Griechenland Bitte lasst uns nicht im Stich!

Griechenland II: Athens Politiker können die Krise nicht meistern. Wir Griechen brauchen Beamte aus Brüssel, fordert der Journalist Tasos Telloglou.

Kann Griechenland noch gerettet werden? Unter Aufsicht der Europäischen Union und des Internationalen Währungsfonds (IWF) soll die griechische Regierung das Land komplett neu erfinden: Sie soll einen anderen Staat aufbauen, ein neues Geschäftsmodell schaffen. Schlanker, effektiver, moderner soll dieser Staat werden. Das ist gut gedacht. Doch haben die Europäer einen entscheidenden Umstand übersehen: In Athen wirken heute noch genau dieselben Politiker und Beamten, die das Land an den Rand des Abgrunds gebracht haben. Diese Funktionäre weigern sich, innerhalb kürzester Zeit ein System einzureißen, das griechische Beamte über Jahrzehnte, ja seit dem 19. Jahrhundert aufgebaut – und von dem sie stets profitiert haben. Woran ist diese Misere zu erkennen, und was ist dagegen zu tun?

Neulich konnte die Troika der Europäischen Union, des IWF und der Europäischen Zentralbank (EZB) erfahren, wie gering die Bereitschaft zu ernsthaften Reformen in Griechenland tatsächlich ist. Schauplatz der Begegnung war der alte Palast des griechischen Königs Otto, wo heute das griechische Parlament seinen Sitz hat. Dort wollten die internationalen Besucher die Mitglieder des Wirtschaftsausschusses im Parlament treffen. Doch die meisten Abgeordneten erschienen zu diesem Treffen erst gar nicht. Sie weigerten sich demonstrativ, die Autorität der drei Institutionen anzuerkennen – oder das Thema war ihnen einfach gleichgültig.

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Der Eklat zeigt: Das Hauptproblem ist nicht, ob die Rückzahlung der Schulden des Landes zeitlich gestreckt wird oder ob die Schulden mit einem beherzten Schnitt halbiert werden. Die Frage ist vielmehr: Wer soll das damit verbundene Gesundungsprogramm in Athen umsetzen?

Tasos Telloglou
Tasos Telloglou

ist einer der wichtigsten investigativen Reporter Griechenlands, der diverse Skandale aufdeckte. Er arbeitet derzeit für ein Fernsehmagazin.

Um das Absurde der Situation zu verstehen, muss man sich vorstellen, im System der alten Sowjetunion hätte die verkrustete KPdSU eine wirklich freie Marktwirtschaft einführen sollen. Und das auf Befehl von außen. So etwa ist die Lage in Griechenland. Die EU, der IWF und die Europäische Zentralbank haben Griechenland ein Programm verschrieben, das es dem Land ermöglichen soll, irgendwann seine Schulden zurückzuzahlen. Doch das derzeitige politische Personal und die real existierende griechische Verwaltung werden dieses Programm nicht umsetzen. Sie glauben schlicht und einfach nicht daran. Sie werden höchstens so tun, als wollten sie die Vorgaben erfüllen. Genau das haben sie auch in den vergangenen zwölf Monaten seit dem Rettungspaket für Griechenland getan.

Dabei verhält sich die konservative Opposition sogar noch verantwortungsloser als die sozialistische Regierungspartei Pasok. Die ehemalige konservative Regierungspartei Nea Dimokratia, die das Land in die erste Phase der Krise »geführt« hat, zieht gegen das Abkommen mit IWF, EU und EZB zu Felde. Mit populistischem Elan behauptet sie, die gegenwärtige desaströse Lage Griechenlands sei eine Folge des Stabilisierungsprogramms. Als Heilmittel empfiehlt die Nea Dimokratia eine extrem niedrige Einheitssteuer von 15 Prozent – und das in einem Land, in dem ohnehin nur wenige Steuern zahlen. Woher das Geld kommen soll, um die Schulden zu bedienen und irgendwann zu tilgen, das erklären die Konservativen nicht.

Die Kritiker des Sparprogramms behaupten, das verordnete Sparen habe die griechische Rezession nur weiter verschärft. Sie sagen, das Sparen brauche viel mehr Zeit, damit die Früchte der Anstrengungen in der Wirtschaft und für die Bürger sichtbar würden. Diese These stimmt jedoch allenfalls zum Teil.

