OstfeldzugDer Weg ins Inferno

Zwei Ziele standen Hitler immer vor Augen: Die "Ausrottung" der Juden und die Vernichtung der Sowjetunion. Der Feldzug im Osten, der vor 70 Jahren begann, verband die beiden Ziele miteinander. von Ian Kershaw

Adolf Hitler berät sich 1941 im Führerhauptquartier mit seinen Kriegsgenerälen, darunter Halder, Keitel and Brauchitsch.

Adolf Hitler berät sich 1941 im Führerhauptquartier mit seinen Kriegsgenerälen, darunter Halder, Keitel and Brauchitsch.  |  © Heinrich Hoffmann/Keystone/Getty Images

Fast zwanzig Jahre lang hatte Adolf Hitler vorgehabt, die Sowjetunion anzugreifen, am 22. Juni 1941 war es so weit: Das Unternehmen Barbarossa begann. Bereits im Dezember 1922, zwei Jahre nach Gründung der NSDAP, hatte er erklärt, die Zerstörung Russlands »mit Hilfe Englands« sei nötig, um Raum zu schaffen für deutsche Siedler und die deutsche Wirtschaft. 1926, als der zweite Band seines programmatischen Bekenntnisbuches Mein Kampf erschien, gehörte der Gewinn von »Lebensraum« auf Kosten Russlands zu den Kernelementen seiner Vorstellungen und Ziele. Hitlers obsessiver Judenhass fand seine außenpolitische Entsprechung in seinem Hass auf die Sowjetunion und in der Verachtung der »minderwertigen slawischen Rasse«. »Das Ende der Judenherrschaft in Rußland«, schrieb er, »wird auch das Ende Rußlands als Staat sein.« Es scheint fast so, als sei ihm das Vernichten wichtiger gewesen als das Erobern.

Allerdings führt keine gerade Linie von Hitlers ideologischen Überzeugungen der zwanziger Jahre zu den spezifischen strategischen Entscheidungen und konkreten militärischen Weisungen, die 1941 in den Überfall auf die Sowjetunion mündeten. Der Weg zum Unternehmen Barbarossa war gewunden, voller Abzweigungen und Hindernisse. Auch entsprang dieser Krieg keineswegs allein Hitlers Willen. Beim »Lebensraum«, was auch immer er selbst darunter verstand, handelte es sich um kaum mehr als einen vagen Begriff, der eine Expansion zu irgendeinem zukünftigen Zeitpunkt implizierte und innerhalb der Machtelite unterschiedlich interpretiert werden konnte.

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Hitlers Krieg im Osten
23. August 1939

© AFP/Getty Images

"Hitler-Stalin-Pakt": Reichsaußenminister Joachim von Ribbentrop und der Volkskommissar für Auswärtige Angelegenheiten der Sowjetunion, Wjatscheslaw Molotow, unterschreiben im Beisein Josef Stalins in Moskau einen Nichtangriffsvertrag. In der Folge wird Polen zwischen Deutschland und der Sowjetunion aufgeteilt. Es ist ein Vertrag, der nichts über die wahren Pläne Adolf Hitlers aussagt. Denn schon 1933 hatte Hitler  seine Absicht erklärt, "neuen Lebensraum im Osten" zu erobern.
 

18. Dezember 1940

© Fox Photos/Getty Images

Hitler unterzeichnet seine Weisung Nr. 21 "Fall Barbarossa". Unter diesem Namen beginnt die Planung des Krieges gegen die Sowjetunion. Die Wehrmachtspitze rechnet mit einer Kriegsdauer von maximal vier Monaten. Bis zum Sommer 1941 werden circa 3,3 Millionen Soldaten an der Ostgrenze  zusammengezogen. Am 30. März 1941 sagt Hitler vor den Oberbefehlshabern der Wehrmacht, sein Ziel sei die Auslöschung des sowjetischen Staates, die Vernichtung seiner Träger und die Errichtung einer deutschen Kolonie.

