deutschland auf "Deutschland" zu beziehen. Die oben zitierten Ereignisse (Tod des amerikanischen Schauspielers, Wahl von Obama) lassen vermuten, dass es sich eher um eine Gruppe von Leuten mit einem gewissen Interesse an den USA handelt. Facebook ist ja auch eine amerikanische Website.

    (2) Auf der verlinkten Seite des Happiness-Index steht, dass Neujahr, Muttertag, Ostern und so weiter besonders "glückliche" Tage gewesen sein sollen... naja, wenn der tolle Index Wörter wie "happy" und "froh" zählt, ist das kein Wunder, den an diesen Tagen wird per Status doch ständig "Happy Easter", "Happy was auch immer" gewünscht. Das man dann wirklich besonders glücklich ist, heißt das nicht. Das sind nur Floskeln. Das könnte bei anderen Tagen genauso sein, dass da nur Floskeln wiederholt werden, die nichts über den wirklichen Gefühlszustand aussagen.

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  5. 7. @Lupo

    "Was die Untersuchungen angeht: Klar sind große Datenmengen des Statistikers Traum - aber man muss sich ja auch bewusst sein, dass die Grundgesamtheit in diesem Fal z.B. nicht "Die Deutschen" sind , sondern die aktiven(!) deutschen Facebook-nutzer. Von den FB-Äußerungen dieser Gruppe 1:1 auf "Die Deutschen" zu schließen ist besonders unter statistischen Gesichtspunkten nicht seriös."

    Soweit ich weiß, gibt es mittlerweile 20 Mio. Deutsche, die bei Facebook Mitglied sind. Bedenken Sie eines: andere Studien und Umfragen, wie z. B. Sonntagsfrage etc. pp. arbeiten mit vieeeel kleineren Stichproben, die dann als repräsentativ verkauft werden. Wenn Sie also Bedenken haben, inwiefern 20 Mio. deutsche Facebooknutzer repräsentativ für 80 Mio. Deutsche insgesamt sein können, dann müssten Sie folgerichtig auch allen anderen empirischen Untersuchungen mit kleineren Stichproben misstrauen, also der Inferenzstatistik im Allgemeinen.

    Inwieweit auf Facebook gelogen wird und die dortigen Daten überhaupt aussgekräftig bezogen auf die Facebooknutzer selbst sind - nun, das ist eine andere Frage, die ich auch nicht beantworten kann. Aber FALLS die FB- Daten aussagekräftig im Bezug auf die Nutzer sind, dann sind sie auch aussagekräftig im Bezug auf "die Deutschen", bei einer Stichprobe von 20 Mio.

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    Antwort auf "Was wir wollen..."
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    ... Facebook wird von einer ganz bestimmten Gruppe genutzt.
    Viele haben sich dort angemeldet, eigentlich die meisten die ich kenne, nur nutzt es keiner/kaum einer mehr.
    Übrig geblieben sind die "ich mach mir gerade einen Kaffee" Poster. Da das nunmal Menschen in meinem Alter nicht unbedingt interessiert, bewegt man sich nicht mehr auf Facebook.
    So kann eine Gruppe von 1000 Menschen mit bestimmten Auswahlkriterien representativer sein, als eine Gruppe von (angeblichen) 20.000.000 Selbstdarstellern.

    ... Facebook wird von einer ganz bestimmten Gruppe genutzt.
    Viele haben sich dort angemeldet, eigentlich die meisten die ich kenne, nur nutzt es keiner/kaum einer mehr.
    Übrig geblieben sind die "ich mach mir gerade einen Kaffee" Poster. Da das nunmal Menschen in meinem Alter nicht unbedingt interessiert, bewegt man sich nicht mehr auf Facebook.
    So kann eine Gruppe von 1000 Menschen mit bestimmten Auswahlkriterien representativer sein, als eine Gruppe von (angeblichen) 20.000.000 Selbstdarstellern.

  6. ... Facebook wird von einer ganz bestimmten Gruppe genutzt.
    Viele haben sich dort angemeldet, eigentlich die meisten die ich kenne, nur nutzt es keiner/kaum einer mehr.
    Übrig geblieben sind die "ich mach mir gerade einen Kaffee" Poster. Da das nunmal Menschen in meinem Alter nicht unbedingt interessiert, bewegt man sich nicht mehr auf Facebook.
    So kann eine Gruppe von 1000 Menschen mit bestimmten Auswahlkriterien representativer sein, als eine Gruppe von (angeblichen) 20.000.000 Selbstdarstellern.

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    Antwort auf "@Lupo"
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    und in welcher Intention, das kann ich Ihnen auch nicht sagen. Ich selbst bin dort nämlich auch nicht angemeldet (war ich noch nie). Aber bei 20 Mio. von einer "ganz bestimmten" Gruppe zu sprechen, na ich weiß nicht. Ich habe durchaus schon von dem ein oder anderen Rentner gehört, der FB nutzt. Also ich vermute mal, dass die Gruppe der User heterogener ist, als man meinen sollte.

    Unabhängig davon, ob Rückschlüsse auf "die Deutschen" möglich sind oder nicht, so hat man zumindest Daten von 20 Mio. Deutschen, also rund einem Viertel der Bevölkerung. Ich kann schon verstehen, dass das für Forscher wie Weihnachten ist.

    und in welcher Intention, das kann ich Ihnen auch nicht sagen. Ich selbst bin dort nämlich auch nicht angemeldet (war ich noch nie). Aber bei 20 Mio. von einer "ganz bestimmten" Gruppe zu sprechen, na ich weiß nicht. Ich habe durchaus schon von dem ein oder anderen Rentner gehört, der FB nutzt. Also ich vermute mal, dass die Gruppe der User heterogener ist, als man meinen sollte.

    Unabhängig davon, ob Rückschlüsse auf "die Deutschen" möglich sind oder nicht, so hat man zumindest Daten von 20 Mio. Deutschen, also rund einem Viertel der Bevölkerung. Ich kann schon verstehen, dass das für Forscher wie Weihnachten ist.

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