Klimapolitik Alle guten Geister
Der Klimafrevel hat einen neuen Rekord erreicht. Ohne ein globales Abkommen ist er nicht zu stoppen.
Weltverbesserer brauchen heimliche Helfer. Geister. Einen wie den Geist von Rio, der vor knapp 20 Jahren beim Erdgipfel in Rio de Janeiro die Staats- und Regierungschefs dazu bewog, Nachhaltigkeit zum Leitprinzips ihres Tuns und Lassens zu machen und beispielsweise den Auftrag zum Klimaschutz in einem völkerrechtlichen Vertrag festzuschreiben.
Der Geist von Rio wurde seitdem oft beschworen. Gleichwohl, er offenbarte sich immer seltener. 1997 machte noch einmal sein kleiner Bruder von sich reden, der Geist von Kyoto. Er stand Pate, als die Industrieländer den Mut fassten, sich Beschränkungen aufzuerlegen, um ihren Ausstoß von Treibhausgasen zu begrenzen.

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Seitdem ist über kaum ein anderes Umweltschutzabkommen so viel gestritten worden wie über das Kyoto-Protokoll, den einzigen Klimaschutzvertrag mit konkreten Verpflichtungen wenigstens für rund drei Dutzend entwickelte Nationen. Doch obwohl der gefährliche Klimawandel näher rückt, obwohl Dürren und Flutkatastrophen heute besser denn je ahnen lassen, welches Unheil die Erwärmung mit sich bringt, beseelt der Geist von Kyoto kaum noch ein Mitglied der politischen Klasse.
Der globale Ausstoß von Treibhausgasen machte im vergangenen Jahr einen Sprung nach oben. Die Emissionen erreichten Rekordniveau. Und das Ziel, den Temperaturanstieg auf zwei Grad zu begrenzen, ist in weite Ferne gerückt.
Überrascht es da, dass jemand, der bis vor Kurzem quasi zur Nomenklatura der internationalen Klimaschutzdiplomatie gehörte, das Kyoto-Protokoll für tot erklärt? »Der Geist des Kyoto-Protokolls ist verschwunden«, ließ Yvo de Boer die taz wissen, jener Niederländer, der bis vor einem Jahr das UN-Klimasekretariat in Bonn leitete. Dort ging gerade eine Vorbereitungskonferenz für den nächsten Weltklimagipfel im südafrikanischen Durban zu Ende – mit einem Ergebnis, das bestätigt, wie verfahren die Lage ist.
Dass die Industrienationen ihre laut Protokoll im Jahr 2012 endenden Pflichten zur Emissionsbegrenzung nicht fortschreiben wollen und dass das Gros der übrigen Nationen nicht gewillt ist, verbindlich konkrete Verpflichtungen zum Klimaschutz zu übernehmen, hat verschiedene Gründe.
Die einen, die Industrieländer, behaupten, sie hätten immerhin angefangen, ihr Scherflein zur Bekämpfung der Erderwärmung beizutragen. Ohne unbillige Wettbewerbsnachteile in Kauf nehmen zu müssen, sei mehr leider nicht drin, zumal die größten Klimasünder mittlerweile ohnehin die Schwellenländer seien. Und richtig, tatsächlich offenbart ein Blick in die offizielle Statistik, dass China inzwischen am meisten klimaschädliches Kohlendioxid (CO₂) ausstößt.
Die anderen, China & Co. behaupten, pro Kopf sorgten sie nach wie vor für deutlich weniger CO₂ als die Industrieländer. Und obendrein müssten manche der Emissionen, die ihr Klimakonto belasten, in Wirklichkeit auf dem Konto der Industrienationen verbucht werden.
Klimaschutz? Verteilungsstreit beherrscht den Versuch, die Erderwärmung zu begrenzen.
Jetzt kommt etwas mehr Klarheit in die Debatte, dank einer Studie, an der auch zwei Ökonomen des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung und der TU Berlin beteiligt waren. Die in der Fachzeitschrift der US-Wissenschaftsakademie erschienene Untersuchung versucht zum ersten Mal, die Emissionseffekte der weltweiten Arbeitsteilung umfassend zu ermitteln. Und siehe da: Tatsächlich sind die reichen Länder zunehmend für den Ausstoß von Treibhausgasen in ärmeren Ländern verantwortlich. Durch ihren Konsum haben sie sogar mehr zum Emissionswachstum in Entwicklungsländern beigetragen, als sie zu Hause eingespart haben.
