Wirtschaftsberater Merkels Neuer

Lars-Hendrik Röller wird der engste Wirtschaftsberater der Kanzlerin. Wofür steht er?

Ivan Lendl, Yannick Noah – wenn man so will, sind diese Tennislegenden schuld, dass Lars-Hendrik Röller von Juli an der engste Wirtschaftsberater von Bundeskanzlerin Angela Merkel ist. In seiner Jugend spielte Röller begeistert Tennis, er brachte es sogar bis zum deutschen Jugendmeister im Doppel. Er hoffte auf mehr, doch auf Nachwuchsturnieren spielte er damals auch gegen echte Könner wie Lendl und Noah – und verlor. »Die waren einfach talentierter«, sagte Röller später. In ihm reifte die Erkenntnis, dass er gut war, aber nicht gut genug. Er hörte auf.

Fortan konzentrierte er sich auf das Studium an der Texas A&M University in den USA, an die ihn 1977 noch die Aussicht auf ein Tennisstipendium gelockt hatte. Es begann eine Karriere, die mit der Berufung durch das Kanzleramt ihren Höhepunkt erreicht. Vorläufig jedenfalls.

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Röller übernimmt ein einflussreiches Amt: Ob Bankenrettung, Hilfen für Opel oder die Regulierung des Weltfinanzsystems, sein Vorgänger Jens Weidmann war nah an der Kanzlerin, während der gesamten Krise. Er erklärte ihr Einzelheiten, entwarf Konzepte – und blieb im Hintergrund. Mit Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen und Bundesbankpräsident Axel Weber bildete er lange das deutsche Expertentrio im Auge des Sturms. Kürzlich dann trat Weber überraschend ab, und Weidmann ging von Berlin nach Frankfurt, um die Bundesbank zu übernehmen. Auf einmal hatte Angela Merkel einen ihrer wichtigsten Posten zu besetzen. Sie wählte Röller.

Sie schätze seine Arbeit seit Jahren, heißt es in Berlin. Ende 2008 saß Röller beim Konjunkturgipfel im Kanzleramt mit am Tisch, ebenso bei Merkels umstrittenem Geburtstagsessen für Josef Ackermann kurz darauf. 2010 wurde Röller Mitglied in der vom Bund berufenen »Nationalen Plattform Elektromobilität«. Angela Merkel, die nüchterne Physikerin, und Lars-Hendrik Röller, der sachliche Ökonom – sie haben einen Draht zueinander gefunden. Künftig wird Röller seiner Chefin die Einzelheiten erklären, Konzepte entwerfen und als »Sherpa« die G-8- und G-20-Gipfel vorbereiten. Es wird ihm helfen, dass er zurückgenommen auftritt und zugleich über das nötige Selbstbewusstsein verfügt, tief die Stimme, stets große Ruhe ausstrahlend.

Es weit zu bringen liegt in Röllers Familie. Sein Vater war lange Vorstandschef, dann Aufsichtsratschef der Dresdner Bank. Sein Bruder leitet das Studio des ZDF in Washington. Lars-Hendrik Röller arbeitete selbst viele Jahre in den USA und in Frankreich, bevor er 1994 nach Europa zurückkehrte. Knapp zehn Jahre später wurde er Chefökonom der EU-Kommission in Brüssel, zuletzt leitete er die ESMT, eine private, von deutschen Konzernen gestützte Hochschule in Berlin.

Ein illustrer Lebenslauf. Doch wie tickt Röller? Wo steht er als Ökonom? Besitzt er Gespür für das Machbare, ohne das es im politischen Berlin nicht geht?

Merkels Neuer bringt viel mit von dem, was sein Job verlangt: Röller arbeitet viel und lange, er ist Ökonom durch und durch, zugleich aber pragmatisch, international bestens vernetzt und wie nur wenige ein Kenner der europäischen Wirtschaftspolitik.

Es war eine Vorlesung im Jahr 1980, die für den jungen Röller zum entscheidenden Erlebnis geriet und ihn zur Ökonomie brachte. Er studierte Informatik, als er eines Tages Larry Klein hörte. Klein sollte kurze Zeit später den Nobelpreis für Ökonomie erhalten und galt bereits als einer der Pioniere der Ökonometrie, jener Disziplin, die mit Computermodellen und Datenreihen versucht, die ökonomische Theorie mit der Praxis zu verbinden. Sich mit konkreten Problemen wie der Deregulierung der Telekommunikation zu befassen – das faszinierte Röller. Der Wille, sich dem Test durch die Wirklichkeit zu stellen, zieht sich durch seine Karriere.

Leser-Kommentare
  1. Wenn man diesen Artikel liest, mag man zuerst denken, dass Arne und Lars-Hendrik früher mal die Studenten-Butze geteilt haben müssen.

    Aber es scheint diese Neuers tatsächlich zu geben: Denn wer sonst könnte die unendlichen Weiten hohler Politik mit der Substanz füllen, die uns gerade noch so am Leben erhält.

    Viel Erfolg, Herr Neuer!

