Manchmal bestätigen sich die schlimmsten Vorurteile westlicher Zyniker
Ist es aber nicht, und das liegt vor allem an den spannenden Dingen, die die Professoren von den Armen erfahren haben. Wie ist es nun wirklich mit dem Hunger? Wenn man zum Beispiel nach Indien fährt und genau – und schonungslos – auf das Verhalten der Ärmsten schaut, dann stellt man fest: Die schlimmsten Vorurteile westlicher Zyniker werden bestätigt.
Ein typischer armer Haushalt, in dem die Menschen weniger als 99 Cent am Tag zum Leben haben und wo Hunger herrscht, könnte theoretisch bis zu 30 Prozent mehr für Nahrungsmittel ausgeben. Tatsächlich aber geht viel Geld für andere Dinge drauf: Alkohol, Tabak und Festlichkeiten. Und wenn das Einkommen irgendwann steigt, nimmt die Kalorienaufnahme nicht entsprechend zu.
»Das Rätsel ist, dass die Menschen scheinbar nicht mehr Nahrungsmittel wollen, obwohl mehr Nahrung und vor allem besser ausgewählte Nahrungsmittel sie und ihre Kinder fast mit Sicherheit erfolgreicher im Leben machen würden«, schreiben die Autoren. So zieht es sich durch das ganze Buch: Ob mangelnde Schulbildung, hohe Krankheitsanfälligkeit, unlogisch erscheinende Familienplanung oder Korruption und schlechte Verwaltungen vor Ort, den Autoren fallen reihenweise eigenartige Widersprüche auf. Entwicklungshelfer kennen dieses Problem schon seit Jahrzehnten, sie raufen sich die Haare, zweifeln an der Vernunft des Menschen. Duflo und Banerjee aber fragen nach und ringen um Erklärungen, die wirkliche Hilfe möglich machen sollen.
Wie ist das also mit dem Hunger? An einigen Orten der Welt ist es so, dass manche Menschen gar nicht wirklich Hunger leiden, obwohl sie es statistisch gesehen tun müssten. Die Ernährungstabellen stimmen nicht. Viele Menschen brauchen nicht mehr so viele Kalorien, weil weniger harte Handarbeit verrichtet wird. Oder weil es nicht mehr so viel Durchfall gibt dank der Antibiotika.
Wenn man die Schwelle erreicht hat, an der man nicht verhungert, »lohnt« sich manchmal für einen völlig rational und ökonomisch denkenden Menschen die zusätzliche Kalorienaufnahme kaum. In Sierra Leone zum Beispiel ergaben Studien, dass zehn Prozent mehr Kalorien die Produktivität eines Farmarbeiters bloß um etwa vier Prozent erhöhte.
Andere Gründe: sozialer Druck. Religiöse Überzeugungen, die man nicht aufgeben mag, weil sonst die Seele litte. Die Natur des Menschen. In einem Fall gab ein armer Dorfbewohner in Marokko ganz offen zu, dass er lieber seinen Fernseher abbezahle, statt Essen zu kaufen: Ihm wäre sonst tödlich langweilig. In seinem Dorf gebe es weder Arbeit noch Neuigkeiten. Da hungere er lieber.
So ehrlich beobachtet, nachgefragt, experimentell belegt und ohne Rücksicht auf politische Korrektheit aufgeschrieben wurde das alles noch nie. Das macht Poor Economics zu einem sehr wichtigen Buch. Am Ende wundert kaum, was den Autoren bei ihrer entwicklungspolitischen Weltreise auch noch aufgefallen ist: »Den Armen widerstreben häufig die wundervollen Pläne, die wir uns für sie ausdenken, weil sie unser Vertrauen in diese Pläne nicht teilen.«
- Datum 27.06.2011 - 06:34 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 22.6.2011 Nr. 26
- Kommentare 35
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Um festzustellen, daß die Prioritäten bei vielen Armen andere sind, als Beobachter annehmen, muß man nicht in die Dritte Welt reisen -- das stellt man auch bei uns fest.
Der Grund des Mißverständnisses dürfte der sein, daß gerade die besonders empathischen und wohlwollenden Menschen sich unwillkürlich vorstellen, selbst so leben zu müssen wie die Armen, die sie beobachten: Da springt meist als erstes der Dreck und die Unordnung ins Auge -- doch um aufzuräumen bräuchte man gar kein Geld, sondern müßte einfach so ähnlich ticken wie ein Bilderbuchallemanne.
