Weniger Erwartungen, mehr Überraschungen: Die DFB-Elf beim Training © Rainer Jensen/picture alliance/dpa

Vorige Woche, während ihres letzten Lehrgangs vor der Weltmeisterschaft , wohnten die besten deutschen Fußballerinnen in einem Frankfurter Hotel. Darauf war das Hotel stolz, mitten in der vornehmen Lobby stand ein großes Schild: »Wir freuen uns, die Frauennationalmannschaft zu begrüßen.« Die deutsche »Frauennationalmannschaft« spielt die »Frauenweltmeisterschaft« – überall liest und hört man jetzt diese Begriffe, in denen das Wort Fußball fehlt und die deshalb so klingen, als sei »Frauen« eine ganz besonders schwere Disziplin, in der man sich lange üben muss, um sie nach viel Training schließlich zu beherrschen.

Weltmeisterschaft im Frausein unter erschwerten Bedingungen – das ist offenbar die Disziplin, in der sich die Mannschaft von Bundestrainerin Silvia Neid bewähren soll.

Die Erwartungen an die Spielerinnen sind in den vergangenen Wochen immer höher geworden: Sie sollen alle Spiele gewinnen, aber ihre Siege dürfen nicht zu hoch ausfallen, denn das würde bedeuten, dass die Gegner zu schwach sind und das Niveau des Frauenfußballs zu niedrig. Weltmeister müssen sie natürlich trotzdem werden, aber nicht nur aus sportlichen Gründen, sondern zu höheren Zwecken: als Vorbilder für Mädchen, die Fußball spielen wollen, obwohl ihre Freundinnen lieber zum Ballett gehen. Sie sollen außerdem gewinnen, damit der Migrantenanteil in den Vereinen steigt. Sie müssen erfolgreich sein, weil sich sonst die Medien, die sich weit aus dem Fenster gelehnt haben mit umfassender Berichterstattung und der Übertragung aller WM-Spiele, der Lächerlichkeit preisgeben.

Das Spiel der Fußballerinnen muss bei alledem selbstverständlich attraktiv sein sowie körperbetont und kraftvoll, und abseits des Platzes sollen auch sie selbst attraktiv sein , dabei jedoch bloß nicht kraftvoll aussehen. Sie dürfen sich aber nicht zu weiblich und zu sexy präsentieren, denn wer sich im Playboy auszieht, der macht sich zum Sexobjekt. Lesbisch aussehen sollten sie auf gar keinen Fall, höchstens, wenn sie lesbisch sind, dann müssen sie aber auf jeden Fall dazu stehen, weil es wichtig ist, zu zeigen, dass der Frauenfußball viel toleranter ist als der Männerfußball. Und wenn die Hobbys der Spielerinnen oder ihre Statements nach dem Spiel genauso langweilig sind wie die der Männer, fällt das plötzlich allen viel stärker auf, weil man von Frauen irgendwie mehr Esprit erwartet hätte. Könnten Männer bei so vielen Anforderungen überhaupt noch Fußball spielen?

Und wundern sich eigentlich die Männer, denen der herbe Charme einiger Fußballerinnen nicht passt, darüber, dass es Fußballspieler gibt wie Cristiano Ronaldo oder David Beckham, bei denen man das Parfüm schon riecht, wenn man nur ihre Fotos in Zeitschriften sieht? Verdrehen genau diese Männer nicht genervt die Augen, wenn Frauen mit ihnen Fußball gucken und sagen: »Der sieht aber süß aus!«, und antworten dann: »Das ist doch total egal!« Genau.