Mai/Juni 1941

© Archivdokument

Kurz vor Beginn des Ostfeldzuges erlassen die Oberkommandos der Wehrmacht (OKW) und des Heeres (OKH) völkerrechtswidrige Befehle. Es bestehe "kein Verfolgungszwang" für verbrecherische Handlungen deutscher Soldaten gegen feindliche Zivilpersonen. Jeder "aktive oder passive Widerstand" solle "restlos" beseitigt werden. Der sogenannte Kommissarbefehl sieht vor, politische Kommissare der Roten Armee "nach durchgeführter Absonderung zu erledigen".

22. Juni 1941

Deutsche Pioniereinheiten setzen über den Bug. Ohne Kriegserklärung greift Deutschland die Sowjetunion an. Die Heeresgruppe Mitte, die stärkste der drei Heeresgruppen zu Beginn des "Unternehmens Barbarossa", ist zu diesem Zeitpunkt gut 1.000 Kilometer von Moskau entfernt. Einen knappen Monat später ist diese Distanz auf 350 Kilometer zusammengeschrumpft. Bis zum Spätherbst besetzt die Wehrmacht Weißrussland, Teile Russlands und den größten Teil der Ukraine.

Sommer 1941

Mit dem Angriff der Wehrmacht auf die Sowjetunion setzt eine massenhafte Flucht der sowjetischen Zivilbevölkerung ein. Im Verlauf des gesamten Krieges fliehen etwa 14 Millionen Menschen vor den deutschen Truppen oder müssen in Sicherheit gebracht werden.

Juli 1941

Etwa zwei Wochen nach Beginn des Ostfeldzuges befiehlt Stalin, jegliche kriegswichtige Infrastruktur in den unsicheren westlichen Regionen zu demontieren und nach Osten abzutransportieren. Im Ural und jenseits entstehen in der Folge Zentren der sowjetischen Rüstungsindustrie. Dort arbeiten zumeist Frauen und Kriegsinvaliden.

16. August 1941

© Hulton Archive/Getty Images

Stalin erlässt den Befehl Nr. 270, der es Rotarmisten verbietet, sich dem Feind zu ergeben. Darin heißt es: "Wer in die Einkreisung geraten ist, hat auf Leben und Tod zu kämpfen und bis zuletzt zu versuchen, sich zu den Unseren durchzuschlagen." Wer die Gefangenschaft vorziehe, sei mit dem Tod zu bestrafen. Bis Ende des Jahres geraten 3,3 Millionen Rotarmisten in deutsche Kriegsgefangenschaft.

August/September 1941

© Hulton Archive/Getty Images

Hitler verlegt den Schwerpunkt des Angriffs auf die Ukraine. In einer gemeinsamen Offensive der Heeresgruppen Süd und Mitte gelingt es der Wehrmacht am 19. September, Kiew einzunehmen. Eine Woche später ist auch die Kesselschlacht im Osten der Stadt endgültig ausgefochten. Rund 700.000 Rotarmisten geraten in deutsche Kriegsgefangenschaft.

Im September beginnt die fast 900-tägige Blockade von Leningrad. Die Stadt der Oktoberrevolution soll ausgehungert werden.

8. September 1941

Bis zur Befreiung am 27. Januar 1944 sterben rund eine Million Bürger Leningrads an Hunger und Kälte.

29./30. September 1941

Wenige Tage nach der Besetzung Kiews nehmen deutsche Verbände unter Generalfeldmarschall Walter von Reichenau sämtliche Juden fest, die noch in der ukrainischen Hauptstadt leben, und treiben sie zur Schlucht von Babi Jar. Binnen zwei Tagen ermordet dort ein Sonderkommando der Einsatzgruppen fast 34.000 Männer, Frauen und Kinder.

2. Oktober 1941

© Julika Altmann für ZEIT Geschichte

Beginn der "Operation Taifun": Für den Vorstoß auf die sowjetische Hauptstadt Moskau hat die deutsche Führung 78 Divisionen zusammengezogen., knapp zwei Millionen Mann. Doch die Offensive gerät bald ins Stocken und wird im Dezember mit einer sowjetischen Gegenoffensive beantwortet. Die Rote Armee treibt die deutschen Verbände bei eisiger Kälte bis zu 200 Kilometer zurück in Richtung Westen.