Womit bereits für einen augenfälligen Aspekt der Armut belegt ist, daß das, was der Beobachter als elendig ansieht, für die Betroffenen offenbar kein Problem darstellt. Das würde auch durch beliebige Geldtransfers oder Entwicklungshilfe nicht anders.
...Verallgemeinerungen.
"Die Armen" können ordentlich oder unordentlich sein, wie jeder andere auch.
Es ist erstaunlich wie z.B. in Indien sehr arme Leute ihr Haus sauber halten, und selber wie aus dem Ei gepellt aussehen, obwohl sie ein recht behelfsmäßiges Badezimmer haben. Auch in Deutschland gibt es solche und solche, wie immer sind Verallgemeinerungen eher unpassend.
auch nicht entgehen lassen: Ihnen zuzuschauen, wie Sie Ihren Wohnbereich mit der letzten verbliebenen Zahnbuerste sauber halten, nachdem Ihnen saemtliches Geld fuer allerlei Putzmittel und Wasser fehlt, weil Ihnen gelegentlich der Magen knurrt.
...Verallgemeinerungen.
"Die Armen" können ordentlich oder unordentlich sein, wie jeder andere auch.
Es ist erstaunlich wie z.B. in Indien sehr arme Leute ihr Haus sauber halten, und selber wie aus dem Ei gepellt aussehen, obwohl sie ein recht behelfsmäßiges Badezimmer haben. Auch in Deutschland gibt es solche und solche, wie immer sind Verallgemeinerungen eher unpassend.
auch nicht entgehen lassen: Ihnen zuzuschauen, wie Sie Ihren Wohnbereich mit der letzten verbliebenen Zahnbuerste sauber halten, nachdem Ihnen saemtliches Geld fuer allerlei Putzmittel und Wasser fehlt, weil Ihnen gelegentlich der Magen knurrt.
Allzu sensationell finde ich das nicht. Wieso sollen "die Armen" nicht auch verstehen, dass bloßes Überleben nicht der Endzweck aller menschlichen Bemühungen ist?
Egal, wieviel Geld ein Mensch hat - sobald er soviel Mittel besitzt, dass er nicht jämmerlich krepiert, fängt er an, sich um seine Glückseligkeit zu kümmern - was auch immer das für den einzelnen bedeuten und welchen Stellenwert man dieser Glückseligkeit auch immer einräumen mag.
Wenn es damit ein Problem gibt - und man kann durchaus eines darin sehen -, dann ist es nicht das Problem bestimmter Menschen, sondern das aller, egal, wie arm oder reich sie sind.
Den Menschen helfen heißt nicht, ihnen vorzuschreiben, wie sie zu leben haben und wie nicht. Ich bin mir sicher, in den westlichen Industrienationen ließen sich auch Unmengen an Kapazitäten freischaufeln, die für (scheinbar) sinnlose oder unvernünftige Dinge und Aktivitäten ausgegeben werden, anstatt sich um Nachhaltigkeit in der eigenen Lebensführung, geschweige denn bzgl. der Gesamtgesellschaft zu kümmern. Wie gesagt, das mag zu Problemen führen, wenn es eine bestimmte Grenze überschreitet etc. - aber das ist eben eine Diskussion, die anderswo geführt werden muss als im Kontext von bloßer Entwicklungshilfe.
...gut ausgedrückt.
Man kann es auch auf einen sprichwörtlichen Punkt bringen: "Der Mensch lebt nicht vom Brot allein". Schliesslich ist er ein komplexes stimmungbehaftetes Wesen, welches allein mit dem bloßen Überleben nie zufrieden zu stellen ist. Er braucht Sinn und gelegentlich Zerstreuung um zu funktionieren. Je nach Wissen, Bildung, Motivation und persönlicher Situation erfordert das andere Sachen. Viele dieser Sachen wurden überhaupt erst durch die zerstörerische Wirkung des Geldes genommen:
http://www.weissgarnix.de...
Der eigentliche Aha-Effekt läuft also darauf hinaus, Menschen in der dritten Welt nicht wie Vieh, sozusagen *artgerecht zu halten*, sondern sie als vollwertige Menschen zu betrachten. Dazu gehört etwa auch ein angemessener Lohn und menschenwürdige Arbeitszeiten etc., sowie demokratische Systeme mit echter Teilhabe, statt Zwangsbeglückung von oben.
Ach ja, weil es so gut passt:
http://www.n-tv.de/panora...
