Kapitalanlage Hitparade und Herdentrieb
Anleger schwören beim Fondskauf auf Ranglisten – und missverstehen sie gern als Kaufempfehlung.
Mit der Geldanlage verhält es sich so ähnlich wie mit einem sportlichen Wettkampf: Erst wenn die Partie gelaufen ist, stehen Gewinner und Verlierer fest. Und es gibt keine Garantie, dass der Gewinner vom letzten Mal erneut eine Medaille bekommt. Dieselbe Unsicherheit gilt für Fonds-Ranglisten. Zwar soll es Anleger geben, die sich solche Hitlisten einfach nur anschauen, um wie bei der Ziehung der Lottozahlen herauszufinden, ob sie gewonnen haben oder nicht.
Doch die meisten wollen einfach glauben, dass ihr Geld am besten bei jenen Fonds aufgehoben ist, die an der Spitze der Hitparade stehen. »Privatanleger wünschen sich Orientierung. Wer könnte schon die mehr als 6.600 in Deutschland zugelassenen Publikumsfonds selbst objektiv bewerten«, fragt Detlef Glow, Leiter der Fondsanalyse für Europa, den Mittleren Osten und Afrika bei Lipper/Thomson Reuters.
Und so sind Fonds-Rankings seit Jahren beliebte Entscheidungshilfen, die Anleger gern als Kaufempfehlung missverstehen. Denn die Top-Fonds von heute sind die Flops von morgen. Gerade wenn sie von angesehenen Rating-Agenturen für ihre bis dahin exzellente Leistung gekürt worden sind. Das haben verschiedene wissenschaftliche Studien gezeigt. Matthew R. Morey von der New Yorker Pace-Universität formuliert es am radikalsten. Für ihn sind die fünf Sterne, die Spitzenauszeichnung der renommierten Rating-Agentur Morningstar, auf Dreijahressicht gesehen, der »Kiss of Death« – der Todesstoß – für jeden Fonds. Anlegern rät er: Hände weg von solchen Investments! Schon kurze Zeit nach Erhalt der Bestnote gerät der gekürte Fonds unter Druck, arbeitet mit erhöhtem Risiko und liefert in den folgenden Jahren nur noch mäßige bis schlechte Ergebnisse. Auch bei den Lipper Fund Awards taucht selten der Name eines Fonds mehrmals hintereinander in den Siegerlisten auf.
»Man kann nicht permanent überdurchschnittlich gut sein«, sagt Lipper-Experte Glow. Dabei legt er Wert darauf, zwischen Rendite und Outperformance zu unterscheiden. Denn Rendite kann ein Fonds in einem günstigen Börsenumfeld leicht erwirtschaften. Wenn Kurse steigen, braucht es schließlich keinen besonders guten Fondsmanager. Einen Lipper Award allerdings bekommt ein Fonds nur, wenn er über Jahre in jedem Monat gute Ergebnisse erreicht hat, und zwar verglichen mit einer Gruppe von Fonds mit einer ähnlichen Strategie.
Langfristig tendieren alle Fonds zu Mittelmaß
Es geht darum, den Markt zu schlagen. Und das gelingt den meisten Fondsmanagern über längere Zeit nur in Ausnahmefällen. Wolfgang Bessler, Professor für Finanzierung und Banken an der Universität Gießen, hat zusammen mit Kollegen herausgefunden, dass die Performance eines Investmentfonds im Zeitablauf einem Gleichgewichtsmechanismus unterliegt und sich in Wellenbewegungen vollzieht: Die langfristige Rendite tendiert zum Mittelwert. »Mean Reversion« nennen Fachleute diese Tendenz. Die Besten einer Periode werden schlechter, die schlechteren Fonds holen auf. Dauerhafte Outperformance ist daher kaum möglich, weil zu viel Geld in den erfolgreichen Fonds fließt. Anleger folgen gern der Herde: So flossen 94 Prozent der 2010 global in Fonds investierten Mittel dem US-Analysehaus Strategic Insight zufolge in 0,5 Prozent des weltweiten Fondsangebots.
Ob dies nun dem Vertrieb oder tatsächlich einer der Ranglisten zu verdanken ist, bleibt zwar offen. Fakt ist aber: Besonders Fondsmanager, die sich auf Nischenwerte, Small oder Mid Caps spezialisiert haben, können ihre Strategie bei hohen Mittelzuflüssen nicht einfach fortsetzen. Ihre Transaktionskosten steigen, sie verwässern ihre Anlageideen und können nicht mehr so flexibel Positionen aufbauen, weil große Handelsvolumina Märkte beeinflussen. Bekanntes Beispiel: Der DWS Vermögensbildungsfonds I feierte 1999 und 2000 bei einem zunächst zwei- und dann dreistelligen Millionenvermögen große Erfolge. 2005 und 2006 war das Fondsvolumen auf mehr als sieben Milliarden Euro gestiegen. Selbst Fondsmanager Klaus Kaldemorgen formulierte 2007 in einem Interview: »Natürlich ist es schwerer, mit großen Fonds die Benchmark zu schlagen, als mit kleinen ›Schnellbooten‹.«
- Datum 21.06.2011 - 17:54 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 16.6.2011 Nr. 25
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Praktisch alle Studien belegen, dass sich aktives Management nicht lohnt. Eine Chance auf eine dauerhafte Outperformance ist verschwindend gering. Der Fondsmanager kann noch so angestrengt in die Glaskugel schauen wie er will, die Zukunft wird er nicht sehen. Über 95 Prozent der Fondsmanager schaffen es nicht, 3 Jahre in Folge den Vergleichsindex zu schlagen. Dafür lassen sich die Fondsmanager aber teuer bezahlen, auch für ihre Fehlentscheidungen. Für einen aktiv gemanagten Fonds fallen hohe Gebühren und Provisionen an, von dem der Anleger meist gar keine Kenntnis hat. Unter www.fonds-etf.de findet sich ein Vergleichsrechner. Klassische Fonds von beispielsweise Deka, Union Investment, DWS usw. sind Provisionsmaschinen für die Finanzindustrie.
