Welternährung "Sie haben keine Lobby"
Warum leben weltweit Millionen Bauern in Armut? Ein Gespräch mit dem Diplomaten und Handelskritiker Jean Feyder.
© Noah Seelam/AFP/Getty Images

Ein indischer Bauer pflanzt in den Außenbezirken von Hyderabad Reis.
DIE ZEIT: Wenn Sie die Bilder von der italienischen Insel Lampedusa vor Augen haben, gekenterte Boote, ertrunkene Flüchtlinge, was geht da in Ihnen vor?
Jean Feyder: Natürlich erschüttern mich die Schicksale der Menschen, die alles riskiert haben, um zu uns zu kommen, und dabei ihr Leben verlieren. Aber ich frage mich auch: Warum sehen diese Menschen in Afrika keine Zukunft mehr, und wer ist für diese Hoffnungslosigkeit verantwortlich?
ZEIT: Mit dieser Frage sind wir mitten in der These Ihres Buches Mordshunger: Die Millionen von Hungertoten, Jahr für Jahr, seien Opfer der westlich dominierten Weltwirtschaft. Das Ungeheuerliche daran ist die Kausalität: Die Ärmsten hungern, weil wir von ihrem Elend profitieren.
vertritt Luxemburg bei der Welthandelsorganisation
Feyder: Als ich anfing, das Buch zu schreiben, trieb mich die Frage um: Wer sind eigentlich die Armen, wer sind die Menschen, die verhungern? Die Antwort lautet: Es sind vor allem Leute, die auf dem Land leben. Aber warum? Ein Bauer produziert doch Nahrung? Was läuft da schief?
ZEIT: Sagen Sie es uns.
Feyder: Ich nenne Ihnen eine Zahl: Im Jahr 1980 wurden weltweit 20 Prozent der Entwicklungshilfe für die Entwicklung der Landwirtschaft ausgegeben, im Jahr 2007 waren es noch knapp fünf Prozent. Die Ärmsten der Armen mussten in den letzten zwanzig Jahren zusehen, wie sie immer weniger Gelder erhalten haben – obwohl ihre Probleme immer größer wurden, zum Beispiel wegen der steigenden Energie- und Düngerpreise und wegen des Klimawandels. Normalerweise müsste schon lange ein Sturm der Entrüstung losgebrochen sein.
ZEIT: Im Frühjahr 2008 zumindest gab es von Haiti bis Ägypten Hungerrevolten, auch ein Teil der Proteste in Nordafrika wird auf diese Ursache zurückgeführt.
Feyder: Aber sonst sind die Menschen auf dem Land stumm, sie haben in ihren Ländern keine Lobby. Die Städter machen die Politik und verteilen die Gelder. Zum Bauern schaut niemand auf, seine Arbeit wird im Grunde verachtet.
ZEIT: Sie schreiben in Ihrem Buch, dass die Landwirtschaft aus marktideologischen Gründen nicht mehr unterstützt wurde.
Feyder: Jedenfalls über viele Jahre, nach dem sogenannten Washington-Konsens von 1990, als Weltbank und Internationaler Währungsfonds beschlossen, dass nur die Länder weitere Kredite bekommen, die ihre Hausaufgaben machen. Und Hausaufgaben bedeutete: Rückzug des Staates aus allen wirtschaftlichen Angelegenheiten. Schluss mit den Zöllen, Schluss mit jeder Fördermaßnahme, Öffnung des Marktes für Erzeugnisse aus Gunstländern wie den USA und Europa.
ZEIT: Und die einheimischen Bauern mussten aufgeben.
Feyder: So ist es. Mit dieser Logik wurden viele Entwicklungsländer in kürzester Zeit zugrunde gerichtet. Ich nenne gerne das Beispiel Haiti. Vor dreißig Jahren versorgten die eigenen Bauern das Land zu hundert Prozent mit Reis. Im Jahr 2008 waren es noch 20 Prozent, der Rest wird importiert. Viele Bauern sind pleitegegangen, weil sie mit den Produkten aus dem Ausland nicht konkurrieren konnten. Haiti importiert heute in gewaltigem Ausmaß Reis von amerikanischen Bauern. Eine andere Zahl: Die ärmsten Länder der Welt hatten in den achtziger Jahren noch einen Überschuss aus Lebensmittelexporten von einer Milliarde Dollar. Im Jahr 2008 war daraus ein Defizit von 25 Milliarden Dollar geworden.
ZEIT: Jean-Claude Juncker nennt diese Politik im Vorwort Ihres Buches kriminell. Teilen Sie diese Ansicht?
