Groupon Alles für die Hälfte

Millionen sind im Internet auf Rabattjagd. Das macht drei Münchner Brüder reich.

Brad Keywell (li) und Eric Lefkofsky (re) im Hauptquartier von Groupon. Sie waren die ersten Finanziers der Firma.

Brad Keywell (li) und Eric Lefkofsky (re) im Hauptquartier von Groupon. Sie waren die ersten Finanziers der Firma.

Es waren einmal drei Brüder, die säten rund 20 Millionen Dollar. Dann schufteten sie einen Sommer lang und einen Winter und dann noch einen Sommer. Nun ernten sie, alles sieht danach aus, weit mehr als eine Milliarde.

Die Brüder sind keine Chinesen, keine Amerikaner und keine Russen. Sie leben in München und heißen Oliver, Marc und Alexander. Nachname Samwer.

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Die Samwers sind Deutschlands erfolgreichste Internetunternehmer, aber derzeit leider nicht zu sprechen. Sie warten auf den Tag der Abrechnung, den Tag, an dem der amerikanische Internetkonzern Groupon an die Börse geht. Dann werden sie als Familie in den kleinen Kreis der Milliardäre aufsteigen. Es ist nur eine Frage weniger Wochen.

Wie es dazu gekommen ist? Das lässt sich nur in Umrissen rekonstruieren. Wenig ist von der Firma selbst zu erfahren, die die drei Brüder in so kurzer Zeit so reich gemacht hat. Konkurrenten erzählen einige Details, andere verrät ein Bericht über das Unternehmen Groupon, den die amerikanische Börsenaufsicht veröffentlicht hat.

So funktioniert Groupon

Das Unternehmen sucht Händler, die neue Käufer locken wollen und bereit sind, dafür einen hohen Rabatt auf ihre Leistungen zu geben. Groupon verlangt mindestens einen Rabatt von 50 Prozent. Die an Groupon zu zahlende Provision wird sofort fällig.

Ortsgebunden

Verbraucher melden sich bei Groupon mit ihrer E-Mail-Adresse an und wählen, aus welcher Stadt sie Angebote bekommen wollen. Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen bereits 70 Millionen registrierte Nutzer. Sie alle bekommen auf eine bestimmte Region begrenzte Angebote zugeschickt. Diese können auch nach Interessen gefiltert werden.

Einlösen

Gefälllt einem Kunden ein Angebot, bezahlt er per Kreditkarte, das Geld wird sofort abgebucht. Anschließend schickt das Unternehmen eine E-Mail mit dem Gutschein. Der Kunde druckt diesen aus und geht damit zum Händler, um ihn einzulösen.

Erwartung

Der Händler hofft einerseits, dass die Groupon-Nutzer ihm als Stammkunden erhalten bleiben, was sich selten erfüllt. Die meisten sind Schnäppchenjäger, die von einem Angebot zum anderen ziehen. Andererseits sind die Rabattaktionen immer so gestaltet, dass der Kunde mehr ausgibt, als auf dem Gutschein steht und im Restaurant nicht nur etwas verbilligt essen, sondern beispielsweise noch Getränke bestellen (die nicht auf dem Coupon stehen). Diese Hoffnung erfüllt sich wohl eher, zumindest sagt Groupon-Gründer Andrew Mason, Kunden ließen ungefähr die Hälfte mehr an Geld im Laden, als auf dem Gutschein steht.

Was die Firma macht, ist dagegen kein Geheimnis. Groupon verkauft Rabattgutscheine im Internet, und in Amerika hat sich die Schnäppchenjagd so sehr ausgebreitet, dass man ein eigenes Verb dafür gefunden hat: grouponing, in Anlehnung an das hergebrachte Sammeln von Rabattmarken, das couponing. Das Unternehmen hat einen Nerv getroffen und wächst schneller als alle Internet-Start-ups vor ihm. Schneller noch als Google. Schneller auch als Facebook.

Grundlage sind Angebote wie diese: 50 Prozent Rabatt auf eine Haarverlängerung mit Echthaar beim Friseur um die Ecke. 60 Prozent Rabatt auf ein Doppelzimmer in einem luxuriösen Hotel. Ein Gutschein im Wert von 100 Euro zum Preis von 10 Euro, einzulösen im lokalen Brillengeschäft. »Wir verschicken täglich eine E-Mail mit Angeboten«, erklärt der Amerikaner Andrew Mason das Geschäftsmodell. Er hat Groupon gegründet und leitet die Firma von Chicago aus bis heute. »Man hat einen Tag lang Zeit zuzugreifen, dann bekommt man einen Gutschein zugesandt, geht hin und löst ihn ein. So einfach ist das.«

Von den 80 Millionen Schnäppchenjägern, die Groupon benutzen, lebt etwa die Hälfte in den USA, aber auch in Deutschland erhalten vier Millionen Menschen die täglichen Rabatt-Nachrichten. 400.000 sind es in Berlin, mehr als 200.000 in Hamburg, und vier von ihnen erzählen ihre Geschichte.

