Arabische Unruhen Die Revolution wird kalt

Im freien Libyen geht der Übergangsregierung das Geld aus. Die Aufständischen fühlen sich vom Westen im Stich gelassen.

Panzer am Strand von Bengasi

Panzer am Strand von Bengasi

Abends weht vom Meer her eine frische Brise durch die Straßen von Bengasi, und die Bewohner der Stadt kommen zu Hunderten an die Strandpromenade, um sich hier zu vergnügen. Zu dieser Stunde schwirren Geschichten summend wie dicke, fette Fliegen durch die vom Tag noch heißen Straßen. Die Nato, so erzählen sich die Leute, verfüge über neue Bomben, die Schlafgas enthielten. Bald werde sie diese Bomben über den Stellungen Gadhafis abwerfen. Die Soldaten des Diktators würden friedlich einschlafen, die Rebellen bis Tripolis marschieren, ohne einen Schuss abgeben zu müssen. In ein paar Tagen, so sagen die Leute an der Strandpromenade, werde es so weit sein. Andere träumen von den Touristen, die schon bald durch das Stadtzentrum Bengasis wandern sollen.

Als ausländischer Reporter bekommt man schon einen Vorgeschmack auf das Besucherprogramm: Ein Führer erläutert die Wandmalereien, die das grausame Ende Gadhafis zeigen – von Krokodilen bedroht, von Kugeln getroffen, von Bomben zerfetzt, als Hamburger verzehrt, hinter Gittern eingesperrt. Dann stellt der Führer Muftah el-Feitiri vor, einen alten, dünnen Mann in traditioneller Kleidung, der auf der Strandpromenade sitzt wie ein lebendes Denkmal der Revolution. Muftah trägt ein großes, gerahmtes Bild seines Sohnes vor sich her. Er ist 1996 im Busleem-Gefängnis von Tripolis zusammen mit 1.200 anderen Häftlingen hingerichtet worden. Muftah beklagt den Tod seines Sohnes so laut und eindringlich, dass einem das Entsetzen in die Glieder fährt.

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Schlafbomben und Tourismusboom – beide Geschichten klingen fantastisch. Doch mit solchen Gerüchten und Träumen bricht Bengasi aus dem Verlies des Diktators aus, verwebt sich mit der Welt, von der es Gadhafi mehr als vierzig Jahre abgeschnitten hat. Es ist ein hektisches, undurchsichtiges, ein allgegenwärtiges Geschäft. Sein Zentrum ist die Lobby des Hotels Tibesti. Hierher kommen alle, die auf irgendeine Weise mit dem neuen Libyen zu tun haben wollen. Geschäftsleute trinken Tee, feilschen um Deals, Journalisten hocken mit gezückten Schreibblöcken vor Menschen, die gar nicht mehr aufhören können zu erzählen, Diplomaten gehen umher und tasten vorsichtig die noch unsichtbaren Konturen des neuen Libyens ab. Dann sind da noch die Glücksritter, Abenteurer, Spitzel, Pistolenmänner, die Sicherheit verkaufen wollen und die Unsicherheit spürbar machen. So friedlich die Lobby des Tibesti scheint: Der Krieg gibt den Rahmen des sich hier entfaltenden Panoramas ab, dieser Krieg, dessen Ende nach fast vier Monaten immer noch nicht in Sicht ist.

Bengasi ist die Hauptstadt des neuen Libyens, doch sie ist es nur auf Abruf – nur bis Tripolis fällt. Denn darüber sind sich hier alle einig: Libyen soll, muss, wird als einheitlicher Staat erhalten bleiben, und seine Hauptstadt wird Tripolis sein. Sämtliche Diplomaten, die hierher entsandt worden sind, beteuern, sie hätten nur die Aufgabe, Verbindung mit dem Nationalen Übergangsrat Libyens zu halten, bis zum Umzug nach Tripolis. Selbst der Übergangsrat in Bengasi will keine Gegenregierung sein, sondern nur ein Provisorium, bis endlich Tripolis Gadhafis Kontrolle entgleitet. Doch wann wird es so weit sein?

