Wahlen in der TürkeiKurde, und stolz darauf

Der türkische Oppositionsführer provoziert die eigene Partei. von 

CHP-Chef Kemal Klçdaroğlu

CHP-Chef Kemal Klçdaroğlu  |  © ADEM ALTAN/AFP/Getty Images

Ein Sexvideo hat vor einem Jahr die größte Oppositionspartei der Türkei verändert. Das Filmchen zeigte Deniz Baykal, Führer der Republikanischen Volkspartei CHP, in Umarmung einer Frau, die nicht seine eigene war. Der ertappte Vorsitzende ging, Kemal Klçdaroğlu kam.

Der neue Chef ist ein Saubermann. Die vielen Videos, die nun im Wahlkampf andere Oppositionspolitiker nackt und verwickelt zeigen, können ihm nichts anhaben. Klçdaroğlu, ein Mann aus dem Volke, umarmt statt Mätressen Bergarbeiter, Kurden und arme Familien. Er spielt ein Stück, das in der Türkei lange Zeit nicht aufgeführt wurde: die sozialdemokratische Verheißung.

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Das ist durchaus eine Revolution für eine Partei, die in den vergangenen zwanzig Jahren wenig sozial und kaum demokratisch war. Die gegen jedes Zugeständnis an die Kurden vor das Verfassungsgericht zog. Und die gern beim Militär Zuflucht suchte – aus Angst vor dem gläubigen Volk.

Klçdaroğlu gibt lieber den pragmatischen Säkularisten. Auf Wahlveranstaltungen hängt er sich den Fußballschal um, rattert Zahlen herunter und wirbt beflissen, bis die Stimme aufraut und die Brille beschlägt. Der ehemalige Steuerprüfer und Sozialversicherungsdirektor kann mit der Rhetorik seines populistischen Vorgängers nicht mithalten. Dafür ist Klçdaroğlu von allen Steuerprüfern der charismatischste. Einer, der Geradlinigkeit und Unbestechlichkeit ausstrahlt.

Klçdaroğlu ist Kurde und kommt aus einer neunköpfigen Großfamilie im ostanatolischen Tunceli. Das ist eine Stadt, in der die kemalistische Regierung 1938 blutig einen Aufstand niederschlug. Der neue CHP-Chef steht für vieles, was seiner Partei unter Baykal fremd war. In einer Rede im ultrakurdischen Hakkari nahe der irakischen Grenze im Südosten ließ sich Klçdaroğlu bejubeln. Er wirbt für lokale Selbstverwaltung und kurdischen Sprachunterricht. Alte CHP-Kader erstarren.

Leserkommentare
  1. das die CHP für die Stimme nicht so viel Geld bietet wie die AKP- die haben ihren Geldspeicher besser gefüllt für die Wahl!
    Ist noch ein langer Weg in eine richtige Demokratie! Aber Deutschland will ich hier nicht wirklich als leuchtendes Beispiel anführen !

    • KraL-
    • 10. Juni 2011 21:04 Uhr

    Sie sollten nächstes mal besser recherchieren!

    1. Sein Name ist Kılıçdaroğlu und nicht Klıcdaroğlu
    2. Ist er kein Kurde, sondern ein Alevite

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    • mussec
    • 10. Juni 2011 22:28 Uhr

    Du scheinst allerdings nicht zu wissen, dass der Alevitismus ein Glaube ist.
    Es gibt kurdische und türkische Aleviten.
    Und Kilicdaroglu sieht alle als ein Volk was auch richtig ist.

    • KraL-
    • 10. Juni 2011 21:32 Uhr

    Entfernt. Bitte gehen Sie sachlich auf andere Kommentare ein. Danke, die Redaktion/se.

    • mussec
    • 10. Juni 2011 22:28 Uhr

    Du scheinst allerdings nicht zu wissen, dass der Alevitismus ein Glaube ist.
    Es gibt kurdische und türkische Aleviten.
    Und Kilicdaroglu sieht alle als ein Volk was auch richtig ist.

    Antwort auf "Schlechte Recherche"
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    • KraL-
    • 10. Juni 2011 22:41 Uhr

    Das weiß ich sehr wohl, trotzdem weiß ich das er
    ein türkischer Alevite ist!

    Es heißt übrigens Alevitentum und nicht Alevitismus.

    • mussec
    • 10. Juni 2011 22:35 Uhr

    Also die These kommt immer zum Schluss.
    Aber was wollen sie uns damit sagen, dass ihrer Meinung nach Nationalisten bei der CHP sind?
    Wir leben in einem Land in dem ehemalige Parteimitglieder der NSDAP Bundeskanzler oder Bundespräsident wurden.
    Die AKP hat sich zu keiner Zeit den Armeniern oder den Griechen ernsthaft angenähert. Sie bringen ständig ultranationalistische und rassistische Statements.
    Selbst der Ultranationalistische Parteiführer der MHP hat ihn als Rassisten beschimpft, der Menschen nach ihrer Etnie einteilt... das sollt einem objektiv zu denken geben.
    Die CHP ist auf einem richtigen Weg und von heute auf morgen kann man eine Partei nicht neu aufstellen. Selbst wenn ideologisch geblendete oder undifferenziert agierende Parteimitglieder in der Partei sind kann man eventuell ihre Fähigkeiten nutzen wenn man keine besseren diplomaten hat solange sie so handeln wie die Partei, die auf einem sehr guten Weg ist das vorsieht. Man kann nicht von heute auf morgen hunderte Mitglieder finden die kompetent genug sind.
    Aber wenn sie für eine Autokratie der AKP sind, bitte fahren sie fort mit ihrer Argumentation...
    Zusätzlich ist noch zu erwähnen dass die CHP die letzen 30 Jahre nie in der Regierung saß.
    Außerdem wurde sie von dem Militärputsch dem sie nahe stehen soll verboten. Das Militär hat bewusst den neoliberalislamisten Öcal Ministerpräsident werden lassen.
    Also so falsch ist das Recherche Argument gar nicht.

