Indexfonds Wettscheine statt Aktien
Experten warnen: Indexfonds könnten die nächste Krise auslösen. Sie gelten zu Unrecht als sichere Form der Geldanlage.
Auf den ersten Blick erscheinen Indexfonds wie der Traum des Kleinanlegers. Sie sind einfach, billig und sicher. Er muss nicht lange darüber nachdenken, ob er die Aktien von Daimler oder lieber die von Siemens kaufen soll. Allianz oder doch besser SAP? Wer sich ein eigenes Urteil nicht zutraut und auch nicht glaubt, dass Fondsmanager auf die richtigen Aktien tippen, kauft einfach einen Indexfonds und hat auf einen Schlag alle Aktien, die etwa im Dax enthalten sind. Der Fonds zeichnet in diesem Fall die Kursentwicklung der 30 umsatzstärksten deutschen Unternehmen nach.
In der Regel werden Indexfonds an der Börse gehandelt, man spricht dann von ETF-Anlage, oder Exchange Traded Funds. Aus Sicht von Experten gibt es da zwar Unterschiede, doch die haben für Kleinanleger praktisch keine Bedeutung. Preiswert sind die Finanzinstrumente in jedem Fall. Es ist eine passive Anlageform, die nichts weiter tut, als den zugrunde liegenden Börsenindex abzubilden. So müssen keine teuren Fondsmanager bezahlt werden, die Werte gezielt auswählen (und dabei womöglich danebengreifen). Wie bei anderen Fonds fließt das Geld der Anleger in ein Sondervermögen, das vom Eigentum des Fondsanbieters rechtlich getrennt ist. Das heißt, wenn der Emittent pleitegeht, bleibt das Anlegervermögen davon unberührt.
- ETF-Anlagen
Exchange Traded Funds, kurz ETFs, sind Investmentfonds, die an der Börse gehandelt werden. Bei gewöhnlichen Fonds legt die jeweilige Fondsgesellschaft einmal am Tag die Preise fest, zu denen sie Anteile an- und verkauft. Das ETF-Modell wird häufig für Fonds genutzt, die nur einen Index nachbilden, statt ausgewählte Werte aufzunehmen. Indexfonds und ETFs werden daher oft gleichgesetzt.
Kein Wunder also, dass Indexfonds beliebt sind. Ende 2010 waren weltweit 1,25 Billionen US-Dollar in ETFs investiert. Bis Ende dieses Jahres könnte die Summe auf zwei Billionen klettern, prophezeit der US-Vermögensverwalter Blackrock, der weltweit größte Anbieter von ETFs. Annähernd fünf Prozent des weltweiten Aktienvermögens stecken bereits in Indexfonds. Und der Anteil wächst von Jahr zu Jahr.
Die Euphorie ist groß, aber Experten sehen gerade darin eine große Gefahr. Sie halten Indexfonds keineswegs für ein besonders vertrauenswürdiges Anlageinstrument. »Der Boom bei Indexfonds weckt Erinnerungen daran, was sich auf dem Verbriefungsmarkt vor der Finanzkrise abspielte«, warnte der italienische Notenbankchef Mario Draghi auf der Frühjahrstagung des Weltwährungsfonds (IWF) in Washington. Draghi leitet auch das Financial Stability Board (FSB). Im Auftrag der großen Industrie- und Schwellenländer beobachtet das Gremium die globalen Finanzmärkte. Und die Experten kommen in einer Studie zu dem Urteil, dass Indexfonds die Stabilität des internationalen Finanzsystems ernsthaft gefährden könnten. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel, die Zentralbank der Zentralbanken, kommt zu ähnlichen Schlussfolgerungen. Die Bank von England und der IWF sind ebenfalls besorgt.
Die Sorge, die die Finanzaufseher umtreibt: In Indexfonds steckt häufig nicht drin, was draufsteht. Das Fondsvermögen besteht vielfach aus Wertpapieren, die nichts oder nur wenig mit dem abgebildeten Börsenindex zu tun haben. »Swap-Basierung« heißt diese Praxis im Fachjargon. Dabei macht der ETF-Anbieter einen kleinen Tausch mit einer Bank; meist ist dies das Mutterhaus der Fondsgesellschaft. Die Bank verkauft dem ETF Wertpapiere, die sie anderweitig nicht benötigt, und garantiert, dass sie dafür aufkommt, falls sich deren Wert schlechter entwickelt als der Wert des abgebildeten Index.
