Berliner Grüne Die Metropole als Feind
Jetzt wollen die Grünen Berlin erobern. Für das prächtige Chaos und die nervöse Härte des Urbanen haben sie aber keinen Sinn.
Erinnert sich noch jemand an den Werbeslogan »Weltstadt mit Herz«, der den besonderen Charme Münchens vor einigen Jahrzehnten fremdenverkehrsfördernd formulieren sollte? Jeder nüchtern seiner Weltstadt verbundene Londoner oder Pariser hätte sich gegen die Zumutung einer solchen Verbindung des Gemütlichen mit dem Glänzenden gesträubt und erklärt, dass man sich da schon entscheiden müsse: entweder für die Weltstadt oder für das Herz. Aber hierzulande spricht manches dafür, dass die irrwitzige Hoffnung, die sich in der Münchner Formel aussprach, noch immer populär und für das deutsche Verhältnis zur Großstadt virulent geblieben ist.
Vor ein paar Tagen hat Jens Bisky in der Süddeutschen Zeitung einigermaßen bestürzt das Wahlprogramm der Berliner Grünen durchgeblättert, mit dem Renate Künast im Herbst gegen den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) antreten will. Was enthält ihr Versprechen bürgerfreundlicher Politik? Keine Neubauten, schon gar keine Hochhäuser, erst recht keine Bebauung des ehemaligen Flughafens Tempelhof, überhaupt nach Möglichkeit kein Wandel, nicht einmal jener, der verwahrloste Viertel durch Investorentätigkeit einem neuen Leben zuführte. Stattdessen Tempo 30, Verkehrsberuhigung, Milieuschutz für alle, selbst für jene, deren Milieus eher als erbärmlich einzustufen sind. Kurzum: viel Herz und wenig Großstadt, und das Herz vor allem für das Kleine, Überschaubare, Putzige, die nachbarschaftliche Idylle in dem tosenden Asphaltmeer.
Das Programm wirkt wie ein später Reflex auf jene Veränderungsangst, die nach der Wiedervereinigung weniger über den Osten (wie allgemein angenommen) als vielmehr schüttelfrostartig über den Westen der Stadt kam, die sich um keinen Preis der Herausforderung stellen wollte, nicht einmal neuer Bus- und U-Bahn-Linien, aber vor allem nicht dem Ende der ewigen Mittagsruhe, in dem die Stadt zur Provinz geworden war. »Ich will so bleiben, wie ich bin«, flehte das alte West-Berlin, damals ungehört. Und heute will ausgerechnet die grüne Partei, Mutter aller Emanzipationen, das ersehnte »Du darfst« sprechen? Ist der Schutz des Status quo der Modus, in dem eine Großstadt zu sich selber kommt?
Das ist keine Frage, die sich zuvörderst an die Politik der Grünen richtet. Ihre Wähler sind die Jungen, die Intellektuellen, die Ungebundenen und gut Ausgebildeten, von denen die Dynamik der Großstädte leben sollte und die es tatsächlich unwiderstehlich in die Großstädte zieht. Was heißt es, wenn ausgerechnet sie mit einem Programm zu locken sind, das überall nur die Notbremse zieht? Schon hat das Ausland sich entschieden und Berlin in den Rang der international satisfaktionsfähigen Metropolen erhoben. Künstler aus aller Welt, Neugierige, Touristen strömen herbei und definieren die Stadt. Sollte dies nur gegen den Willen und hinter dem Rücken ihrer Einwohner geschehen, die darin nichts als Lärmbelästigung und Entfremdung sehen?
Stadtluft macht frei, aber diese Freiheit scheint vielen Deutschen vor allem Angst zu machen, mehr noch: Sie findet entschiedene Gegner in den Städten selbst. Ziehen wir einmal von dem Stuttgarter Bahnhofsstreit alles ab, was nüchterner Einspruch gegen Planungsfehler und überzogene Zukunftserwartungen der Bahn ist – dann sehen wir auch hier die Panik vor dem dynamischen Prinzip der Großstadt. Und zwar abermals weit über die linksalternative Protestklientel hinaus. Die Verteidigung alten Baumbestandes gegen eine Großbaustelle ist kein urbaner Reflex. Es sind dies aber auch die Bahnhofspläne nicht, insofern der Bahnhof, zentraler Knotenpunkt öffentlichen Lebens, unter die Erde verlegt und damit der Anschauung entzogen werden soll.
