Soziale NetzwerkeForschen mit Facebook
Seite 2/3:

"In den Facebook-Profilen spiegeln sich Persönlichkeitseigenschaften wider"

Aber lernen die Forscher dabei tatsächlich etwas über die Menschen – oder nur darüber, wie die sich darstellen? Ist das Verhalten in Sozialen Netzwerken tatsächlich authentisch? Oder schaffen sich die Beteiligten eine künstliche Identität, die mit ihrem »Offline-Verhalten« nur wenig zu tun hat? Die Ansicht, der Benutzer erschaffe auf den Seiten ein geschöntes, idealisiertes Bild seiner selbst, war in den vergangenen Jahren weit verbreitet. Doch inzwischen gewinnt die Gegenthese an Boden: dass wir unsere Persönlichkeit einfach auf die Sozialen Netze ausdehnen. Zeige mir dein Facebook-Profil, und ich sage dir, wer du bist.

Wer hat recht? Mitja Back, Psychologe an der Universität Mainz, wollte es wissen. Gemeinsam mit Kollegen, darunter auch Sam Gosling aus Texas, rekrutierte er 236 Nutzer von Facebook und StudiVZ aus Deutschland und den USA. Die Forscher verglichen die Persönlichkeit und Verhaltensweisen, die das Profil auf ihrer Internetseite widerspiegelt, mit dem Verhalten, das die Menschen offline an den Tag legten. Sie machten mit den Testpersonen und jeweils vier Freunden Persönlichkeitstests, während sie den Charakter auf den Onlineprofilen von Fremden einstufen ließen. Das Ergebnis sei eindeutig gewesen, sagt Back: »In den Facebook-Profilen spiegeln sich reale Persönlichkeitseigenschaften wider.«

Für Nicole Ellison, Medienwissenschaftlerin an der Michigan State University, war das keine Überraschung. »Dass sich alles ändert, das dachte man schon beim Telefon, auch bei der E-Mail. Inzwischen sind diese Medien so gut in den Alltag integriert, dass wir gar nicht mehr darüber nachdenken. So wird es bei Sozialen Netzwerkseiten auch sein, so ist es heute bis zu einem gewissen Grad schon.«

Mehr als 200 nur mit Facebook-Daten zustande gekommene wissenschaftliche Arbeiten wurden bereits veröffentlicht. Die Untersuchungen beschäftigen sich zum Beispiel mit der Frage, wie sich Facebook an Universitäten in der Lehre einsetzen ließe oder wie man durch Soziale Netzwerke die ärztliche Betreuung verbessern könnte. Auch für Familienforscher ist das neue Medium interessant.

»Früher haben sich selbst große Familien regelmäßig an einem zentralen Ort getroffen, etwa im Haus des Ältesten«, sagt Janosch Schobin vom Hamburger Institut für Sozialforschung. »Eine norwegische Studie zeigt, dass auch Familienbeziehungen zunehmend auf Facebook gepflegt werden.« Man tausche Bilder, Videos, Neuigkeiten aus und stärke so den familiären Zusammenhalt. »Gerade für verstreute Familien dürfte diese Möglichkeit auf Dauer immer attraktiver werden«, sagt Schobin. Nachdem die Globalisierung die Welt vergrößert hat, lassen Soziale Netze sie wieder näher zusammenrücken. Die Motivation aber ist dabei häufig die gleiche wie vor Hunderten von Jahren.

Das größte Problem für die Forscher ist, überhaupt an die Daten zu kommen. Entgegen dem Vorurteil sind die Facebook-Entblößungen eben nicht für jeden zugänglich. Wer von außen etwa mit Suchrobotern versucht, an möglichst viele Nutzerdaten zu kommen, der erhält nur das, was die Mitglieder für jedermann öffentlich zeigen – und das ist oft nicht mehr als der Name. Zudem verbietet Facebook diese Sammelei in seinen Nutzungsbestimmungen und droht mit Klagen. Nur in sehr wenigen Fällen hat die Firma anonymisierte Datensätze an externe Forscher weitergegeben.

