Als sei die Deutsche Bahn nicht auch fürsorglich. Verspätungen, defekte Klimaanlagen, schüttere Achsen, Schaffner, die Schüler ohne gültige Monatskarte auf freiem Feld aussetzen – schlimm. Aber nun macht sich die Bahn Gedanken über die Älteren unter uns, die vor Fahrkartenautomaten in Wut geraten, weil der Computer sie nicht »Schritt für Schritt zur Fahrkarte«, sondern in die Komplettverwirrung geleitet. Deshalb bietet sie seit Anfang Juni im DB Museum in Nürnberg eine Schulung zur Bedienung von Fahrkartenautomaten an, die sich besonders an ältere Kunden richtet. Es geht laut Faltblatt um »die Überwindung von Berührungsängsten« mit einer Maschine, die mancher nicht berühren, sondern treten möchte. Am Ende sei jeder Kursteilnehmer in der Lage, »zuverlässig und rasch jede beliebige Fahrkarte am Automaten zu kaufen«.

Der Schulungsraum im zweiten Stock sieht nach dem aus, was er ist: Durchgang, Fahrstuhllandeplatz, Treppenhaus, hoch und hallend. 20 ältere Herrschaften sitzen ganz hinten vor einem Fahrkartenautomaten mit Bildschirm. Reserviertes Schweigen, Brillenbügel in Mundwinkeln. Einige klappen mit der Hand ein Ohr nach vorn. Was sagt er? Roger Werz, Fachtrainer der Deutschen Bahn, ein fixer Münchner mit Brille und Kurzhaarschnitt, sagt, dass wir alle aufstehen und dem »Echtbetriebsautomaten« näher treten sollen. Es handele sich dabei ja nicht um ein feindliches Objekt, sondern um »unseren Freund«. Der birgt, wie man hört, ein halbes Reisezentrum, er ist ein Fast-alles-Könner mit kundenfreundlicher Bedienungsoberfläche, nach logischen Kriterien aufgebaut, mehrsprachig und weitgehend vandalismusresistent. »Man muss aber a bissel Geduld haben« mit dem Kollegen, denn der »schüttelt das auch net aus dem Ärmel«, sagt Roger Werz. Deshalb solle der Kunde, der sich irregeleitet fühle, seinen Unwillen bitte schön zügeln, genau lesen, was auf dem Bildschirm erscheine, und darauf achten, die Mitte der Bedienfelder zu treffen.

Herr Werz zeigt, wie es geht, tippt auf die Maske oben rechts: Gesamtes Angebot. Was muss der Kunde eingeben? Start und Ziel, Reisetag und -stunde, Bahncard 50, 25, Kinder dabei? »Das muss unser Freund hier alles wissen.« TagesTicket Plus, Reservierung, »alles kein Problem, wenn man weiß, wie er tickt«. Geldkarte, Kreditkarte, Bargeld? »Der Schein darf nicht verknuddelt sein« und muss in den Schlitz »bündig eingeführt« werden, denn »es sind ja hochsensible Leser im Automaten«, sagt Roger Werz.

»Was heißt Hilfe?«, fragt ein Herr in hellblauer Windjacke und deutet auf das linke untere Bedienfeld. Aber das kriegen wir heute nicht. Hilfe steht in Gestalt von Roger Werz bereit, der flink und beredt durch die Menüs führt. Fragen? Ja, bitte, die Dame in Blau. Eine Fahrplanauskunft. Wohin? Von Nürnberg nach Koblenz! Maske links unten. Herr Werz tippt ein K; der Bildschirm zeigt Städte mit K. Dann ein O. Herr Werz weiß, was jetzt im Innern des Automaten tickt: »Koblenz? – Kenn i, sagt er sich«, ergänzt mit seinem Computergehirn den Namen, und zappzerapp sind wir schon beim Ausdrucken aller möglichen Verbindungen, zuerst der »preissensiblen« im Sparangebot, dann der regulären.