OstfeldzugDer Weg ins Inferno

Zwei Ziele standen Hitler immer vor Augen: Die "Ausrottung" der Juden und die Vernichtung der Sowjetunion. Der Feldzug im Osten, der vor 70 Jahren begann, verband die beiden Ziele miteinander. von Ian Kershaw

Adolf Hitler berät sich 1941 im Führerhauptquartier mit seinen Kriegsgenerälen, darunter Halder, Keitel and Brauchitsch.

Adolf Hitler berät sich 1941 im Führerhauptquartier mit seinen Kriegsgenerälen, darunter Halder, Keitel and Brauchitsch.  |  © Heinrich Hoffmann/Keystone/Getty Images

Fast zwanzig Jahre lang hatte Adolf Hitler vorgehabt, die Sowjetunion anzugreifen, am 22. Juni 1941 war es so weit: Das Unternehmen Barbarossa begann. Bereits im Dezember 1922, zwei Jahre nach Gründung der NSDAP, hatte er erklärt, die Zerstörung Russlands »mit Hilfe Englands« sei nötig, um Raum zu schaffen für deutsche Siedler und die deutsche Wirtschaft. 1926, als der zweite Band seines programmatischen Bekenntnisbuches Mein Kampf erschien, gehörte der Gewinn von »Lebensraum« auf Kosten Russlands zu den Kernelementen seiner Vorstellungen und Ziele. Hitlers obsessiver Judenhass fand seine außenpolitische Entsprechung in seinem Hass auf die Sowjetunion und in der Verachtung der »minderwertigen slawischen Rasse«. »Das Ende der Judenherrschaft in Rußland«, schrieb er, »wird auch das Ende Rußlands als Staat sein.« Es scheint fast so, als sei ihm das Vernichten wichtiger gewesen als das Erobern.

Allerdings führt keine gerade Linie von Hitlers ideologischen Überzeugungen der zwanziger Jahre zu den spezifischen strategischen Entscheidungen und konkreten militärischen Weisungen, die 1941 in den Überfall auf die Sowjetunion mündeten. Der Weg zum Unternehmen Barbarossa war gewunden, voller Abzweigungen und Hindernisse. Auch entsprang dieser Krieg keineswegs allein Hitlers Willen. Beim »Lebensraum«, was auch immer er selbst darunter verstand, handelte es sich um kaum mehr als einen vagen Begriff, der eine Expansion zu irgendeinem zukünftigen Zeitpunkt implizierte und innerhalb der Machtelite unterschiedlich interpretiert werden konnte.

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Zeitleiste
Hitlers Krieg im Osten
23. August 1939

© AFP/Getty Images

"Hitler-Stalin-Pakt": Reichsaußenminister Joachim von Ribbentrop und der Volkskommissar für Auswärtige Angelegenheiten der Sowjetunion, Wjatscheslaw Molotow, unterschreiben im Beisein Josef Stalins in Moskau einen Nichtangriffsvertrag. In der Folge wird Polen zwischen Deutschland und der Sowjetunion aufgeteilt. Es ist ein Vertrag, der nichts über die wahren Pläne Adolf Hitlers aussagt. Denn schon 1933 hatte Hitler  seine Absicht erklärt, "neuen Lebensraum im Osten" zu erobern.
 

18. Dezember 1940

© Fox Photos/Getty Images

Hitler unterzeichnet seine Weisung Nr. 21 "Fall Barbarossa". Unter diesem Namen beginnt die Planung des Krieges gegen die Sowjetunion. Die Wehrmachtspitze rechnet mit einer Kriegsdauer von maximal vier Monaten. Bis zum Sommer 1941 werden circa 3,3 Millionen Soldaten an der Ostgrenze  zusammengezogen. Am 30. März 1941 sagt Hitler vor den Oberbefehlshabern der Wehrmacht, sein Ziel sei die Auslöschung des sowjetischen Staates, die Vernichtung seiner Träger und die Errichtung einer deutschen Kolonie.

