Ausgrabungen Flüsse aus Quecksilber
Chinas erster Kaiser wurde in einem Modell seines Staates begraben. Pferde aus Ton, Bronzevögel und tanzende Untertanen bevölkern das Totenreich. Jetzt bergen Archäologen diesen Schatz.
© China Photos/Getty Images

Ausgestellt in einem chinesischen Museum in Lintong: Figuren der berühmten Terrakotta-Armee des ersten chinesischen Kaisers Qin Shihuangdi (Archivfoto).
Habt ihr gesehen?, fragten die Bauern. Soldaten, Tausende müssen es sein, die Kutschen, mit Gold und Silber beschlagen, was für eine Pracht! Und gleichzeitig dieser Gestank, gotterbärmlich, ganz schwindlig wird einem davon!
Es waren die heißen Sommertage des Jahres 210 vor Christus, als die kaiserliche Karawane durch die gelben Lössberge Zentralchinas zog. In einer der Kutschen lag Qin Shihuangdi, der erste Kaiser, ein Titan. Er habe das Herz eines Tigers, sagte ein Zeitgenosse. Er habe die Reiche verschlungen, wie eine Raupe ein Maulbeerblatt verschlinge, schrieb der Historiker Sima Qian. Aus sieben Staaten schmiedete er den einen, zum ersten Mal in der Geschichte wurde das chinesische Reich geeint.
Die Bauern warfen sich tief in den Staub, doch der Kaiser bemerkte sie nicht. Sein Leib lag auf weichen Seidenkissen, er verweste seit Wochen in der Sommerhitze. Wenige wussten von seinem Tod, und keiner wollte ihn kundtun. Ehrgeizige Eunuchen intrigierten, um die Erbfolge in ihrem Sinne zu regeln. Solange ihre Winkelzüge nicht aufgegangen waren, musste der Tod des Kaisers verheimlicht werden. Deswegen führte jede Kutsche 30 Kilo Trockenfisch mit sich, deshalb vernahm, wer immer sich der Kutsche des Kaisers näherte, an seiner statt das unbestimmte Murmeln eines Eunuchen.
Der Kaiser war schon zwei Monate lang tot, als man ihn im prächtigsten Grab beisetzte, das China je gesehen hatte. Die Worte aus der Chronik Sima Qians haben die Archäologen elektrisiert: »Die Grabkammer wurde mit Modellen von Palästen, Türmen, Edelsteinen und seltenen Objekten gefüllt. Die Handwerker befestigten Selbstschussanlagen, auf dass sie jeden, der einzudringen wagte, töten sollten. Die hundert Flüsse, der Jangtse und der Gelbe Fluss, die Meere wurden mit Quecksilber nachgeformt und mit Maschinen künstlich am Strömen gehalten. Oben waren die Himmelskörper dargestellt, unten die Formen der Erde.«

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Stimmt das? Keiner kann es sagen, denn noch ist das Grab des Kaisers ungeöffnet. Dabei weiß man genau, wo es liegt. Der Grabhügel am Fuße der Li-Berge in der Nähe der alten Kaiserstadt Xian ist 55 Meter hoch und nicht zu übersehen. Doch um Sima Qians Worte zu verifizieren, müsste man sich tief hinabgraben, durch Erde und Gestein. Technisch wäre das problemlos möglich, nur: Was tun, wenn man es geöffnet hat? Um dann festzustellen, dass man noch nicht in der Lage ist, die kostbaren Fundstücke zu konservieren? Die gelbe Lösserde konserviert außerordentlich gut, hat man Holz oder Stoffe jedoch erst mal ausgegraben, verfallen sie an der frischen Luft innerhalb weniger Stunden. Abwarten, sagen daher die Archäologen.