Und das ausgerechnet von der "Nein zum Volksentscheid"-Merkel, aus der antidemokratischen CDU! Wenn das keine Ironie ist!
...gut ausgedrückt.
Man kann es auch auf einen sprichwörtlichen Punkt bringen: "Der Mensch lebt nicht vom Brot allein". Schliesslich ist er ein komplexes stimmungbehaftetes Wesen, welches allein mit dem bloßen Überleben nie zufrieden zu stellen ist. Er braucht Sinn und gelegentlich Zerstreuung um zu funktionieren. Je nach Wissen, Bildung, Motivation und persönlicher Situation erfordert das andere Sachen. Viele dieser Sachen wurden überhaupt erst durch die zerstörerische Wirkung des Geldes genommen:
http://www.weissgarnix.de...
Der eigentliche Aha-Effekt läuft also darauf hinaus, Menschen in der dritten Welt nicht wie Vieh, sozusagen *artgerecht zu halten*, sondern sie als vollwertige Menschen zu betrachten. Dazu gehört etwa auch ein angemessener Lohn und menschenwürdige Arbeitszeiten etc., sowie demokratische Systeme mit echter Teilhabe, statt Zwangsbeglückung von oben.
Ach ja, weil es so gut passt:
http://www.n-tv.de/panora...
Und das ausgerechnet von der "Nein zum Volksentscheid"-Merkel, aus der antidemokratischen CDU! Wenn das keine Ironie ist!
Problem Patriarchat:
"Alkohol, Tabak und Festlichkeiten (...) gab ein armer Dorfbewohner in Marokko ganz offen zu, dass er lieber seinen Fernseher abbezahle, statt Essen zu kaufen: Ihm wäre sonst tödlich langweilig"
Hier kann man vermuten, dass über die Finanzen ganz anders entschieden würde, wenn die Frauen an den Entscheidungen beteiligt wären.
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Problem Tradition:
"unlogisch erscheinende Familienplanung"
Vielerorts werden weibliche Foeten abgetrieben, weil nur männlicher Nachwuchs in der Familie bleibt und die Alten später ernähren wird. In Indien kommt dazu die Verpflichtung, eine ruinöse Mitgift zu bezahlen, wenn man seine Tochter verheiraten will.
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Problem Speisegebote:
"Religiöse Überzeugungen, die man nicht aufgeben mag, weil sonst die Seele litte"
Meist liegt nur die Herkunft einer Speisetradition in einer Religion. Auch in Deutschland gibt es Speisetraditionen, hier isst man selten und nur in wenigen Regionen Pferdefleisch. Das hat u.a. mit 3. Mose 11,3-4 zu tun. Aber wer hätte das jetzt gewusst?
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(wird fortgesetzt)
(Fortsetzung)
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Fazit:
"Den Armen widerstreben häufig die wundervollen Pläne, die wir uns für sie ausdenken"...
Sicher ist es so - weil die Behörden nicht vor Ort anwesend sind. Weil man auf den Rat der Landsleute pfeift, die sich vor Ort aufhalten. Weil die Hilfsorganisationen nicht für jedes einzelne Problem eine angepasste Lösung finden wollen. Und vor allem: weil man hier die Traditionen der Fremden für einen Ballast hält, der sich überwinden lässt!
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Jetzt gibt es riesige Pläne, ganz Nordafrika zu helfen, den Menschen dort Arbeit zu verschaffen, damit sie nicht zu Millonen nach Europa fliehen müssen! Europa muss wohl noch ein paarmal auf die Nase fallen, bevor es dazulernt.
Bitte nicht femosexistische Mythen der "Göttin in dir". -__-
Ist man davor wirklich nirgends mehr sicher?
(Fortsetzung)
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Fazit:
"Den Armen widerstreben häufig die wundervollen Pläne, die wir uns für sie ausdenken"...
Sicher ist es so - weil die Behörden nicht vor Ort anwesend sind. Weil man auf den Rat der Landsleute pfeift, die sich vor Ort aufhalten. Weil die Hilfsorganisationen nicht für jedes einzelne Problem eine angepasste Lösung finden wollen. Und vor allem: weil man hier die Traditionen der Fremden für einen Ballast hält, der sich überwinden lässt!
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Jetzt gibt es riesige Pläne, ganz Nordafrika zu helfen, den Menschen dort Arbeit zu verschaffen, damit sie nicht zu Millonen nach Europa fliehen müssen! Europa muss wohl noch ein paarmal auf die Nase fallen, bevor es dazulernt.