Der Artikel widerspricht sich selbst. Einerseits wird argumentiert, dass ein Top Fond praktisch auf dem absteigenden Ast ist, was stimmt. Andererseits wird damit argumentiert dass der Kopf hinter dem Fond für seinen Erfolg verantwortlich ist. Wenn das richtig wäre würde ersteres nicht passieren, d.h. ein top gemanagter Fond dürfte nie wieder absacken. -> Widerspruch
Die Fähigkeiten der Fondmanager werden einfach überschätzt, da ist halt mal einer dabei der zur richtigen Zeit das richtige tat, den grossen Erfolg kann keiner dauerhaft und konstant wiederholen, er ist letzendlich auch nur ein Wettonkel und Glaskugelbefrager.
Wenn jetzt noch wie im Artikel empfohlen wird die Fondmanager als Qualitätskriterium herangezogen werden sollen, dann bedeutet das nur eines: In Zukunft werden die zur Werbefigur/Finanzpopstars aufgebaut,
nur aus dem Grund um den Ramsch wieder besser an die Leute zu bekommen.
Fonds sind nix anderes um dummen Anlegern das Geld aus der Tasche zu ziehen, der einzige der davon profitiert ist die Bank.
Die klassischen aktiv gemanagten Fonds haben wegen Erfolglosigkeit (über mind. 5 Jahre betrachtet) ausgedient, das dokumentieren inzwischen zahlreiche weltweite Studien. Mit den entsprechenden Indexfonds (ETF's) liegt man bedeutend besser.
Aber Indexfonds bewegen sich meist mit hoher Volatilität, wie der zugrunde liegende Index eben auch. Da hilft es z.B. mit einem Trendfolgemodell wie der 200 oder 300-Tage-Linie in Krisensituationen den Indexfonds auch mal zwischendurch zu verkaufen. Das verbessert die Performance und schützt vor allzu massiven Kursrückschlägen. Die letzten 15 Jahre seit 1996 trotz den beiden Crashs 2000-2003 und 2008-2009 brachten beim DAX jährlich 7,3% und mit Trendfolge 12,4 % pro Jahr.
Liebe Frau Kirsch,
in ihrem Artikel vermisse ich einen Aspekt. Wenn sich eigentlich alle einig sind, dass es je nach Ausrichtung und Thematik eines Aktienfonds eine kritische Größe gibt, ab der die Performance leidet, dann ist doch die Frage naheliegend, wieso die Fondsgesellschaften im Interesse ihrer Kunden einen weiteren Mittelzufluss nicht stoppen, sondern den Fonds auf dem Rücken ihrer Kunden gewissermaßen ungeniert zu Tode reiten.
Vielleicht schreiben sie ja darüber mal eine Fortsetzung.
Immer interessant zu sehen wie die Vertriebsgruppen ihre Präsentationen an den Kunden bringen müssen/wollen!
Das sind Vergangenheitswerte und lassen doch keinen Schluß auf die Zukunft zu.
Oder schiesst der Spieler X im nächsten Spiel wieder 3 Tore weil er im letzten Vergleich einen Hattrick erzielte?
Leider ist es ja so, dass gerade grosse Fonds, wie bereits von anderen Forenteilnehmern angemerkt, immer mehr Futter kriegen. Und ein wohlbeleibter Körper bewegt sich langsamer, da kann der Coach noch so gut sein.
Weiterhin ist zu bedenken dass es immer noch Fonds gibt die aufgrund ihrer Bedingungen trotz gegenteiliger Einschätzung Bestände halten müssen - teilweise ohne Absicherung.Man fährt ohne Licht in den Tunnel!
Der Händler einer Bank der drückt auf den Knopf, sein Eigenbestand ist liquidiert und er schaut auf Einstiegskurse.
Andere Variante: er "verschiebt" schwache Positionen in hauseigene Fonds, oder?
Aber die Kunden sind immer noch auf "ihr" Institut geeicht, nicht umsonst werden alte Menschen angesprochen!
Warum? Sie sind in ihrer Erziehung so geprägt, dass Banken etc. vetrtrauenswürdig sind, sie wollen nur das Beste!
Naja, und das nutzen die "geschulten?, hochmotivierten" Absolventen des 2-tägigen NLP Seminars aus.
Schönes Wochenende
Da hat man doch auch schon gewonnen, bevor man bezahlen sollte, nur kann man den Gewinn nur abholen, wenn man vorher Eintrittsgeld bezahlt. Natürlich ohne zu wissen, dass das Glücksspiel nur durch dieses Eintrittsgeld funktioniert, und man selber nicht mal daran Teil nimmt. Der einzigste Sinn ist das Kassieren von Eintrittsgeld.
"Die letzten 15 Jahre seit 1996 trotz den beiden Crashs 2000-2003 und 2008-2009 brachten beim DAX jährlich 7,3% und mit Trendfolge 12,4 % pro Jahr."
Started man hingegen Ende 1999, da lag der DAX bei 7000 Zählern, heute 12 Jahre später (laut ZEIT) bei - hier bitte selbst nachsehen - 5850.
Wie ist dann die jährliche Rendite ? Immer noch 12,4% p.a.?
Ne, nä?
aj
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