Die amtliche CO₂-Statistik gibt das nicht her. Sie folgt dem Territorialprinzip, wonach Emissionen jenem Land zugeschrieben werden, in dem sie entstehen. Wer ein im Ausland produziertes Handy oder Hemd kauft, verursacht aber im Herkunftsland Emissionen, nicht in seinem Heimatland; umgekehrt verringert zum Beispiel der Export von Autos die Klimalast des Landes, in dem die Autofabrik steht.
Der Saldo des in den Im- und Exportgütern steckenden CO₂ verändert also die Klimabilanzen von Ländern – mit dem Effekt, dass nach dieser Zählweise nicht China den größten CO₂-Fußabdruck hinterlässt, sondern dass es nach wie vor die USA sind. Auch Deutschland, obwohl Spitze im Export, importiert per Saldo CO₂. Denn die Produktion der Importgüter in den Herkunftsländern ist emissionsintensiver als die Herstellung der monetär wertvolleren Exportwaren.
Was folgt daraus? Jedenfalls nicht, dass der Welthandel ungerecht ist. Die Industrieländer haben zwar Emissionen ausgelagert, aber auch Einkommen und Wertschöpfung abgegeben. Eher lautet die Lehre, dass die Klimaerfolge der Industrieländer bisher bescheiden geblieben sind. Vor allem aber, dass Klimapolitik wenig bewegt, solange sie fragmentiert bleibt, während Handel und Wandel global sind.
Es führt deshalb kein Weg daran vorbei: Sollen die Regeln zur Emissionsvermeidung wirksam werden, gehören sie schleunigst ausgeweitet. Wer sich dem verweigert, ist von allen guten Geistern verlassen.
- Datum 29.06.2011 - 17:37 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 22.6.2011 Nr. 26
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Naturkatastrophen, welche auf die Klimaerwärmung zurückzuführen sind
Oder seeeeehr viel Zeit, die haben wir aber leider nicht
Ihr könnt doch nicht über den Klimafrevel schreiben und gleichzeitig ein so tolles Bild aus dem Archiv kramen. Als begeisterter Industriefotograf kann ich mich in solchen Situation gar nicht auf den Hintergrund des Artikels konzentrieren.
folgenden Bericht gesehen. Profit um jeden Preis über BP, und Abgefackelt - Wie die Ölkonzerne unser Klima killen!
So lange diese Machenschaften noch möglich sind, kann ich keinen Weltverbesserer mehr Ernst nehmen.
Ich will meine gute alte Glühbirne wieder zurück.
jetzt ist es "Klimafrevel". Daß diese Klimahysterie eine Ersatzreligion ist, wird immer deutlicher. Fehlt nur noch die Inquisition.
fängt man eben eine Debatte über die Wortwahl an, oder wie soll ich das jetzt verstehen?
Die Beschwerde über das in meinen Augen auch nicht eben glückliche Wort "Klimafrevel" führt bestenfalls zu einer nicht hilfreichen Metadiskussion.
An den Fakten ändert das wenig.
an und ob Sie dann noch wagen, nicht von Frevel zu sprechen?!
http://videos.arte.tv/de/...
fängt man eben eine Debatte über die Wortwahl an, oder wie soll ich das jetzt verstehen?
Die Beschwerde über das in meinen Augen auch nicht eben glückliche Wort "Klimafrevel" führt bestenfalls zu einer nicht hilfreichen Metadiskussion.
An den Fakten ändert das wenig.
an und ob Sie dann noch wagen, nicht von Frevel zu sprechen?!
http://videos.arte.tv/de/...
Es würde mich jetzt mal interessieren, wieviel Diesel dafür verbraucht wird, um diesen ganzen Globalisierungskäse zu befeuern.
Bei der Warenproduktion funktioniert dieses ganze Globalisierungsgeschäft ja nur unter massivem Transportaufwand. Und da die Kosten für Transport massiv unterbewertet sind, weil Treibstoff ja so gut wie nichts kostet, sähe es da auch ganz anders aus, wenn mit realistischen Preisen gearbeitet würde.
Aber das kriegen unsere Wirtschaftswissenschaftler ja nicht hin. Oder vermutlich erst dann, wenn es sowieso zu spät ist.
Der "Globalisierungskäse", wie Sie in einer Mischung aus Zynismus und Ahnungslosigkeit zu formulieren belieben, hat in den vergangenen 30 Jahren dafür gesorgt, daß viele Menschen aus früheren Entwicklungs- und jetzigen Schwellenländern aus ihrer absoluten Armut herausgekommen sind und Chancen auf einen bescheidenen Wohlstand haben.