In Stuttgart stehen zwei Formen der Stadtfeindlichkeit einander gegenüber, die grüne, die den Stadtraum als Naturraum versteht und als solchen dem Wandel entziehen will, und die technokratische, die das Ungekämmte, so und so Gewachsene, meinetwegen Unpraktische, aber Gesellige nicht erträgt und seiner Ordnungsfantasie unterwerfen will. Die Synthese beider Positionen ist die Abneigung gegen den urbanen Dschungel, wie er sich überall auf der Welt sonst zeigen darf, nur in Deutschland nicht.
Während auf dem Land, ginge es nach den Umweltschützern, möglichst viele Flächen dem freien, unkontrollierten Wildwuchs der Natur überlassen bleiben sollen, will man den Wildwuchs in der Stadt um jeden Preis verhindern. Das krautige Durcheinander, das in jeder Großstadt von selbst entsteht, das Kioske wachsen und sterben, deutsche Arbeiterkieze in orientalische Basare verwandeln, bürgerliche Viertel versteppen, von intellektuellen Neusiedlern einnehmen und schließlich von Investoren wiederaufforsten lässt, das Getöse der Touristen und die schrille Farbigkeit der Einwanderermilieus – es ist offenbar zu viel für die schwachen deutschen Nerven.
- Datum 13.06.2011 - 09:11 Uhr
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- Serie Grüne Republik Deutschland
- Quelle DIE ZEIT, 9.6.2011 Nr. 24
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Nach dem „abenteuerlichen“ Artikel von Adam Soboczynski vor einigen Wochen,
http://www.zeit.de/2011/2...
findet sich nun erneut ein Artikel im Feuilleton, der mit der Befindlichkeit einer vermeintlich grün-rot angehauchten Schicht hart ins Gericht geht. Dabei darf natürlich der Bahnhof in Stuttgart nicht fehlen. Herr Jessen verzichtet allerdings auf die Nazi-Keule, obwohl ja auch bei den Nazis sicher einiges an Großstadtfeindlichkeit zu finden gewesen wäre. Das Problem war allerdings wohl, dass die Planung von „Germania“ nicht so ganz in dieses Schema gepasst hätte. Ich mag kurz auf den Bahnhof in Stuttgart eingehen. Hier wird sowohl den Befürwortern als auch den Gegnern einen Mangel an Urbanität unterstellt. Die einen sind es, weil sie den Bahnhof unter die Erde bringen wollen, und die anderen, weil sie gar keinen Bahnhof wollen, oder zumindest nicht bereit sind, die entsprechenden Baustellen in Kauf zu nehmen. Ohne jetzt Stellung zu beziehen, sind die Vorwürfe reichlich absurd. Ziel des unterirdischen Bahnhofs war es ja primär, das Gleisvorfeld bebauen zu können. Dazu müssen halt die Gleise nach unten verlegt werden, und das lässt dann auch den Bahnhof unterirdisch werden. Es war also durchaus ein Neugestaltungswille hinter dem Projekt. Für die Gegner blieb der Kopfbahnhof erhaltenswert, und sollte durch geeignete Maßnahmen ertüchtigt werden. Auch hier nicht unbedingt ein Mangel an Gestaltungswille.
es geht um die grüne schicht. nicht um die rot-grüne. oder vergessen sie, dass die grünen in berlin die antagonisten der spd sind (vorerst)?
es geht um die grüne schicht. nicht um die rot-grüne. oder vergessen sie, dass die grünen in berlin die antagonisten der spd sind (vorerst)?
Jessen singt ein Loblied auf den „urbanen Dschungel“. Er vergleicht dabei „wildwachsende“ natürliche Lebensräume mit wildwachsenden urbanen Räumen. Das klingt zunächst ja mal ganz gut, ist aber, wenn man mal drüber nachdenkt kompletter Unfug. Wenn es ein Attribut gibt, das es zu dem Phänomen Stadt gibt, dann ist es „Planung“. Städte als größere und konzentrierte Lebensräume wurden seit ihren Anfängen im Zweistromland fast immer geplant. Dass es immer dazwischen auch Phasen des unkontrollierten Wachstums gab, versteht sich von selbst, diese „Fehlentwicklungen“ wurden jedoch in weiteren Umbauphasen meist wieder durch Planung korrigiert. Wenn Jessen nun das hohe Lied auf die Metropolen dieser Welt singt, so spricht er streng genommen gar nicht mehr von Städten sondern von Molochen. Letztlich lässt er sich auch von der schieren Größe der Einwohnerzahl blenden. Dass mindestens die Hälfte der Bevölkerung in gesichtslosen Massenquartieren lebt, und ein weiterer großer Teil in Elendsquartieren, die häufig noch die ländliche Dorfgemeinschaft abbilden, aus der die Menschen geflüchtet sind, interessiert da weniger.
