Jagd auf Nashorn-Hörner Aus dem Schaukasten gewildert
Eine gut organisierte Bande klaut in großem Stil Nashorn-Hörner aus deutschen Museen. Die Branche ist entsetzt.
© John Macdougall/AFP/Getty Images

Nashorn in Deutschland: Dieses Exemplar lebt im Berliner Zoo.
Der Ton in Norbert Niedernostheides E-Mail war ernst. »Seien Sie hiermit informiert und gewarnt«, schrieb der Sprecher der Fachgruppe Naturwissenschaftliche Museen am Montag vergangener Woche in einer Rundmail an seine Kollegen. In Deutschland greife der »Diebstahl von Nashorn-Gehörnen« um sich. »Es macht den Eindruck, als würde sehr professionell und gezielt vorgegangen.«
Da hatte es das Naturkundemuseum Bamberg, das Jagdmuseum Wulff im niedersächsischen Oerrel und das Zoologische Museum der Universität Hamburg bereits erwischt. In Letzterem wurden Anfang Juni gleich fünf Hörner entwendet. Museumschef Alexander Haas ist noch immer schockiert von der gut geplanten Tat: Die Diebe wussten offenbar genau, welche Tür sie öffnen mussten, um direkt bei jener Vitrine zu landen, in der vier echte Nashorn-Hörner und der Schädel eines Spitzmaulnashorns nebeneinander gezeigt wurden. »Wertvolle Originalstücke sind unwiederbringlich verloren«, klagt Haas. Eines der gestohlenen Hörner stammt zum Beispiel von einem Java-Nashorn, von dem es weltweit noch höchstens 50 Exemplare gibt. »So etwas können Sie nicht wieder neu beschaffen«, sagt der Hamburger Zoologe. Die Nachbildungen hingegen ließen die Diebe liegen.
Wie gut organisiert die Bande ist, bewies die Reaktion auf Niedernostheides Alarmmail: Daraufhin meldeten sich Museen aus ganz Deutschland mit ähnlichen Fällen. So wurde bereits am 31. Dezember im Allwetterzoo Münster in die Ausstellung Verbotene Geschenke eingebrochen. Entwendet wurden neben Schlangenleder, Elfenbein und Leopardenfell auch hier: Nashorn-Hörner.
- Die letzten Nashörner
Nashörner (Rhinocerotidae) gehören zu den letzten Vertretern der sogenannten Megaherbivoren, der großen Pflanzenfresser. Von den einst sehr zahlreichen Arten leben heute der Naturschutzorganisation WWF zufolge weltweit nur noch fünf Spezies in freier Wildbahn: in Afrika das Spitzmaulnashorn (etwa 3.700 Individuen) und das Breitmaulnashorn (mehr als 14.500), in Asien das Indische Panzernashorn (2.575), das Java-Nashorn (etwa 50) und das Sumatra-Nashorn (weniger als 275 Tiere). Die beiden letztgenannten Arten gelten als akut vom Aussterben bedroht.
- Ihre Wahrzeichen
Dem Indischen Panzernashorn und dem Java-Nashorn wächst jeweils ein einziges Horn aus dem Nasenbein. Die drei anderen Arten haben ein zweites Horn am Vorderschädel. Die vorderen Hörner der afrikanischen Rhinozerosse werden durchschnittlich 45 bis 50 Zentimeter lang, die ihrer asiatischen Verwandten 20 bis 25 Zentimeter. Um die Tiere in Afrika vor Wilderern zu retten, nehmen Tierschützer ihnen vorsorglich ihren Schmuck: Unter Betäubung schneiden sie die Hörner mit einer Motorsäge möglichst kurz ab. Das ist allerdings teuer, zeitintensiv und gefährlich, denn die Tiere müssen während der Prozedur mit Wasser und Sauerstoff versorgt werden – und können trotz Betäubung unberechenbar reagieren. Der Schutz ist auch nicht von Dauer: Das Horn wächst nach.
Ebenso wurden Museen in Spanien, Portugal, England, Italien und Frankreich zu Opfern von Dieben. Laut dem Consortium of European Taxonomic Facilities (Cetaf), einem Netzwerk naturwissenschaftlicher Forschungssammlungen in ganz Europa, wurden seit Februar neun Einbrüche in Museen gemeldet, sieben davon in den vergangenen sechs Wochen. Und ein Museumsmitarbeiter aus Dortmund erinnerte sich nach Niedernostheides E-Mail plötzlich wieder an jenen merkwürdigen Anruf, den er vor einigen Wochen erhalten hatte: In gebrochenem Englisch erkundigte sich ein Mann danach, ob man sich in dem Museum vielleicht echte Nashorn-Hörner anschauen könne.
»In solchen Fällen müssen sofort die Alarmglocken schrillen«, sagt Johanna Eder, Vorsitzende der Deutschen Naturwissenschaftlichen Forschungssammlungen (DNFS) und Direktorin des Naturkundemuseums Stuttgart. Sie empfiehlt ihren Kollegen mittlerweile dringend, alle Nashorn-Originale aus den Schausammlungen zu entfernen. »Hier geht wissenschaftliches Erbe wegen Geldgier vor die Hunde, da müssen wir uns wehren«, sagt Eder. So sieht das auch Alexander Haas, der nun nicht mehr darüber sprechen möchte, ob das Hamburger Museum noch weitere Nashorn-Hörner besitzt. »Uns war bewusst, dass Nashorn-Hörner auf dem Schwarzmarkt gehandelt werden«, sagt Haas, »aber nicht, dass der Preis derart in die Höhe geschossen ist, dass dafür Raubzüge veranstaltet werden.«
Tatsächlich gilt Mehl aus Nashornhorn als beliebtes Heilmittel in ostasiatischen Ländern. In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) wird dem Hornmehl eine fiebersenkende Wirkung zugeschrieben, außerdem soll es gegen Epilepsie, Malaria, Abszesse und Vergiftungen helfen. (Die Verwendung als Potenzmittel, die gern kolportiert wird, ist hingegen zweitrangig.)
- Datum 17.06.2011 - 13:45 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 16.6.2011 Nr. 25
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Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Verharmlosung von Straftaten. Danke, die Redaktion/se.
Ein gestohlenes Horn, mit Arsen konserviert, für den Schwarzmarkt Asiatischer Wellnes/Heilsubstanzen in den Umlauf zu bringen ist auf Grund der tatsache daß Menschen daran zu Schaden kommen definitiv kein Kavaliersdelikt.
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