Grünen-Politiker Boris Palmer"Manchmal ist Repression angesagt"

Tübingens Bürgermeister Boris Palmer über Trunkenbolde, Tabus der Grünen und Politik für neue Mehrheiten. von 

DIE ZEIT: Herr Palmer, ausgerechnet in dem Moment, wo die Grünen von den Wählern so üppig dafür belohnt werden , sich treu geblieben zu sein, verlangen Sie, die Partei solle sich auf Unionsanhänger zubewegen?

Boris Palmer: Nein, auf unsere neuen Wähler! Wir müssen dazulernen, um den Vertrauensvorschuss zu rechtfertigen, den wir jetzt erhalten haben. 25 Prozent – das ist eine Verdopplung unserer bisherigen Zahlen. Da sind viele Leute hinzugekommen, deren Wertehaltung und Erwartungen sich stark von denen der Stammwähler unterscheiden.

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DIE ZEIT: Die Parteilinke sagt, in Baden-Württemberg habe man mit einem expliziten Lagerwahlkampf gegen Schwarz-Gelb gewonnen. Mit einer Öffnung nach "rechts", wie Sie sie verlangen, wäre man niemals an der Regierung, meint auch die Bundesvorsitzende Claudia Roth.

Palmer: Die Parteilinke sagt vieles über den Wahlerfolg in Baden-Württemberg, was ich nicht nachvollziehen kann. Vor einem Jahr war ihr Winfried Kretschmann viel zu rechts, jetzt hat sie mit ihm einen linken Lagerwahlkampf gewonnen. Ich meine, wir waren erfolgreich, weil wir zugleich linksliberal, ökologisch und wertkonservativ sind. Die entscheidenden Stimmen kamen von früheren CDU- und FDP-Wählern, denn die zählen sozusagen doppelt: eine Stimme weniger für Schwarz-Gelb, eine mehr für uns. Das waren etwa 200.000 oder vier Prozent. Wir haben denen gerade auch in der Person von Winfried Kretschmann signalisiert, dass wir das Land wieder auf den Erfolgskurs von Maß und Mitte zurückbringen werden, statt den Weg der Konfrontation weiterzugehen, den die Regierung von Stefan Mappus eingeschlagen hatte.

DIE ZEIT: Sie sagen in einem heftig umstrittenen Thesenpapier, die Grünen hätten kein Verhältnis zu Themen wie Sicherheit und Ordnung.

Palmer: Bisher haben die Menschen uns gewählt wegen der Umwelt- und Atompolitik, der Bürgerrechtspolitik, wegen bestimmter Konflikte wie Stuttgart 21 . Jetzt erwarten sie von uns aber eine Gesamtverantwortung. Darauf sind wir nicht ausreichend vorbereitet. Das Feld der Inneren Sicherheit ist dafür eines der markantesten Beispiele. Wir haben uns in der Vergangenheit – zu Recht – als die Partei verstanden, die gegen übermäßige Repression, gegen Übergriffe des Staates vorgeht. Das braucht es, aber es reicht nicht, um zu regieren. Die andere Seite – dass nämlich verantwortungsvolle Innenpolitik mehr ist als nur Prävention und Dialog, dass auch manchmal Repression angesagt ist –, das ist bei uns geradezu ein Tabu.

DIE ZEIT: Ihre Intervention geht aber über die Innere Sicherheit noch hinaus: Sie beklagen die Verwahrlosung unserer Innenstädte, in denen Alkoholismus und Gewaltexzesse von Jugendlichen das freie Zusammenleben erschwerten.

Palmer: Eine der Forderungen der Parteilinken lautet, wir müssen den öffentlichen Raum für alle zugänglich halten, ihn verteidigen gegen Übergriffe des Staates und gegen Kommerzialisierung. Auch ich will einen frei zugänglichen öffentlichen Raum. Aber ich glaube, dass er schon lange nicht mehr von der Polizei bedroht wird, nicht einmal von privaten Sicherheitskräften. Die Bedrohung entsteht durch Verwahrlosung. Man kann sich dort oft nicht mehr bewegen, ohne Angst zu haben, und meidet ihn deshalb. Als ich am Rande des Kirchentags an der Elbe spazieren gehen wollte, hockte eine Horde von Glatzköpfen am Ufer mit ihren Bierkästen und verspottete Jesus mit "Jesus, du schwule Sau". Die Polizei konnte erst eingreifen, als die Fäuste flogen. Ich finde, man muss sich aggressive Pöbeleien von alkoholisierten Gruppen in der Öffentlichkeit nicht gefallen lassen. Ich will dagegen vorgehen. Das kann man lächerlich machen. "Die Spießbürger ereifern sich, wenn morgens alles voller Scherben und Dreck liegt." Ja, so ist es, ich akzeptiere das nicht. Wer einen freien öffentlichen Raum will, kann nicht zulassen, dass er rechtsfrei wird und sich selbst ein Mann mittleren Alters da nicht mehr hintraut.