Sie haben auch so genug zu tun. Denn die Anlage besteht längst nicht nur aus dem Grab im Bauch des Hügels. Insgesamt umfasst sie ein Areal von 56 Quadratkilometern und ist damit nur wenig kleiner als Manhattan. Um den Grabhügel herum gruppieren sich unzählige Nebengräber und Gruben, in denen Grabbeigaben zu finden sind. Insgesamt sind es 183 Gruben und 400 Seitengräber. Jeder kennt die weltberühmten Tonsoldaten, die in drei Gruben geborgen wurden, doch machen sie nur einen kleinen Teil der Anlage aus. Immer wieder werden neue Gruben entdeckt, und mit jeder stellt sich erneut die Frage: Was bedeutet das Grab? Warum dieser gigantische Aufwand? Was wollte der erste Kaiser? Noch in diesem Jahr werden Museen mit Fundstücken eröffnet, die ein ganz neues Licht auf die Herrschaft des ersten Kaisers werfen sollen.
Duan Qingbo sitzt am Tisch eines Cafés in Xian und bemalt bereits das vierte Blatt Papier mit Karten, Querschnitten, Ansichten. Duan ist Archäologieprofessor und der Typ Mensch, mit dem man auf Anhieb in Campingurlaub fahren würde. Zehn Jahre lang leitete er die Ausgrabungen an der letzten Ruhestätte des Kaisers, er kennt das Areal wie wenige andere. Harte Arbeit war das, bei Regen, bei Kälte, bei Schnee. Duan greift bedauernd ins graue Haar, »das war früher ganz schwarz«. Es gab Nächte, da schlich sich der erste Kaiser in Duans Träume und ließ ihn nicht mehr los. Da stellte er sich auch nachts die Frage, der er doch ohnehin schon jeden Tag nachging: Wer war der erste Kaiser? Tagsüber verfolgte Duan den Kaiser. Und nachts verfolgte der Kaiser Duan Qingbo.
- Datum 29.06.2011 - 16:48 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 22.6.2011 Nr. 26
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..." noch ist das Grab des Kaisers ungeöffnet. "
Damit ist eigentlich alles gesagt
[...]
Bitte verzichten Sie auf Angriffe gegenüber der Autorin. Danke, die Redaktion/jz
Dann können wir uns ja auch alle anderen Artikel sparen, die etwas über zukünftige Ereignisse aussagen.
Haben Sie den Artikel vollständig gelesen (insbesondere auch den letzten Satz)? Archäologie lebt von dem Traum, irgendwo vergraben das vorzufinden, was in alten Geschichten lebhaft ausgemalt wurde. Sie sehen das zu rational. Träumen Sie mal mit.
Wird vermutlich wieder wegmoderiert, aber ich werde es doch schreiben:
Sie sind ein Banause und Meckerfritze.
Den Artikel finde ich sehr interessant. Es geht in der Archäologie und in der Geschichtswissenschaft ja nicht nur um spektakuläre Funde (wobei ich das, was bisher gefunden wurde, für sehr spektakulär, ja nachgerade fantastisch finde - Kanäle mit Metallvögeln, herrlich!), sondern auch um Methodik. Oder eben auch die Forscher, wie den unermüdlichen Prof. Duan.
trotzdem gemein von der Red., die Antwort unzensiert zu lassen (normal heißt es doch immer "Der Kommentar, auf den Sie sich beziehen, wurde mittlerweile moderiert" oder so, und "Bitte bleiben Sie sachlich...")
Deswegen hat Russkil von mir, eine Empfehlung bekommen, um der Gerechtigkeit Genüge zu tun.
Ich finde, daß auch diese Meinung zählt und verstehe sie in ANspielung auf die "Schlacht" welche die letzten Wochen in der Zeit und ihren Foren tobte, ob Personen, die zu ähnlicher Wichtigkeit für die heutige Epoche hoch stilisiert wurden. Und da gebe ich ihm nochmals recht.
Übrigens meinte ich damit jezt nicht Wen Jiabao, nur um Mißverständnissen vorzubeugen.
In diesem Sinne: Jede Meinung zählt.