Nahm Groupon im ersten Quartal des vergangenen Jahres gerade mal 42 Millionen Dollar mit dem Verkauf von Gutscheinen ein, sind es in den ersten drei Monaten dieses Jahres erstaunliche 644 Millionen Dollar. Setzt sich dieses Wachstum auch nur ansatzweise fort, könnte das Unternehmen in diesem Jahr schon mehrere Milliarden Dollar Umsatz erreichen.

Ohne die Samwer-Brüder hätte es dieses Wachstum nie gegeben.

Insofern ist Groupon die erste globale Erfolgsgeschichte im Internet, in der Deutsche eine Hauptrolle spielen.

Aber der Reihe nach.

Leser-Kommentare
  1. mit Ideenklau reich werden, das ist doch mal wieder ein wahres Abbild unserer Gesellschaft.

    Sicherlich haben diese Leute Geschick im Nachahmen und können im Ernstfall die Idee besser verkaufen, aber etwas eigenes ist es trotzdem noch nicht. Es zeigt sich eben immer wieder, dass es wichtiger ist, wer den Markt beherrscht und nicht, wer die neusten Ideen hat.

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    • Hofres
    • 10.06.2011 um 15:21 Uhr

    YMMD! Eine Idee nachahmen, ist etwas anderes als sie zu stehlen. Wenn nachahmen verboten wäre, gäbe es nur Monopolisten, Staatsunternehmen und keine freie Ökonomie.

    Klar, deswegen gibt's auch keine neuen Filme mehr, keine Romane, keine Musik. Wenn einer mal die Idee hatte, Boy meets Girl, und niemand mehr diese benutzen dürfte ... mein Gott, was sehe die Welt arm aus.

    Auch das Rad hätte kein zweiter mehr benutzen dürfen.

    Zum Glück kann man Ideen nicht schützen. Nur deren besondere Ausfertigung. Schaffungshöhe nennt man das.

    • Hofres
    • 10.06.2011 um 15:21 Uhr

    YMMD! Eine Idee nachahmen, ist etwas anderes als sie zu stehlen. Wenn nachahmen verboten wäre, gäbe es nur Monopolisten, Staatsunternehmen und keine freie Ökonomie.

    Klar, deswegen gibt's auch keine neuen Filme mehr, keine Romane, keine Musik. Wenn einer mal die Idee hatte, Boy meets Girl, und niemand mehr diese benutzen dürfte ... mein Gott, was sehe die Welt arm aus.

    Auch das Rad hätte kein zweiter mehr benutzen dürfen.

    Zum Glück kann man Ideen nicht schützen. Nur deren besondere Ausfertigung. Schaffungshöhe nennt man das.

    • Hofres
    • 10.06.2011 um 15:21 Uhr

    YMMD! Eine Idee nachahmen, ist etwas anderes als sie zu stehlen. Wenn nachahmen verboten wäre, gäbe es nur Monopolisten, Staatsunternehmen und keine freie Ökonomie.

    Antwort auf "Super..."
  2. Die neuste Idee zu haben, reicht nicht. Man muss sie auch implementieren können. Da sind die Samwers eben top. Und das ist auch eine Kunst, die Respekt verdient.

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    • _bla_
    • 10.06.2011 um 21:45 Uhr

    Man muss vor allem auch mit der Idee langfristig Geld verdienen. Schnell wachsen, das scheinen die Samwers zu können, langfristig die Größe zu halten und einen angemessenen Gewinn zu machen, das scheint mir bei den Samwer Firmen doch eher selten zu klappen. Aber wenn sich das abzeichnet haben die Samwers ja längst verkauft...
    Ob das wirklich immer nur an den unfähigen Käufern liegt?

    • _bla_
    • 10.06.2011 um 21:45 Uhr

    Man muss vor allem auch mit der Idee langfristig Geld verdienen. Schnell wachsen, das scheinen die Samwers zu können, langfristig die Größe zu halten und einen angemessenen Gewinn zu machen, das scheint mir bei den Samwer Firmen doch eher selten zu klappen. Aber wenn sich das abzeichnet haben die Samwers ja längst verkauft...
    Ob das wirklich immer nur an den unfähigen Käufern liegt?