Die übliche Methode, die externe Forscher wie Janosch Schobin benutzen: Sie programmieren eine Anwendung, die mit Zustimmung der Nutzer die Aktivitäten automatisch aufzeichnet. Verweigert aber nur eine Handvoll Nutzer aus der Zielgruppe die Zustimmung, ist der Datensatz schon nicht mehr repräsentativ.

Leserkommentare
    • Mejan
    • 03. Juni 2011 7:24 Uhr

    Wie können die Wissenschaftler, die scheinbar das Glück hatten gute Bildung geniesen zu können, mit Daten der Netzwerke arbeiten, wenn diese doch zu großteil nicht stimmen. Ein FB Heppiness Index. Da muss man doch kein Studium absolvieren. Die Wissemschaftler wühlen in den Abgründen der Menschlichen Seele, bilden sich ein dort irgendwelche Eigenschaften ausgemacht zu haben. Was erhoffen sie sich dort zu finden? Wann wir d dieses Analysieren, herumwühlen und das sammeln der Studien auf? Facebook ist nicht nur un dem Finanziellem Wert total überbewewrtet. Wenn man den den Studien glauben mag, hat FB in Deutschland 20.000.000 Aktive Nutzer. Das Herumwühlen in den Datensätzen mit dem einzigem Ziehl daraus Geld zu machen, ist angesichts dieser Taatsache wirklich das denkbar verkehrter Weg.

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...aber ich nutze es nicht, es sind dort keine persönliche Daten von mir zu finden ausser meinen Namen und mein Geburtsdatum. Nachdem ich festgestellt habe, dass sich genau die Leute von früher dort aufhalten, mit denen man eh nichts zu tun haben wollte, war die Geschichte für mich erledigt. Übrigens habe ich dort drei alte Freunde dort gefunden, die sind inzwischen auch nicht mehr aktiv bei FB.
    So sind dort wohl nur die Jungen und die sonst im echten Leben zu kurz gekommenen noch dort. Die lassen sich schon von einem Fussballspiel beeinflussen oder der Wahl eines Versprechers in den USA.

  1. und da wollen die wissenschaftler das man ihre studien und sie selbst, ernst nimmt? muhaha, schuldigung aber wer den sachen in facebook glaubt darf sich nicht wundern wenn er den kopf hebt und merkt das er in einer ganz anderen welt lebt.

    wie war das noch(?):
    es gibt zwei dinge die unendlich sind, das universum und die menshcliche dummheit. nur bei dem universum bin ich mir noch nicht sicher. [albert einstein]

    also das trifft es glaub ich

    Eine Leserempfehlung
  2. ...aber ich nutze es nicht, es sind dort keine persönliche Daten von mir zu finden ausser meinen Namen und mein Geburtsdatum. Nachdem ich festgestellt habe, dass sich genau die Leute von früher dort aufhalten, mit denen man eh nichts zu tun haben wollte, war die Geschichte für mich erledigt. Übrigens habe ich dort drei alte Freunde dort gefunden, die sind inzwischen auch nicht mehr aktiv bei FB.
    So sind dort wohl nur die Jungen und die sonst im echten Leben zu kurz gekommenen noch dort. Die lassen sich schon von einem Fussballspiel beeinflussen oder der Wahl eines Versprechers in den USA.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Gestern war Vatertag, vielleicht habe ich aufgrund der Nachwirkungen das Wort dort zu oft benutzt ;-)

  3. Gestern war Vatertag, vielleicht habe ich aufgrund der Nachwirkungen das Wort dort zu oft benutzt ;-)

  4. Was wir "eigentlich" wollen ist doch immer Offline - Online ist nur das Vehikel dazu. Wir wollen geliebt und respektiert werden, wir wollen möglichst viele schöne Dinge erleben. Flirttaugliche Profile, Filmempfehlungen, kluge Kommentare - das alles dient dazu diese "Offline" Effekte herbeizuführen.