Mai/Juni 1941

© Archivdokument

Kurz vor Beginn des Ostfeldzuges erlassen die Oberkommandos der Wehrmacht (OKW) und des Heeres (OKH) völkerrechtswidrige Befehle. Es bestehe "kein Verfolgungszwang" für verbrecherische Handlungen deutscher Soldaten gegen feindliche Zivilpersonen. Jeder "aktive oder passive Widerstand" solle "restlos" beseitigt werden. Der sogenannte Kommissarbefehl sieht vor, politische Kommissare der Roten Armee "nach durchgeführter Absonderung zu erledigen".

22. Juni 1941

Deutsche Pioniereinheiten setzen über den Bug. Ohne Kriegserklärung greift Deutschland die Sowjetunion an. Die Heeresgruppe Mitte, die stärkste der drei Heeresgruppen zu Beginn des "Unternehmens Barbarossa", ist zu diesem Zeitpunkt gut 1.000 Kilometer von Moskau entfernt. Einen knappen Monat später ist diese Distanz auf 350 Kilometer zusammengeschrumpft. Bis zum Spätherbst besetzt die Wehrmacht Weißrussland, Teile Russlands und den größten Teil der Ukraine.

Sommer 1941

Mit dem Angriff der Wehrmacht auf die Sowjetunion setzt eine massenhafte Flucht der sowjetischen Zivilbevölkerung ein. Im Verlauf des gesamten Krieges fliehen etwa 14 Millionen Menschen vor den deutschen Truppen oder müssen in Sicherheit gebracht werden.

Juli 1941

Etwa zwei Wochen nach Beginn des Ostfeldzuges befiehlt Stalin, jegliche kriegswichtige Infrastruktur in den unsicheren westlichen Regionen zu demontieren und nach Osten abzutransportieren. Im Ural und jenseits entstehen in der Folge Zentren der sowjetischen Rüstungsindustrie. Dort arbeiten zumeist Frauen und Kriegsinvaliden.

16. August 1941

© Hulton Archive/Getty Images

Stalin erlässt den Befehl Nr. 270, der es Rotarmisten verbietet, sich dem Feind zu ergeben. Darin heißt es: "Wer in die Einkreisung geraten ist, hat auf Leben und Tod zu kämpfen und bis zuletzt zu versuchen, sich zu den Unseren durchzuschlagen." Wer die Gefangenschaft vorziehe, sei mit dem Tod zu bestrafen. Bis Ende des Jahres geraten 3,3 Millionen Rotarmisten in deutsche Kriegsgefangenschaft.

August/September 1941

© Hulton Archive/Getty Images

Hitler verlegt den Schwerpunkt des Angriffs auf die Ukraine. In einer gemeinsamen Offensive der Heeresgruppen Süd und Mitte gelingt es der Wehrmacht am 19. September, Kiew einzunehmen. Eine Woche später ist auch die Kesselschlacht im Osten der Stadt endgültig ausgefochten. Rund 700.000 Rotarmisten geraten in deutsche Kriegsgefangenschaft.

Im September beginnt die fast 900-tägige Blockade von Leningrad. Die Stadt der Oktoberrevolution soll ausgehungert werden.

8. September 1941

Bis zur Befreiung am 27. Januar 1944 sterben rund eine Million Bürger Leningrads an Hunger und Kälte.

29./30. September 1941

Wenige Tage nach der Besetzung Kiews nehmen deutsche Verbände unter Generalfeldmarschall Walter von Reichenau sämtliche Juden fest, die noch in der ukrainischen Hauptstadt leben, und treiben sie zur Schlucht von Babi Jar. Binnen zwei Tagen ermordet dort ein Sonderkommando der Einsatzgruppen fast 34.000 Männer, Frauen und Kinder.

2. Oktober 1941

© Julika Altmann für ZEIT Geschichte

Beginn der "Operation Taifun": Für den Vorstoß auf die sowjetische Hauptstadt Moskau hat die deutsche Führung 78 Divisionen zusammengezogen., knapp zwei Millionen Mann. Doch die Offensive gerät bald ins Stocken und wird im Dezember mit einer sowjetischen Gegenoffensive beantwortet. Die Rote Armee treibt die deutschen Verbände bei eisiger Kälte bis zu 200 Kilometer zurück in Richtung Westen.