    • KraL-
    • 10. Juni 2011 22:41 Uhr

    Das weiß ich sehr wohl, trotzdem weiß ich das er
    ein türkischer Alevite ist!

    Es heißt übrigens Alevitentum und nicht Alevitismus.

    Antwort auf "Recherche"
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    • mussec
    • 10. Juni 2011 23:04 Uhr

    Die Terminologie ist mir nicht so wichtig wie das Argument.
    Ich kannte es im deutschen als Alevitismus vielleicht liegt das auch daran, dass ich es meistens im türkischen höre bzw benutze und eventuell irgendwo der Begriff falsch verwendet wurde.
    Oder du hast einfach unrecht das kann auch sein.
    Allerdings glaube ich auch schon gehört zu haben dass Kilicdaroglu Zaza ist. So wie der Großteil der Menschen die aus Tunceli kommen.
    Allerdings bezeichnet er sich selsbt als Türke, weil er nicht an eine Rassentrennung glaubt und was sind überhaupt Türken? Die Türkei ist ein Vielvölkerstaat. Wir stammen alle von irgendwelchen Nomaden oder Heiden ab. Die sich mit vielen verschiedenen Ethnien vermischt haben. So ist die Sprache entstanden so ist die Kultur entstanden, die übrigens kaum was mit der arabischen Kultur zu tun hat. Aber einige Hassprediger haben es sogar geschafft, dass sich die Kultur in einigen Kreisen verändert hat. Das ist alles interessant aber auch eigenartig und ein Zeichen der schleichenden Islamisierung. Die man nicht unterdrücken darf, man muss den Menschen mit Bildung eine alternative vorzeigen. Nämlich den Humanismus, Ethik, Philosophie.

    • mussec
    • 10. Juni 2011 22:44 Uhr

    Diese Angst geht schon immer durch den säkularen Teil der Bevölkerung.
    Und zwar zu Recht.
    Aber wie man dagegen vorgegangen ist, ist einfach schlecht, dumm, verachtend und unnützlich.
    Trotzdem setzen sich türkische gebildete. Menschen denen ich einen höheren Intellekt unterstelle, als Menschen, die in ihrem Leben wissenschaftlich, bildungstechnisch kaum etwas erreicht haben und ihren Alltag nach einer Religion richten und andere Religionen nicht akzeptieren.
    Es gibt kaum irgendwo auf der Welt soviele Milliardäre wie in der Türkei. Kaum soviele Menschen mit einem Vermögen von über 100millionen dollar wie in der Türkei.
    Die Schere klafft so weit auseinander wie fast in keinem anderen Land und das ohne Bodenschätze.
    Das was sich abspielt ist Neoliberalismus und Vetternwirtschaft pur. Menschen die nichts hatten, außer dass sie der AKP nahe stehen sind heute multimillionäre und milliardäre. Und das führt dazu dass das Pro Kopf Einkommen gestiegen ist. Das ist reine matematik. Ich habe das lange Zeit miterleben dürfen. Es war kaum zu ertragen. Wie sehr nach Ideologie Jobs vergeben wurden. Wie wenig Geld den Leuten bleibt. Ein 3 faches Einkommen bringt einem nichts, wenn Benzin 5mal Brot 8mal Reis5mal Fleisch 5mal so teuer ist wie noch zu zeiten als man nur ein drittel von dem verdient hat was man heute verdient.

    • mussec
    • 10. Juni 2011 23:04 Uhr

    Die Terminologie ist mir nicht so wichtig wie das Argument.
    Ich kannte es im deutschen als Alevitismus vielleicht liegt das auch daran, dass ich es meistens im türkischen höre bzw benutze und eventuell irgendwo der Begriff falsch verwendet wurde.
    Oder du hast einfach unrecht das kann auch sein.
    Allerdings glaube ich auch schon gehört zu haben dass Kilicdaroglu Zaza ist. So wie der Großteil der Menschen die aus Tunceli kommen.
    Allerdings bezeichnet er sich selsbt als Türke, weil er nicht an eine Rassentrennung glaubt und was sind überhaupt Türken? Die Türkei ist ein Vielvölkerstaat. Wir stammen alle von irgendwelchen Nomaden oder Heiden ab. Die sich mit vielen verschiedenen Ethnien vermischt haben. So ist die Sprache entstanden so ist die Kultur entstanden, die übrigens kaum was mit der arabischen Kultur zu tun hat. Aber einige Hassprediger haben es sogar geschafft, dass sich die Kultur in einigen Kreisen verändert hat. Das ist alles interessant aber auch eigenartig und ein Zeichen der schleichenden Islamisierung. Die man nicht unterdrücken darf, man muss den Menschen mit Bildung eine alternative vorzeigen. Nämlich den Humanismus, Ethik, Philosophie.

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