Und falls Sie dazu einen Literaturtipp benötigen (nach meiner Erfahrung fast immer notwendig für die Damen und Herren Globalisierungskritiker) - bitte sehr: "Schmalspur-Ökonomie" von Paul Krugman.
Da unnötiger Warentransport, z.B. Tuffi-Milch aus Wuppertal in München und Hochland-Milch aus dem Allgäu in Wuppertal, auch unnötigen CO2-Ausstoß verursacht, sollte er mit so hohen Gebühren belastet werden, daß die Gewinne abgeschöpft werden.
Dann würden auch die Strassen weniger belastet, die anderen verkehrsbedingten Umweltschäden gingen auch zurück. Die LKW-Maut scheint immer noch nicht hoch genug zu sein.
Den meisten Menschen ist nicht bewußt wie billig Energie heute noch ist. Eine kWh Strom kostet den Verbraucher nur 0,2 Euro, dafür müßte er auf einem Ergometer 10 Stunden strampeln.
Ein Liter Motorenbenzin enthält rund 8 kWh, selbst mit der Steuer kostet das derzeit nur 1,55 Euro, also weniger als el. Strom. Erst bei deutlich höheren Treibstoffkosten beginnt der Verbraucher richtig zu sparen. Wen kratzt es denn schon wenn das Auto 10 Liter /100 km verbraucht? Dabei gibt es schon lange die Technik des 3 Liter-Autos. Aber mit der Erhöhung der Effizienz der Motoren stieg auch die Masse der Autos. 1990 wog ein VW-Golf 800 kg, heute mehr als 1200 kg. Was nützt da der sparsamere Motor, wenn mehr Masse beschleunigt werden muß? In den 1950er Jahren gab es Autos, die nur 1,5 Liter/100 km verbrauchten, mit viel schlechteren Motoren. Sie fuhren aber erstens langsamer und hatten nicht so viel Blech. Wir haben ein Luxusproblem. Wir sollten weniger lamentieren, und uns an die eigene Nase fassen. Falls uns die Welt etwas bedeutet, müssen wir bescheidener werden.
Der "Globalisierungskäse", wie Sie in einer Mischung aus Zynismus und Ahnungslosigkeit zu formulieren belieben, hat in den vergangenen 30 Jahren dafür gesorgt, daß viele Menschen aus früheren Entwicklungs- und jetzigen Schwellenländern aus ihrer absoluten Armut herausgekommen sind und Chancen auf einen bescheidenen Wohlstand haben.
Und falls Sie dazu einen Literaturtipp benötigen (nach meiner Erfahrung fast immer notwendig für die Damen und Herren Globalisierungskritiker) - bitte sehr: "Schmalspur-Ökonomie" von Paul Krugman.
Da unnötiger Warentransport, z.B. Tuffi-Milch aus Wuppertal in München und Hochland-Milch aus dem Allgäu in Wuppertal, auch unnötigen CO2-Ausstoß verursacht, sollte er mit so hohen Gebühren belastet werden, daß die Gewinne abgeschöpft werden.
Dann würden auch die Strassen weniger belastet, die anderen verkehrsbedingten Umweltschäden gingen auch zurück. Die LKW-Maut scheint immer noch nicht hoch genug zu sein.
Den meisten Menschen ist nicht bewußt wie billig Energie heute noch ist. Eine kWh Strom kostet den Verbraucher nur 0,2 Euro, dafür müßte er auf einem Ergometer 10 Stunden strampeln.
Ein Liter Motorenbenzin enthält rund 8 kWh, selbst mit der Steuer kostet das derzeit nur 1,55 Euro, also weniger als el. Strom. Erst bei deutlich höheren Treibstoffkosten beginnt der Verbraucher richtig zu sparen. Wen kratzt es denn schon wenn das Auto 10 Liter /100 km verbraucht? Dabei gibt es schon lange die Technik des 3 Liter-Autos. Aber mit der Erhöhung der Effizienz der Motoren stieg auch die Masse der Autos. 1990 wog ein VW-Golf 800 kg, heute mehr als 1200 kg. Was nützt da der sparsamere Motor, wenn mehr Masse beschleunigt werden muß? In den 1950er Jahren gab es Autos, die nur 1,5 Liter/100 km verbrauchten, mit viel schlechteren Motoren. Sie fuhren aber erstens langsamer und hatten nicht so viel Blech. Wir haben ein Luxusproblem. Wir sollten weniger lamentieren, und uns an die eigene Nase fassen. Falls uns die Welt etwas bedeutet, müssen wir bescheidener werden.