Dezember 1941

Ende des Jahres 1941 sind bereits 3,3 Millionen Rotarmisten in deutsche Kriegsgefangenschaft geraten. Von den 5,7 Millionen Rotarmisten, die den Deutschen insgesamt während des Krieges in die Hände fallen, werden gut drei Millionen, also mehr als die Hälfte, durch Hunger, Krankheit und Erschießungen getötet – das Gros davon während der Abtransporte und in den Gefangenenlagern.

Januar 1942

Die ersten "Ostarbeiter" kommen mit Zügen ins Reich. Von 1942 bis 1944 werden insgesamt etwa drei Millionen Menschen aus der Sowjetunion nach Deutschland geschafft, um dort Zwangsarbeit zu leisten. Andere müssen auf dem Boden der Sowjetunion Sklavendienste für die Besatzer verrichten. Betroffen sind vor allem Frauen und Jugendliche, die zu jung sind, um zur Armee eingezogen zu werden.

28. Juni 1942

© Julika Altmann für ZEIT Geschichte

Nachdem Hitlers Ostheer bis Frühjahr 1942 bereits Verluste von mehr als einer Million Soldaten hinnehmen musste – gezählt werden Gefallene, Verwundete, Vermisste –, beginnt im Sommer 1942 der Vorstoß auf die Erdölfelder des Kaukasus sowie auf Stalingrad an der Wolga. Doch die "Operation Blau" läuft bald ins Leere. Sowjetische Truppen gewinnen zunehmend die Initiative.

2. Februar 1943

Die Schlacht um Stalingrad endet mit der Kapitulation der 6. Armee. Bereits im November des Vorjahres sind mehr als 200.000 Wehrmachtsoldaten eingekesselt worden. Die deutsche Niederlage bei Stalingrad wird weltweit als die entscheidende Kriegswende wahrgenommen.

18. Februar 1943

Die Schlacht um Stalingrad endet mit der Kapitulation der 6. Armee. Zwei Wochen später hält Reichspropagandaminister Joseph Goebbels im Berliner Sportpalast seine berüchtigte Rede. Vor ausgewählten Zuhörern verkündet er den "totalen Krieg". Das Publikum jubelt ihm zu. Die über 100-minütige Rede gilt als Musterbeispiel der nationalsozialistischen Propaganda.

 

20. Mai 1943

© Keystone/Getty Images

In einem der größten Einsätze gegen prosowjetische Partisanen ermordet eine nach SS-Brigadeführer Curt von Gottberg benannte Kampfgruppe in Weißrussland innerhalb von zehn Tagen rund 13.000 Menschen ("Aktion Cottbus"). Die Zahl der Getöteten ist, wie bei derartigen Aktionen üblich, etwa zehnmal so hoch wie die Zahl der erbeuteten Waffen. Insgesamt fallen der Partisanenbekämpfung durch Wehrmacht-, SS- und Polizeitruppen mehr als ein halbe Million Menschen zum Opfer.

5. Juli 1943

© Hulton Archive/Getty Images

In einer letzten Großoffensive versucht die Wehrmachtsführung, die sowjetische Front aufzubrechen, die westrussische Stadt Kursk einzunehmen und damit die Initiative zurückzugewinnen. Dabei kommt es zur größten Konzentration von Kriegstechnik, die die Geschichte bislang kennt. Nach einer guten Woche sieht sich Hitler gezwungen, den Angriff auf Kursk einzustellen. Die Rote Armee dringt unter großen Verlusten weiter nach Westen vor.

Sommer 1943 – Herbst 1944

"Verbrannte Erde": Auf ihrem Rückzug vor der Roten Armee zerstört und entvölkert die Wehrmacht systematisch das Land. Die Deutschen vertreiben die Bevölkerung, hinterlassen kilometerweite Feuersbrünste, zerstören die Infrastruktur, vernichten Vorräte und vergiften Brunnen.