DIE ZEIT: Warum ist es eigentlich links, sich an Verwahrlosung nicht zu stören?

Palmer: Ich glaube, auch Linke stört es, durch Scherben und Erbrochenes zum Bahnhof gehen zu müssen und angepöbelt zu werden. Aber sie glauben, man könne dem Problem allein durch Sozialarbeit, Prävention, bessere Transferleistungen und Bildungsangebote Herr werden. Daran glaube ich nicht. Wenn mir jemand sagt, ich kann nachts nicht schlafen wegen dieser Grölerei, dann kann ich ihn nicht auf die Unzulänglichkeiten von Hartz IV verweisen.

Leserkommentare
  1. Der Mann zeigt genau auf, was bei uns in der Politik falsch läuft. Das zeigt sich an der Frage mit dem Adoptionsrecht bei der Herr Palmer zurückrudert und relativiert. Frei nach Groucho Marx:

    "Ich habe eiserne Prinzipien. Wenn sie Ihnen nicht gefallen, habe ich auch noch andere."

    Politische Themen werden nur noch aus dem Blickwinkel der Machterhalt betrachtet nicht mehr nach Sinnhaftigkeit und Wertvorstellungen.

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    • lispm
    • 18. Juni 2011 10:29 Uhr

    ...zwischen Dazulernen und Populismus.

    Mir fallen Politiker, die nach intensiven Debatten in der Gesellschaft dazulernen, durchaus positiv auf.

    Lässt man sich durch Argumente überzeugen oder bedient man populäre Ansichten?

    In einer Demokratie ist ein Politiker nicht nur seinem Gewissen verantwortlich, sondern auch seinen Wählern. Das Gewissen hat auch nicht alle Antworten parat. Der Wähler auch nicht. Aber in der gesellschaftlichen Debatte sollte die Themen diskutiert und entwickelt werden. Es gibt viele Bürger, die sich da einbringen können und das auch wollen. Ich würde da keine Wunder erwarten, aber mal andere Menschen nach ihren Ansichten fragen und das dann auch tatsächlich zu berücksichtigen, das kann nicht so ganz falsch sein.

    ...braucht sich weder um eigene noch fremde Prinzipien zu scheren - solange er die Mehrheit hat. Haben die Grünen die Mehrheit?

    • omix
    • 20. Juni 2011 11:24 Uhr

    M. E. sind Palmers Äußerungen ein Beleg dafür, dass unangenehme Themen im Wahlkampf weggelächelt werden und erst im Nachhinein auf den Tisch kommen. Aber, im Grunde hat er ja recht wenn er meint, man müsse sich "Pöbeleien [...] nicht gefallen lassen". Nur klingt das so dar nicht "grün". Er hätte wohl weniger grüne Stimmen erhalten wenn er damit bereits im Wahlkampf gekommen wäre. Und das ist das eigentlich tragische: Wir wollen so was vielleicht gar nicht hören von unserem Lieblingskandidaten, unserem grünen Lieblingskandidaten.

    Und das Interwiev macht auch deutlich: Egal welche Farbe, die Probleme, die man als Bürgermeister in den Griff kriegen muss sind (mehr oder weniger) überall dieselben.

    Ich bin mal gespannt, wie die Grünen auf Herrn Palmer reagieren...

  2. ...Aber sie glauben, man könne dem Problem allein durch Sozialarbeit, Prävention, bessere Transferleistungen und Bildungsangebote Herr werden."

    Linke glauben, man könne jedes Problem mit Sozialarbeit und Bildungsangeboten lösen. Und wenn währenddessen die Probleme anwachsen, kann das nur heißen, daß es noch nicht genug Sozialarbeit und Bildungsangebote waren. Auch, wenn die anwachsenden Probleme von einer Generation zur nächsten vererbt werden - dann müssen noch mehr Sozialarbeit und Bildungsangebote her.
    Darüber verwahrlosen ganze Stadtviertel samt der in ihnnen geborenen Kinder:

    http://www.zeit.de/gesell...