Das führt dann dazu, dass im Fonds ganz andere Werte liegen, als der Anleger denkt. Europaweit beruht fast die Hälfte der angebotenen Indexfonds auf solchen Swaps. Auch in Deutschland sind sie weit verbreitet. Die Deutsche Bank tauscht mit ihrem Indexfonds-Ableger »db x-trackers« Papiere, genau wie die Commerzbank mit ihrer Marke »ComStage«. »Die Indexfonds von ComStage sind zum größten Teil Swap-basiert«, räumt ihr Geschäftsführer Thomas Meyer zu Drewer offen ein.
Das Problem bei diesen Tauschgeschäften ist, dass der Indexfonds nur über Umwege die Entwicklung des ihm zugrunde liegenden Index widerspiegelt. Der Dax oder Euro Stoxx kann kräftig zulegen, während die tatsächlichen Wertpapiere im Fonds fallen. Der Anleger glaubt, sichere Gewinne zu machen, dabei hängen die davon ab, ob die Swap-Geschäfte funktionieren. Denn falls sich die im Fonds gesammelten Papiere viel schlechter als der Index entwickeln, muss das Kreditinstitut, das den Swap abgeschlossen hat, dem Indexfonds Geld nachzahlen. Was, wenn das eines Tages nicht mehr geschieht, weil eine Bank sich verspekuliert hat und pleitegeht?
- Datum 15.06.2011 - 07:56 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 9.6.2011 Nr. 24
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ich bin stets davon ausgegangen, dass bei Indexfonds auch nur Indexpapiere verwaltet werden, und das damit keine weiteren Geschäfte getätigt werden.
Ich wäre ein prima Opfer gewesen, da ich gar nicht auf die Idee gekommen wäre, das Konzept der Anbieter diesbezüglich zu hinterfragen. Das riecht doch irgendwie nach Betrug.
Der Artikel vermischt den Begriff ETF mit dem der klassischen Indexfonds.
Der klassische Indexfonds investiert tatsächlich in die im Index gelisteten Papiere.
Diese Strategie führt aber i.d.R. zu geringeren Erträgen als der Index tatsächlich darstellt. Das ist deshalb so, weil die Papiere manchmal gar nicht so schnell zu bekommen sind, der Fonds Liquidität vorhalten muss, die kosten erwirtschaftet werden müssen, aber hauptsächlich, weil es unmöglich die Bewegungen tatsächlich ohne Zeitverlust nachzuvollziehen.
ETF´s heben diesen Nachteil auf, eben durch Swapgeschäfte und andere Finanzinstrumente.
Letztlich ist das auch in Ordnung, wenn man davon ausgehen kann, dass die Sicherheiten und Vertragspartner werthaltig sind und bleiben.
Offensichtlich gibt es da Zweifel. Wobei hier nicht deutlich wird, ob die Zweifel sich auf die reale Werthaltigkeit beziehen oder vielmehr der Angst geschuldet sind in einer Vertrauenskrise mit in den Strudel gezogen zu werden.
Im ersten Fall wären solche Papiere in jedem Falle zu meiden, im zweiten Falle liegt die Gefahr in einem Liquiditätsrisiko bei einem Crash, da mangels Verfügbarkeit liquider Mittel möglichwerweise der Swap nicht bedient werden kann und in einer Kettenreaktion der Verkaufsdruck steigt, der wieder mangels Liquidität nicht bedient werden kann. Also eine Form des Banken Runs.
H.
Der Artikel vermischt den Begriff ETF mit dem der klassischen Indexfonds.
Der klassische Indexfonds investiert tatsächlich in die im Index gelisteten Papiere.
Diese Strategie führt aber i.d.R. zu geringeren Erträgen als der Index tatsächlich darstellt. Das ist deshalb so, weil die Papiere manchmal gar nicht so schnell zu bekommen sind, der Fonds Liquidität vorhalten muss, die kosten erwirtschaftet werden müssen, aber hauptsächlich, weil es unmöglich die Bewegungen tatsächlich ohne Zeitverlust nachzuvollziehen.