Bitte nicht femosexistische Mythen der "Göttin in dir". -__-
Ist man davor wirklich nirgends mehr sicher?
(Fortsetzung)
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Fazit:
"Den Armen widerstreben häufig die wundervollen Pläne, die wir uns für sie ausdenken"...
Sicher ist es so - weil die Behörden nicht vor Ort anwesend sind. Weil man auf den Rat der Landsleute pfeift, die sich vor Ort aufhalten. Weil die Hilfsorganisationen nicht für jedes einzelne Problem eine angepasste Lösung finden wollen. Und vor allem: weil man hier die Traditionen der Fremden für einen Ballast hält, der sich überwinden lässt!
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Jetzt gibt es riesige Pläne, ganz Nordafrika zu helfen, den Menschen dort Arbeit zu verschaffen, damit sie nicht zu Millonen nach Europa fliehen müssen! Europa muss wohl noch ein paarmal auf die Nase fallen, bevor es dazulernt.
Satz in diesem Artikel über ein wichtiges – weil den häufig paternalistisch („Pläne, die wir uns für sie ausdenken“) verengten Blickwinkel der Entwicklungshilfe erweiterndes - Buch, daß u.U. erschließt, warum Armut sich nicht in Kalorienaufnahme messen lässt – schon gar nicht wenn diese in Korrelation zur Produktivitätssteigerung gesetzt wird.
Fressen und Arbeiten ist für die Armen eben nicht mehr als eine Existenzgrundlage, aber kein Weg aus der Armut geschweige denn zum Wohlstand.
Man kann um dies herauszufinden um die Welt reisen und findet am Ende dasselbe Syndrom auch in den Armutsvierteln der Industrieländer...
D.h. Arme die gleichfalls „unser Vertrauen in diese Pläne nicht teilen“.
Auch in der Pariser Banlieue und Berlin Neukölln gibt es „weder Arbeit noch Neuigkeiten“, aber jede Menge TVs, Handys etc. - und die Leute bleiben in diesen Quartieren, statt ihr Glück woanders zu suchen.
Warum?
Es macht für sie keinen Sinn, die wenn auch ärmliche so doch in dieser eigentümlichen Statik vertraute Umgebung zu verlassen, weil sie woanders als >konjunkturzyklisch Abgehängte< absehbar nicht ankommen werden.
Denn dazu fehlt ihnen das was unsereinem zwischen Schul – und informeller Bildung zukam und als Grundlage des eigenen Lebensentwurfs dient: soziale Phantasie & Chancen-Vertrauen.
Entwicklung benötigt diese Vorstellung von einem sinnvollen Leben:
Es braucht Pläne die für Arme Sinn machen, Bildung & Lebensmut fördern – und so über die bloße
Nicht-Armut hinausweisen.
m.
Satz in diesem Artikel über ein wichtiges – weil den häufig paternalistisch („Pläne, die wir uns für sie ausdenken“) verengten Blickwinkel der Entwicklungshilfe erweiterndes - Buch, daß u.U. erschließt, warum Armut sich nicht in Kalorienaufnahme messen lässt – schon gar nicht wenn diese in Korrelation zur Produktivitätssteigerung gesetzt wird.
Fressen und Arbeiten ist für die Armen eben nicht mehr als eine Existenzgrundlage, aber kein Weg aus der Armut geschweige denn zum Wohlstand.
Man kann um dies herauszufinden um die Welt reisen und findet am Ende dasselbe Syndrom auch in den Armutsvierteln der Industrieländer...
D.h. Arme die gleichfalls „unser Vertrauen in diese Pläne nicht teilen“.
Auch in der Pariser Banlieue und Berlin Neukölln gibt es „weder Arbeit noch Neuigkeiten“, aber jede Menge TVs, Handys etc. - und die Leute bleiben in diesen Quartieren, statt ihr Glück woanders zu suchen.
Warum?
Es macht für sie keinen Sinn, die wenn auch ärmliche so doch in dieser eigentümlichen Statik vertraute Umgebung zu verlassen, weil sie woanders als >konjunkturzyklisch Abgehängte< absehbar nicht ankommen werden.
Denn dazu fehlt ihnen das was unsereinem zwischen Schul – und informeller Bildung zukam und als Grundlage des eigenen Lebensentwurfs dient: soziale Phantasie & Chancen-Vertrauen.