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    Danke für den Link zum älteren Artikel.
    Man stolpert darin immer wieder über die Begriffe:
    Geldmangel.
    Verzweiflung.
    Alkohol.
    Drogen.
    Mit Geldmangel fängt m.E. alles an.
    Geldmangel führt zu Perspektivlosigkeit... führt dann entweder/und/oder zu Alkohol+Gewalt. Die Spirale beginnt sich zu drehen.
    Wenn Geldmangel ursächlich ist...nun, wie wär's wenn wir selbst der ungelernten Klo-Frau WENIGSTENS einen so fairen Mindestlohn zahlen würden, daß sie vom Wegputzen unserer "Sch..." zumindest ein menschenwürdiges Leben führen kann.
    Klar, der Klobetreiber bzw Klo-Investor würde dann halt anstatt 2Mio evtl nur 1Mio Bonuszahlung am Ende des Jahres erhalten. Kann aber der breiten Masse egal sein, weil das Geld so oder so im Umlauf bleibt.
    Die Klofrau wird sich sicherlich keine Brillantohrringe kaufen, aber dafür halt andere Güter+Dienstleistungen.
    Somit wird auch der Juwelier sich evtl mit einer etwas kleineren Yacht begnügen müssen, aber die gesamte Gesellschaft hätte am Ende des Tages VIELE Probleme weniger, einfach schon deshalb, weil unsere Klofrau nicht mehr so verzweifelt wäre, sie ihren Kindern gegenüber daraufhin vermutl eine ausgeglichenere Mutter sein kann, und es ihr deshalb auch wesentlich leichter fallen wird, ihren Kindern am eigenen Beispiel zu vermitteln, daß man selbst als Klofrau in diesem Land noch ganz gut leben kann, wenn man seine Arbeit ordentlich erledigt und sich auch ansonsten nichts zu Schulden kommen läßt.
    Wo ist das Problem?!

    Auch, wenn die anwachsenden Probleme von einer Generation zur nächsten vererbt werden - dann müssen noch mehr Sozialarbeit und Bildungsangebote her.
    ------------------------------------------
    Das Interessante ist, dass diese Politik im damaligen Ostblock grandios gerscheitert ist. Nur das nimmt man nicht zur Kenntnis, sondern glaubt, dass besser machen zu können.... fehlende Lernfähigkeiten muß man denen unterstellen. . . .

    2. "Linke glauben, man könne jedes Problem mit Sozialarbeit und Bildungsangeboten lösen"

    Zuerst muss man in jedem einzelnen Fall eine Ursachenanalyse machen. Dann kann das Ergebnis Sozialarbeit und Bildungsangebote sein, es können aber auch 100erte andere Ursachen sein.

    3. "pauschal würde ich sagen
    der mann ist in der falschen partei. "
    Das ist der Eindruck, den man haben kann. Oder die Grünen haben sich zwischenzeitlich zur Partei der Besserverdiener entwickelt und haben keinen Zugang mehr zur Mittel- und Unterschicht.

    4. Das alles ändert nichts daran, was in diesem Artikel steht.

    5. Dass man einen Teil der Realität verschwinden läßt, weil wir die Realität nicht sehen wollen, kennen wir schon. Man kann aber auch die Probleme lösen und dann ändert sich dauerhaft etwas.

    10. "Es ist nun einmal eine Tatsache, dass Hass, Rassismus und Bigotterie existieren."

    Und genau das hat Ursachen. Das fällt nicht vom Himmel und ist auf einmal da. Und diese Ursachen können zB auch in manchen Grundsatzpositionen der Grünen zu finden sein. Zumindest solange die damit verbundenen Veränderungen nicht beachtet werden.

    46. "Neoliberale mit grünem Anstrich"

    Diesen Eindruck vermittelt Palmer. Aber anders als Palmer oa meinen: Die Zeit des Neoliberalismus neigt sich dem Ende zu.
    Und das ist gut so.

    50.
    """Sie sprechen hier über gescheiterte, meistens psychisch kranke Menschen, wie von Neapelschen Müllbergen. Das ist erbärmlich und verkennt die Situation dieser Menschen völlig! """

  3. der mann ist in der falschen partei. cdu/csu wäre eventuell sogar noch zu liberal für ihn. das er die grünen als trittbrett für rechtsstaatliche repressionen benutzten will, und ihnen mangelnden mut zu solchen vorwirft, ist starker tobak. dem mann fehlt doch aufgrund seiner herkunft die gesamte entwicklungs geschichte der grünen partei. klingt als hätte er sich ein mäntelchen umgehängt unter dem er nun karriere machen will. ein wolf im schafspelz. das wird, und ist bereits ein problem der neuen politikegenartion. politiker als job, weniger aus überzeugung und idealismus, sondern um macht zu besitzen und auszuüben!