    • _bla_
    • 10.06.2011 um 21:45 Uhr

    Man muss vor allem auch mit der Idee langfristig Geld verdienen. Schnell wachsen, das scheinen die Samwers zu können, langfristig die Größe zu halten und einen angemessenen Gewinn zu machen, das scheint mir bei den Samwer Firmen doch eher selten zu klappen. Aber wenn sich das abzeichnet haben die Samwers ja längst verkauft...
    Ob das wirklich immer nur an den unfähigen Käufern liegt?

    Antwort auf "Ideen implementieren"
    • nik--
    • 11.06.2011 um 0:03 Uhr

    Wenn die Chinesen eine Maschine nachbauen, dann ist und bleibt das auch Klauen. Und hier werden gute Ideen halt entwertet, indem man nur Erfolgsgeschäfte betrachtet, Billignachbauten aus dem Boden stampft und dann möglichst hoch veräußert. Ich kann da nichts bewundernswertes erkennen. Spekulation und Schachern um Millionenpreise ist das genaue Gegenteil des kreativen Internets. Schade, dass so viele darauf reinfallen. Aber siehe Zalando - offenbar sind manche Menschen selbst durch penetrantestes Marketing nicht zu verschrecken...

  3. ...dass sich endlich mal ein paar Deutsche und nicht nur die Amerikaner auf den Weg gemacht haben mit derartigen Geschäftsmodellen Geld zu verdienen.

    Selbst wenn es letztlich Müll sein sollte, so kann man trotzdem Geld mit machen. Siehe Klingeltöne. Kaufen würde ich das an der Börse natürlich niemals.

    Der Vater ist übrigens Dr. jur. Intelligenz und Gerissenheit vererbt sich eben doch! Auch wenn das Mancheiner nicht wahrhaben möchte.

    • Dirac
    • 11.06.2011 um 8:57 Uhr

    "Insofern ist Groupon die erste globale Erfolgsgeschichte im Internet, in der Deutsche eine Hauptrolle spielen."

    Sorry, aber das ist ziemlich verfälscht dargestellt. Die Herren sind sehr erfolgreiche Investoren, aber keine Leute, die irgendwie eigene Ideen entwickelt haben.
    Bei Google und Facebook spielen auch Brin,Page und Zuckerberg die Hauptrollen und nicht die Investoren dahinter, die zwar zweifellos wichtig sind, aber im Gegensatz zu großartigen Ideen wie Sand am Meer gibt.

    Zuerst habe ich mich auch gefragt, warum der Artikel relativ unreflektiert und unkritisch geschrieben ist.
    Dann habe ich gelesen, dass Holtzbrinck und die Samwer-Brüder in mehrere Unternehmen gemeinsam investiert haben.
    Platinnetz, Glossybox, AdiCash, usw. usf.
    "Bei Glossybox machen die Samwers offenbar wieder gemeinsame Sache mit Holtzbrinck. Das zeigt die aktualisierte Portfolio-Übersicht von Holtzbrinck Ventures."
    Ein Schelm, wer böses dabei denkt...

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    "In Deutschland übernahm Groupon im Mai 2010 MyCityDeal. MyCityDeal war ein Investment der Samwer-Brüder mit Holtzbrinck Ventures." (Wikipedia)

    Genau die Firma, um die es hier auf Seite 2 geht, gehörte also früher (?) Holtzbrinck.

    "In Deutschland übernahm Groupon im Mai 2010 MyCityDeal. MyCityDeal war ein Investment der Samwer-Brüder mit Holtzbrinck Ventures." (Wikipedia)

    Genau die Firma, um die es hier auf Seite 2 geht, gehörte also früher (?) Holtzbrinck.

    • eeee
    • 11.06.2011 um 12:22 Uhr

    "Andererseits sind die Rabattaktionen immer so gestaltet, dass der Kunde mehr ausgibt, als auf dem Gutschein steht".
    Dieses Geschäftsmodell ist wahrhaftig vorbildlich, Kapitalismus Chicagoer Art.
    Wie lange lassen sich die Leute damit verarschen? Nicht sehr lange, also rechtzeitig einen weiteren Dummen finden, der das Ganze kauft.

    Bitte achten Sie auf Ihren Umgangston. Danke, die Redaktion/se.

    Eine Leser-Empfehlung

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