....gegenüberstellen, so scheint es mir, kann man kein richtig und falsch ausmachen. Man braucht Planung aber die Planung hat wie überall auch hier Beschränkungen, die, so sie überschritten werden zu suboptimaler Entwicklung führen. Es ist also nicht eine Frage ob "Planung oder ungeplante Entwicklung" sondern nach der Balance zwischen den beiden.
Als ich den Artikel anfing zu lesen, dachte ich noch: Wow! Endlich mal einer Meinung mit Jens Jessen!
Dann flaute die Begeisterung ein wenig ab, weil spätestens ab der 2. Hälfte eigentlich nur noch die üblichen Haßtiraden gegen die Deutschen übrig blieben. Dabei ist genau dieses Geifern gegen das eigene Land typisch deutsch, wie Kommentar Nr. 20 (“Wenn ich mir da New York anschaue”) ganz richtig klarstellt: Neue Spießigkeit und Tugendterror sind in erster Linie Zeitphenomäne, nichts typisch Deutsches. Und wenn man sie denn unbedingt einem Herkunftsland zuordnen will, kommen in erster Linie aus den USA, nicht Deutschland.
Als ich dann Ihren Kommentar las, wurde mir klar, das auch Inhaltlich bei Jessen so einiges im Argen ist: Ich kenne genug Leute von der Fraktion, die an Berlin gerade das Kaputte, nicht zueinander Passende, das Lärmende und Chaotische, die Trümmerfelder und Industriebrachen, die Kontraste toll und cool finden und für das eigentlich Identitätsstiftende halten. Grundsätzlich kann ich diesen Standpunkt sogar nachvollziehen. Nur das Bemerkenswerte daran ist: WOHNEN tun diese Neuberliner alle in ihren gemütlichen, gentrifizierten Gründerzeitvierteln.
Was im Umkehrschluß bedeutet: Die Leute, die in den (nach Jessen) wahrhaft “großstädtischen” Gegenden wohnen, tun dies nicht zur Pflege ihres Lebensstils, sondern weil sie sich nichts Besseres leisten konnten. Wohnumfeldverbesserung mag spießig klingen, aber entscheiden darüber sollen doch bitte die, die es betrifft.
....gegenüberstellen, so scheint es mir, kann man kein richtig und falsch ausmachen. Man braucht Planung aber die Planung hat wie überall auch hier Beschränkungen, die, so sie überschritten werden zu suboptimaler Entwicklung führen. Es ist also nicht eine Frage ob "Planung oder ungeplante Entwicklung" sondern nach der Balance zwischen den beiden.
Als ich den Artikel anfing zu lesen, dachte ich noch: Wow! Endlich mal einer Meinung mit Jens Jessen!
Dann flaute die Begeisterung ein wenig ab, weil spätestens ab der 2. Hälfte eigentlich nur noch die üblichen Haßtiraden gegen die Deutschen übrig blieben. Dabei ist genau dieses Geifern gegen das eigene Land typisch deutsch, wie Kommentar Nr. 20 (“Wenn ich mir da New York anschaue”) ganz richtig klarstellt: Neue Spießigkeit und Tugendterror sind in erster Linie Zeitphenomäne, nichts typisch Deutsches. Und wenn man sie denn unbedingt einem Herkunftsland zuordnen will, kommen in erster Linie aus den USA, nicht Deutschland.
Als ich dann Ihren Kommentar las, wurde mir klar, das auch Inhaltlich bei Jessen so einiges im Argen ist: Ich kenne genug Leute von der Fraktion, die an Berlin gerade das Kaputte, nicht zueinander Passende, das Lärmende und Chaotische, die Trümmerfelder und Industriebrachen, die Kontraste toll und cool finden und für das eigentlich Identitätsstiftende halten. Grundsätzlich kann ich diesen Standpunkt sogar nachvollziehen. Nur das Bemerkenswerte daran ist: WOHNEN tun diese Neuberliner alle in ihren gemütlichen, gentrifizierten Gründerzeitvierteln.
Was im Umkehrschluß bedeutet: Die Leute, die in den (nach Jessen) wahrhaft “großstädtischen” Gegenden wohnen, tun dies nicht zur Pflege ihres Lebensstils, sondern weil sie sich nichts Besseres leisten konnten. Wohnumfeldverbesserung mag spießig klingen, aber entscheiden darüber sollen doch bitte die, die es betrifft.