Denn sie lässt die Strukturprobleme des Landes völlig außer Acht. Griechenland ist stark von Klientelismus und Vetternwirtschaft geprägt. Der Kampf gegen diese Grundübel ist seit Jahrzehnten überfällig. Schon beim Beitritt des Landes zur EWG vor dreißig Jahren, spätestens aber beim Beitritt zur Euro-Zone vor einem Jahrzehnt hätte man gegen Korruption und Nepotismus vorgehen müssen. Die Chance dazu wurde damals verpasst, auch weil die EU keine politischen Hebel zur Unterstützung solcher Reformen besaß. In der globalen Wirtschaft hätte der griechische Staat auch ohne Euro-Krise kaum überleben können. Alle wissen: Damit Griechenland mittel- und langfristig Überschüsse erwirtschaftet, um die Schulden abzubauen, müssen das Geschäftsmodell der Wirtschaft und die Funktionsweise des Staates radikal umgebaut werden.

Leser-Kommentare
  1. Immer werden die Griechen als schwach und zügellos geschildert, gleichzeitig sollen aber sie selbst schuld daran sein, dass man ihnen jahrelang mehr Geld geliehen hat, als sie je zurückzahlen können. Was ist das für ein seltsames Schuldner-Gläubiger-Verhältnis?

    Der Artikel kontert das Drama dann mit einem Loblied auf die Marktwirtschaft. Genau das System, also das es jahrelang OK fand, dass die Griechen Kredite aufnahmen, um dann bei den Kreditgeberländern wieder auf Einkaufstour zu gehen, soll die Lösung bringen, den schlanken Staat, die genügsamen Arbeiter und die investitionsfreudigen Geldsäcke, die - nebenbei erwähnt - ihr Kapital schon vor Monaten außer Landes gebracht haben.

    Wenn's nicht so traurig wäre müsste ich lachen. So aber kann ich nur sagen: Wer dermaßen unbelehrbar ist, dem tut's gut von seinem Götzen von der Platte geputzt zu werden. Weg mit Europa! Nieder mit den Europäern

    Bitte verzichten Sie auf Polemik. Danke, die Redaktion/se.

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    Natürlich trägt ein Gläubiger mit Schuld bei einem Kreditausfall, wenn er zu blauäugig Geld verliehen hat. Und in einem rein marktwirtschaftlichen System würde er mit dem Verlust des Geldes bestraft werden.

    Der Agierende und damit Hauptschuldige ist aber der Schuldner, der wusste, dass er nicht würde zurück zahlen können, den Kredit aber dennoch aufnahm.

    Ich bekomme andauernd irgendwelche Kreditangebote zugeschickt. Ich bin dafür verantwortlich, ob ich darauf eingehe oder nicht. Es ist kein marktwirtschaftlicher Mechanismus, der mich zwingt ein solches Angebot anzunehmen oder abzulehnen, sondern es ist meine individuelle Verantwortung.

    Auf staatlicher Ebene wird es natürlich schon etwas schwieriger, die Verantwortung konkret an Personen festzumachen, weil das Personal, das Kreditverpflichtungen eingegangen ist, um sich und seinen Unterstützern Wohltaten zukommen zu lassen, nicht mehr im Amt ist, wenn es um die Begleichung der Lasten geht.

    Das ist halt das Grundproblem in vielen Demokratien, wenn sie keinen kontinuierlich weiter steigenden Wohlstand zu verteilen haben.

    Das Problem hat seinen Ursprung im politischen System, nicht in marktwirtschaftlichen Mechanismen.

    • cvnde
    • 19.06.2011 um 9:45 Uhr

    Ich sehe den Artikel nun nicht als Loblied auf die Marktwirtschaft, sondern der Autor listet kar auzf wo die Probleme liegen.
    Nepotismus/Clientelismus und eine "Kleinwirtschaft", die die keine GOB kennt und somit auch keine durchführbare Abgabenordnung hat.

    Diese Einstellungen des "ohne Rechnung" oder "Manus Manum lavat" ist auch in Deutschland nicht unbenkannt.
    Wieviele Anbiete und Nachfrage fragen denn, ob mna "unbedingt eine Rechnung haben will" ?

    In Hellas hat man das eben im größeren Maßstab.

    Natürlich trägt ein Gläubiger mit Schuld bei einem Kreditausfall, wenn er zu blauäugig Geld verliehen hat. Und in einem rein marktwirtschaftlichen System würde er mit dem Verlust des Geldes bestraft werden.