Dezember 1941

Ende des Jahres 1941 sind bereits 3,3 Millionen Rotarmisten in deutsche Kriegsgefangenschaft geraten. Von den 5,7 Millionen Rotarmisten, die den Deutschen insgesamt während des Krieges in die Hände fallen, werden gut drei Millionen, also mehr als die Hälfte, durch Hunger, Krankheit und Erschießungen getötet – das Gros davon während der Abtransporte und in den Gefangenenlagern.

Januar 1942

Die ersten "Ostarbeiter" kommen mit Zügen ins Reich. Von 1942 bis 1944 werden insgesamt etwa drei Millionen Menschen aus der Sowjetunion nach Deutschland geschafft, um dort Zwangsarbeit zu leisten. Andere müssen auf dem Boden der Sowjetunion Sklavendienste für die Besatzer verrichten. Betroffen sind vor allem Frauen und Jugendliche, die zu jung sind, um zur Armee eingezogen zu werden.

28. Juni 1942

© Julika Altmann für ZEIT Geschichte

Nachdem Hitlers Ostheer bis Frühjahr 1942 bereits Verluste von mehr als einer Million Soldaten hinnehmen musste – gezählt werden Gefallene, Verwundete, Vermisste –, beginnt im Sommer 1942 der Vorstoß auf die Erdölfelder des Kaukasus sowie auf Stalingrad an der Wolga. Doch die "Operation Blau" läuft bald ins Leere. Sowjetische Truppen gewinnen zunehmend die Initiative.

2. Februar 1943

Die Schlacht um Stalingrad endet mit der Kapitulation der 6. Armee. Bereits im November des Vorjahres sind mehr als 200.000 Wehrmachtsoldaten eingekesselt worden. Die deutsche Niederlage bei Stalingrad wird weltweit als die entscheidende Kriegswende wahrgenommen.

18. Februar 1943

Die Schlacht um Stalingrad endet mit der Kapitulation der 6. Armee. Zwei Wochen später hält Reichspropagandaminister Joseph Goebbels im Berliner Sportpalast seine berüchtigte Rede. Vor ausgewählten Zuhörern verkündet er den "totalen Krieg". Das Publikum jubelt ihm zu. Die über 100-minütige Rede gilt als Musterbeispiel der nationalsozialistischen Propaganda.

 

20. Mai 1943

© Keystone/Getty Images

In einem der größten Einsätze gegen prosowjetische Partisanen ermordet eine nach SS-Brigadeführer Curt von Gottberg benannte Kampfgruppe in Weißrussland innerhalb von zehn Tagen rund 13.000 Menschen ("Aktion Cottbus"). Die Zahl der Getöteten ist, wie bei derartigen Aktionen üblich, etwa zehnmal so hoch wie die Zahl der erbeuteten Waffen. Insgesamt fallen der Partisanenbekämpfung durch Wehrmacht-, SS- und Polizeitruppen mehr als ein halbe Million Menschen zum Opfer.

5. Juli 1943

© Hulton Archive/Getty Images

In einer letzten Großoffensive versucht die Wehrmachtsführung, die sowjetische Front aufzubrechen, die westrussische Stadt Kursk einzunehmen und damit die Initiative zurückzugewinnen. Dabei kommt es zur größten Konzentration von Kriegstechnik, die die Geschichte bislang kennt. Nach einer guten Woche sieht sich Hitler gezwungen, den Angriff auf Kursk einzustellen. Die Rote Armee dringt unter großen Verlusten weiter nach Westen vor.

Sommer 1943 – Herbst 1944

"Verbrannte Erde": Auf ihrem Rückzug vor der Roten Armee zerstört und entvölkert die Wehrmacht systematisch das Land. Die Deutschen vertreiben die Bevölkerung, hinterlassen kilometerweite Feuersbrünste, zerstören die Infrastruktur, vernichten Vorräte und vergiften Brunnen.