Als ich Ende der Siebziger das erste mal nach West-Berlin kam, war ich ein wenig überrascht. West-Berlin war keine Metropole, sondern eine Ansammlung von Mittelstädten. Das lag natürlich auch daran, dass das alte Zentrum im Osten lag, aber es machte doch deutlich dass jede Stadt fast zwangsläufig aus einzelnen Quartieren bestehen muss. Es gibt so etwas wie eine hierarchische Struktur der Zugehörigkeit. Zu der Straße, zu dem Quartier, zu dem Stadtteil, zur Stadt an sich. Mit jeder Ebene verbindet sich eine gewisse Verbundenheit, die sehr direkt sein kann, durch persönliche Beziehungen, aber auch durch kulturelle Identifikation mit dem „Lebensgefühl“ der (gesamten) Stadt. Dabei können natürlich die einzelnen Teile durchaus heterogen und widersprüchlich sein, all das trägt zur bunten urbanen Wirklichkeit bei. Auch gilt das Prinzip der Emergenz, d.h. die (Groß-)Stadt ist mehr als die Summe ihrer Teile. Urbane Lebenswelten können sich gegenseitig befruchten und bereichern. Aber, und das sollte man nicht vergessen, die Substrukturen der Stadt, bleiben immer noch Stadt, als ein Raum der geplant werden muss. Je nach Bereich kann dies völlig unterschiedlich sein, aber auf Planung an sich kann nicht verzichtet werden, sonst hört die Stadt auf, Stadt zu sein, und wird zum Moloch.
Zwar gibt es auch im Moloch gewisse selbstorganisierende Kräfte, die gewisse Strukturen schaffen, diese sind aber recht häufig von Gewalt und Eigengesetzlichkeit (das Recht des Stärkeren) geprägt. Das ist Jessen natürlich auch klar, weshalb er den lahmen Einwand bringt von den „kriminellen Auswüchsen“, die ja nur die Polizei zu interessieren hätten.
Jessen spricht den Städten eine Leitkultur ab. Er begeht dabei den gleichen Fehler, den die meisten begehen, wenn sie über deutsche Leitkultur diskutieren. Er unterschlägt den Faktor „Emergenz“. (Leit-)Kultur ist kein monolithischer Block, sondern eine Vielzahl von oft sehr verschiedenen Facetten, die sich jedoch wechselseitig beeinflussen, und sich auf einer höheren Ebene durchaus zu etwas zusammenfinden können, das als ganzes beschreibbar und erlebbar wird. Allerdings bedarf es auch einer ausgebildeten Sensorik, um dies wahrzunehmen. Aber auch darin unterscheidet sich die (geplante) Stadt vom Moloch.
Zusammenfasung:
Die Intention von Jens Jessen ist eine diffamierende. Er beschreibt ein bestimmtes soziales Milieu, inklusive seiner politischen Vertretung, also die Grün-Alternativen, als im Kern stadtfeindlich und „unurban“. Er macht dies zunächst fest an der Abneigung gegenüber dem urbanen Dschungel. Dass der Begriff „urbaner Dschungel“ ein Widerspruch in sich ist, machen meine Ausführungen deutlich.
mit einigem Recht den Wildwuchs des Urbanen und das Aushalten der urbanen Gegensätze entgegenhält, da wird ihm vom Autopoietiker die Notwendigkeit der Großstadtplanung als Vorbeugung gegen den Moloch vor Augen geführt.
Aus meiner Sicht gehören die polit. Kulturkritik Jessens wie der systemtheoret. - Corbusier etc. aber ignorierenden - Ansatz des Foristen zu zwei Seiten derselben Medaille.
Beiden Ansichtsweisen ist daher vorzuhalten, daß sie die Vororte und den ländlichen Raum auf Kleinstädterei reduzieren, was hierzulande nicht der Wirklichkeit entspricht – denn die Metropole und ihr Umfeld haben Wechselwirkungen – allein schon durch die Pendlerströme und digitale Vernetzung, welche o.g. Kategorien diffundieren lässt.
Zu reden wäre deshalb von Berlin-West, als einer im Gegensatz zum Ostteil bis zum Fall der Mauer suburban und ländlich unverbundenen Teilstadt. Zu reden wäre mithin vom vergangenen Flair der Inselstadt-West, welche binnen eines Tages Teil eines anderen Landes wurde und n.m.E. nicht willens noch fähig war die westdeutsche zur Leitkultur der geeinten Stadt zu machen, weil erst mit dem hist. Ereignis dem Westteil seine Stellung als umschlungene Teil-Metropole bewusst wurde – und die ehemals so selbstbewußt kiezverbundene Frontstadt-Identität nicht mehr zu halten war.