In ein paar Tagen, sagen einhellig die Libyer in Bengasi, in ein paar Tagen schon werde eine Entscheidung erzwungen. Die Rebellen hätten 15.000 Mann bei Brega zusammengezogen. Sie hätten den Befehl, Gadhafis Truppen den Todesstoß zu versetzen. Dass der Sieg sehr nahe sei, das wird schon seit Monaten behauptet. Er hat sich bisher nicht eingestellt. Denn dem Traum vom schnellen Sieg stehen ein paar einfache Tatsachen entgegen. Zum Beispiel die Größe des Landes: Es sind 1.000 Kilometer von Bengasi nach Tripolis. Das freie Libyen muss erst einmal eine Streitkraft haben, welche diese immense Distanz in kurzer Zeit überwinden kann, ohne an Schlagkraft zu verlieren.

Zweimal die Woche, Montag und Mittwoch von 10 bis 12 Uhr, laden die Rebellen Journalisten in eine große Kaserne am westlichen Stadtrand von Bengasi ein, um der Ausbildung der Truppe beizuwohnen, die Gadhafis Armee niederringen soll. Hunderte Männer jeden Alters, die sich freiwillig gemeldet haben, marschieren, machen Liegestütze. Studenten, Bauern, Ingenieure, Arbeitslose, Beamte, Rentner – ein ganzes Volk lässt sich hier ausbilden, doch ihr Kampfgeist steht in keinem Verhältnis zur Qualität ihrer Waffen. In einer Werkstatt auf dem Kasernengelände nehmen Mechaniker alte Schießgeräte auseinander, setzen sie wieder zusammen, reinigen, verschweißen und löten. Man wähnt sich abwechselnd in einem Museum und einem Hobbykeller. Um diesem Eindruck entgegenzuwirken, demonstrieren die Mechaniker ab und zu die Effizienz der zusammengebauten Geräte, feuern aus einem schweren Maschinengewehr in den Himmel, dass es einem die Ohren zerreißt – bis das Maschinengewehr klemmt und ein Mechaniker wieder mit Hammer und Schraubenschlüssel zu Werke geht.

Leser-Kommentare
  1. des öffentlichen Lebens in den "befreiten" Städten Libyens.
    Das Hoffen, die Wünsche, die Zweifel, das Misstrauen, die Interessen. Sie sind wohl neben den überstandenen Todesängsten nun die beherrschenden Merkmale (nicht nur) dieser Auseinandersetzung.

    Ausschlaggebend für die Zukunft des Landes wird weiterhin die Haltung der Tripolis-Libyer sein. In welchen politischen Mustern werden sie zukünftig denken und entsprechend agieren, sprich: Stellung beziehen?

    Eine Leser-Empfehlung
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    die Stimmung in solchen Umbruchzeiten wiederzugeben. Ein großes Lob für diesen Versuch.

    Ein ähnliches "in-der-Schwebe-verharren" konnte man in den Februar-Tagen vor der Evakuierung in Tripolis fühlen. Vormittags, wenn Demonstranten und Soldaten verschwunden waren, versuchten die Familien, in den kleinen Geschäften ihre Vorräte zu ergänzen: Betont höflich, freundlich, der Versuch eines Aufatmens.

    Diese Leute sind immer noch in Tripolis, und sie warten. Aber es wird für sie immer schwieriger, den Alltag zu meistern.

    die Stimmung in solchen Umbruchzeiten wiederzugeben. Ein großes Lob für diesen Versuch.

    Ein ähnliches "in-der-Schwebe-verharren" konnte man in den Februar-Tagen vor der Evakuierung in Tripolis fühlen. Vormittags, wenn Demonstranten und Soldaten verschwunden waren, versuchten die Familien, in den kleinen Geschäften ihre Vorräte zu ergänzen: Betont höflich, freundlich, der Versuch eines Aufatmens.

    Diese Leute sind immer noch in Tripolis, und sie warten. Aber es wird für sie immer schwieriger, den Alltag zu meistern.

  2. was der schreiber uns damit sagen will, bleibt unklar. er spricht aber (ungewollt?) die nackte tatsache aus: dieser krieg wird aus wirtschaftlichen gruenden gefuehrt. nicht aus humanitaeren.

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    …dass Rentner, Studenten, junge und alte Menschen aus allen Bevölkerungsschichten zusammenkommen, weil sie aus wirtschaftlichen Gründen Krieg spielen wollen!
    Der Autor dieses Artikels hat klar gemacht, dass jedes Land andere Interessen hat und ich möchte ihm da Recht geben.

    diesen Ihren Satz zu ergänzen:

    "dieser krieg wird aus wirtschaftlichen gruenden" -von egemanischen sowie von energie-hungrigen Ausländern- "gefuehrt." Und gewiss "nicht aus humanitaeren."