Feyder: Wenn jeden Tag 25.000 Menschen, hauptsächlich Kinder, an Hunger und Unterernährung sterben, ist das schockierend, ungerecht, skandalös. Ich will nicht ausschließen, dass einige Leute wirklich geglaubt haben, ein solch freier Markt sei letztlich auch gut für die armen Länder. Doch inzwischen muss jeder sehen, was damit angerichtet wurde. Bill Clinton, heute Sonderbeauftragter für Haiti bei den Vereinten Nationen, hat das inzwischen öffentlich eingeräumt. Er sagte, diese Politik habe nur den Getreideproduzenten in Arkansas genutzt. Diese Politik, die er als Präsident der Vereinigten Staaten unterstützt habe, sei ein schwerer Fehler gewesen.
- Datum 20.06.2011 - 19:34 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Ja, Herr Feyder bringt es auf den Punkt, warum diese Welt in einigen Regionen immer mehr verludert. Warum trotz vielen Geldes die krasseste Armut & Hunger nicht bekämpft werden können. Die heutige "Weltwirtschaftsordnung" ist nicht "in Ordnung": Zölle müssen sein, damit sich Länder gegegen bestimmte ausländischen Waren schützen können.
Ich habe das sowohl in Afrika, als auch in Asien erleben müssen: Bauern, die massenweise aufgeben müssen und verarmen, weil die Industrieländer mit hochsubventionierten Lebensmittel die Märkte überschwemmen. Wir bezahlen dafür mit unseren Steuern (EU-Agrarsubventionen, EU-Exportsubventionen) und die Armen dieser Welt mit Hunger und Vernichtung ihrer Lebensgrundlagen.
Freihandel und Entwicklungshilfe zerstören mehr die Entwicklungsländer, als sie helfen .....
mexico,hier ist es ebenso,kleinbauern gibt es kaum noch, da die produkte im walmart billiger sind, in diesem kaufem die
leute subvencionierte produkte.
mexico,das land des maises importiert schon lange von seinem nordnachbarn, etwa 26 millonen junge mexleute haben keine ausbildung und auch keinen job.
ein cafebauer bekommt vonn 100pesos fuer ein kilo cafe 1 nen
peso, der rest geht in die taschen der kauefer und wiederverkauefer.
hier, in mexico werden auch die camposinos nicht geachtet sondern verachtet.
ich lebe in puebla,auch VW ist hier, fuer die publanos ist vor allem wichtig das die lebensmittel billig sind, gut muessen sie nicht sein, nur billig ist wichtig damit man/frau sich ein grosses auto leisten kann, trostlos- aber hier die realitaet. oeko,das mag ja in deutschland wichtig sein, aber- hier ist das dicke AUTO wichtig.
hansito
//mexico,hier ist es ebenso,kleinbauern gibt es kaum noch, da die produkte im walmart billiger sind, in diesem kaufem die
leute subvencionierte produkte.//
Dann ist aber nicht der liberale Freihandel Schuld, sondern Markteingriffe durch den Staat in Form von Subventionen. Aber zu schreiben "Staatliche Wirtschaftspolitik ist Schuld" verkauft sich bei den Konsumenten platter linker Weisheiten weniger gut als "Der pöhse Freihandel ist Schuld".
//mexico,hier ist es ebenso,kleinbauern gibt es kaum noch, da die produkte im walmart billiger sind, in diesem kaufem die
leute subvencionierte produkte.//
Dann ist aber nicht der liberale Freihandel Schuld, sondern Markteingriffe durch den Staat in Form von Subventionen. Aber zu schreiben "Staatliche Wirtschaftspolitik ist Schuld" verkauft sich bei den Konsumenten platter linker Weisheiten weniger gut als "Der pöhse Freihandel ist Schuld".
Das Grundübel dieser unserer Zeit ist die politische Unterstützung der Konzerne statt jener der Menschen. Gewinne stehen vor sopzialen Belangen, Produktionsmaximierung auch mit Mitteln, die gesundheitsschädlich sind wird honoriert, die Beschäftigung von Menschen wird zum Hindernis für den Profit. Aber das hat schon Jean Ziegler vor vielen jahren geschrieben - und nichts ist geschehen, kein Politiker setzt der Macht der Konzerne etwas entgegen.
//mexico,hier ist es ebenso,kleinbauern gibt es kaum noch, da die produkte im walmart billiger sind, in diesem kaufem die
leute subvencionierte produkte.//
Dann ist aber nicht der liberale Freihandel Schuld, sondern Markteingriffe durch den Staat in Form von Subventionen. Aber zu schreiben "Staatliche Wirtschaftspolitik ist Schuld" verkauft sich bei den Konsumenten platter linker Weisheiten weniger gut als "Der pöhse Freihandel ist Schuld".
nun ist es sicher schwierig für die mexikanischen Bauern, ihre Produkte ohne Subventionen so billig anzubieten, wie die US - amerikanischen Farmer.
Subventionen werden überigens durch Staaten bschlossen. Also handelt es sich hier um einen US - amerikanischen staatlichen Eingriff in die Wirtschaft. Irgendwie klingt das zwar nach Marx, ist aber nicht "links", sondern Realität...
Danke
WolframW
nun ist es sicher schwierig für die mexikanischen Bauern, ihre Produkte ohne Subventionen so billig anzubieten, wie die US - amerikanischen Farmer.
