Noam Chomsky Das Mysterium der Sprache

Charismatisch wie eine Stahlbetondecke: 2.000 Kölner Studenten wollen den Globalisierungskritiker Noam Chomsky hören – auch wenn er zum Thema Spracherwerb doziert.

2.000 Kölner Studenten wollen einen Linguisten sehen. 1.000 in der Aula, 1.000 live zugeschaltet im Hörsaal ein Gebäude weiter. Public Viewing für die Grammatik, wer hätte das gedacht? Bereits eine Stunde bevor Noam Chomsky – in den Achtzigern der meistzitierte Forscher der Welt – den Saal betritt, ist dieser überfüllt. Vereinzelt wird Kölsch gekippt, in der letzten Reihe spielt man das "Quartett der Tyrannen und Diktatoren".

Wollen 2.000 Leute wirklich einen Linguisten sehen? Oder doch eher einen politischen Intellektuellen, der durch seine Kritik an George W. Bush und am globalen Kapitalismus zum Star geworden ist? Chomsky zwingt sie zur Wissenschaft. Er liest eine Stunde heiser nuschelnd und so charismatisch wie eine Stahlbetondecke. Bis ins Fußnotenzitat referiert er den Forschungsstand zum Thema Spracherwerb. Nicht mal die Frage, ob Sprache wirklich existiere, sei geklärt. Köpfe versinken auf Ausklapptischen. Das Stichwort "Universal Grammar" weckt sie wieder und die sanfte Anmaßung, die darin steckt: Es gibt Prinzipien, nach denen alle Sprachen der Welt funktionieren, und ich, Noam Chomsky, kann sie beschreiben.

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Als das ist Chomsky gekommen: als großer Lehrer so vieler Disziplinen, als moderner Universalgelehrter, der genau deshalb die Kölner Albertus-Magnus-Professur 2011 zugesprochen bekam. Am Ende hören die Studenten, dass wir fast nichts über das Mysterium Sprache wissen. Die Sprache – ist sie so perfekt geformt wie eine Schneeflocke? Oder hat sie Fehler? Wie schaffen wir es, aus endlichen Mitteln unendlich viele Äußerungen zu kombinieren?

Chomsky brummelt die Fragen so leidenschaftslos, dass jeder Didaktiker Weinkrämpfe bekäme, doch alle hängen an seinen Lippen. "Jetzt geht raus und forscht" – das war die Botschaft eines Wissenschaftlers, der wie ein Superstar gefeiert wurde. Vielleicht macht das den wahren Intellektuellen aus: Fragen stellen, anstatt Antworten zu geben.

 
Leser-Kommentare
    • chamsi
    • 09.06.2011 um 12:24 Uhr

    schreiben Sie doch bitte wieder über BundesGartenschauen..:)
    Oder befragen Sie wenigstens die anwesenden Studenten, warum
    Chomsky diese fasziniert...
    Das Charisma eines Intellektuellen.....das kommt eben ein wenig
    anders daher....vielleicht einfach in der Brillianz ungewöhnlicher
    Ideen und Gedanken....?

    • mrtz
    • 09.06.2011 um 12:34 Uhr
    2. Naja..

    Die Menschen sind von Chomsky fasziniert weil er schlicht eine Legende ist. Ein Mensch der sich seit dem Vietnamkrieg (nicht erst seit GWB) unaufhörlich für Demokratie, Menschenrechte und Antikapitalismus einsetzt und das auf einem intellektuellen Niveau das seinesgleichen sucht. Er fasziniert nicht durch Pathos oder schlechte Sprüche, das machen die Anderen. Er fesselt weil er (in seinen politischen Vorträgen) Wahrheiten ausspricht die sonst wenige in den Mund zu nehmen wagen.

    • lepkeb
    • 09.06.2011 um 12:44 Uhr

    die Redaktion pietätsloser geht es eigentlich nicht. In Zusammenhang mit einer lebenden Person von public viewing (kleiner Hinweis ist Bezeichnung für die öffentliche Aufbahrung eines Toten) siehe Aufmacher Hauptseite zu sprechen, ist schon mehr als grenzwertig.
    Auch sollte sich die Autorin wirklich mal mit den politischen Schriften auseinandersetzen. Da spielt George W. Bush erst in den letzten Jahren eine Rolle, allein ein Blick auf die Website Chomsky's hätte da genügt.
    Die Faszination so es dann eine ist, kommt daher das der Mann sich die Mühe macht Fakten zu sammeln und zu präsentieren, was einer Vielzahl von Journalisten auch wieder mal gut zu Gesicht stehen würden, aber da kommt halt das Propagandamodel ins Spiel.
    Schade ist nur das kaum ein dt. Intellektueller in der Lage ist, soviel Menschen anzuziehen. Woran dies liegt kann sich jeder selbst überlegen. An der Sprache kann es nicht liegen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • mrtz
    • 09.06.2011 um 12:53 Uhr

    Public Viewing ist hier wohl eher aus dem Bundesliga-Jargon entnommen.