Die Grünen sind daher schlecht beraten sich als Kiez-Renaissance-Partei zu präsentieren – denn die Zukunft gehört einer planerisch integrierten bürgerorientierten Stadtgestaltung/kultur.
m.
mit einigem Recht den Wildwuchs des Urbanen und das Aushalten der urbanen Gegensätze entgegenhält, da wird ihm vom Autopoietiker die Notwendigkeit der Großstadtplanung als Vorbeugung gegen den Moloch vor Augen geführt.
Aus meiner Sicht gehören die polit. Kulturkritik Jessens wie der systemtheoret. - Corbusier etc. aber ignorierenden - Ansatz des Foristen zu zwei Seiten derselben Medaille.
Beiden Ansichtsweisen ist daher vorzuhalten, daß sie die Vororte und den ländlichen Raum auf Kleinstädterei reduzieren, was hierzulande nicht der Wirklichkeit entspricht – denn die Metropole und ihr Umfeld haben Wechselwirkungen – allein schon durch die Pendlerströme und digitale Vernetzung, welche o.g. Kategorien diffundieren lässt.
Zu reden wäre deshalb von Berlin-West, als einer im Gegensatz zum Ostteil bis zum Fall der Mauer suburban und ländlich unverbundenen Teilstadt. Zu reden wäre mithin vom vergangenen Flair der Inselstadt-West, welche binnen eines Tages Teil eines anderen Landes wurde und n.m.E. nicht willens noch fähig war die westdeutsche zur Leitkultur der geeinten Stadt zu machen, weil erst mit dem hist. Ereignis dem Westteil seine Stellung als umschlungene Teil-Metropole bewusst wurde – und die ehemals so selbstbewußt kiezverbundene Frontstadt-Identität nicht mehr zu halten war.
Die Grünen sind daher schlecht beraten sich als Kiez-Renaissance-Partei zu präsentieren – denn die Zukunft gehört einer planerisch integrierten bürgerorientierten Stadtgestaltung/kultur.
m.
Weiterhin sollen Groß- und Kleinstadt gegeneinander ausgespielt werden, wobei die letztere als Ausbund kleinbürgerlichen Terrors gilt. Auch dieser Gegensatz ist zum Großteil künstlich, da jede Großstadt ja die Kleinstadt in sich trägt. Nur halt noch etwas mehr ist. Jessen unterliegt der Vorstellung, dass nur eine wuchernde Großstadt eine echte Großstadt sein kann. In der Physik, in der Natur, da kann aus Chaos Ordnung entstehen. Aber nicht in der Stadt. Der Gedanke ist absurd, und natürlich gibt Jessen auch keine Beispiele an. Es ist eben nicht kleinbürgerliches Denken, welches Stadtleben vergiftet, es ist planerisches Wirken, welches Städte, auch in ihrer Vielfalt, erschafft und erhält.
Jessen liefert hier nur eine plumpe Polemik, die wenig weiß von der städtischen Realität. Aber solche Polemiken sind ja inzwischen bei der ZEIT wohlfeil.
Mensch Autopoietiker du kannst aber schnell Kommentare verfassen. Von Urbanität 1-5 hast du grade mal 3 Minuten gebraucht. Das bringt dich auf die Pool Position.
Was ist nu mit dem Wahlprogramm von Frau Künast??
widersprechen zumindest schon einmal der Intention Ihres Nicknames. Autopoesis beschreibt im allgemeinen das Verhalten von Systemen zur Selbstorganisation. Sie verklären hingegen die Planung und zwar in einem Sinn, der so ziemlich das Gegenteil dessen ist, was Luhmann als den Kern autopoetischer, sozialer Systeme darlegte: dass sich Systeme durch Kommunikation heraus erschaffen, diese aber ergebnisoffen, d.h. nicht zielgerichtet ist.
Ihre Vorstellung von Planung nehmen Sie zum Anlass die Stadt wie ein Kind erziehen zu wollen. Ja, wenn alles erlaubt ist, wo kommen wir denn da hin? Das geht natürlich nicht. Das muss man schon planen etc...