    Der Agierende und damit Hauptschuldige ist aber der Schuldner, der wusste, dass er nicht würde zurück zahlen können, den Kredit aber dennoch aufnahm.

    Ich bekomme andauernd irgendwelche Kreditangebote zugeschickt. Ich bin dafür verantwortlich, ob ich darauf eingehe oder nicht. Es ist kein marktwirtschaftlicher Mechanismus, der mich zwingt ein solches Angebot anzunehmen oder abzulehnen, sondern es ist meine individuelle Verantwortung.

    Auf staatlicher Ebene wird es natürlich schon etwas schwieriger, die Verantwortung konkret an Personen festzumachen, weil das Personal, das Kreditverpflichtungen eingegangen ist, um sich und seinen Unterstützern Wohltaten zukommen zu lassen, nicht mehr im Amt ist, wenn es um die Begleichung der Lasten geht.

    Das ist halt das Grundproblem in vielen Demokratien, wenn sie keinen kontinuierlich weiter steigenden Wohlstand zu verteilen haben.

    Das Problem hat seinen Ursprung im politischen System, nicht in marktwirtschaftlichen Mechanismen.

    • cvnde
    • 19.06.2011 um 9:45 Uhr

    Ich sehe den Artikel nun nicht als Loblied auf die Marktwirtschaft, sondern der Autor listet kar auzf wo die Probleme liegen.
    Nepotismus/Clientelismus und eine "Kleinwirtschaft", die die keine GOB kennt und somit auch keine durchführbare Abgabenordnung hat.

    Diese Einstellungen des "ohne Rechnung" oder "Manus Manum lavat" ist auch in Deutschland nicht unbenkannt.
    Wieviele Anbiete und Nachfrage fragen denn, ob mna "unbedingt eine Rechnung haben will" ?

    In Hellas hat man das eben im größeren Maßstab.

  2. Tasos Telloglou weiss all das erst jetzt, oder schon laenger?Er hat das System wie kein anderer bedient...sollte vielleicht seine Laufbahn offenlegen, das waere zumindest ehrlich, auch eine spaete Reue wird akzeptiert.
    Im uebrigen die meisten *Top* Journalisten in GR sind Teil des Problems, nicht der (Er)Loesung...

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    Wenn Ihr Nachbar laut "Feuer, Feuer" ruft, fragen Sie den erst mal nach dessen polizeilichem Führungszeugnis, bevor Sie zur Kenntnis nehmen, dass er Recht mit dem Hinweis hat, dass Ihr Haus gerade abbrennt?

    [...] ...daher ist es schon von Bedeutung wer "Feuer, Feuer" ruft...da ich hoechstwahrscheinlich die Lage in GR besser kenne als Sie, masse ich mir an, TT als Teil des Problems zu bezeichnen, und seine Thesen schlicht abzulehnen.
    [...]

    Teile entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke. Die Redaktion/wg

    Wenn Ihr Nachbar laut "Feuer, Feuer" ruft, fragen Sie den erst mal nach dessen polizeilichem Führungszeugnis, bevor Sie zur Kenntnis nehmen, dass er Recht mit dem Hinweis hat, dass Ihr Haus gerade abbrennt?

    [...] ...daher ist es schon von Bedeutung wer "Feuer, Feuer" ruft...da ich hoechstwahrscheinlich die Lage in GR besser kenne als Sie, masse ich mir an, TT als Teil des Problems zu bezeichnen, und seine Thesen schlicht abzulehnen.
    [...]

    Teile entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke. Die Redaktion/wg

    • knuham
    • 18.06.2011 um 9:59 Uhr

    scheinen durachaus berechtigt.

    nur ein Beispiel :

    http://coveringdelta.word...

    Brüssel geht offensichtlich das Risiko ein, den Bock zum Gärtner zu machen.

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    • joG
    • 18.06.2011 um 10:03 Uhr

    ....und Griechenland ein nun kahles Land.

    • joG
    • 18.06.2011 um 10:03 Uhr

    ....und Griechenland ein nun kahles Land.