    Und wer im Fall Lybien von einem "Volksaufstand" faselt, der sollte wenigstens versuchen, VOLK zu zeigen!

    Bitte beteiligen Sie sich konstruktiv. Danke, die Redaktion/mk

    …dass Rentner, Studenten, junge und alte Menschen aus allen Bevölkerungsschichten zusammenkommen, weil sie aus wirtschaftlichen Gründen Krieg spielen wollen!
    Der Autor dieses Artikels hat klar gemacht, dass jedes Land andere Interessen hat und ich möchte ihm da Recht geben.

    diesen Ihren Satz zu ergänzen:

    "dieser krieg wird aus wirtschaftlichen gruenden" -von egemanischen sowie von energie-hungrigen Ausländern- "gefuehrt." Und gewiss "nicht aus humanitaeren."

    Und wer im Fall Lybien von einem "Volksaufstand" faselt, der sollte wenigstens versuchen, VOLK zu zeigen!

    Bitte beteiligen Sie sich konstruktiv. Danke, die Redaktion/mk

  3. …dass Rentner, Studenten, junge und alte Menschen aus allen Bevölkerungsschichten zusammenkommen, weil sie aus wirtschaftlichen Gründen Krieg spielen wollen!
    Der Autor dieses Artikels hat klar gemacht, dass jedes Land andere Interessen hat und ich möchte ihm da Recht geben.

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    • Cando
    • 10.06.2011 um 16:14 Uhr

    ... doch die Völker von der anderen Seite des Mittelmeers, die sich in einer Koalition zusammenschlossen um gegen den (immernoch!) souveränen Staat Libyen Krieg zu führen, tun das nicht aus der bloßen Menschenliebe.

    Besonders Frankreich möchte hier Macht demonstrieren und zeigen: Wir bestimmen, was vor unserer Haustür vorgeht. Auch Großbritannien ist nach dem Irak und Afghanistan immernoch nicht kriegsmüde. Einzig die mächtigen USA hatten hier Zweifel bei dieser Intervention und hätten sich am liebsten wohl herausgehalten - wenn da nicht der Druck des Bündnisses wäre: Man kann seine Waffenbrüder ja nicht einfach so wie die Clowns da stehen lassen, wenn ihnen dann mal wieder die Munition ausgeht.

    Doch Deutschland wollte damit nichts zu tun haben und ich muss sagen, dass ich mich durch unsere Volksvertreter in dieser Frage tatsächlich enorm gut vertreten fühle. In letzter Zeit kommen mir sogar die zwielichtigen Halbdemokraten und Quasidiktatoren aus Russland und China in der Außenpolitik als wesentlich angenehmere Gesellschaft vor, als unsere Bündnispartner.

    • Cando
    • 10.06.2011 um 16:14 Uhr

    ... doch die Völker von der anderen Seite des Mittelmeers, die sich in einer Koalition zusammenschlossen um gegen den (immernoch!) souveränen Staat Libyen Krieg zu führen, tun das nicht aus der bloßen Menschenliebe.

    Besonders Frankreich möchte hier Macht demonstrieren und zeigen: Wir bestimmen, was vor unserer Haustür vorgeht. Auch Großbritannien ist nach dem Irak und Afghanistan immernoch nicht kriegsmüde. Einzig die mächtigen USA hatten hier Zweifel bei dieser Intervention und hätten sich am liebsten wohl herausgehalten - wenn da nicht der Druck des Bündnisses wäre: Man kann seine Waffenbrüder ja nicht einfach so wie die Clowns da stehen lassen, wenn ihnen dann mal wieder die Munition ausgeht.

    Doch Deutschland wollte damit nichts zu tun haben und ich muss sagen, dass ich mich durch unsere Volksvertreter in dieser Frage tatsächlich enorm gut vertreten fühle. In letzter Zeit kommen mir sogar die zwielichtigen Halbdemokraten und Quasidiktatoren aus Russland und China in der Außenpolitik als wesentlich angenehmere Gesellschaft vor, als unsere Bündnispartner.