22. Juni 1944

© Deutsch-Russisches Museum Berlin-Karlshorst

Operation "Bagration": Am dritten Jahrestag des Überfalls eröffnet die Rote Armee ihre große Sommeroffensive im Mittelabschnitt der Ostfront. Mit Unterstützung russischer Partisanen zerschlagen die Sowjets innerhalb von wenigen Wochen 28 deutsche Divisionen; die Heeresgruppe Mitte verliert rund 400.000 Soldaten und damit fast drei Viertel ihres vormaligen Gesamtumfangs.

23. Juli 1944

Im Sommer 1944 befreit die Rote Armee als erstes der nationalsozialistischen Vernichtungslager Majdanek. Die SS hat es kurz zuvor überhastet geräumt, Gefangene abtransportiert, Unterlagen vernichtet und Gebäude niedergebrannt. Die Rote Armee findet noch rund 1.000 ausgezehrte und kranke sowjetische Kriegsgefangene vor. In den Vernichtungslagern wurden zusammengenommen mehr als drei Millionen Menschen umgebracht. Insgesamt ermordeten die Deutschen etwa sechs Millionen Juden und mehrere Hunderttausend Sinti und Roma.

Immer schneller verschiebt sich die Front nach Westen. Am 10. Oktober erreicht die Rote Armee die ostpreußische Grenze.

16. April 1945

© Ivan Shagin/Getty Images

Die Rote Armee beginnt ihre Offensive auf Berlin. Obwohl der Krieg schon entschieden ist, muss sie weiterhin hohe Verluste hinnehmen, da viele Deutsche bis zur letzten Sekunde kämpfen. Im Osten wie im Westen Deutschlands inszeniert die Wehrmacht einen apokalyptischen Endkampf. Am 30. April begeht Hitler Selbstmord.

Mai 1945

© Fred Ramage/Getty Images

Millionen deutsche Bewohner aus Ost- und Westpreußen, Pommern, Schlesien, dem östlichen Brandenburg und anderen Siedlungsgebieten im Osten fliehen bis Mai 1945 vor der Roten Armee. Millionen weitere werden in den nachfolgenden Monaten vertrieben. Etwa 600.000 Deutsche kommen auf der Flucht und während der Vertreibung ums Leben.

8./9. Mai 1945

Die Wehrmacht kapituliert. Generalstabschef Alfred Jodl unterzeichnet die Gesamtkapitulation im US-Hauptquartier in Reims. Die Oberbefehlshaber Wilhelm Keitel, Hans-Georg von Friedeburg und Generaloberst Hans-Jürgen Stumpff ratifizieren die Kapitulation am 9. Mai im sowjetischen Hauptquartier in Berlin. Rund 27 Millionen Sowjetbürger haben im Krieg gegen Deutschland ihr Leben verloren.

7. Oktober 1955

Die letzten knapp 10.000 Wehrmachtsoldaten kehren aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft zurück. Insgesamt waren 17 Millionen Deutsche Teil der Wehrmacht. Der überwiegende Teil wurde im Ostfeldzug eingesetzt. Erst in den neunziger Jahren beginnt in der breiten Öffentlichkeit eine kritische Aufarbeitung des Vernichtungskrieges.

Texte: Thomas Dierkes, Beratung: Peter Jahn

Die Sowjetunion spielte bis 1939 nur eine untergeordnete Rolle in der Entwicklung der außenpolitischen Strategien des Regimes. Als Hitler im November 1937 seine expansionistischen Absichten in einem langen Vortrag vor seinen Heerführern und seinem Außenminister konkretisierte, erwähnte er die Sowjetunion kaum. Die Aussicht auf einen Krieg gegen die Westmächte, nicht gegen Moskau, bildete in den Jahren 1938 und 1939 das beherrschende Thema. Dazu gehörte eine Entscheidung, mit der Hitler im August 1939 die Welt überraschte: Er revidierte schlagartig Jahre antisowjetischer Propaganda und Programmatik und willigte in den zynischen Nichtangriffspakt mit Stalin ein – ein Handel, der beiden Seiten sehr zupasskam.