    • joG
    • 18.06.2011 um 10:01 Uhr

    ....nicht klar, dass sie ihre Probleme großteils der Rücksichtslosen Politik der "Herren in Brüssel" zu verdanken haben, die eine immer tiefere Union vorantrieben ohne auf die dafür notwendigen Bedingungen zu achten? Man wusste, dass der Maastrichtvertrag zum heutigen Scheitern führen musste und nahm das in Kauf für die Höhere Sache. Man legitimierte ihn nicht, weil man fürchtete, das Volk würde ablehnen. Man bestrafte Frankreich und Deutschland nicht, obwohl sie den Vertrag regelmäßig brachen. Man drückte Griechenland in der Euro, obwohl man wusste, dass die Wirtschaft das nicht schaffen konnte. Man erlaubte den Beitritt daher, obwohl man die Bücher der Regierung (bewusst?) nicht fachgerecht prüfte und wissen musste, dass die Kriterien bei Weitem nicht erfüllt waren noch werden konnten. Man verkaufte den Griechen gegen Schulden Waffen und Anderes, das das Land kaum brauchte, bis es illiquid wurde.

    Und da sagen die Leute, man brauche Brüsseler Bürokraten um aufzuräumen? Das ist weltfremd oder suizidal.

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    ... beteiligt sich die EU erst seit wenigen Monaten per EZB an den griechischen Schulden. Sonstige EU-Fördergelder wurden den Griechen ganz normal geschenkt, wie die Gelder auch anderen EU-Gebieten geschenkt wurden.

    Haben sie Kenntnisse, wie sich die EU als Gläubiger gegenüber Griechenland missverhielt, oder ist das ganz normales EU-Bürokratie-Bashing?

    Das Engagement der EZB sollte erreichen, dass die Kreditzinsen für die Griechen nicht ins Unermessliche steigen und eine Rückkehr an den internationalen Kreditmarkt überhaupt möglich wird.

    Sie sollten schon laengst der EU bye bye sagen. Die EU macht Griechenland kaputt um selber nicht kaputt gehen zu müssen! Mit diesem System kann Griechenland nie wieder Selbststaendig sein!

    ... was sie taten, als sie die Bilanzen gefälscht haben, um den Euro zu bekommen und wesentlich mehr Kredite aufgenommen haben, als sie je zurückzahlen können?
    Viele Kommentare hier klingen ja so, als wäre die souveräne Regierung seit je her unmündig gewesen und die erziehungsberechtigte EU hätte besser aufpassen müssen. Sicher hatte die EU eine Mitverantwortung, die griechische Bevölkerung durch strikte Prüfung vor einer betrügerischen Führung zu schützen. Aber niemand wird oder wurde gezwungen zu betrügen - die Hauptverantwortung liegt ganz klar bei den Betrügern selber.
    Wenn man also der griechischen politischen Elite und deren Handlangern in der Verwaltung die Mündigkeit abspricht, was nach (und nicht vor) der Aufdeckung der Misswirtschaft sicher naheliegt, was dann? Zunächst natürlich die griechische Bevölkerung fragen, wie sie die Krise realistisch zu lösen gedenkt. Das Problem ist nur, dass die Griechen weder Regierung noch Opposition vertrauen und keine alternativen Strukturen absehbar sind, die dies übernehmen könnten. Wäre es nun nicht an der Zeit, nach der EU als Vormund zu rufen? Nach wem sonst? Danach rufen sollten allerdings die Griechen selber und wenn ein griechischer Journalist dies vorschlägt ist das sicher kein schlechter Anfang.

    ... beteiligt sich die EU erst seit wenigen Monaten per EZB an den griechischen Schulden. Sonstige EU-Fördergelder wurden den Griechen ganz normal geschenkt, wie die Gelder auch anderen EU-Gebieten geschenkt wurden.

    Haben sie Kenntnisse, wie sich die EU als Gläubiger gegenüber Griechenland missverhielt, oder ist das ganz normales EU-Bürokratie-Bashing?

    Das Engagement der EZB sollte erreichen, dass die Kreditzinsen für die Griechen nicht ins Unermessliche steigen und eine Rückkehr an den internationalen Kreditmarkt überhaupt möglich wird.

    Sie sollten schon laengst der EU bye bye sagen. Die EU macht Griechenland kaputt um selber nicht kaputt gehen zu müssen! Mit diesem System kann Griechenland nie wieder Selbststaendig sein!