    • Ottoo
    • 10.06.2011 um 12:03 Uhr

    Wenn in den Staaten Jemen, Syrien oder Libyen der demokratische Umbruch in naher Zeit nicht möglich sein wird, dann wird der arabische Frühling in diesen Ländern für eine längere Zeit ausbleiben. Denn alle drei Regime von Assad, Gaddafi und Saleh begegnen ihre Bürger mit großer Brutatiltät, im Gegensatz zu Mubarak und Ben Ali, die weniger aggressiv und repressiv gehandelt hatten. Demokratie kann nur dann gelingen, wenn der Westen bei den Reformen grundlegend mithilft, wie in Tunesien oder in Ägypten:
    http://2010sdafrika.wordp....

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    Was glauebn sie, für was der Westen steht, für die humanitäre Rettung der Welt. unsere Staaten hätten die Mittel überall dort zu helfen, wo es brennt. Aber das Interesse liegt darin die Konflikte zu schüren. Wir expaortieren wafen und DARUM geht es uns so gut. Weil es uns allen vollkommen egal ist, dass unser Wohlstand aus den konflikten in anderen Länder RESULTIERT. So direkt muss man das wohl sagen.

    Was glauebn sie, für was der Westen steht, für die humanitäre Rettung der Welt. unsere Staaten hätten die Mittel überall dort zu helfen, wo es brennt. Aber das Interesse liegt darin die Konflikte zu schüren. Wir expaortieren wafen und DARUM geht es uns so gut. Weil es uns allen vollkommen egal ist, dass unser Wohlstand aus den konflikten in anderen Länder RESULTIERT. So direkt muss man das wohl sagen.

  4. die Stimmung in solchen Umbruchzeiten wiederzugeben. Ein großes Lob für diesen Versuch.

    Ein ähnliches "in-der-Schwebe-verharren" konnte man in den Februar-Tagen vor der Evakuierung in Tripolis fühlen. Vormittags, wenn Demonstranten und Soldaten verschwunden waren, versuchten die Familien, in den kleinen Geschäften ihre Vorräte zu ergänzen: Betont höflich, freundlich, der Versuch eines Aufatmens.

    Diese Leute sind immer noch in Tripolis, und sie warten. Aber es wird für sie immer schwieriger, den Alltag zu meistern.

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    Ich vermute, dass die eindeutige Mehrheit der Menschen in Tripolis sich mit der Rolle des passiven Zuschauers arrangier(t)en - was man ihnen selbstverständlich nicht zum Vorwurf machen darf. Doch wie ist deren private Haltung zu den Ereignissen?

    Sie, sehr geehrter Bildschirmleser, waren vor der Eskalation des Aufstandes in Tripolis? Eine Frage interessiert mich besonders, vielleicht können Sie sie mir ja sogar beantworten.
    Die Menschen, die Sie beschrieben, fühlten sich zweifellos ihres gewohnten Alltagslebens beraubt und verspürten sicher ernsthafte Sorgen oder gar Ängste. Hatten Sie bei Ihren Berührungen mit ihnen den Eindruck, dass sie sich als Tripolis-Bürger tendenziell als Elite Libyens verstanden, weil sie von den Begünstigungen Gaddafis am ehesten profitierten, weswegen sie womöglich die Aufstände eher als Störfeuer auf ihr bisheriges Leben betrachteten? Oder hegten sie mehrheitlich eher Sympathie für die zaghaften Demonstrationen in Tripolis und die Großkundgebungen in den östlichen Städten des Landes?

    Ich wäre sehr gespannt auf die Schilderung Ihrer Eindrücke und Ihrer Meinung.
    Freundliche Grüße.

    Ich vermute, dass die eindeutige Mehrheit der Menschen in Tripolis sich mit der Rolle des passiven Zuschauers arrangier(t)en - was man ihnen selbstverständlich nicht zum Vorwurf machen darf. Doch wie ist deren private Haltung zu den Ereignissen?