Subventionen werden überigens durch Staaten bschlossen. Also handelt es sich hier um einen US - amerikanischen staatlichen Eingriff in die Wirtschaft. Irgendwie klingt das zwar nach Marx, ist aber nicht "links", sondern Realität...
Danke
WolframW
Sehr interessant und hilfreich.
Schade, dass es noch mindestens 100 Jahr dauern wird, bevor diese merkwürdigen liberalen Vorstellungen von Deregulierung des Marktes verschwinden werden. Bis dahin werden noch viele Menschen an Hunger sterben.
Danke auch für die sehr aufschlussreiche Information zu China. Das bestärkt mich in meiner Meinung, dass China einen guten Weg geht.
Mit Brecht gesprochen: "Erst kommt das Fressen, dann die Moral"
Und unsere Kapitalsystems hat noch nicht ´mal jetzt Moral, trotz des vielen "Fressens".
Danke
WolframW
nun ist es sicher schwierig für die mexikanischen Bauern, ihre Produkte ohne Subventionen so billig anzubieten, wie die US - amerikanischen Farmer.
Subventionen werden überigens durch Staaten bschlossen. Also handelt es sich hier um einen US - amerikanischen staatlichen Eingriff in die Wirtschaft. Irgendwie klingt das zwar nach Marx, ist aber nicht "links", sondern Realität...
Danke
WolframW
Meine Rede: staatliche Eingriffe sind zu verurteilen, nicht der Freihandel. Aber die Konsumenten linker Platitüden leser lieber "der pöhse Freihandel" als "der pöhse staatliche Eingriff", sind die meisten Konsumenten dieser linken Platitüden doch selbst große Befürworter starker staatlicher Eingriffe in die Wirtschaft. Die staatlichen Subventionen führen zu einer Verarmung des US-Steuerzahlers und des Reisbauern, ein volkswirtschaftlicher Verlust zugunsten von Partikularinteressen. In Deutschland ist die EEG ein Verbrechen ähnlicher Dimension.
und zwingt den armen Agrarindustrien und Massentierindustrien Subventionen und im Falle der Ehec-Krise oder auch der Bankenkrise oder der Autokrise (Abwrackprämie) Entschädigungen und Unterstützung auf, obwohl die nie, nie so was Schädliches und pfui bäh, staatlicher Eingriff!, fordern würden.
Und nie, nie würden diese Industrien ihre jeweiligen Regierungen und globalen Institutionen auf die schreckliche Benachteiligung ihrer Produkte durch Einfuhrzölle von Entwicklungsländern aufmerksam machen und sie entsprechend in Marsch setzen!
und zwingt den armen Agrarindustrien und Massentierindustrien Subventionen und im Falle der Ehec-Krise oder auch der Bankenkrise oder der Autokrise (Abwrackprämie) Entschädigungen und Unterstützung auf, obwohl die nie, nie so was Schädliches und pfui bäh, staatlicher Eingriff!, fordern würden.
Und nie, nie würden diese Industrien ihre jeweiligen Regierungen und globalen Institutionen auf die schreckliche Benachteiligung ihrer Produkte durch Einfuhrzölle von Entwicklungsländern aufmerksam machen und sie entsprechend in Marsch setzen!
Wenn Kleinbauern gegen eine subvetionierte Agrarindustrie antreten müssen, dann sind dass doch auch nur Zölle, die ins Gegenteil verkehrt werden.
Beim Zoll erhöhe ich den Preis, indem ich die Güter mit Kosten belege und erhöhe so künstlich den Preis. Bei der Subvention reduziere ich den Preis, indem ich das Produkt künstlich verbillige. Subventionen sind also ins (mathematisch) positive gewendete Zölle, oder anders: Zölle sind nichs weiter als negative Subventionen.
Und selbst wenn die Märkte wirklich "frei" wären, die Regierungen also gar keinen Einfluss auf die Preise nehmen würden: Kleinbauern gegen hoch technisierte Landwirtschaftindustrien antreten zu lassen ist in etwa so, als würde man Gymnasiasten und Sonderschüler die gleiche Matheklausur schreiben lassen.
Das kann nicht funktionieren. Und dann fangen die Menschen in ihrem Elend an, den Wald in ihrer Umgebung abzuholzen. Die Quittung bekommen wir alle. Diese Welt lässt sich nicht zerteilen, wir leben alle darauf.
Hoffentlich bricht unserer Wirtschaftsystem bald zusammen. Es ist ein System das auf Ausbeutung basiert und daher nicht ewig existieren kann. Letztlich geht es gar nicht mal um Moral, sondern um unser aller Wohlergehen.
Es hat in den letzten Jahren keinen einzigen, ernstzunehmenden wissenschaftlichen Bericht zur Situation der Ökosysteme gegeben, der diesem Szenario wiedersprechen würde: Alle lebenden Systeme befinden sich auf dem Rückzug.
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