  2. Für mich klingt dieses allzu sehnsüchtig nach einem Retter lechzend angehauchte Portrait nach einem treuen US-Vasallen, der vermutlich zurecht die Öffentlichkeit - und die Rechtfertigung seiner Entscheidungen - scheut und Machbarkeit vor Demokratie stellt. Damit scheint er sich einzureihen in die Riege derzeitiger Manager, welche die Demokratie zwar gern als Denkmantel für die Wahrung ihrer Privilegien und Reichtümer benutzen, bei der Entscheidungsfindung jedoch nichts davon wissen wollen. Wer auf den Zuspruch von Cromme, Diekmann und Kleinfeld bauen kann, hat diesen gegenüber eine Bringschuld, die ganz gewiss nicht zum Vorteil der Menschen in diesem Land ist. Diese Drei und ihre Unternehmen stehen Lobbyarbeit zum Schaden der Menschen - ob Rüstungsexporte, Atomkraftwerke oder Rentenkürzungen und Renditegier.
    Wer das wirtschaftliche who-is-who in diesem Artikel liest, dem schwand, das uns mit Röller Intransparenz, Lobbypolitik, Neoliberalismus und Sozialabbau erwarten.
    Was der Artikel trotz reißerischer Überschrift jedoch nicht benennt, für welche Inhalte und Werte Röller wirklich steht.
    Es fragt sich nur, ob das wirklich Arne Storn anzulasten ist oder der von Merkel vorexerzierten Beliebigkeit, deren einzige Ziele Klientelpolitik und Machterhalt sind.

    • dyon75
    • 08.06.2011 um 23:10 Uhr

    wenigstens keiner aus dem deutschen lehrstuhlgekluengel. wenigstens muss die alte garde um sinn und weber sich mal mit einem besser ausgebildeten berater auseinandersetzen. ob ein mikrooekonom nun immer die richtigen antworten auf die derzeit zentralen makro-fragen findet, das wird spannend zu sehen sein. aber dafuer kann er ja auch burda anrufen...

    • rsokol
    • 08.06.2011 um 23:23 Uhr

    Die Ausführungen zur vita Röllers sind ja nett zu lesen, aber doch eigentlich substanzlos. Dass Herr Röller in Texas studiert hat, lässt nichts Gutes ahnen. In den USA tobt ein ideologischer Kampf zwischen Ablegern von Keynes wie Krugman und der österreichischen Schule, heute repräsentiert von Adepten und Zöglingen Milton Freedmans, die das ressourcenreiche Land in drei Jahrzehnten in den Ruin gefahren haben. Auch Technokraten und Empiriker, die sich auf statistische Modelle stützen, werden von ideologischen Ansätzen geleitet. Ökonomie, egal wie fundiert man sie mit Daten und Zahlenakrobatik füttert, ist eben so gesehen keine harte Wissenschaft und wird es nie sein. Wäre doch gut zu wissen, wohin der neue Experte die Deutsche Wirtschaftpolitik zu lenken gedenkt, dafür aber müsste man vielleicht die Vorträge und Schriften lesen, die Herr Röller verfasst hat, solche Informationen finden sich nicht in den minutiae zur Tennisgeschichte.

  3. "Es weit zu bringen liegt in Röllers Familie. Sein Vater war lange Vorstandschef, dann Aufsichtsratschef der Dresdner Bank. Sein Bruder leitet das Studio des ZDF in Washington. Lars-Hendrik Röller arbeitete selbst viele Jahre in den USA und in Frankreich, bevor er 1994 nach Europa zurückkehrte. Knapp zehn Jahre später wurde er Chefökonom der EU-Kommission in Brüssel, zuletzt leitete er die ESMT, eine private, von deutschen Konzernen gestützte Hochschule in Berlin.

    Ein illustrer Lebenslauf. Doch wie tickt Röller? Wo steht er als Ökonom? Besitzt er Gespür für das Machbare, ohne das es im politischen Berlin nicht geht?"

    Er besitzt offenbar Gespür für Macht.
    Also welchen Herren er dienen muss um es nach ganz weit oben zu bringen.
    Ansonsten ist das wenige was der Text an Informationen hergibt doch schon aussagenkräftig genug:
    Röller ist Teil des Problems, nicht der Lösung!

  4. die ihre Überlegungen mit Daten füttert um ein Ergebnis zu prognostizieren, ist reine Spielsucht.

    Der Auswertung der Daten wird ein Programm unterlegt, dass das "gewünschte" Ergebnis ideologisiert hervorbringt.

    Da war das Orakel von Delphi weitaus erfolgreicher. Was man heute an GR ja sieht.

    Bis zum heutigen Zeitpunkt hat noch kein Ökonom die Wirklichkeit vorhersagen können.

    Also lieber Verfasser des Artikels: Wofür steht Herr Röller denn, welche Ideologie beherrscht sein Informatikkonzept und Programm? Das ist doch eine Aussage wert, und die vermisse ich von Ihnen.

    Oder sollte man A. Merkel raten, wieder zum uralten Befragen der Alt-Germanen im Knochenwerfen zurückzukehren?
    Die hatten wenigstens eine Zielgenauigkeit von 50%. Ökonomie ist keine Naturwissenschaft sonder nur Spiel ähnlich wie Monopoly. Wobei hier der Zufallsgenerator von eins bis sechs liegt. Also hat sich Frau Merkel wieder ein fast unnütz erscheinendes Berate-Spiel zugelegt.
    Zu Lasten des Steuerzahlers, nicht wegen des exorbitanten Gehaltes.

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  5. und ihm einen gewissen Respekt vor dem Wort "Steuergeld" sowie viel Erfolg wünschen.

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  6. Aber ich glaube, dass es in Deutschland die Menschen nicht interessiert, wann und gegen wen dieser Newcomer der Kanzlerin im Tennis sein Match vergeigt hat.

    Wichtig wäre, was er im Stande ist, für das Volk und nicht für die oberen Zehntausend, wirklich zu leisten.

    Wer sich nicht für das Volk einzubringen vermag, der kann noch so viele Empfehlungen mitbringen - abgestraft wird am Ende der Legislaturperiode!

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