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    Entschuldigen Sie bitte, aber wenn ich ihren Kommentar über Palmer lese, frage ich mich ganz ernsthaft:

    Kennen Sie ihn überhaupt persönlich, geschweige denn seinen "Hintergrund" !???

    Jeder, der zum Bleistift seinen Vater gekannt hat, weiß, woher Palmers leidenschaftlicher Einsatz für die Ökologie kommt. Und zwar aus eigener Anschauung und indem er selber mal in "Palmer Senior's" Äpfel reinbeißen durfte, wie ich z.B. als Kind.

    http://www.weltbild.de/3/...

    Und auch ansonsten weiß ich nicht recht, was Sie eigentlich mit ihrer "vaguen Umschreibung" von "einer" palmerschen Herkunft meinen???
    Sie spielen hier nicht zufällig auf sein Aufwachsen in einer der ältesten und bekanntesten Universitätsstädte Deutschlands, auf seine hohe mathematische Begabung und seinen seinen Abi-Notendurchschnitt von 1,0 an, oder?

    Aber zum Glück haben Sie es ja bereits selber in ihrer Titelüberschrift benannt: Sie halten es wohl eher mit Pauschalisierungen.

    Nun ja - klar,- jedem das seine!

    .. den Sie von sich geben. Keine Ahnung von der Person.

  4. DA kann ich ihnen leider nicht zustimmen.

    Ich erlebe Palmer als alles andere als ein "Fähnchen im Wind" oder einen verkappten Populisten. Und ich erlebe ihn seit seiner Wahl zum OB von Tübingen so.

    Palmer ist gescheit, schlau, hat sehr starke und integere Wertvortellungen, Mut, Ausdauer sowie einen Rund-um-Blick für's Geimeinwohl (ja, eben, und nicht nur für eigene machtpolitische Interessen, wie das bei vielen Politikern ja nun mal leider ist),

    Palmer kennt sich gut mit Zahlen und Haushalten aus, ist ein exzellenter Mathematiker (und dies nicht nur im Theoretischen), ist leidenschaftlich(!) ökologisch, bleibt dabei jedoch stets besonnen (sind mathematisch begabte Menschen ja in der Regel).

    Seine Ausstrahlung war für mich immer: allem voran:
    Dialogfähigkeit, Klarheit, Besonnenheit, Mut, Zielstrebigkeit, Visionen und ein sehr sehr weiter Horizont.

    Den Mut dürfte er ganz sicher im übrigen von seinem Vater, dem sogenannten "Remstalrebellen" geerbt haben.

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    • Buh
    • 18. Juni 2011 10:39 Uhr

    ", hat sehr starke und integere Wertvortellungen,"

    Ja, nur haben die nix mit Grünen Wertvorstellungen zu tun. Der Mann hat für eine Versuchstieranstalt in Tübingen geworben, in der Tierversuche an Schweinen durchgeführt werden sollten. Zum Schluss hat er einem Bürgerentscheid zugestimmt und die Firma Boehringer Ingelheim hat dann aufgegeben, weil ihr das dann zu langwierig wurde.

    Ich würde auch nicht sagen, dass er ein Fähnlein im Winde ist. Er ist ein absoluter Konservativer, der sich nur in Fragen der Umweltpolitik von der CDU unterscheidet. Ein Mann der nach aussenhin Grüne Themen trägt, bis die Möglichkeit besteht sie zu kippen. Was ist das für ein Grüner? Da kann er noch so gutes Verständnis von Infrastrutkurprojekten haben, aber zb die Gleichstellung von Homosexuellen in Frage zu stellen, um damit einen Rechtsruck zu rechtfertigen...das ist wirklich das aller Letzte. Der wird den Grünen, besonders in NRW und Berlin stimmen kosten.

    • Zuntz
    • 18. Juni 2011 11:25 Uhr

    besser kann man Palmer nicht beschreiben.
    Ein Grüner der sofort meine Stimme hätte ..