    Was die Untersuchungen angeht: Klar sind große Datenmengen des Statistikers Traum - aber man muss sich ja auch bewusst sein, dass die Grundgesamtheit in diesem Fal z.B. nicht "Die Deutschen" sind , sondern die aktiven(!) deutschen Facebook-nutzer. Von den FB-Äußerungen dieser Gruppe 1:1 auf "Die Deutschen" zu schließen ist besonders unter statistischen Gesichtspunkten nicht seriös.

    Auch lässt das Onlineprofil viele Dinge die im Alltag eine Rolle spielen ja auch unberücksichtigt - von den Leuten vielleicht mal abgesehen die jede Kleinigkeit ("Habe eine Banane gegessen - schmeckte Scheiße") online stellen.

    Der Aussagekraft des "Facebook Happiness Index" misstraue ich daher ebenfalls - zumal: mal ehrich Leute: War Obames Präsidentenwahl wirklich schöner als das 4:2 gegen England???

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Was die Untersuchungen angeht: Klar sind große Datenmengen des Statistikers Traum - aber man muss sich ja auch bewusst sein, dass die Grundgesamtheit in diesem Fal z.B. nicht "Die Deutschen" sind , sondern die aktiven(!) deutschen Facebook-nutzer. Von den FB-Äußerungen dieser Gruppe 1:1 auf "Die Deutschen" zu schließen ist besonders unter statistischen Gesichtspunkten nicht seriös."

    Soweit ich weiß, gibt es mittlerweile 20 Mio. Deutsche, die bei Facebook Mitglied sind. Bedenken Sie eines: andere Studien und Umfragen, wie z. B. Sonntagsfrage etc. pp. arbeiten mit vieeeel kleineren Stichproben, die dann als repräsentativ verkauft werden. Wenn Sie also Bedenken haben, inwiefern 20 Mio. deutsche Facebooknutzer repräsentativ für 80 Mio. Deutsche insgesamt sein können, dann müssten Sie folgerichtig auch allen anderen empirischen Untersuchungen mit kleineren Stichproben misstrauen, also der Inferenzstatistik im Allgemeinen.

    Inwieweit auf Facebook gelogen wird und die dortigen Daten überhaupt aussgekräftig bezogen auf die Facebooknutzer selbst sind - nun, das ist eine andere Frage, die ich auch nicht beantworten kann. Aber FALLS die FB- Daten aussagekräftig im Bezug auf die Nutzer sind, dann sind sie auch aussagekräftig im Bezug auf "die Deutschen", bei einer Stichprobe von 20 Mio.

    • Mari_
    • 03. Juni 2011 9:10 Uhr

    Ich sehe da ja schon zwei methodische Probleme...

    (1) die Facebook-Nutzer aus Deutschland auf "Deutschland" zu beziehen. Die oben zitierten Ereignisse (Tod des amerikanischen Schauspielers, Wahl von Obama) lassen vermuten, dass es sich eher um eine Gruppe von Leuten mit einem gewissen Interesse an den USA handelt. Facebook ist ja auch eine amerikanische Website.

    (2) Auf der verlinkten Seite des Happiness-Index steht, dass Neujahr, Muttertag, Ostern und so weiter besonders "glückliche" Tage gewesen sein sollen... naja, wenn der tolle Index Wörter wie "happy" und "froh" zählt, ist das kein Wunder, den an diesen Tagen wird per Status doch ständig "Happy Easter", "Happy was auch immer" gewünscht. Das man dann wirklich besonders glücklich ist, heißt das nicht. Das sind nur Floskeln. Das könnte bei anderen Tagen genauso sein, dass da nur Floskeln wiederholt werden, die nichts über den wirklichen Gefühlszustand aussagen.

