Tradition von Ascot Im Rausch des Galopps

Royal Ascot wird 300 Jahre alt. Das berühmteste Pferderennen Europas war immer schon mehr als nur ein Hochamt der Buch- und der Hutmacher. Es ist bis heute ein königliches Volksfest geblieben.

14. Juni 1938: Besucher des Pferderennens in Ascot.

14. Juni 1938: Besucher des Pferderennens in Ascot.

Die Männer kann man vergessen. Heinrich VIII., den brutalen Wüterich, den hoffärtigen Karl I., die Georgs aus Hannover, den stillen Hitler-Verehrer Eduard VIII. Aber die Frauen – von der blutigen Maria, der Bloody Mary, einmal abgesehen –: Elisabeth I., die 45 glanzvolle Jahre regierte, und Viktoria, über sechs Jahrzehnte Königin, und Elisabeth II. natürlich, die Unerschütterliche, die Sattelfeste. Doch gerühmt sei auch Queen Anne, die letzte Königin aus dem Hause Stuart und erste Herrscherin über das mit Schottland vereinigte Königreich Großbritannien. Vielleicht nicht die Hellste, aber die Gründerin einer britischen Institution, die in diesen Tagen ihren 300. Geburtstag feiert: Ascot.

Dornenvoll war Annas Weg in die Geschichtsbücher. Geboren wurde sie 1665, im Jahr, da die Große Pest England heimsuchte. Sie war ein kränkliches Kind, litt zeitlebens an den unterschiedlichsten Gebrechen. Und obwohl mit dem braven Prinzen Georg von Dänemark in glücklicher Ehe verbunden, war es ihr nicht vergönnt, ihrem Land einen Thronfolger zu schenken. Mindestens achtzehn Mal wurde sie schwanger. Von den sechs Kindern, die sie lebend zur Welt brachte, starben fünf im Kleinkindalter. William, Duke of Gloucester, den einzigen Sohn, rafften 1700 die Pocken dahin. Er wurde nur elf Jahre alt.

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Von Staatskrisen getrieben, von Beratern umzingelt, erlebte die Königin, die 1702 den Thron bestieg, aufwühlende Zeiten des Umbruchs. Auf dem Kontinent herrschte Krieg. Frankreichs Sonnenkönig Ludwig XIV. beanspruchte den spanischen Thron für ein Mitglied der eigenen Dynastie, für einen Bourbonen. Das hatte eine Allianz aus Großbritannien, Hannover und dem Hause Habsburg auf den Plan gerufen. Seit 1701 zog man gegen Frankreich und das mit ihm verbündete Bayern zu Felde.

John Churchill Herzog von Marlborough, der Oberbefehlshaber der Königin, setzte auf schnelle Pferde. In wilder Attacke stürmte seine Kavallerie im August 1704 in die Schlacht bei Höchstädt an der Donau, 109 Schwadronen mit 13.000 Reitern – man stelle sich die Staubwolke vor! Nun, Frankreichs Marschall Tallard fehlte es ohnehin etwas an Durchblick, überdies litten die Pferde der Franzosen an Rotz, und so trieb Englisches Vollblut die Supermacht Frankreich in die Donau. »Ganz Europa erschauerte vor diesem unglaublichen Geschehen«, schrieb in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts der spätere Premierminister (und Literaturnobelpreisträger) Winston Churchill in seiner monumentalen Marlborough-Biografie, die den Ruhm seines Vorfahren in gebührendem Glanz erstrahlen lässt.

Queen Anne wird stolz gewesen sein auf ihren Feldherrn und seine Reiterei. Unbestritten verfügte sie – wie Jahrhunderte später ihre Nachfolgerin Elisabeth II. – über einen bemerkenswerten Pferdeverstand. Deshalb nimmt es nicht wunder, dass sie entschied, die Heide von East Cote nahe dem Schloss Windsor als eine Art Teststrecke für Pferde herzurichten, die zur königlichen Jagd auf Hochwild trainiert wurden. Ausdrücklich erwähnte Ihre Majestät die Eignung des Geländes für Pferderennen im gestreckten Galopp. Sir William Wyndham, als Master of the Royal Buckhounds oberster Hundeführer der Krone, wurde angewiesen, das Heideland von Gestrüpp und Stechginster zu befreien und eine Galopprennbahn vorzubereiten.