    • minhen
    • 09.06.2011 um 14:34 Uhr

    Pietätlos ist eigentlich nur in Gegenwart eines wichtigen Linguisten falsche Mythen der deutschen Sprachnörgler nachzukauen und weiter zu verbreiten. Falls Sie sich für das Thema interessieren und wissen wollen, wieso "Public Viewing" in der Tat sogar ziemlich wenig mit einer Leichenschau zu tun hat: http://www.wissenslogs.de...

    • mrtz
    • 09.06.2011 um 12:53 Uhr

    Public Viewing ist hier wohl eher aus dem Bundesliga-Jargon entnommen.

    • minhen
    • 09.06.2011 um 14:34 Uhr

    Pietätlos ist eigentlich nur in Gegenwart eines wichtigen Linguisten falsche Mythen der deutschen Sprachnörgler nachzukauen und weiter zu verbreiten. Falls Sie sich für das Thema interessieren und wissen wollen, wieso "Public Viewing" in der Tat sogar ziemlich wenig mit einer Leichenschau zu tun hat: http://www.wissenslogs.de...

  1. Dieser Artikel bestätigt einige Theorien von Noam Chomsky zum Thema Manipulation der öffentlichen Meinung:
    http://www.gulli.com/news...

    Nur als Beispiel:
    1. Strategem nach Chomsky : Kehre die Aufmerksam um
    Kernelement der Manipulation ist die Umkehrung der Aufmerksamkeit auf Nebensächlichkeiten. Dies ist hier der Fall, der Verfasser berichtet hier darüber, dass Chomsky ein Referat über Spracherwerb gehalten hat, was wohl nicht so wichtig ist, wie die Thesen Chomskys zu der Manipulation.

    Wer Lust folge dem obigen Link und wende Chomskys Theorien auf diesen Artikel an. Ich amüsiere mich grade göttlich über die achso objektiv gewichtete Berichterstattung ;-)

    • mrtz
    • 09.06.2011 um 12:53 Uhr

    Public Viewing ist hier wohl eher aus dem Bundesliga-Jargon entnommen.

    Eine Leser-Empfehlung
    Antwort auf "Anmerkung an"
  2. ... politisch und linguistisch bekannt. Und er ist außerdem 82. Da darf man ruhig daherkommen.

    Für eine Bilanz seiner beiden Arbeiteswelten auf DE, siehe:

    http://www.heise.de/tp/ar...

  3. Bei allem Respekt der Autorin gegenüber, aber WAS ist der Informationsgehalt dieses Textes? Chomsky sei ein schlechter Redner? Oder kölner Studenten schauen zu einem Intellektuellem auf, der unangenehme Frage aufwirft, diesmal aber "nur" über Linguistik spricht?

    Die Autorin hat darüber hinaus entweder ihre journalistischen Hausaufgaben nicht gemacht: Noam Chomsky ist bei weitem nicht erst "durch seine Kritik an George W. Bush und am globalen Kapitalismus zum Star geworden".

    Chomsky ist seit den 60er Jahren im politischen Diskurs ein überaus bekanntes Gesicht (man denke nur an seinen Schlagabtausch mit William F. Buckley, bei YOUTUBE kann man die Beiden nocheinmal erleben)und u.a. durch seine Kritk am Vietnamkrieg, wie sie es ausdrücken, ein "Star".

    Vll. ist der Text der Versuch einer Diskreditierung Chomskys (er "brummelt die Fragen so leidenschaftslos, dass jeder Didaktiker Weinkrämpfe bekäme, doch alle hängen an seinen Lippen" "Stahlbetondecke" etc.)und im Zuges dessen seiner politischen Standpunkte (Sozial-, Medien-, Israel- und US-Außen/Wirtschaftskritiker). Man weiss es nicht, gefragt werden sollte aber.

    Einen abfällig-arroganten Artikel über Chomsky gab es allerdings bereits vor ein paar Wochen in der Süddeutschen.

  4. ....auch politisch ein sehr engagierter Mensch, der vehement die Rechte der Unterdrueckten, insbesondere der Palaestinenser, fordert. Ihm wurde vor einigen Monaten, aus Jordanien kommend, obwohl er ja ein Jude ist und jederzeit vom israelischen Rueckkehr-Gesetz gebrauch machen kann, die Einreise nach Israel, mit der absurden Begruendung, er wolle ueber's Thema Palaestina, an der Uni. Bir-Zeit im Westbank, referieren, verweigert. Er ist ein man, der unsern Respekt allemal verdient.

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