    4 Leserempfehlungen
  5. 7. @Lupo

    "Was die Untersuchungen angeht: Klar sind große Datenmengen des Statistikers Traum - aber man muss sich ja auch bewusst sein, dass die Grundgesamtheit in diesem Fal z.B. nicht "Die Deutschen" sind , sondern die aktiven(!) deutschen Facebook-nutzer. Von den FB-Äußerungen dieser Gruppe 1:1 auf "Die Deutschen" zu schließen ist besonders unter statistischen Gesichtspunkten nicht seriös."

    Soweit ich weiß, gibt es mittlerweile 20 Mio. Deutsche, die bei Facebook Mitglied sind. Bedenken Sie eines: andere Studien und Umfragen, wie z. B. Sonntagsfrage etc. pp. arbeiten mit vieeeel kleineren Stichproben, die dann als repräsentativ verkauft werden. Wenn Sie also Bedenken haben, inwiefern 20 Mio. deutsche Facebooknutzer repräsentativ für 80 Mio. Deutsche insgesamt sein können, dann müssten Sie folgerichtig auch allen anderen empirischen Untersuchungen mit kleineren Stichproben misstrauen, also der Inferenzstatistik im Allgemeinen.

    Inwieweit auf Facebook gelogen wird und die dortigen Daten überhaupt aussgekräftig bezogen auf die Facebooknutzer selbst sind - nun, das ist eine andere Frage, die ich auch nicht beantworten kann. Aber FALLS die FB- Daten aussagekräftig im Bezug auf die Nutzer sind, dann sind sie auch aussagekräftig im Bezug auf "die Deutschen", bei einer Stichprobe von 20 Mio.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Was wir wollen..."
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ... Facebook wird von einer ganz bestimmten Gruppe genutzt.
    Viele haben sich dort angemeldet, eigentlich die meisten die ich kenne, nur nutzt es keiner/kaum einer mehr.
    Übrig geblieben sind die "ich mach mir gerade einen Kaffee" Poster. Da das nunmal Menschen in meinem Alter nicht unbedingt interessiert, bewegt man sich nicht mehr auf Facebook.
    So kann eine Gruppe von 1000 Menschen mit bestimmten Auswahlkriterien representativer sein, als eine Gruppe von (angeblichen) 20.000.000 Selbstdarstellern.

  6. ... Facebook wird von einer ganz bestimmten Gruppe genutzt.
    Viele haben sich dort angemeldet, eigentlich die meisten die ich kenne, nur nutzt es keiner/kaum einer mehr.
    Übrig geblieben sind die "ich mach mir gerade einen Kaffee" Poster. Da das nunmal Menschen in meinem Alter nicht unbedingt interessiert, bewegt man sich nicht mehr auf Facebook.
    So kann eine Gruppe von 1000 Menschen mit bestimmten Auswahlkriterien representativer sein, als eine Gruppe von (angeblichen) 20.000.000 Selbstdarstellern.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "@Lupo"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    und in welcher Intention, das kann ich Ihnen auch nicht sagen. Ich selbst bin dort nämlich auch nicht angemeldet (war ich noch nie). Aber bei 20 Mio. von einer "ganz bestimmten" Gruppe zu sprechen, na ich weiß nicht. Ich habe durchaus schon von dem ein oder anderen Rentner gehört, der FB nutzt. Also ich vermute mal, dass die Gruppe der User heterogener ist, als man meinen sollte.

    Unabhängig davon, ob Rückschlüsse auf "die Deutschen" möglich sind oder nicht, so hat man zumindest Daten von 20 Mio. Deutschen, also rund einem Viertel der Bevölkerung. Ich kann schon verstehen, dass das für Forscher wie Weihnachten ist.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Schlagworte Barack Obama | Soziale Netzwerke | Persönlichkeitstest | Spanien | USA | Texas
Service