Autoindustrie Wer so eine Mutter hat ...

Opel fühlt sich von General Motors düpiert.

Detroit und Rüsselsheim sind in diesen Tagen zwei Welten. Im Hauptquartier von General Motors (GM) spricht man gerne von der »Wiedergeburt« und von » New General Motors«. Gerade mal zwei Jahre ist es her, dass GM Insolvenz anmeldete, jetzt schreibt man wieder Milliardengewinne. In Wachstumsmärkten wie China oder Brasilien hat das Unternehmen noch nie so viele Autos verkauft. Angesichts der Schwäche von Toyota hofft man, in diesem Jahr wieder zum Stückzahlkrösus der Branche zu werden.

Ganz anders sieht die Welt aus Rüsselsheimer Perspektive aus. Die Gnade einer vom Staat großzügig gesponserten Insolvenz, die der US-Mutter die (Schulden-)Lasten der Vergangenheit abnahm, war Opel nicht vergönnt. Erst kürzlich hat die Tochter von GM nach mühseligem Gezerre den Personalabbau im Werk Bochum geregelt, den letzten Akt des europaweiten Personalabbaus. Der Boom in Ländern wie China geht an Opel vorbei, weil GM dort lieber auf die US-Marken Chevrolet und Buick setzt. Als Erfolgsmeldung gilt es in Rüsselsheim schon, dass man beim reinen Autogeschäft die »schwarze Null« erreicht habe. Drei wichtige neue Opel/Vauxhall-Modelle kommen noch in diesem Jahr auf den Markt. Da täte Rückenwind aus Detroit gut.

Anzeige

Anstelle von Zuspruch dringen allerdings Gerüchte aus Amerika herüber, denen zufolge GM den Verkauf von Opel erwägt. War diese Option nicht schon vor zwei Jahren exzessiv durchgespielt worden, bis Detroit die europäische Tochter doch überraschend für unverzichtbar erklärte?

Das Verhalten der neuen Manager in der Detroiter Zentrale gleicht verstörend dem der alten GM-Truppe: Insider plaudern, Botschaften werden über die US-Medien gespielt, es geht nicht um Strategien, sondern um unternehmenspolitische Winkelzüge. Statt die Gerüchte um Opel im Keim zu ersticken, wurden sie von Konzernchef Dan Akerson und seinen Vorstandskollegen mit ihren lauen Dementi (»pure Spekulation«) noch geschürt. »Unternehmensnahe Kreise« sprachen mit der Nachrichtenagentur Reuters über die angeblichen Verkaufsabsichten, »informierte Quellen« steckten sie dem Wall Street Journal . Akerson habe Opel »satt«, sei frustriert über die zu langsam vorangehende Sanierung, ließ einer der angeblichen GM-Insider wissen. Doch alle Angaben blieben seltsam vage. Neueste Spekulationen lassen vermuten, dass der Pekinger Autobauer Baic ein Angebot für Opel vorgelegt hat. Baic hatte in Sachen Opel schon 2009 in Detroit angeklopft – damals vergeblich.

»Ein Opel-Verkauf würde mich sehr überraschen«, sagt David Cole, Gründer des Instituts Center for Automotive Research in Ann Arbor unweit von Detroit. »Opel ist nach wie vor strategisch wichtig für General Motors.« Vor zwei Jahren hatte GM in letzter Minute die Verkaufsverhandlungen mit einem kanadisch-russischen Konsortium um den Zulieferer Magna abgebrochen – vor allem, so hieß es, weil die Opel-Technik für GM im globalen Wettbewerb so wichtig sei. »Daran hat sich aus meiner Sicht nichts geändert«, sagt Cole.

Zudem würde GM mit einem Abschied von Opel auch den weitgehenden Ausstieg aus Europa in Kauf nehmen. Das passt schlecht mit dem Ziel der Detroiter zusammen, wieder weltweit die Nummer eins unter den Autoherstellern zu werden. Der gescheiterte Opel-Deal von 2009 hat Akersons Vorgänger, Fritz Henderson, den Job gekostet. »Eine Kehrtwende des Managements so kurze Zeit später würde den Verwaltungsrat bloßstellen«, urteilt ein Insider.

Daniel Howes, ein langjähriger GM-Beobachter und Kolumnist bei den Detroit News, hält Akersons Andeutungen für einen Warnschuss an die Rüsselsheimer. »GM hat die Wende geschafft, Opel hinkt hinterher – Akerson ist ungeduldig.«

Leser-Kommentare
  1. Wenn die Leute die Produkte einer Firma nicht kaufen wollen, geht sie ein, denn von nichts kommt nichts. Wenn die Deutschen Opel retten wollen, brauchen sie bloß mehr Opels zu kaufen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    aber wer will das schon?
    Die ewige Mitleidstour der Opelaner geht einem gehörig auf den Nerv.

    aber wer will das schon?
    Die ewige Mitleidstour der Opelaner geht einem gehörig auf den Nerv.

  2. aber wer will das schon?
    Die ewige Mitleidstour der Opelaner geht einem gehörig auf den Nerv.

    Eine Leser-Empfehlung
  3. also ich sehe das eher positiv für opel.

    die bauen zweifelsfrei gute, solide und (meistens) auch vernünftige autos. nur mit dem image, da hapert's schon seit langem. ausnahmen waren da der Opel GT und im gewissen rahmen auch der manta => die hatten und haben kult-status!

    für das klima und für china kann es doch nur von vorteil sein, wenn man auf diese bewährte technik aus good old germany zurückgreift. ich traue den chinesen auch zu, dass sie einen teil der gewinne durch den absatz von opel in china in deutschland reinvestieren, um dann hier die technologie weiter zu entwickeln. und...

    ...vielleicht sind ja auch die chinesen eher geneigt, das "beste auto, das wir je gebaut haben (O-Ton opel zum insignia)" in china erfolgreich zu platzieren. in deutschland klappt das ja eher nicht so gut.

    mal ehrlich: im benchmark mit Audi, BMW und Mercedes .. da kann der insignia doch nicht wirklich gewinnen?!?!

  4. GM soll Opel verkaufen, die machen eh nix gscheids draus

  5. "GM hat die Wende geschafft, Opel hinkt hinterher – Akerson ist ungeduldig" - Kunsttueck - auf Kosten der Glaeubiger und Anleger. Und jetzt macht der Konzern schon wieder Millardengewinne. Ein Gesetz dass solche Firmen verpflichten wuerde jetzt erst mal die Glaeubiger der letzten Konkursrunde zu bedienen waere hier aber laengst angebracht. Es kann ja wohl nicht sein dass man sich einfach seiner Schulden entledigt um dann den Markt neu aufzurollt - zu Ungunsten der Konkurrenz, versteht sich ... Mir kommt im Leben kein GM oder Chrysler ins Haus, und auch kein Opel, solange GM die Finger im Spiel hat.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service