    Sie, sehr geehrter Bildschirmleser, waren vor der Eskalation des Aufstandes in Tripolis? Eine Frage interessiert mich besonders, vielleicht können Sie sie mir ja sogar beantworten.
    Die Menschen, die Sie beschrieben, fühlten sich zweifellos ihres gewohnten Alltagslebens beraubt und verspürten sicher ernsthafte Sorgen oder gar Ängste. Hatten Sie bei Ihren Berührungen mit ihnen den Eindruck, dass sie sich als Tripolis-Bürger tendenziell als Elite Libyens verstanden, weil sie von den Begünstigungen Gaddafis am ehesten profitierten, weswegen sie womöglich die Aufstände eher als Störfeuer auf ihr bisheriges Leben betrachteten? Oder hegten sie mehrheitlich eher Sympathie für die zaghaften Demonstrationen in Tripolis und die Großkundgebungen in den östlichen Städten des Landes?

    Ich wäre sehr gespannt auf die Schilderung Ihrer Eindrücke und Ihrer Meinung.
    Freundliche Grüße.

  5. bekannt.

    Und das hat keinen paarhufigen Vertreter der Gattung Suidae bisher gekümmert.

    Eine Leser-Empfehlung
  6. Auf die Gefahr hin, dass mich die Berufsoptimisten deutscher Machart, die vor dem Computer im Vorruhestand Revolution spielen, sofort als kriegslüsternen Diktator-Unterstützer brandmarken, hier meine Meinung: wir erleben eine typische "arabische Revolution".90 Prozent der Bevölkerung bewegen sich nicht ( wie vorher schon) und warten auf

    1. Befreiung durch ANDERE

    2. Erholung der Wirtschaft durch ANDERE

    3.Soforthilfe durch ANDERE

    4. Viel Geld hinterher durch ANDERE

    Sollte das eintreffen ( weil der Westen sein nicht vorhandenes Geld aus dem Fenster wirft), dann werden künftig im "neuen" Libyen auch wieder die echte harte Arbeit diejenigen tun, die es im " alten" Libyen auch getan haben

    GASTARBEITER

    Revolutionäre demokratische Araber fordern.......aber beim Thema Eigeninitiative fehlt das übliche Pathos!

    10 Leser-Empfehlungen
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    • Cando
    • 10.06.2011 um 16:30 Uhr

    Der Prozeß, den die - wie sie schon so trefflich sagen - Berufsoptimisten hier erwarten, hat sich für uns Europäer auch nicht innerhalb von vier Monaten vollzogen.

    Nachdem wir uns über Jahrhunderte gegenseitig massakriert haben, hat erst die Aufklärung die Grundlage für Demokratie geschaffen. Doch wie lange hat es gedauert, bis das dann auch mal bei uns Deutschen angekommen ist? Zwei blutige Weltkriege sind das traurigste Resultat dieser Entwicklung, um andere mal außer Acht zu lassen.

    Was will man also von diesem Arabischen Frühling erwarten? Der Islam ist im Gegensatz zum Christentum keine reformierte Religion. Die gegenwärtigen Diktatoren sind noch lange nicht geschlagen. Selbst wenn es gelänge, sie ein für alle mal loszuwerden, würden sie wahrscheinlich kurz darauf durch einen neuen ersetzt. Der Weg zur Freiheit ist lange und blutig. Beschreiten müssen diese Völker ihn jedoch allein.

    trifft Ihre Beschreibung für den Ablauf z.B. in Tunesien gar nicht zu.

    Für Libyen gebe ich Ihnen in der Situationsbeschreibung zu 1) VORHER recht: Es waren immer die "anderen", die tun sollten. Allerdings ist jetzt klar, dass die NATO hier nur unterstützt und Massaker der Gaddafi-Truppen verhindert. Die Befreiung wird von den Libyern selbst kommen müssen, und das ist auch gut so, denn sie werden dadurch lernen, sich aufeinander zu verlassen.

    Für Ihre Punkte 2,3 und 4 ist jede Aufregung unangebracht: Wenn Gaddafi erstmal weg ist, hat Libyen bei weitem ausreichende finanzielle Reserven, um das alles zu begleichen. Es müssen dann ja nicht mehr Kriege in Ir

    Gerade die beiden erfolgreichen Revolutionen im arabischen Raum, in Tunesien und Ägypten, sind durch Eigeninitiative erfolgreich, zumindest vom Ausgang, gestaltet worden. Ich hoffe, Sie haben die Kritik an Sarkozy diesbezüglich, für seine zurückhaltende Politik, die Unterstützung für Mubarak durch Italien und Israel und die ansonsten sehr (!) zurückhaltende Politik der anderen Westmächte im Januar und Februar nicht vergessen:

    http://www.n-tv.de/politi...