Entwicklung benötigt diese Vorstellung von einem sinnvollen Leben:
Es braucht Pläne die für Arme Sinn machen, Bildung & Lebensmut fördern – und so über die bloße
Nicht-Armut hinausweisen.
m.
...Verallgemeinerungen.
"Die Armen" können ordentlich oder unordentlich sein, wie jeder andere auch.
Es ist erstaunlich wie z.B. in Indien sehr arme Leute ihr Haus sauber halten, und selber wie aus dem Ei gepellt aussehen, obwohl sie ein recht behelfsmäßiges Badezimmer haben. Auch in Deutschland gibt es solche und solche, wie immer sind Verallgemeinerungen eher unpassend.
Mitleid und damit Spendenbereitschaft erregen nun einmal die Armen, die auch elend aussehen.
Mitleid und damit Spendenbereitschaft erregen nun einmal die Armen, die auch elend aussehen.
"Ein typischer armer Haushalt, in dem die Menschen weniger als 99 Cent am Tag zum Leben haben und wo Hunger herrscht, könnte theoretisch bis zu 30 Prozent mehr für Nahrungsmittel ausgeben. Tatsächlich aber geht viel Geld für andere Dinge drauf: Alkohol, Tabak und Festlichkeiten. (...) Das Rätsel ist, dass die Menschen scheinbar nicht mehr Nahrungsmittel wollen .."
Wer konsumiert in einem typischen Entwicklungs- oder Schwellenland Alkohol und Tabak? Meine (zugegeben spontane) Einschätzung: Männer. Der Mann (das Oberhaupt der Familie) sieht schon zu, dass er nicht übermäßig hungert, und kauft sich Alkohol und Tabak - um den Alltagssorgen zu entfliehen oder auch, um bei gesellschaftlichen Verpflichtungen in Männerkreisen mithalten zu können. Die Frau hungert und die Kinder schwächeln oder sterben, vor allem die Mädchen.
Wie Spitzbub in Kommentar 3 schon schrieb: Frauen sollten sich an den finanziellen Entscheidungen mehr beteiligen (können), wenn sich das ändern soll.
Und ein Artikel, der postuliert, man sollte "die Armen" nicht pauschal betrachten, sondern "in jedem Einzelfall über das konkrete Problem nachdenken", sollte an solchen Stellen genauer werden.
...afrikanischen Ländern ist das wohl tatsächlich so. Ein Kollege von mir erzählte die Episode, dass er als Mann kein Geld bekam und erst die Frau mitbringen musste, da Männer da als unzuverlässig galten :-)
Ich weiß nicht wie verbreitet das ist und ob das alles so stimmt (der Kollege schmückt gern aus), aber ein wahrer Kern ist wohl dran. Allerdings bin ich weit davon entfernt, diese Art der umgedrehten Diskriminierung als wirklich gute Lösungsmöglichkeit zu empfinden.
...afrikanischen Ländern ist das wohl tatsächlich so. Ein Kollege von mir erzählte die Episode, dass er als Mann kein Geld bekam und erst die Frau mitbringen musste, da Männer da als unzuverlässig galten :-)
Ich weiß nicht wie verbreitet das ist und ob das alles so stimmt (der Kollege schmückt gern aus), aber ein wahrer Kern ist wohl dran. Allerdings bin ich weit davon entfernt, diese Art der umgedrehten Diskriminierung als wirklich gute Lösungsmöglichkeit zu empfinden.
... in welchem die "politische Korrektheit" und unser westliches Menschenbild endlich relativiert werden.
Ja, wer sich ein wenig in Entwicklungsländern bzw. mit Entwicklungshilfe auskennt weiß, dass sie das Gegenteil dessen bewirkt, was eigentlich vorgesehen war. Und das weiß man schon seit Jahrzehnten!
Ich staune, dass die Autoren auch die Verhaltensforschung als Erklärung für bestimmte Zustände heran ziehen. Meist ist man ja ein böser Sozialdarwinist oder "Neuer Rechter", wenn man darauf aufmerksam macht, dass bestimmte sozioökonomische Zustände durch die Geisteshaltung von Menschengruppen bedingt sind.