ETF´s heben diesen Nachteil auf, eben durch Swapgeschäfte und andere Finanzinstrumente.
Letztlich ist das auch in Ordnung, wenn man davon ausgehen kann, dass die Sicherheiten und Vertragspartner werthaltig sind und bleiben.
Offensichtlich gibt es da Zweifel. Wobei hier nicht deutlich wird, ob die Zweifel sich auf die reale Werthaltigkeit beziehen oder vielmehr der Angst geschuldet sind in einer Vertrauenskrise mit in den Strudel gezogen zu werden.
Im ersten Fall wären solche Papiere in jedem Falle zu meiden, im zweiten Falle liegt die Gefahr in einem Liquiditätsrisiko bei einem Crash, da mangels Verfügbarkeit liquider Mittel möglichwerweise der Swap nicht bedient werden kann und in einer Kettenreaktion der Verkaufsdruck steigt, der wieder mangels Liquidität nicht bedient werden kann. Also eine Form des Banken Runs.
H.
Die ETF sollten verpflichtet sein ihre Strategien offenzulegen.
"Die ETF sollten verpflichtet sein ihre Strategien offenzulegen."
--> genau das ist der Fall. Einfach mal den Fondsprospekt lesen ...
"Die ETF sollten verpflichtet sein ihre Strategien offenzulegen."
--> genau das ist der Fall. Einfach mal den Fondsprospekt lesen ...
Wenn dort jemand 'beschwichtigt', dann nicht weil alles in Ordnung wäre sondern damit keine Panik ensteht und erst recht Katastrophen passieren selbst wenn man allen Grund zur Panik hätte. Aber was erzähl ich hier. Eigentlich hätte ja bei der Beratung schon klar sein müssen worauf man sich einlässt.
Wenn Ihnen Swap-ETFs nicht schmecken, nehmen Sie eben voll replizierende (z.B. von iShares). Die Fondsgesellschaften machen daraus kein Geheimnis, ob sie swappen oder nicht.
Und die Sache mit der Aktienausleihe wird vermutlich auch von aktiv gemanagten Fonds gemacht - also auch kein Problem.
Natürlich verstehen einige was Sie hier schreiben. Es geht aber immer um die breite Masse. Und da liegt das Problem.
Wenn Lieschen Müller zur Sparkasses ihres Vertrauens pilgert und der dortige Mitarbeiter das komplizierte Produkt auch nicht richtig erklären kann, im Kundenbereich arbeiten nun einmal keine Investmentbanker, dann kauft Sie unter Umständen etwas was sie gar nicht wollte.
Auch der Hinweis auf die Prospekte zieht nicht. Diese werden in regelmäßigen Abständen von Gerichten zerrissen.
Was will ich damit ausdrücken - Die Finanzbrache tut sich selbst keinen Gefallen wenn sie sich hinter für Außenstehende nicht verstehbare Begriffe versteckt und untransparente Produkte den Kunden verkauft.
Etwas mehr Offenheit könnte ein Schritt hin zu den Menschen sein, die via Steuern dafür gesorgt haben, dass die Banken auch heute wieder Gewinne machen.
By the qay, "alles kein Problem", "da muss man mitmachen, sonst verlieren wir den Anschluss" - das hat man auch vor 2008 immer wieder aus der Brache gehört. Wo es hingeführt hat wissen noch alle...
"Und die Sache mit der Aktienausleihe wird vermutlich auch von aktiv gemanagten Fonds gemacht - also auch kein Problem."
Erinnert mich gerade an einen Ausspruch, der angeblich von Richard Nixon stammt: "If the president does it that means it's not illegal"
Natürlich verstehen einige was Sie hier schreiben. Es geht aber immer um die breite Masse. Und da liegt das Problem.
Wenn Lieschen Müller zur Sparkasses ihres Vertrauens pilgert und der dortige Mitarbeiter das komplizierte Produkt auch nicht richtig erklären kann, im Kundenbereich arbeiten nun einmal keine Investmentbanker, dann kauft Sie unter Umständen etwas was sie gar nicht wollte.