    "Ich erlebe Palmer als alles andere als ein "Fähnchen im Wind" ... seit seiner Wahl zum OB ... Palmer ist gescheit, schlau, hat sehr starke und integere Wertvortellungen, Mut, Ausdauer sowie einen Rund-um-Blick für's Geimeinwohl ... kennt sich gut mit Zahlen und Haushalten aus ... exzellenter Mathematiker (und dies nicht nur im Theoretischen) ... leidenschaftlich(!) ökologisch ... stets besonnen ... Dialogfähigkeit, Klarheit, Besonnenheit, Mut, Zielstrebigkeit, Visionen und ein sehr sehr weiter Horizont."

    Solche Lobeshymnen erinnern mich an die Gedichte, die sowjetische Schriftsteller zu Ehren Stalins verfasst haben. Nur eben - und das ist der grosse Unterschied zu Ihnen - häufig nicht freiwillig. Manch einer ist mit seiner Lobhudelei so weit gegangen, dass sie wie eine Groteske wirkt.
    Wenn ich Palmer wäre, wären mir Ihre Ergüsse hochnotpeinlich, und ich würde hoffen, dass Sie sich nicht - wie Sie ja insiunuieren wollen - tatsächlich in meinem Umfeld bewegen. (Weil das nicht gerade für mich sprechen würde.)

    Wenn einer kommt und ein paar Glatzen, die despektierliche Jesus-Sprüche absondern, als Vorwand nutzt, um Repressionsideen mutmaßlicher Wähler durchzusetzen, dann ist das ganz genau populistisch.

    Er tut so, als würden bei konservativen Festen keine Pappbecher weggeschmissen und Deck produziert.

    Er tut so, als würden nur Linke Glasscherben produzieren.

    Er tut so, als würde hinter konservative Bierzelten nicht gekotzt. Der war scheint's nie beim Oktoberfest oder dem Vasen oder vergisst den Dreck und den Gestank eben zum richtigen Moment - populistisch.

    So, wie Palmer Junior redet, so redet ein Populist. Und so wenig, wie ihn die elenden Besoffenen in den Innenstädten und den Liegewiesen interessieren, interessiert sich nur ein an gesellschaftlichen Prozessen uninteressierter Holzkopf. Da hilft ihm seine mathematische Begabung halt nichts.

    Sein Argumenten-Fund bei der schwulen Minderheit zeigt zudem, dass bei ihm die Mehrheits-Menschen mehr gelten als die restlichen. Wenn er darauf angesprochen abwehrt, so ist er doch bereit, eine solche Politik zu machen. Das sagt er deutlich. Für die betroffenen Minderheiten kommt das aufs Selbe raus.

    Wer das mag, wählt ihn.

  5. Ich kann ihn verstehen und hoffe, dass in den nächsten Jahren mehr Menschen auf die Idee kommen, gegen die derzeitige Art mit unseren Städten umzugehen, etwas zu unternehmen.

    Es geht nicht an, dass bestimmte Gruppen, den öffentlichen Raum mit Körperflüssigkeiten und Müll für sich beanspruchen und jedem, der nicht zahlt, dafür etwas nachzurufen das Recht zu haben meint.

    Ich hoffe, es wird langsam...

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    Sie sprechen hier über gescheiterte, meistens psychisch kranke Menschen, wie von Neapelschen Müllbergen. Das ist erbärmlich und verkennt die Situation dieser Menschen völlig! Ganz schwache Meinung!

    Sehen sie nicht, dass die gesellschaftlichen Verlierer, die Sie sich weg wünschen oder zumindest nicht sehen wollen, die Rückseite der liberalen Medaille sind?

    Sollen die Verlierer nur aus den Innenstädten raus? Vielleicht in einen gesonderten Stadtteil? Vielleicht vor die Stadt? Auf die Insel? Ins Umerziehungslager?

    Wie funktioniert die grüne Liberalität? Die Verlierer in den Wald, den Mischwald?

    • lispm
    • 18. Juni 2011 10:29 Uhr

    ...zwischen Dazulernen und Populismus.

    Mir fallen Politiker, die nach intensiven Debatten in der Gesellschaft dazulernen, durchaus positiv auf.

    Lässt man sich durch Argumente überzeugen oder bedient man populäre Ansichten?

    In einer Demokratie ist ein Politiker nicht nur seinem Gewissen verantwortlich, sondern auch seinen Wählern. Das Gewissen hat auch nicht alle Antworten parat. Der Wähler auch nicht. Aber in der gesellschaftlichen Debatte sollte die Themen diskutiert und entwickelt werden. Es gibt viele Bürger, die sich da einbringen können und das auch wollen. Ich würde da keine Wunder erwarten, aber mal andere Menschen nach ihren Ansichten fragen und das dann auch tatsächlich zu berücksichtigen, das kann nicht so ganz falsch sein.