Doch trotz dieser vermeintlichen Kehrtwende und ungeachtet der Frage, wie opportunistisch seine außenpolitischen Schachzüge in den Jahren davor gewesen sein mögen, waren Hitlers Vorstellungen unverändert geblieben. Bereits in seiner allerersten Ansprache als Reichskanzler vor den Generälen der Reichswehr hatte er am Abend des 3. Februar 1933 in der Berliner Wohnung des Chefs der Heeresleitung, Kurt von Hammerstein-Equord, die »Eroberung neuen Lebensraums im Osten und dessen rücksichtslose Germanisierung« angekündigt.

Auch als es bald darauf um die drastische Beschleunigung der Wiederaufrüstung ging, spielte das alte Motiv eine Rolle. Hitlers geheime Denkschrift zum deutschen Vierjahresplan vom August 1936 – als der Beginn des Spanischen Bürgerkriegs seine Aufmerksamkeit auf die »bolschewistische Bedrohung« lenkte – beruhte auf der Prämisse eines unausweichlichen Krieges mit Russland. Ein Jahr darauf bezeichnete der Diktator im privaten Kreis den Bolschewismus als »die Gefahr, die wir einmal niederschlagen müssen«. Und 1939 drohte er nur Tage vor seinem Pakt mit Stalin: Falls die Westmächte sich nicht fügten, »werde ich gezwungen sein, mich mit den Russen zu verständigen, den Westen zu schlagen und dann nach der Niederlage mich mit meinen versammelten Kräften gegen die Sowjetunion zu wenden«.

Leserkommentare
  1. Bitte bemühen Sie sich um eine sachliche Kritik. Danke. Die Redaktion/ag

    2 Leserempfehlungen
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    • cvnde
    • 02. Juni 2011 11:13 Uhr

    Sir Ian ist eigentlich der Top-Historiker was Hitler angeht, den Ostfeldzug selber hat Overy gut beschrieben.

    keinerlei Top, sondern nur ein gut beackertes, ein gut analysiertes FELD (statt Körper).
    Schon die Sprache entlavt die Mentalität oder Denkweise der Menschen!

    • cvnde
    • 02. Juni 2011 11:08 Uhr

    und das schon seit 1994.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Entfernt. Bitte diskutieren Sie das Artikelthema. Danke. Die Redaktion/lv

    • cvnde
    • 02. Juni 2011 11:13 Uhr

    Sir Ian ist eigentlich der Top-Historiker was Hitler angeht, den Ostfeldzug selber hat Overy gut beschrieben.

    Antwort auf "[Entfernt]"
  2. Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen und Polemik und beteiligen Sie sich mit sachlich argumentierten Beiträgen an der Diskussion. Danke. Die Redaktion/lv

    Eine Leserempfehlung
  3. "Auch entsprang dieser Krieg keineswegs allein Hitlers Willen."

    Richtig, man war sich nämlich in der sogenannten deutschen Machtelite ebenso bewusst, dass der Clash of ideologies mittelfristig unvermeidbar war.
    So führte man lediglich einen Präventivkrieg, der durch den Wegbruch des Bündnispartners Jugoslawien und der Notwendigkeit einer Intervention sich in geradezu fatalen Ausmaß verzögert hatte.
    Man war 1941 in einer machpolitisch, wie auch militärisch guten Position um das mehr als ehrgeizige militärische Projekt zu wagen und jedes weitere Jahr, was man mit Warterei verbacht hätte, hätte den roten Bären stärker gemacht.
    Kritisch für das Scheitern des UB waren letztlich die Verzögerung durch die Jugoslawien-Intervention, wodurch man mitten in den russischen Winter hineingeriert (die geringe Voraussicht seitens des OKWs in dieser Frage und der dementsprechend unpassenden Ausrüstung der deutschen Soldaten spielte hier natürlich in ebenso fatalem Maße eine Rolle) und natürlich der Held der Sowjetunion, Richard Sorge, der letztlich Stalin die Gewissheit gab, dass der Japaner sich an den Nicht-Angriffspakt halten würde, sodass die sibirischen Verbände der Roten Armee an die deutsche Ostfront geschickt werden konnte.

    6 Leserempfehlungen
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    "So führte man lediglich einen Präventivkrieg, ... "

    Genau, Hitler konnte ja gar nicht anders, er wurde quasi von den Umständen zum Krieg gezwungen, der Arme ...