    ... was sie taten, als sie die Bilanzen gefälscht haben, um den Euro zu bekommen und wesentlich mehr Kredite aufgenommen haben, als sie je zurückzahlen können?
    Viele Kommentare hier klingen ja so, als wäre die souveräne Regierung seit je her unmündig gewesen und die erziehungsberechtigte EU hätte besser aufpassen müssen. Sicher hatte die EU eine Mitverantwortung, die griechische Bevölkerung durch strikte Prüfung vor einer betrügerischen Führung zu schützen. Aber niemand wird oder wurde gezwungen zu betrügen - die Hauptverantwortung liegt ganz klar bei den Betrügern selber.
    Wenn man also der griechischen politischen Elite und deren Handlangern in der Verwaltung die Mündigkeit abspricht, was nach (und nicht vor) der Aufdeckung der Misswirtschaft sicher naheliegt, was dann? Zunächst natürlich die griechische Bevölkerung fragen, wie sie die Krise realistisch zu lösen gedenkt. Das Problem ist nur, dass die Griechen weder Regierung noch Opposition vertrauen und keine alternativen Strukturen absehbar sind, die dies übernehmen könnten. Wäre es nun nicht an der Zeit, nach der EU als Vormund zu rufen? Nach wem sonst? Danach rufen sollten allerdings die Griechen selber und wenn ein griechischer Journalist dies vorschlägt ist das sicher kein schlechter Anfang.

    • joG
    • 18.06.2011 um 10:03 Uhr

    ....und Griechenland ein nun kahles Land.

  3. Selbstständige sollen an Griechenlands Lage schuld sein? Jetzt verstehe ich gar nichts mehr. Unternehmergeist soll schädlich sein? Schröder installierte extra ein Förderprogramm für Ich-AGs, und in Griechenland haben gerade die das Land an den Abgrund geführt?

    Und die Gläubiger haben das jahrelang nicht gewusst!? Da braucht's mehr Markt! Mit mehr Markt wäre das nicht passiert. Wenn Gläubiger gekonnt hätten, wie sie eigentlich wollten, wäre nichts davon passiert.

    Dann braucht man noch unbedingt einen schlankeren Staat in Griechenland. Das leuchtet ein. schließlich kann man nur mit einem schlanken Staat den topfitten selbstständigen Steuerbetrügern hinterherspurten.

    Wir sehen, wie das in Deutschland läuft, je schlanker die Behörde ist, desto mehr Betrüger könnten die Steuerfahnder schnappen. Gleiches mit der Zollbehörde und illegalen Arbeitern. Wenn die Fahnder so viel sind, steh'n die sich nur gegenseitig im Weg ... und dem freien Markt. Der freie Markt weiß eh am besten, wie viel Illegalität noch gut ist und wie viel nicht mehr.

    Wenn im freien Markt die Illegalität zu groß wird, sagt der Gläubiger: "Sorry, das Risiko ist mir zu groß, du kriegst kein Geld mehr von mir." Die Griechen hätten nie so viel Schulden anhäufen können. Selbstregulation eben. Natürlich hätten die Griechen auch nie so viel Rüstungsgüter von uns gekauft. Wie auch ohne Geld und ohne Kredit? Weltfrieden hätten wir also gratis oben drauf gehabt.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • cvnde
    • 19.06.2011 um 10:06 Uhr

    Griechenland hat 11,5 Mio Einwohner, wenn jetzt 1,8 Mio. Menschen dort Selbständige sind, dann sind das 15,6 v. H. der Gesamtbevölkerung.

    Das dies nur unter den im Artikel genannten Bedingungen effektives Einkommen einbringt, dürfte klar sein.
    Es sei denn, dass man unterstellt jeder dieser Selbständigen könnte soviel Absatzmarkt finden durch Tourismus etc..

    Der Unterschied zu Deutschland ist, dass die Selbständigen Quote hier relativ niedrig liegt und die Hartz-Kommission hatte die Idee, dass man mehr Menschen zur Selbständigkeit motivieren wollte, um damit weitere Arbeitsplätze zu schaffen.
    Ob das mit der Ich-AG per sei ein guter Weg war sei mal dahingestellt.

    In Frankreich gibt es wieder den Terend, dass auch dort Akademiker lieber angestellt sein möchten, als selbständig.

    • cvnde
    • 19.06.2011 um 10:06 Uhr

    Griechenland hat 11,5 Mio Einwohner, wenn jetzt 1,8 Mio. Menschen dort Selbständige sind, dann sind das 15,6 v. H. der Gesamtbevölkerung.

    Das dies nur unter den im Artikel genannten Bedingungen effektives Einkommen einbringt, dürfte klar sein.
    Es sei denn, dass man unterstellt jeder dieser Selbständigen könnte soviel Absatzmarkt finden durch Tourismus etc..