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    Antwort auf "Populist"
  6. hier z.B. noch ein gutes Beispiel über Boris Palmer von 2007:

    "Vielfalt statt Einfalt! - Internationales Tübinger Bürgerfest

    Oberbürgermeister Boris Palmer ruft alle freiheitlichen und demokratischen Kräfte Tübingens auf zu einem Aktionsbündnis für Toleranz. Ziel ist es, eine breite, friedliche und fantasievolle Front gegen die Neonazis zu bilden, die am 21. Juli 2007 in Tübingen demonstrieren wollen.
    „Tübingen ist eine weltoffene und tolerante Stadt, die keinen Platz für fremdenfeindliche und ewiggestrige Parolen hat“, betonte Oberbürgermeister Boris Palmer. Mehr als 200 Vertreter/innen von rund 100 Organisationen, darunter Kirchen, Verbände und Parteien haben am 6. Juli Ideen gesammelt, wie die Stadt friedlich und fantasievoll besetzt werden kann, um ein Zeichen der Weltoffenheit und Toleranz auszusenden aus einer Stadt, in der sich die Menschen von den Neonazis distanzieren."

    Quelle:
    http://www.tuebingen.de/2...

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    Und das soll jetzt ein besonders herausragendes Beispiel für "klare Wertvorstellungen" sein, oder was?

    Nichts gegen die genannte Wertvorstellung, aber wenn es gegen Nazis geht, bekommen sie 99-Prozent-Mehrheiten. Dazu brauchen Sie keinen "Mut", und schon dreimal nicht in einer Stadt wie Tübingen, wo jede Antifa-Aktion wie Eulen nach Athen tragen ist.

    "Mehr als 200 Vertreter/innen von rund 100 Organisationen, darunter Kirchen, Verbände und Parteien haben am 6. Juli Ideen gesammelt, wie die Stadt friedlich und fantasievoll besetzt werden kann, um ein Zeichen der Weltoffenheit und Toleranz auszusenden aus einer Stadt, in der sich die Menschen von den Neonazis distanzieren."

    Siehe oben, es ist weitestgehend überflüssig. Hätten wir keine anderen Probleme, könnten Sie sich gerne auch die nächsten 200.000 Jahre damit beschäftigen, den "Anfängen zu wehren". Weil dem aber nicht so ist, wäre es besser, die genannten Gruppierungen würden sich gegen neuere und weitaus stärkere faschistoide Kräfte wehren. Das fängt beim alles überwuchernden Leistungsfetischismus an, und hört beim Islamofaschismus auf.
    Anstatt Tübingen im Kampf gegen Rechts zu besetzen, wäre es sinnvoller, Multikultihäuser wie in Neu-Ulm zu "besetzen", die sich in der Vergangenheit als Brutstätte für Islamisten erwiesen haben.
    Aber dazu fehlt Ihnen vermutlich die Traute. Sie wollen ja nur spielen und sich gut oder besser oder überlegen fühlen.

    boris palmer ist alles andere als weltoffen. er ist ein typischer bionade-bürger, der eigentlich reaktionär, opportunistisch wutbürger und die selbsttäuschenden akademiker ausnutzt.
    dabei hat er selbst als mitglied im französischen viertel eine Buslinie vom anliegenden "kanackenviertel" umgelegt, sodass der einzige Arbeiter im Viertel der "Sozialarbeiter" bleibt..mehr bigotterie und verrat geht nicht!

  7. claudia roth & co sollten sich lieber um soziale gerechtigkeit kümmern, anstatt teure klammotten zu ordern.

    6 Leserempfehlungen
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    ... den Eindruck zu erwecken, sich zu engagieren? Ich hielte Menschen in der Öffentlichkeit, die nicht auf sich achten und in KIK als Beispiel rumlaufen für unglaubwürdiger.

    • OG65
    • 18. Juni 2011 23:08 Uhr

    Das ist jetzt aber wohl wirklich nur ein klein wenig am Thema vorbei, oder?

    Bei solch einem qualifizierten Kommentar stelle ich mir immer vor, dass ein Haus brennt und ein Gaffer sich über die Farbe der Feuerwehrautos aufregt.

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  • Schlagworte Boris Palmer | Grüne | CDU | SPD | Winfried Kretschmann | Claudia Roth
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