Entfernt. Bitte äußern Sie sich zu den Inhalten des Artikels. Danke. Die Redaktion/vn
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Den Artikel finde ich sehr interessant. Es geht in der Archäologie und in der Geschichtswissenschaft ja nicht nur um spektakuläre Funde (wobei ich das, was bisher gefunden wurde, für sehr spektakulär, ja nachgerade fantastisch finde - Kanäle mit Metallvögeln, herrlich!), sondern auch um Methodik. Oder eben auch die Forscher, wie den unermüdlichen Prof. Duan.
trotzdem gemein von der Red., die Antwort unzensiert zu lassen (normal heißt es doch immer "Der Kommentar, auf den Sie sich beziehen, wurde mittlerweile moderiert" oder so, und "Bitte bleiben Sie sachlich...")
Deswegen hat Russkil von mir, eine Empfehlung bekommen, um der Gerechtigkeit Genüge zu tun.
Ich finde, daß auch diese Meinung zählt und verstehe sie in ANspielung auf die "Schlacht" welche die letzten Wochen in der Zeit und ihren Foren tobte, ob Personen, die zu ähnlicher Wichtigkeit für die heutige Epoche hoch stilisiert wurden. Und da gebe ich ihm nochmals recht.
Übrigens meinte ich damit jezt nicht Wen Jiabao, nur um Mißverständnissen vorzubeugen.
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"Archäologen heben das Grab des ersten Kaisers von China" lautet die Ueberschrift
"Archäologen heben das Grab des ersten Kaisers von China" lautet die Ueberschrift
werde alt genug, um die gefundenen Gegenstände, was auch immer, noch zu sehen. Schon die Terrakottaarmee ist beeindruckend und ein Zeichen dafür, welche künstlerischen Möglichkeiten es damals schon gab.
Ich hoffe, die Chinesen beeilen sich - u.U. wartet ein Fund, der das Grab von Tutti noch infrage stellt.
Wird vermutlich wieder wegmoderiert, aber ich werde es doch schreiben:
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4. "Ich weiß, wird eh wieder gelöscht, aber was sein muß, muß sein
Wird vermutlich wieder wegmoderiert, aber ich werde es doch schreiben:
Sie sind ein Banause und Meckerfritze."
;-)Banause und Meckerfritze ist Klasse,deutlich,aber doch irgendwie liebenswürdig.
Das dürfen Sie hier jederzeit schreiben und meinen,solange Sie es nicht zu Anhängern/Sympathisanten von gewissen Ideologien sagen/schreiben.;-)
OK. ich bin kein von und zu Guttenberg, der nur nettes daherschleimt. Manche Leute wollen ja regelrecht von reisserischen Schlagzeilen
( sprich Spruechen) "verfuehrt" werden.
Die Redaktion scheint auch drauf zu stehen, wie man an der Redaktionsempfehlung sehen kann.
"Archäologen heben das Grab des ersten Kaisers von China" lautet die Ueberschrift ( bzw. der link auf der ZEIT online Hauptseite )
[...]
Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Beleidigungen gegenüber der Autorin. Danke, die Redaktion/jz
4. "Ich weiß, wird eh wieder gelöscht, aber was sein muß, muß sein
Wird vermutlich wieder wegmoderiert, aber ich werde es doch schreiben:
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4. "Ich weiß, wird eh wieder gelöscht, aber was sein muß, muß sein
Wird vermutlich wieder wegmoderiert, aber ich werde es doch schreiben:
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So eine "Hebung" ist ja - gerade bei einem Gebiet dieser Größe- ein langwieriger Prozess. Das ist selten so wie früher im Tal der Könige, nach dem Motto: Tür zur Grabkammer aufmachen, Fundstücke rausholen. Und der Artikel macht doch sehr deutlich, warum die Hebung hier so lange dauert.
So eine "Hebung" ist ja - gerade bei einem Gebiet dieser Größe- ein langwieriger Prozess. Das ist selten so wie früher im Tal der Könige, nach dem Motto: Tür zur Grabkammer aufmachen, Fundstücke rausholen. Und der Artikel macht doch sehr deutlich, warum die Hebung hier so lange dauert.
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