Einmal ganz nüchtern: was derzeit in deutschen Städten abläuft ist doch Stillstand. Kühne Architekturentwürfe wie das Olympiastadion in München, müssen geradezu als Betriebsunfall gelten. Das Scheitern des Vorhabens der Werkbundsiedlung belegt dies recht schön.
Wenn Sie einmal einen Blick auf die Baugeschichte Berlins werfen, dann müssten Sie wissen, dass das, was Sie zu schützen vorgeben, so heute nicht mehr machbar wäre. Berühmtestes Beispiel ein ungebremsten Baufreude ist der Anhalter Bahnhof. Dieser brauchte gerade einmal sechs Jahre Bauzeit. Heute benötigt allein das Planfeststellungsverfahren für ein solches Vorhaben die doppelte Zeit.
Aber dies gilt auch für das übrige Berlin. Innerhalb von 30 Jahren verdoppelten sich im 19. Jahrhundert die Einwohnerzahlen und was dabei herauskam, steht heute unter Denkmalschutz.
Mensch Autopoietiker du kannst aber schnell Kommentare verfassen. Von Urbanität 1-5 hast du grade mal 3 Minuten gebraucht. Das bringt dich auf die Pool Position.
Was ist nu mit dem Wahlprogramm von Frau Künast??
widersprechen zumindest schon einmal der Intention Ihres Nicknames. Autopoesis beschreibt im allgemeinen das Verhalten von Systemen zur Selbstorganisation. Sie verklären hingegen die Planung und zwar in einem Sinn, der so ziemlich das Gegenteil dessen ist, was Luhmann als den Kern autopoetischer, sozialer Systeme darlegte: dass sich Systeme durch Kommunikation heraus erschaffen, diese aber ergebnisoffen, d.h. nicht zielgerichtet ist.
Ihre Vorstellung von Planung nehmen Sie zum Anlass die Stadt wie ein Kind erziehen zu wollen. Ja, wenn alles erlaubt ist, wo kommen wir denn da hin? Das geht natürlich nicht. Das muss man schon planen etc...
Einmal ganz nüchtern: was derzeit in deutschen Städten abläuft ist doch Stillstand. Kühne Architekturentwürfe wie das Olympiastadion in München, müssen geradezu als Betriebsunfall gelten. Das Scheitern des Vorhabens der Werkbundsiedlung belegt dies recht schön.
Wenn Sie einmal einen Blick auf die Baugeschichte Berlins werfen, dann müssten Sie wissen, dass das, was Sie zu schützen vorgeben, so heute nicht mehr machbar wäre. Berühmtestes Beispiel ein ungebremsten Baufreude ist der Anhalter Bahnhof. Dieser brauchte gerade einmal sechs Jahre Bauzeit. Heute benötigt allein das Planfeststellungsverfahren für ein solches Vorhaben die doppelte Zeit.
Aber dies gilt auch für das übrige Berlin. Innerhalb von 30 Jahren verdoppelten sich im 19. Jahrhundert die Einwohnerzahlen und was dabei herauskam, steht heute unter Denkmalschutz.
Ich denke mit der derzeitigen Rückendeckung durch die deutschen Medien werden die Grünen es auch in Berlin schaffen.
Wie sehr da nachgeholfen wird, belegt eine Studie des Instituts für Publizistik und Kommunikationswissenschaft der Freien Universität Berlin, die aufzeigt, wie links orientiert und grünlastig Politikjournalisten mit großer Mehrheit sind. Und nicht nur das: 32,5 Prozent der befragten Journalisten geben in der Befragung an, mit ihrer Arbeit "die politische Tagesordnung BEEINFLUSSEN und Themen auf die Agenda setzen" zu wollen.
Der von ihnen geschilderte umstand trifft ja nun auf diesen Artikel nicht zu. Dass viele Journalisten und Publizisten links angehaucht sind, liegt vielleicht auch daran, dass sie besonder gut gebildet und informiert sind!? ... just kidding:-)
Aber es mag schon sein, dass es eine gewisse Strömung in Richtung "Grün" gibt. Das ist ja dann auch der Grund, warum hier in der Zeit, meist im Feuilleton, Artikel veröffentlicht werden, die entgegen dieser Strömung wirken wollen. Dies bedeutet natürlich, dass Journalisten nicht mehr primär über das Schreiben, "was der Fall ist", sondern sich eher in einem Geflecht aus Rede- und Gegenrede bewegen, also was man auch mit Selbstreferenz bezeichnen könnte. Das mag den Journalisten durchaus Vergnügen bereiten, können sie ja auch dann ihre polemische Ader ausleben, für den leser sind diese Art der publizistischen Grabenkämpfe mit zunehmender Dauer eher unerquicklich.