22. Juni 1944

© Deutsch-Russisches Museum Berlin-Karlshorst

Operation "Bagration": Am dritten Jahrestag des Überfalls eröffnet die Rote Armee ihre große Sommeroffensive im Mittelabschnitt der Ostfront. Mit Unterstützung russischer Partisanen zerschlagen die Sowjets innerhalb von wenigen Wochen 28 deutsche Divisionen; die Heeresgruppe Mitte verliert rund 400.000 Soldaten und damit fast drei Viertel ihres vormaligen Gesamtumfangs.

23. Juli 1944

Im Sommer 1944 befreit die Rote Armee als erstes der nationalsozialistischen Vernichtungslager Majdanek. Die SS hat es kurz zuvor überhastet geräumt, Gefangene abtransportiert, Unterlagen vernichtet und Gebäude niedergebrannt. Die Rote Armee findet noch rund 1.000 ausgezehrte und kranke sowjetische Kriegsgefangene vor. In den Vernichtungslagern wurden zusammengenommen mehr als drei Millionen Menschen umgebracht. Insgesamt ermordeten die Deutschen etwa sechs Millionen Juden und mehrere Hunderttausend Sinti und Roma.

Immer schneller verschiebt sich die Front nach Westen. Am 10. Oktober erreicht die Rote Armee die ostpreußische Grenze.

16. April 1945

© Ivan Shagin/Getty Images

Die Rote Armee beginnt ihre Offensive auf Berlin. Obwohl der Krieg schon entschieden ist, muss sie weiterhin hohe Verluste hinnehmen, da viele Deutsche bis zur letzten Sekunde kämpfen. Im Osten wie im Westen Deutschlands inszeniert die Wehrmacht einen apokalyptischen Endkampf. Am 30. April begeht Hitler Selbstmord.

Mai 1945

© Fred Ramage/Getty Images

Millionen deutsche Bewohner aus Ost- und Westpreußen, Pommern, Schlesien, dem östlichen Brandenburg und anderen Siedlungsgebieten im Osten fliehen bis Mai 1945 vor der Roten Armee. Millionen weitere werden in den nachfolgenden Monaten vertrieben. Etwa 600.000 Deutsche kommen auf der Flucht und während der Vertreibung ums Leben.

8./9. Mai 1945

Die Wehrmacht kapituliert. Generalstabschef Alfred Jodl unterzeichnet die Gesamtkapitulation im US-Hauptquartier in Reims. Die Oberbefehlshaber Wilhelm Keitel, Hans-Georg von Friedeburg und Generaloberst Hans-Jürgen Stumpff ratifizieren die Kapitulation am 9. Mai im sowjetischen Hauptquartier in Berlin. Rund 27 Millionen Sowjetbürger haben im Krieg gegen Deutschland ihr Leben verloren.

7. Oktober 1955

Die letzten knapp 10.000 Wehrmachtsoldaten kehren aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft zurück. Insgesamt waren 17 Millionen Deutsche Teil der Wehrmacht. Der überwiegende Teil wurde im Ostfeldzug eingesetzt. Erst in den neunziger Jahren beginnt in der breiten Öffentlichkeit eine kritische Aufarbeitung des Vernichtungskrieges.

Texte: Thomas Dierkes, Beratung: Peter Jahn

Die Sowjetunion spielte bis 1939 nur eine untergeordnete Rolle in der Entwicklung der außenpolitischen Strategien des Regimes. Als Hitler im November 1937 seine expansionistischen Absichten in einem langen Vortrag vor seinen Heerführern und seinem Außenminister konkretisierte, erwähnte er die Sowjetunion kaum. Die Aussicht auf einen Krieg gegen die Westmächte, nicht gegen Moskau, bildete in den Jahren 1938 und 1939 das beherrschende Thema. Dazu gehörte eine Entscheidung, mit der Hitler im August 1939 die Welt überraschte: Er revidierte schlagartig Jahre antisowjetischer Propaganda und Programmatik und willigte in den zynischen Nichtangriffspakt mit Stalin ein – ein Handel, der beiden Seiten sehr zupasskam.