    Der Unterschied zu Deutschland ist, dass die Selbständigen Quote hier relativ niedrig liegt und die Hartz-Kommission hatte die Idee, dass man mehr Menschen zur Selbständigkeit motivieren wollte, um damit weitere Arbeitsplätze zu schaffen.
    Ob das mit der Ich-AG per sei ein guter Weg war sei mal dahingestellt.

    In Frankreich gibt es wieder den Terend, dass auch dort Akademiker lieber angestellt sein möchten, als selbständig.

    • Lutz2
    • 18.06.2011 um 10:12 Uhr

    Was für eine Aktion ist das denn !!??
    Wollt ihr hier öffentlich erklären es gäbe keinen Griechen der das Land führen könnte !!??
    Ein Skandal und eine unfassbare krankhafte Arroganz.
    Das Problem ist gerade die EU und der Euro für GR.
    Die müssen da raus und dann können sie ihr Land wieder selber führen und sie müssen die Banken an die Leine nehmen und das ganz,ganz kurz und mit solchen wie Goldman & Sachs die sie ja beratend da rein geführt haben keine Geschäfte mehr machen.

  4. ... beteiligt sich die EU erst seit wenigen Monaten per EZB an den griechischen Schulden. Sonstige EU-Fördergelder wurden den Griechen ganz normal geschenkt, wie die Gelder auch anderen EU-Gebieten geschenkt wurden.

    Haben sie Kenntnisse, wie sich die EU als Gläubiger gegenüber Griechenland missverhielt, oder ist das ganz normales EU-Bürokratie-Bashing?

    Das Engagement der EZB sollte erreichen, dass die Kreditzinsen für die Griechen nicht ins Unermessliche steigen und eine Rückkehr an den internationalen Kreditmarkt überhaupt möglich wird.

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    • joG
    • 19.06.2011 um 11:15 Uhr

    ... wenigen Monaten per EZB an den griechischen Schulden. "

    Das ist mE eine unzulässige Vereinfachung. Es stimmt zwar schon, dass die Zentralbanken recht wenig Risiko aus PIIGS Anleihen hatte, bis sie kürzlich begannen riesige Mengen zu kaufen. Das lässt aber den Schluss nicht zu, Regierungen und Bürokratie hätten bis dahin kein öffentliches Geld riskiert und keine Verantwortung gehabt für die Anhäufung der Bestände bei bspw deutschen Kreditinstituten, LVs und Pensionskassen.

    So vergaben bspw öffentliche Banken Exportkredite und die Behörden dirigierten und kontrollierten über eine komplexe Finanzmaktregiulierungsstruktur den Kauf von PIIGS Papier in LV Deckungsstöcke. Man schlug auch nicht Alarm, als die Schulden dieser Länder in den Himmel wuchsen, trotzdem man sowohl in Brüssel als auch in Berlin und Frankfurt Bürokratien unterhält, die den Entwurf, die Überwachung, die Kontrolle und die Durchsetzung der Finanzmarktregeln machen sollen. Zumindest bezahlen wir diese Leute dafür.

    • joG
    • 19.06.2011 um 11:15 Uhr

    ... wenigen Monaten per EZB an den griechischen Schulden. "

    Das ist mE eine unzulässige Vereinfachung. Es stimmt zwar schon, dass die Zentralbanken recht wenig Risiko aus PIIGS Anleihen hatte, bis sie kürzlich begannen riesige Mengen zu kaufen. Das lässt aber den Schluss nicht zu, Regierungen und Bürokratie hätten bis dahin kein öffentliches Geld riskiert und keine Verantwortung gehabt für die Anhäufung der Bestände bei bspw deutschen Kreditinstituten, LVs und Pensionskassen.

    So vergaben bspw öffentliche Banken Exportkredite und die Behörden dirigierten und kontrollierten über eine komplexe Finanzmaktregiulierungsstruktur den Kauf von PIIGS Papier in LV Deckungsstöcke. Man schlug auch nicht Alarm, als die Schulden dieser Länder in den Himmel wuchsen, trotzdem man sowohl in Brüssel als auch in Berlin und Frankfurt Bürokratien unterhält, die den Entwurf, die Überwachung, die Kontrolle und die Durchsetzung der Finanzmarktregeln machen sollen. Zumindest bezahlen wir diese Leute dafür.

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