Diese Neuigkeiten muessen unbedingt oeffentlich gemacht werden, die Deutsche Presse ist gar nicht unabhaengig und ueberparteilich, da gibt es doch tatsaechlich einige Journalisten und vielleicht sogar ganze Redaktionshaueser, die versteckte oder offene Agendas haben, mit den Sponsoren und Unternehmen die Anzeigen bezahlen, mit gewissen Parteien, mit gewissen Ideen
Das sollte mal unabhaengig untersucht werden in einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss, diese Verflechtung von alten (oder neuen) Maechten in der Politik und Wirtschaft mit der Presse, der "vierten Kraft" im Lande.
Bitte diskutieren Sie das konkrete Artikelthema. Danke. Die Redaktion/lv
die meisten Polit-Journalisten bekennen sich selbst als links bis sehr links und sehen sich nur noch als Helfer und Parteigänger ihrer politischen Lieblinge, d.h. linke Meinungen herrschen vor.
Doch besonders schlimm in den Hauptmedien ARD/ZDF, die mich fatal an die Aktuelle Kamera der DDR erinnern,
zwar gibt es noch Bild, Welt und FAZ, doch können die in einer Fernseh-Demokratie nicht viel ausrichten und haben sich schon weitgehend angepasst,
Sarrazin hat die linke Meinungsdiktatur dann vollkommen offen gelegt
Der von ihnen geschilderte umstand trifft ja nun auf diesen Artikel nicht zu. Dass viele Journalisten und Publizisten links angehaucht sind, liegt vielleicht auch daran, dass sie besonder gut gebildet und informiert sind!? ... just kidding:-)
Aber es mag schon sein, dass es eine gewisse Strömung in Richtung "Grün" gibt. Das ist ja dann auch der Grund, warum hier in der Zeit, meist im Feuilleton, Artikel veröffentlicht werden, die entgegen dieser Strömung wirken wollen. Dies bedeutet natürlich, dass Journalisten nicht mehr primär über das Schreiben, "was der Fall ist", sondern sich eher in einem Geflecht aus Rede- und Gegenrede bewegen, also was man auch mit Selbstreferenz bezeichnen könnte. Das mag den Journalisten durchaus Vergnügen bereiten, können sie ja auch dann ihre polemische Ader ausleben, für den leser sind diese Art der publizistischen Grabenkämpfe mit zunehmender Dauer eher unerquicklich.
Diese Neuigkeiten muessen unbedingt oeffentlich gemacht werden, die Deutsche Presse ist gar nicht unabhaengig und ueberparteilich, da gibt es doch tatsaechlich einige Journalisten und vielleicht sogar ganze Redaktionshaueser, die versteckte oder offene Agendas haben, mit den Sponsoren und Unternehmen die Anzeigen bezahlen, mit gewissen Parteien, mit gewissen Ideen
Das sollte mal unabhaengig untersucht werden in einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss, diese Verflechtung von alten (oder neuen) Maechten in der Politik und Wirtschaft mit der Presse, der "vierten Kraft" im Lande.
Bitte diskutieren Sie das konkrete Artikelthema. Danke. Die Redaktion/lv
die meisten Polit-Journalisten bekennen sich selbst als links bis sehr links und sehen sich nur noch als Helfer und Parteigänger ihrer politischen Lieblinge, d.h. linke Meinungen herrschen vor.
Doch besonders schlimm in den Hauptmedien ARD/ZDF, die mich fatal an die Aktuelle Kamera der DDR erinnern,
zwar gibt es noch Bild, Welt und FAZ, doch können die in einer Fernseh-Demokratie nicht viel ausrichten und haben sich schon weitgehend angepasst,
Sarrazin hat die linke Meinungsdiktatur dann vollkommen offen gelegt
Mensch Autopoietiker du kannst aber schnell Kommentare verfassen. Von Urbanität 1-5 hast du grade mal 3 Minuten gebraucht. Das bringt dich auf die Pool Position.
Was ist nu mit dem Wahlprogramm von Frau Künast??
ne, so schnell bin ich nicht..:-) Ich las den Artikel schon in der Printausgabe, und hab' mir meine Gedanken dazu gemacht. Von daher war es jetzt nur noch copy/paste...