Doch trotz dieser vermeintlichen Kehrtwende und ungeachtet der Frage, wie opportunistisch seine außenpolitischen Schachzüge in den Jahren davor gewesen sein mögen, waren Hitlers Vorstellungen unverändert geblieben. Bereits in seiner allerersten Ansprache als Reichskanzler vor den Generälen der Reichswehr hatte er am Abend des 3. Februar 1933 in der Berliner Wohnung des Chefs der Heeresleitung, Kurt von Hammerstein-Equord, die »Eroberung neuen Lebensraums im Osten und dessen rücksichtslose Germanisierung« angekündigt.

Auch als es bald darauf um die drastische Beschleunigung der Wiederaufrüstung ging, spielte das alte Motiv eine Rolle. Hitlers geheime Denkschrift zum deutschen Vierjahresplan vom August 1936 – als der Beginn des Spanischen Bürgerkriegs seine Aufmerksamkeit auf die »bolschewistische Bedrohung« lenkte – beruhte auf der Prämisse eines unausweichlichen Krieges mit Russland. Ein Jahr darauf bezeichnete der Diktator im privaten Kreis den Bolschewismus als »die Gefahr, die wir einmal niederschlagen müssen«. Und 1939 drohte er nur Tage vor seinem Pakt mit Stalin: Falls die Westmächte sich nicht fügten, »werde ich gezwungen sein, mich mit den Russen zu verständigen, den Westen zu schlagen und dann nach der Niederlage mich mit meinen versammelten Kräften gegen die Sowjetunion zu wenden«.

Leserkommentare
  1. Schon in 1905/06 hatte GB/UK große Bedenken; dass sich Russland wieder mit dem Preuss.-Deutschen Kaiser Willi2 aussöhnen und wie unter Bismarck schon einmal rückversichern konnte. Da damals Polen nicht bestand wäre eins durchgehende Landmasse von der Nordsee bis nach Wladiwostock am Pazifik ein unangreifbares Gebilde gewesen.
    Glücklicherweise fühlte sich der Preuss. Adel Russland derartig überlegen, dass Kaiser-Deutschland sich nicht für Russland und den Cousin Nikolai2, sondern für Österreich-Ungarn und dessen Annexion von Herzegowina-Bosnien 1905/06 entschied, was das zarisitsche Russland in die Arme der großen Entente 1907 trieb. Damit war Kaiser-Deutschland im Kriegsfall durch Britannien mattgesetzt.
    Die Sowjet Union bedrohte den Westen 1939 in keinster Weise im Gegensatz zu Hitler-Deutschland, das den Versaillier Vertrag mit Gewalt rückgängig machen wollte und Chruchill mußte versuchen die SU auf die Seite des Westens zu ziehen, um 1914, ff. wiederholen zu können.
    Hätte Britannien der SU aber den Krieg 1939 erklärt, hätten sie die beiden totalitären Staaten nie in Europa besiegen können, weil Deutschland auch mit Japan im Pazifik verbündet war.
    Der Größenwahn der NAZIs hat dann Churchills Kalkül bestätigt und man konnte gemeinsam mit der SU und den USA ab Ende1941 NAZI-Deutschland unter größten Opfern besiegen.

    Antwort auf "Fragezeichen"
  2. Die britisch-französische Garantie gegenüber Polen war eine Reaktion auf Deutschlands Bruch des Münchner Abkommens und in einem geheimen Zusatzprotokoll fixiert: „By the expression 'a European Power' employed in the Agreement is to be understood Germany. (b) In the event of action within the meaning of Article 1 or 2 of the Agreement by a European Power other than Germany, the Contracting Parties will consult together on the measures to be taken in common.“

    Tatsächlich hat sich Großbritannien bemüht, die UdSSR als weitere Garantiemacht zu beteiligen, was jedoch auf polnischen Widerstand traf, das Stalin u.a. Durchmarschrechte durch Polen forderte. Nachzulesen bei Winston Churchill, „The Gathering Storm“: „The British government had to consider urgently the practical implications of the guarantees given to Poland and Roumania. Neither set of assurances had any military value exept within the framework of a general agreement with Russia.“

    Großbritannien und Frankreich haben den Einmarsch Stalins (in Unkenntnis des Geheimen Zusatzprotokolls zum Hitler-Stalin-Pakt) zunächst als legitimes Interesse der UdSSR gewertet, einen Puffer gegen weitere deutsche Aggressionen zu schaffen. Churchill am 25. September '39 in einem Memo an das britische Kriegskabinett: „They (die Rote Armee) are now to limithrope with Germany and it is quite impossible for Germany to denude the Eastern Front. A large German army must be left to wach it. … An Eastern front is therefore potentially in action.“

  3. "Was sich hier an Neo-Nazis, Geschichtsklitterern und Reichswehrverehrern tummelt laesst mich glauben, das wir aus der Zeit des Nationalsozialismus nichts - aber auch wirklich gar nichts - gelernt haben.