    Ihre apologetische "Argumentation" grenzt schon an Geschichtsfälschung und ist damit in diesem speziellen Fall sogar gefährlich!

    • RalphS
    • 02. Juni 2011 12:26 Uhr

    Kershaw behauptet : Hitler meinte, es würde nur ein Sandkastenspiel.

    Ach und warum lag Hitler dann so viel daran, dass die Japaner in Sibirien eine zweite Front errichten, um die Russisch -Sibirische eine Million Mann starke Armee zu binden ?
    Hitler war sehr wohl bewußt, mit was für einem militärischen Kolloss sich Deutschland eingelassen hatte. Immerhin hatte Russland nicht nur gegenüber Deutschland eine wesentlich größere Armee, sondern mehr als doppelt so viele Kampfflugzeuge, Panzer und Artillerie.
    Auch war die Rüstungsproduktion mehr als doppelt so hoch.

    Dazu kam zum Beginn von Barbarossa die Produktionsumstellung der Sowjets auf modernste Kampfpanzer T34, den zu dem Zeitpunkt gefährlichsten Panzer der Welt. Ebenfalls stand die sowjetische Flugzeugindustrie kurz vor der Umstellung auf modernste Baumuster.

    Die Sowjets überfielen 1939 Finnland, besetzten Ostpolen und bedrohten seitdem die für Deutschland so wichtigen Ölfelder Rumäniens.
    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf relativierende Kommentare. Danke. Die Redaktion/km

    6 Leserempfehlungen
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    Meine Rede.
    Unsere Kommentare, sogar in der Reihenfolge, ergänzen sich ganz hervorragend. ;)

    Wie ich schon sagte, die Hitlersche Weltsicht war das eine, die Notwendigkeit zu einem Präventivkrieg das andere.

    Was Sie hier schreiben, hat mit ernsthafter Geschichtswissenschaft nichts zu tun. Sie lassen den ganz entscheidenden Punkt aus, nämlich die Kriegesziele des Deutschen Reiches, dh die Rassenwahn-"Theorien" Hitlers und seiner Verbrecherbande. Das Deutsche Reich hat die UDSSR angegriffen, weil es ideologisch den "Lebensraum" im Osten wollte - ein auf den Rassenwahn gerichtete Eroberungs- und Vernichtungsphantasie, die in der Shoah ihre grausige Verwirklichkung fand. Natürlich war die Ermordung der europäischen Juden nur ein Teil des Planes, wie man etwa hier sehen kann:
    http://de.wikipedia.org/w...
    Vor diesem Hintergrund davon zu reden, dass es eine gerechtfertigte Sorge vor einem Zweifrontenkrieg gegeben hat, ist völliger Unsinn - Geschichtsrevisionismus der schlimmsten Sorte. Wer hat noch einmal den 2. WK angefangen?

  4. 7. .....

    Meine Rede.
    Unsere Kommentare, sogar in der Reihenfolge, ergänzen sich ganz hervorragend. ;)

    Wie ich schon sagte, die Hitlersche Weltsicht war das eine, die Notwendigkeit zu einem Präventivkrieg das andere.

    3 Leserempfehlungen
  5. "Deutschland hatte also allen Grund sich zwischen zwei hochgerüsteten Mächten bedroht zu fühlen."

    Ich hoffe, es handelt sich um ein Missverständnis und Sie versuchen nicht, den Ostfeldzug tatsächlich als gerechtfertigten Präventivschlag darzustellen. In diesem Zusammenhang von einer "Notwendigkeit" zu sprechen ist bestenfalls zynisch.

    6 Leserempfehlungen
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    sich weigern, den Fakt eines Präventivkrieges gegen die Sowjetunion anzuerkennen, dann beweisen sie lediglich Unkenntnis der Materie und verkennen die Tragweite der historischen Realität.

    Bitte begründen Sie Ihre Aussagen mit sachlichen Argumenten. Die Redaktion/lv

    Entfernt. Bitte gehen Sie sachlich auf die Beiträge anderer User ein. Danke. Die Redaktion/lv

    • th
    • 03. Juni 2011 18:30 Uhr

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke. Die Redaktion/km

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