„Pool Position“ ist gut! Wahrscheinlich hätte es die Pole Position sein sollen, aber ein großes Platsch für Autopoietiker finde ich auch nicht schlecht. So kann man heftigstens darüber streiten, ob er mit seinem Kommentar tatsächlich baden ging oder ob seine Elegie wegen des im Pool nass gewordenen Felles so lange ausgefallen ist. Ehrlich gesagt: mir gefällt die Pool Position um Längen besser als die gemeinte Pole…
ne, so schnell bin ich nicht..:-) Ich las den Artikel schon in der Printausgabe, und hab' mir meine Gedanken dazu gemacht. Von daher war es jetzt nur noch copy/paste...
„Pool Position“ ist gut! Wahrscheinlich hätte es die Pole Position sein sollen, aber ein großes Platsch für Autopoietiker finde ich auch nicht schlecht. So kann man heftigstens darüber streiten, ob er mit seinem Kommentar tatsächlich baden ging oder ob seine Elegie wegen des im Pool nass gewordenen Felles so lange ausgefallen ist. Ehrlich gesagt: mir gefällt die Pool Position um Längen besser als die gemeinte Pole…
seitigkeit nicht zustimmen [...], finde ihn aber doch sehr gut geschrieben. Vor allem das Zitat von Peter Gauweiler ist doch wert, ins allgemeine Kulturgut aufgenommen zu werden. Irgendwie stelle ich mir vor, dass dieser Bericht zur Akzeptanz von Schmutz und Lärm am Starnberger See geschrieben wurde, mit viel Grün herum, Aussicht auf das blaue Wasser und leuchtende Berge im Hintergrund. Und im Gartenpark hinter dem Haus zwitschern etc. Biovögel in den Bäumen.
Gekürzt. Bitte bleiben Sie in Ihrer Wortwahl sachlich. Danke. Die Redaktion/ag
Dinosaurier der Stadtentwicklung:
So möchte ich jemanden beschreiben, der wie der Veerfasser des Artikels, Herr Jessen, ganz offensichtlich die neuesten Entwicklungen auf dem Gebiet der Stadtplanung verschlafen hat.
Wie wäre es mit einem Blick über den eurozentrischen Tellerrand hinaus nach Südamerika, wo Bürgermeister in Bogota, Kolumbien und Curitiba, Brasilien schon vor Jahrzehnten gezeigt haben, was moderne UND menschliche
Stadtentwicklung bedeuten.
Jaime Lerner, Architekt und früherer Bürgermeister von Curitiba hat gezeigt, wie man eine Stadt so umbaut, dass sie den Bürgern und nicht der Autoindustrie zugute kommt.
Er hat einen hocheffizienten Busverkehr aufgebaut, eigene Fahspuren für Busse mit speziellen Konstruktionen für zügiges Ein- und Aussteigen.
Sehr viele neue Parks und Grünflächen natürlich auch und vieles mehr.
Anstatt die verfehlte Betonpolitik der 60er Jahre fortzuführen, hat er eine neue urbane Kultur zum Blühen gebracht.
Seinem Beispiel sind Bürgermeister in Bogota gefolgt.
hier finden sie Modelle dafür, was Urbanität im 21. Jahrhundert bedeuten kann, Herr Jessen:
http://www.citiesforpeopl...
Dinosaurier der Stadtentwicklung:
So möchte ich jemanden beschreiben, der wie der Veerfasser des Artikels, Herr Jessen, ganz offensichtlich die neuesten Entwicklungen auf dem Gebiet der Stadtplanung verschlafen hat.
Wie wäre es mit einem Blick über den eurozentrischen Tellerrand hinaus nach Südamerika, wo Bürgermeister in Bogota, Kolumbien und Curitiba, Brasilien schon vor Jahrzehnten gezeigt haben, was moderne UND menschliche
Stadtentwicklung bedeuten.
Jaime Lerner, Architekt und früherer Bürgermeister von Curitiba hat gezeigt, wie man eine Stadt so umbaut, dass sie den Bürgern und nicht der Autoindustrie zugute kommt.
Er hat einen hocheffizienten Busverkehr aufgebaut, eigene Fahspuren für Busse mit speziellen Konstruktionen für zügiges Ein- und Aussteigen.
Sehr viele neue Parks und Grünflächen natürlich auch und vieles mehr.
Anstatt die verfehlte Betonpolitik der 60er Jahre fortzuführen, hat er eine neue urbane Kultur zum Blühen gebracht.
Seinem Beispiel sind Bürgermeister in Bogota gefolgt.
hier finden sie Modelle dafür, was Urbanität im 21. Jahrhundert bedeuten kann, Herr Jessen:
http://www.citiesforpeopl...
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