    Aufklaerung tut mehr not denn je!"

    Da haben sie Recht. Aufklärung tut Not.
    Antideutschtum und Manifestierung von einseitiger Geschichtsschreibung gehen Hand in Hand, wie man an diesem Themenstrang sehen kann.

    Erklären sie mir bitte, was man aus dem Nationalsozialismus - vor allem bezüglich dieses Forenstranges - gelernt haben muss, wie man also ihrer Meinung nach als geläutertet Deutscher agieren sollte.
    Dass, wenn Deutsche versuchen, Unrecht - oder etwas zurückhaltender formuliert: auferzwungene Tatsachen - ungültig zu machen, es automatisch in der Katastrophe endet? Wäre in der Tat eine interessante Hypothese.

    [...]

    Entfernt. Bitte bleiben Sie beim konkreten Artikelthema. Danke. Die Redaktion/ag

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Ich stelle fest:"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Sie schreiben: "Antideutschtum und Manifestierung von einseitiger Geschichtsschreibung gehen Hand in Hand, wie man an diesem Themenstrang sehen kann"
    Damit kann ich nichts anfangen: ich denke, man erweist unserem Land gerade dann einen guten Dienst, wenn man den Mut hat, sich die Geschichte ohne Scheuklappen anzuschauen. Und dazu gehört eben auch all' das Schreckliche der NS-ZEiT. Wie soll es anders gehen?

    • Edie
    • 04. Juni 2011 0:16 Uhr

    , daß im zusammenhang mit der ermordung der jüdischen Bevölkerung, dem NS staat erhebliche privatvermögen, immobilien und firmen in die hände fielen. was ist mit karstadt, neckermann etc etc etc. beantwortet das im ansatz einen ihrer fragen? "arisierung jüdischer firmen" mal so als schlagwort

    Antwort auf "Fragen an Sie"
  4. Kann denn nach dem Hitler-Stalin-Pakt und dem sowjetischen Überfall auf Polen, Finnland, die baltischen Staaten und Rumänien wirklich noch überzeugend von einer totalen sowjetischen Unschuld gesprochen werden? Wenn einer alleinschuldig war, hatte der Rest keinerlei Schuld - das ist der logisch zwingende Begriffsinhalt der "Alleinschuld".

    Trägt Deutschland die Alleinschuld für die Kriegshandlungen im Pazifik? Oder gehört dieser Kriegsschauplatz gar nicht zum 2. Weltkrieg?

    Übrigens schrieb vor einiger Zeit Hans-Adolf Jacobsen in der FAZ: "Nun haben jedoch anerkannte Historiker des In- und Auslands längst aufgezeigt, daß die Staatsmänner des Westens, Polens (militante Rhetorik), Italiens und vor allem der Sowjetunion (Hitler-Stalin-Pakt) durch ihre Entscheidungen in der Zeit nach 1919 eine kaum noch zu bestreitende Mitverantwortung für das Debakel von 1939/1940 tragen, jedoch der unbändige Wille zum Krieg, um strittige Probleme zu lösen, bei Hitler und seinesgleichen am ausgeprägtesten war." (Aus: http://www.faz.net/s/RubA...)