Ich bin der Überzeugung, dass man den Armen dieser Welt nur effektiv helfen kann, wenn man sie völlig in Ruhe läßt und sie gezwungen sind, ihr Schicksal selber in die Hand zu nehmen. Viele Aktivitäten der Armen werden durch den Neokolonialismus der Entwicklungshilfe zerstört. Man sollte NUR dort helfen, wo Hilfe auch von den Hilfsbedürftigen verlangt wird. Alles andere ist kontraproduktiv.
und- da ist wirklich von Fall zu Fall immer alles anders zu ermitteln. Fakt ist, dass ein Mobile Phone auch im tiefsten Slum, in dem die Fäkalien in den Rinnen der urbanen Trampelpfade vieler Megacities auf der Südhalbkugel vor sich hin stinken- ganz abgesehen von der Gesundheitsgefährdung viel mehr Sex-Appeal hat als sauberes Wasser. Das kennt man ja schon gar nicht mehr. In jenem Altstadtteil von Kabul jedoch, wo ich zuletzt gearbeitet habe hat mir das völlig überforderte Management meiner NGO kurz vor dem Fall unseres Projektes für eine "nachhaltige urbane Wasserwirtschaft" eine Status Quo-Analyse geliefert, die letztlich auch in den üblichen Grafiken zeigte, dass man überwiegend froh und zufrieden mit dem Leben in diesem durch Krieg, Staatsbankrott und nun weiter gehenden Raubbau verslumten Altstadtteil war.
Also hat Entwicklungshilfe viel mit (Gesundheits-)Erziehung zu tun und - damit einhergehend mit Bedarfsermittlung- was braucht der Mensch, um sich aus dem Dreck zu befreien und sein eigenes Leben zu gestalten- wie kann er sich an diesen Märkten Partnerschaften und Netzwerke zur eigenen Absicherung- zur Versorgung von Clan und Familie - zur Bildung der Kinder aufbauen ? Das geht aber nur auf Augenhöhe- mit Respekt und Achtung - nicht in der überall vorherrschenden arroganten "Herrenmenschenattitüde", mit der man vom Norden auf den Süden blickt. Und - viele lokale Strukturen - auch Mikrofinance-Berater etc. machen das schon. Es gehört viel Demut - und Erfahrung dazu.
und- da ist wirklich von Fall zu Fall immer alles anders zu ermitteln. Fakt ist, dass ein Mobile Phone auch im tiefsten Slum, in dem die Fäkalien in den Rinnen der urbanen Trampelpfade vieler Megacities auf der Südhalbkugel vor sich hin stinken- ganz abgesehen von der Gesundheitsgefährdung viel mehr Sex-Appeal hat als sauberes Wasser. Das kennt man ja schon gar nicht mehr. In jenem Altstadtteil von Kabul jedoch, wo ich zuletzt gearbeitet habe hat mir das völlig überforderte Management meiner NGO kurz vor dem Fall unseres Projektes für eine "nachhaltige urbane Wasserwirtschaft" eine Status Quo-Analyse geliefert, die letztlich auch in den üblichen Grafiken zeigte, dass man überwiegend froh und zufrieden mit dem Leben in diesem durch Krieg, Staatsbankrott und nun weiter gehenden Raubbau verslumten Altstadtteil war.
Also hat Entwicklungshilfe viel mit (Gesundheits-)Erziehung zu tun und - damit einhergehend mit Bedarfsermittlung- was braucht der Mensch, um sich aus dem Dreck zu befreien und sein eigenes Leben zu gestalten- wie kann er sich an diesen Märkten Partnerschaften und Netzwerke zur eigenen Absicherung- zur Versorgung von Clan und Familie - zur Bildung der Kinder aufbauen ? Das geht aber nur auf Augenhöhe- mit Respekt und Achtung - nicht in der überall vorherrschenden arroganten "Herrenmenschenattitüde", mit der man vom Norden auf den Süden blickt. Und - viele lokale Strukturen - auch Mikrofinance-Berater etc. machen das schon. Es gehört viel Demut - und Erfahrung dazu.
Bitte nicht femosexistische Mythen der "Göttin in dir". -__-
Ist man davor wirklich nirgends mehr sicher?
Hallo Cassandra105,
.
ich vermutete in K3: "dass über die Finanzen ganz anders entschieden würde, wenn die Frauen an den Entscheidungen beteiligt wären"
.
Sie bezeichnen das als "femosexistische Mythen der "Göttin in dir". "
Das verstehe, wer will!
Hallo Cassandra105,
.
ich vermutete in K3: "dass über die Finanzen ganz anders entschieden würde, wenn die Frauen an den Entscheidungen beteiligt wären"
.
Sie bezeichnen das als "femosexistische Mythen der "Göttin in dir". "
Das verstehe, wer will!
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