    Das Volk in beiden Ländern hat, ohne millionenschwere Forderungen, den Umsturz herbeigeführt. Auch die USA haben Mubarak lediglich "zum Rücktritt geraten". In Tunesien wurde der Umschwung zudem so schnell herbeigeführt, dass der Westen noch nicht einmal Forderungen an die damalige Regierung aufstellen musste. Die Situation in Libyen und Ägypten/Tunesien deshalb gleichzusetzen und von "nur fordernden Arabern" zu sprechen, zeigt dementsprechend eine ziemlich undifferenzierte Denkweise und schnelles Vergessen von bereits Erfolgtem auf.

    gratuliere, Ihr Kommentar ist bei weitem zutreffender als der Artikel

    • Cando
    • 10.06.2011 um 16:30 Uhr

    Der Prozeß, den die - wie sie schon so trefflich sagen - Berufsoptimisten hier erwarten, hat sich für uns Europäer auch nicht innerhalb von vier Monaten vollzogen.

    Nachdem wir uns über Jahrhunderte gegenseitig massakriert haben, hat erst die Aufklärung die Grundlage für Demokratie geschaffen. Doch wie lange hat es gedauert, bis das dann auch mal bei uns Deutschen angekommen ist? Zwei blutige Weltkriege sind das traurigste Resultat dieser Entwicklung, um andere mal außer Acht zu lassen.

    Was will man also von diesem Arabischen Frühling erwarten? Der Islam ist im Gegensatz zum Christentum keine reformierte Religion. Die gegenwärtigen Diktatoren sind noch lange nicht geschlagen. Selbst wenn es gelänge, sie ein für alle mal loszuwerden, würden sie wahrscheinlich kurz darauf durch einen neuen ersetzt. Der Weg zur Freiheit ist lange und blutig. Beschreiten müssen diese Völker ihn jedoch allein.

    trifft Ihre Beschreibung für den Ablauf z.B. in Tunesien gar nicht zu.

    Für Libyen gebe ich Ihnen in der Situationsbeschreibung zu 1) VORHER recht: Es waren immer die "anderen", die tun sollten. Allerdings ist jetzt klar, dass die NATO hier nur unterstützt und Massaker der Gaddafi-Truppen verhindert. Die Befreiung wird von den Libyern selbst kommen müssen, und das ist auch gut so, denn sie werden dadurch lernen, sich aufeinander zu verlassen.

    Für Ihre Punkte 2,3 und 4 ist jede Aufregung unangebracht: Wenn Gaddafi erstmal weg ist, hat Libyen bei weitem ausreichende finanzielle Reserven, um das alles zu begleichen. Es müssen dann ja nicht mehr Kriege in Ir

    Gerade die beiden erfolgreichen Revolutionen im arabischen Raum, in Tunesien und Ägypten, sind durch Eigeninitiative erfolgreich, zumindest vom Ausgang, gestaltet worden. Ich hoffe, Sie haben die Kritik an Sarkozy diesbezüglich, für seine zurückhaltende Politik, die Unterstützung für Mubarak durch Italien und Israel und die ansonsten sehr (!) zurückhaltende Politik der anderen Westmächte im Januar und Februar nicht vergessen:

    http://www.n-tv.de/politi...

    Das Volk in beiden Ländern hat, ohne millionenschwere Forderungen, den Umsturz herbeigeführt. Auch die USA haben Mubarak lediglich "zum Rücktritt geraten". In Tunesien wurde der Umschwung zudem so schnell herbeigeführt, dass der Westen noch nicht einmal Forderungen an die damalige Regierung aufstellen musste. Die Situation in Libyen und Ägypten/Tunesien deshalb gleichzusetzen und von "nur fordernden Arabern" zu sprechen, zeigt dementsprechend eine ziemlich undifferenzierte Denkweise und schnelles Vergessen von bereits Erfolgtem auf.

    gratuliere, Ihr Kommentar ist bei weitem zutreffender als der Artikel

  7. Noch interessanter wäre ein ähnlicher Bericht aus Tripolis.
    Ich wette, die Tripolitaner werden sich nicht von den Ostlern die Butter vom Brot nehmen lassen. Wenn Gadafi weg ist, dann fangen die Probleme erst an.

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