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    In dem FAZ-Artikel, auf den Sie verlinken, steht ein sehr interessanter Satz: "Im Verlaufe des Krieges hat Hitler kaum noch einen Zweifel daran gelassen, daß für ihn nur die "pax germanica" als künftiges europäisches "Ordnungsmodell" in Betracht komme, zu deren Verwirklichung er den Krieg als "notwendiges Mittel" legitimiert und die Vernichtung aller "Rassenfeinde" für unabdingbar gehalten hat."
    Was heisst das? Es heisst: zwischen den Verbrechen (insbesondere: Ermordung von mehreren Millionen Juden und Slawen; geplante Ermordung aller europäischer Juden, geplante Verwirklichung des "Generalplan Ost" mit der Ermordung von 30, 40 Millionen Slawen, Versklavung der Ostvölker, etc...) und dem Krieg gibt es einen untrennbaren Zusammenhang: die geplante Pax Germanica war dies: ein "Frieden", in dem Deutschland als Hegemon eines Rassestaates über ganz Europa herrscht. Und genau dieser Zusammenhang ist hier meine These gewesen.
    Ich habe hier nie bestritten, dass die anderen Staaten in Europa auch eine Politik betrieben haben - in weiten Teilen eine klassische Aussenpolitik, die sich ggü der Hitlerischen Expansionspolitik als machtlos erwies. Aber:
    - es ist falsch (wie hier behauptet wurde), dass man Hitler allein als passives Opfer einer westlichen Hegemonialpolitik sehen kann; dies dreht den Zusammenhang genau um.
    - es ist falsch, alle Katzen gleich grau werden zu lassen: der wesentlichste Antrieb (dies schreibt auch Jacobsen) kommt durch die Politik Hitlers.

  5. Die Fälle Resttschechei und Polen waren unprovozierte Angriffskriege. Der Angriff auf Frankreich gehört jedoch in eine andere Kategorie. Frankreich hat sich zusammen mit Großbritannien aus freien Stücken dazu entschieden, Hitler nach dem Angriff auf Polen nicht weiter einfach gewähren zu lassen, wie sie es z. B. mit der Sowjetunion handhabten. Frankreich hat Deutschland den Krieg erklärt, um eine Ordnungspolitik in Europa zu verfolgen. Der deutsche Westfeldzug war deshalb kein Überfall, d. h. unprovozierter Angriffskrieg.

    So aggressiv Nazideutschland gegenüber seinen östlichen Nachbarn war, so teilnahmslos-uninteressiert agierte es bis 1939 gegenüber dem Westen. Weder wurde eine große Marine zur Gefährdung der angelsächsischen Mächte aufgebaut noch Truppenverbände in nennenswerter Zahl an die Westgrenzen verlegt. Vielmehr wurde dort bisher mit dem Bau des Westwalls offenbar eine defensive Strategie verfolgt. Mit der Kriegserklärung gegen Deutschland und dem Versuch das Reichs von den skandinavischen Rohstoffquellen abzuschneiden, war dieser Option natürlich ein Ende gesetzt. Ich halte es jedoch für möglich, dass Hitler die westlichen Demokratien niemals angegriffen hätte, wenn diese ihr absolutes Desinteresse am Schicksal des Gebiets östlich des Rheins bekundet hätten.

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    Sie schreiben: "Ich halte es jedoch für möglich, dass Hitler die westlichen Demokratien niemals angegriffen hätte, wenn diese ihr absolutes Desinteresse am Schicksal des Gebiets östlich des Rheins bekundet hätten."
    Also zunächst einmal gibt es für diese steile These ja nicht den Schimmer eines Anhaltspunktes. Sie vermag im Ergebnis auch nicht zu überzeugen: "absolutes Desinteresse" für die Errichtung eines auf rassisch-ideologischer Grundlage entstehenden Sklavenstaates, der ganz Europa einnehmen will? Bemerkenswert - Pleydenwurff! Wie stellen Sie sich das vor?
    Nein: es bleibt dabei! Deutschland hat die Kampfhandlungen gegen Frankreich, UK, Belgien, Niederlande, Norwegen und Dänemark begonnen - Angriffskriege ganz und gar, wichtige Bausteine auf dem Weg zur geplanten Weltherrschaft.