Am 11. August 1711 ist es so weit. Der Hof kurzweilt in bunten Zelten, das Vollblut wartet schon in alten Kuhställen. Sieben Pferde werden an den Start geführt, allesamt English Hunters, für Hetzjagden auf Hirsche dressiert und kaum mit den Vollblütern zu vergleichen, die heute in Ascot durchs Ziel fliegen.

Galoppsport verläuft nach einer simplen Regel: Jede Gangart ist erlaubt. Einziges Ziel ist es, dieses so schnell als möglich zu erreichen, und Galopp ist nun mal die schnellste Fortbewegung des Pferdes. Nach neuesten Erkenntnissen handelt es sich dabei um eine Viertaktgangart mit einer sehr schnellen Abfolge von Sprüngen und integrierter Schwebephase – dem Moment, den einst berittene Bogenschützen nutzten, um vibrationsfrei zu zielen. Ein Pferd im gestreckten Galopp erreicht sein Ziel im Fluge.

Das erste Rennen in jenem Sommer 1711 führt in drei separaten Läufen über eine Distanz von jeweils vier Meilen (6,437 Kilometer), Galopp als Ausdauersport. Die Namen von Pferd und Reiter sind nicht überliefert, doch verbürgt ist, dass der Sieger The Queen’s Plate und hundert Guineen erhielt.

Der Königin bleibt nicht mehr viel Zeit; die Gicht und die Politik machen ihr zu schaffen. Sie stirbt am 1. August 1714 im Alter von 49 Jahren. Unter ihrer Regierung erlebte das Land eine Blüte der schönen Künste, der Literatur, der Architektur und der Wissenschaften. Deshalb ging sie als »Good Queen Anne« in die nationale Erinnerung ein. Doch ihr populärstes Erbe ist ein Sommerfest, das seinesgleichen sucht.

Leser-Kommentare
  1. .....palette.

    Gut su verstehender Beitrag.
    Regt an.

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    Overdose als schnellstes Pferd der Welt zu bezeichnen, halte ich für sehr gewagt.Ein sicherlich außergewöhnlich gutes Pferd auf der Sprint-Strecke mit inzwischen, durch Verletzungen bedingten,nicht so tollen Leistungen.

    @champ2001
    Ihr Beitrag ist leider nicht "Gut su verstehen".......

    Overdose als schnellstes Pferd der Welt zu bezeichnen, halte ich für sehr gewagt.Ein sicherlich außergewöhnlich gutes Pferd auf der Sprint-Strecke mit inzwischen, durch Verletzungen bedingten,nicht so tollen Leistungen.

    @champ2001
    Ihr Beitrag ist leider nicht "Gut su verstehen".......

  2. Overdose als schnellstes Pferd der Welt zu bezeichnen, halte ich für sehr gewagt.Ein sicherlich außergewöhnlich gutes Pferd auf der Sprint-Strecke mit inzwischen, durch Verletzungen bedingten,nicht so tollen Leistungen.

    @champ2001
    Ihr Beitrag ist leider nicht "Gut su verstehen".......

  3. ja, das trifft es in diesem Jahr gut, wenngleich die Schlägerei am Getränkebereich wenig königlich wirkte, dafür aber viel von einer dörflichen Kirmesschlägerei rüber brachte. Und auch das Publikum nähert sich allmählich solchen Festen, sodass in einigen Jahren nichts mehr vom einstigen Charme übrig sein wird.

    Schade eigentlich....

  4. ...bei meiner nächsten Frau, im Blog.

    Ich meinte das sich die Adligen Sportarten des 18.Jahrhunderts, langsamm allen zur Verfügungstehen, und es verstanden wird, auch sich unters gemeine Volk zu mischen, und zu axeptieren das nicht nur die Oberschicht alles kann, sondern auch der Bauer von nebenan, und so gar vielleicht besser ist.
    Ich denke da zum Beispiel an die Jagt.
    Wo hätte es denn das im Mittelalter gegeben, das ein Bauer mit der Armbrust in der Hand Aschenprödel heiratet, weil der Reich wurde durch ein Schatzfund.
    Oder Golfen z.B..
    Oder ich bin vielleicht gar nicht das Kind meiner Eltern und man hat mich absichtlich vertauscht im Kreissaal.
    Kann ja auch sein.
    Keine Ahnung.

    I like the Lords and Ladys, in the Castle.

  5. Kein schlupfloch hier?
    Mhh, weiter Mischen die Farben, bis freundlichkeit strhlt in der Pracht des Colors, zum Grinsen.

  6. strahlt

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