Also erst mal war das BÖSE Atom, das hatten wir schon, ist gekauft, da werden wir NIE mehr sündigen. Nun also das BÖSE CO2 "reloaded".
Und was sagt uns das? Hat der Artikel eine Lösung in petto? Oder sollen wir uns nur wieder alle mies fühlen, so als die armen Sünderlein, das aber absolut folgenlos?
Hat einen neuen Rekord in seinem Status als Ersatzreligion erreicht!
Ich darf da noch an Mel Brooks verrückte Geschichte der Welt erinnern: "The inquisition...here they are..."
Wenn man als Stefan_T einen Zweitaccount für Mark Mallokent anlegt und denselben inhaltslosen Vergleich zur Religion nochmal postet, dann wird er trotzdem nicht wahrer.
Es wäre zu wünschen, dass sich die verantwortlichen Individuen aus Politik, Wirtschaft und Medien dazu bekennen, dass sie absichtlich Handlungen gegen den Klimawandel blockieren. Dann können kommende Generationen (oder wie in einigen Jahrzehnten) zumindest noch über sie urteilen und zur Rechenschaft ziehen. Aber dazu sind die so genannten Klimaskeptiker zu feige; lieber attackieren sie anonym Wissenschaftler getreu dem Motto, "Kill the Messenger".
Wenn man als Stefan_T einen Zweitaccount für Mark Mallokent anlegt und denselben inhaltslosen Vergleich zur Religion nochmal postet, dann wird er trotzdem nicht wahrer.
Es wäre zu wünschen, dass sich die verantwortlichen Individuen aus Politik, Wirtschaft und Medien dazu bekennen, dass sie absichtlich Handlungen gegen den Klimawandel blockieren. Dann können kommende Generationen (oder wie in einigen Jahrzehnten) zumindest noch über sie urteilen und zur Rechenschaft ziehen. Aber dazu sind die so genannten Klimaskeptiker zu feige; lieber attackieren sie anonym Wissenschaftler getreu dem Motto, "Kill the Messenger".
fängt man eben eine Debatte über die Wortwahl an, oder wie soll ich das jetzt verstehen?
Die Beschwerde über das in meinen Augen auch nicht eben glückliche Wort "Klimafrevel" führt bestenfalls zu einer nicht hilfreichen Metadiskussion.
An den Fakten ändert das wenig.
ändert das in der Tat nichts. Und zu diesen Fakten gehört, daß das Weltklima seit mehr als einem Jahrzehnt stagniert. Wie würde Al Gore sagen: An inconvenient truth.
bitte!
... es geht um die Haltung, die sich durch das gewählte Wort zeigt. "Frevel" klingt halt so biblisch, und der ganze Artikel ist eine einzige Anprangerung, wer alles wie BÖSE ist. Aber er bewegt nichts, sagt nichts, schon gar nicht etwas Neues.
Also was will uns der Autor sagen? Nichts? Oder doch etwas? DAS ist die Frage! Wenn garantiert ist, dass China wöchentlich mehr Kohlekraftwerke in Produktion bringbt als wir im Jahr einsparen, was soll das bewegen?? Bei MIR löst es nur aus: die Deutschen spinnen mit ihrem CO2-Terror, der GAR NICHTS erreichen wird.
ändert das in der Tat nichts. Und zu diesen Fakten gehört, daß das Weltklima seit mehr als einem Jahrzehnt stagniert. Wie würde Al Gore sagen: An inconvenient truth.
bitte!
... es geht um die Haltung, die sich durch das gewählte Wort zeigt. "Frevel" klingt halt so biblisch, und der ganze Artikel ist eine einzige Anprangerung, wer alles wie BÖSE ist. Aber er bewegt nichts, sagt nichts, schon gar nicht etwas Neues.
Also was will uns der Autor sagen? Nichts? Oder doch etwas? DAS ist die Frage! Wenn garantiert ist, dass China wöchentlich mehr Kohlekraftwerke in Produktion bringbt als wir im Jahr einsparen, was soll das bewegen?? Bei MIR löst es nur aus: die Deutschen spinnen mit ihrem CO2-Terror, der GAR NICHTS erreichen wird.
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