Auch der Hinweis auf die Prospekte zieht nicht. Diese werden in regelmäßigen Abständen von Gerichten zerrissen.
Was will ich damit ausdrücken - Die Finanzbrache tut sich selbst keinen Gefallen wenn sie sich hinter für Außenstehende nicht verstehbare Begriffe versteckt und untransparente Produkte den Kunden verkauft.
Etwas mehr Offenheit könnte ein Schritt hin zu den Menschen sein, die via Steuern dafür gesorgt haben, dass die Banken auch heute wieder Gewinne machen.
By the qay, "alles kein Problem", "da muss man mitmachen, sonst verlieren wir den Anschluss" - das hat man auch vor 2008 immer wieder aus der Brache gehört. Wo es hingeführt hat wissen noch alle...
"Und die Sache mit der Aktienausleihe wird vermutlich auch von aktiv gemanagten Fonds gemacht - also auch kein Problem."
Erinnert mich gerade an einen Ausspruch, der angeblich von Richard Nixon stammt: "If the president does it that means it's not illegal"
"Die ETF sollten verpflichtet sein ihre Strategien offenzulegen."
--> genau das ist der Fall. Einfach mal den Fondsprospekt lesen ...
Guten Morgen, ich hätte von den Reportern der Zeit doch etwas mehr Detailkenntnisse bzw. vertiefende Recherchen erwartet. Es gibt 2 Arten von ETFs; sogenannte "full replicaton ETFs" und eben SWAP basierte. Die "full replication ETFs" kaufen die Aktien der Indices 1:1. Lediglich bei den SWAPbasierten ETFs wird ein Teil (!) des Fondsvermögens via SWAPs dargestellt. Dieser Anteil ist auf 10% beschränkt (wenn der ETF nach UCIITS aufgelegt wurde). Viele ETF Anbieter gehen vermehrt dazu über den SWAP Anteil durch die Hinterlegung von Staatsanleihen zu besichern um das Kontrahentenrisiko, welches in den SWAPs steckt, zu minimieren.
Sie wissen schon, dass genau das, was sie da schreiben, auch im Artikel steht, oder?
Sie wissen schon, dass genau das, was sie da schreiben, auch im Artikel steht, oder?
... and NEVER trust a bankers advice
Packungsschwindel
Packungsschwindel ist eine Taktik der Evolution - kein Wunder, dass er universell verbreitet ist. Laut Gehirnforschern haben wir Grund zur Annahme, dass Menschen außen und innen gekonnt trennen und durchweg vorgeben, etwas zu sein, was sie nur für die Außenwelt sein wollen. Diese naturgewollte „Schizophrenie“ muss Reproduktionsvorteile haben, sonst gäbe es sie nicht in dem Maße. In modernen Massengesellschaften tritt das unvermindert auf, hat aber, da es keine Überlebensnot in wirtschaftlich erfolgreichen Gesellschaften gibt, ihren Sinn verloren und wirkt nur noch pervertiert weiter.
Forschungsergebnisse braucht es nicht, man kann es sehen. Frauen kleiden und schminken und täuschen mit Haltern und Miedern und Operationen und was es da sonst noch gibt. Männer nähern sich mehr und mehr dem Vorbild an. Gehen Sie zusammen, lernen sie erst im Alltag wie viel echtes in der Packung steckt. Bewerbungen sind systemkonforme Mogelpackungen. Stellenangebote nichts anderes. Das ist ein verbreitetes Dilemma. Die beschriebene Stelle gibt es so nicht und den Bewerber gibt es wie beschrieben auch nicht. Sämtliche Werbungen heben Vorteile hoch und lassen alle Nachteile weg. Das öffentliche Bild eines jeden Produktes ist damit eine Fälschung. Den Höhepunkt bilden Medizinprodukte: „Wer beweglich ist, dem geht’s wirklich gut!“ Wenn irgendetwas weh tut, gibt es was von …! All das trainiert Menschen, Lebensqualität mit Geld zu kaufen - so auch Wohlstand mit Finanzprodukten.
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