Martenstein »Mir fällt kein Argument gegen die Altenquote ein«

Harald Martenstein über große Pläne der SPD

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Einige meiner besten Freunde sind Sozialdemokraten. Ich mag SPD-Feste, den Rotwein, das Chili con Carne, das Kulturprogramm. Es sind nette Leute. Aber ich sehe auch die Defizite.

Nach der Frauenquote möchte die SPD jetzt eine Migrantenquote einführen. Ich habe mir das Parteipräsidium der SPD näher angeschaut. Beim Blick auf das SPD-Präsidium fällt auf, dass von 18 Mitgliedern nur ein einziges, Joachim Poß, älter ist als 60 Jahre. Es sind aber 26 Prozent der deutschen Bevölkerung nachweislich älter als 60.

Dass alte Menschen legitime Interessen besitzen, wird kaum jemand bestreiten. Beschlüsse über die Rente, über das Gesundheitswesen oder über das ZDF werden gefasst, und kein einziger Alter soll dabei mitreden dürfen? Alte Menschen sind vielfältig benachteiligt. Die größte Ungerechtigkeit beim Altsein besteht darin, dass man recht bald sterben muss. Mit über 60 hast du, realistisch betrachtet, maximal noch 30 Jahre. Ich möchte nicht hören, was die Frauen und was Menschen mit Migrationshintergrund sagen würden, wenn es heißt, so, ihr Lieben, ihr habt jetzt alle ab sofort noch maximal 30 Jahre. Und in das SPD-Präsidium dürft ihr übrigens auch nicht mehr hinein.

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Ein Argument gegen die Altenquote würde ich gerne mal hören – unter der Voraussetzung, dass Quoten grundsätzlich okay sind, mir fällt keines ein. Laut Statistik gibt es in Deutschland auch etwa ebenso viele Arme wie Menschen mit Migrationshintergrund, 13 Prozent. Arm zu sein ist nicht immer einfach. Darüber gibt es Filme und Bücher. Im SPD-Präsidium müssten, wenn sie die Migrantenquote einführen, auch zwei Menschen mit Armutshintergrund sitzen. Die Zusammensetzung der politischen Gremien und der Parlamente soll doch ungefähr der Zusammensetzung der Bevölkerung entsprechen, dieser Leitgedanke liegt den Quotenregelungen zugrunde. Bei dem Versuch, Gerechtigkeit herzustellen, ist am Ende eine Alten- und Armendiskriminierung herausgekommen. Sie könnten sagen, wir nehmen nur Frauen mit Hartz IV und uralte Migranten in unser Parteipräsidium auf, aber davon ist nicht die Rede.

Ich habe auch mal versucht zu recherchieren, welches der interessanteste politische Irrtum in der Geschichte der internationalen Sozialdemokratie gewesen ist. Auf diese Weise bin ich auf den Friedensnobelpreis für Adolf Hitler gestoßen. Die wenigsten Leute wissen, dass Adolf Hitler 1939 auf der Shortlist für den Friedensnobelpreis gestanden hat, gemeinsam mit den Kandidaten Albert Schweitzer und Mahatma Gandhi. Wenn man sich die Ausschreibungsbedingungen anschaut, stellt man fest, dass Hitler, in der Theorie, tatsächlich ein zulässiger Kandidat gewesen ist. Den Friedenspreis soll laut Alfred Nobel jemand bekommen, der etwas für die »Abschaffung oder Verminderung der stehenden Heere« tut. Hitler wollte zweifellos alle stehenden Heere vermindern, abschaffen oder vernichten, außer seinen eigenen. Allerdings hätte er nicht annehmen dürfen, weil die Annahme von Nobelpreisen in Deutschland seit 1935 verboten gewesen ist. Kurz bevor die Jury ihre Entscheidung treffen konnte, hat Hitler, um das polnische Heer abzuschaffen, den Zweiten Weltkrieg angefangen.

Die Nominierung von Adolf Hitler war das Werk eines schwedischen Sozialdemokraten, der Erik Brandt hieß. Er meinte es ironisch. Mir fällt auf, dass fast allen Fehlern, die in der Menschheitsgeschichte jemals gemacht wurden, gute Absichten zugrunde gelegen haben. Damit will ich aber nicht sagen, dass schlechte Absichten grundsätzlich positive Folgen haben.

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Leser-Kommentare
    • Kometa
    • 09.06.2011 um 13:42 Uhr

    Und unter den Lesern, lieber Herr Martenstein? Wie sieht da - sage ich mal: vermutlich - die AltersQuote aus?

    Fifty-fitti; pardon: fifty-fifty? Ich rechne: Jenseits der 60 die dreist interessierte Mehrheit? (Ich bin dabei, mit 65 Jährchen; aber gefühlten 85! - In der nächste Woche verliere ich prae-alsheimelnd - die Fähigkeit, ihre Glosse zu lesen (bzw. zu verstehen).

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