  6. 1. Brest-Litowsk und Versailles lassen sich schon deshalb schwer miteinander vergleichen, da das Zarenreich ein multinationales Imperium war, in dem die Russen keine 50% der Gesamtbevölkerung ausmachten. Das Deutsche Kaiserreich war dagegen ein enger Nationalstaat mit 93%iger deutscher Mehrheit, der jedoch einige Minderheitengebiete an seinen Rändern aufwies. Welche Gebiete mit eindeutig russischer Mehrheitsbevölkerung haben denn die Russen durch den 1. Weltkrieg verloren? Haben etwa die Danziger gegen das Deutsche Kaiserreich während des 1. Weltkriegs gekämpft wie es Balten, Finnen und sogar manche russischen Polen an der Seite der Mittelmächte gegen das Zarenreich taten?

    Versailles wurde zudem nach der Erringung des westlichen Sieges fixiert. Was aus Brest-Litowsk geworden wäre, wenn die Deutschen den Krieg im Westen hätten beenden können, lässt sich nicht genau sagen. In Brest-Litowsk wurde jedenfalls keine stabilisierte Ordnung unter bereits fest etablierter deutscher Kontrolle geschaffen, es vermischte sich die Kriegsziel- mit der Kriegsmittelpolitik eines ausgehungerten Deutschlands.

    2. Mit Ausnahme des Lebuser Landes hat niemals ein Teil des heutigen Brandenburgs zu einem polnischen Staat gehört. Um das Jahr 1000 waren die Gebiete zwischen Elbe, Saale und Oder jedoch noch von Slawen, Polaben, besiedelt.

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    Antwort auf "# 104: Versailles"
  7. Je länger ich mich mit den beiden Weltkriegen beschäftige, desto mehr verstärkt sich bei mir der Eindruck, dass es den angelsächsischen Mächten immer auch darum ging, ihren potentiell stärksten Konkurrenten unter keinen Umständen die Hegemonie in Europa zufallen zu lassen. Deutschland war seit etwa 1890 nicht nur das technisch und wirtschaftlich mächtigste nicht-englischsprachige Land der Welt, sondern überhaupt der einzige Staat, der den Angelsachsen noch irgendetwas entgegenzusetzten hatte. Den Deutschen war es in ihrer Geschichte nicht vergönnt gewesen, sich ihrem Entwicklungsstand entsprechende Rohstoffressourcen zuzulegen. Die Angelsachsen konnten sich dagegen seit dem britischen Sieg im Siebenjährigen Krieg ganze Kontinente untertan machen. [...]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Darstellungen, die als geschichtsrevisionistisch verstanden werden können. Danke. Die Redaktion/ag

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    Antwort auf "Fragezeichen"
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    Mit Ihrem Verweis auf eine angebliche "angelsächsische Weltherrschaft" (nur nebenbei: einen Staat "Angelsachsen" gibt es bekanntlich nicht) drehen Sie die Kausalitäten geradezu um. Der wesentlichste Beweggrund für den 2. WK ist der Wunsch Hitlers (!) eine deutsche Weltherrschaft auf rassisch-ideologischer Grundlage zu errichten. DIES ist das wesentlichste Motiv für den 2. WK.

    Natürlich hat der Zweite Weltkrieg nach Churchills Meinung und Überzeugung den Grund gehabt, Deutschland zu bekämpfen weil es die stärkste Macht auf dem Kontinent war, dies hat er in seiner Geschichte des Zw. Weltkr. geschrieben, "es war nicht Hitlers Krieg, sondern ein britischer Krieg"! (Gemäß der Doktrin - ich glaube v. Benjamin Disraeli etwa 1855 aufgestellt - daß keine Macht auf dem Kontinent stärker als
    England sein dürfe! Demnach ist diese engl. Forderung der
    wesentliche Grund für den europ. Krieg, neben den bekannten
    negativen Folgen des Versailler Vertrages. Hitler den Wunsch
    nach "Weltherrschaft" zuzusprechen ist völlig absurd, er wollte einen Ausgleich mit England, dies sollte sein Imperium und die Seeherrschaft behalten, er, Hitler wollte mit Deutschland die Vormacht auf dem europ. Kontinent, aber
    keine Weltherrschaft!
    Die ständigen Ermahnungen v. Zeitonline-Redakteuren wegen angeblicher "revisionistischer Geschichtsbeschreibung" sind
    awissenschaftlich und moralisch unerträglich!

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