DDR-Schulsystem Seid nicht bereit!
In Leipzig führt eine ehemalige DDR-Lehrerin vor, wie man denunziert – in einem Schülerexperiment.
Überlebensgroß wacht Erich Honecker in seinem Bilderrahmen über die Schüler, aber die zollen ihm keinen Respekt. Noch nicht. Sie tuscheln, kaspern, witzeln über die Namensschilder auf ihren Plätzen: Mandy, Maik, Enrico. Da fliegt die Tür auf, Frau Lehmann marschiert in die Klasse, sie trägt eine irre gemusterte Bluse aus Dederon-Kunstfaser und bellt: »Pioniere!« Brave Jugendliche rufen: »Immer bereit«, nicht ganz im Chor und viel zu früh, aber mit großem Eifer. Nach mehreren Versuchen klappt es mit dem korrekten Pioniergruß, da kommt ein Mädchen von der Toilette zurück, zu spät. Frau Lehmanns Blick schnellt zur Tür, messerscharfe Worte. Die Jugendlichen hören auf zu schmunzeln. Den rüden Ton sind sie nicht gewohnt.
Es ist der Ton eines untergegangenen Staates, den Frau Lehmann anstimmt, die Hauptdarstellerin in diesem Laientheater. Eigentlich heißt sie Elke Urban. »Das Schulsystem der DDR wurde bisher kaum öffentlich kritisiert«, sagt die 61-jährige Leiterin des Leipziger Schulmuseums. Ihre Kritik kommt als Experiment daher, als täglicher Versuch am Menschen: 45 Minuten lang macht sie pubertätscoole Jugendliche zu Drittklässlern im SED-Staat. Es ist ein Lehrstück über Verführbarkeit.
Und es befeuert die Diskussion um Vor- und Nachteile des Schulsystems im sozialistischen Deutschland: War wirklich alles autoritäre Indoktrinierung? Es gab doch auch gute Seiten! Schließlich ähnelt die Polytechnische Oberschule (POS) der DDR den hochgelobten skandinavischen Schulsystemen: Zehn Jahre lang drücken alle gemeinsam die Schulbank, nehmen denselben Stoff durch. Der vom System verordnete Kollektivismus habe auch sein Gutes gehabt, meint Wolfgang Hörner, emeritierter Professor für vergleichende Pädagogik an der Uni Leipzig: »Die Lehrer hatten oft ein engeres persönliches Verhältnis zu ihren Schülern. So konnten sie schwächere Schüler besser betreuen.« Doch ab der zehnten Klasse wurde gnadenlos aussortiert, und zwar keineswegs zugunsten der Arbeiterkinder. Und über allem, so Hörner, habe stets die Ideologie gestanden.
Das will Elke Urban zeigen, und deswegen unterrichtet sie in ihrer fiktiven Schulstunde das Fach Heimatkunde, Vorschrift auf DDR-Lehrplänen, um schon die Kleinsten auf Linie zu bringen. Die Einrichtung des Klassenzimmers ist einer POS um 1985 nachempfunden. Die Möbel: Originale aus Sprelacart, das im Westen Resopal hieß. Authentisch auch das schmerzhaft orangerote Kaleidoskop der Gardinen Marke Malimo und ein sehr figürliches Gemälde an der Wand. Es zeigt einen NVA-Soldaten und arbeitsfrohe Proletarier, die sich wohl der Zukunft zuwenden.
Kritiker tadeln die Lehrstunde als frei erfundenes Gruselstück
Das Mädchen im rosafarben getupften Top, das jetzt Annette heißt, ist nicht bei den Jungpionieren, der sozialistischen Massenorganisation für Kinder. Sie gibt freiwillig die Außenseiterin. Einem Jungen ist die Rolle des Ordnungsdienstes zugewiesen. Er meldet zu Beginn des Unterrichts, dass die Klasse vollzählig ist. Prompt kassiert er einen Rüffel, weil er die Zuspätkommerin vergessen hat. Urban regiert mit Lob und Tadel, die lauten Töne der Manipulation trifft sie so präzis wie die leisen. Meist säuselt sie den Kindern von der gütigen Sowjetunion vor, warnt mit großen Augen vor den Imperialisten im Westen, schwärmt vom tapferen Thälmann und schmettert mit den Schülern den Pioniermarsch – aber bitte im Takt. Für manche Kinder heuchelt sie Sorge. Deren fiktives Leben außerhalb der Schule kennt sie erstaunlich gut. Ulrikes Mutti etwa habe ihr erzählt, das Mädchen lese bis nachts unter der Bettdecke – kein Wunder, dass sie immer so müde sei. Und dann das Gift: »Dabei wollen wir doch im Gleichschritt laufen.«
Für die Schüler, um die 16 Jahre alt, waren solche Sätze bisher bestenfalls Stoff aus dem Geschichtsunterricht. Wie die alten Römer, nur nicht so gründlich behandelt. »In der Regel sind die Schüler kaum informiert«, klagt Urban. Die Jugendlichen an diesem Tag – sie kommen aus Thüringen und Hessen – sind da nicht anders. Altstoffsammlung? Fahnenappell? Nie gehört. »Andererseits hätte ich jubeln können vor Freude, dass solche Vokabeln in Deutschland aussterben – herrlich!«, sagt Urban. Mehr als 400-mal gab sie seit 2006 die Frau Lehmann. Mögliche Abweichler wittert sie sofort, Maik etwa, auf dessen Pulli »Sex and Drugs and Rock ’n’ Roll« steht. »Das ist wirklich das Letzte, wie du hier rumläufst. Das ist doch aus dem Westen!« Stammelnd versucht Maik, sich herauszureden, schwört, den Pulli nie wieder zu tragen. Während er sich draußen umzieht, bringt Elke Urban die anderen gegen ihn in Stellung: »Er hat uns sein Pionierehrenwort gegeben« – der da draußen gegen uns hier drinnen.
Außerhalb des Klassenzimmers spricht Urban die klare Sprache der erfahrenen Pädagogin. »Ich habe die Rolle gewählt, die mir am wenigsten liegt: die der Lehrerin, die Vorgaben genau umsetzt.« Wegen ebensolcher Vorgaben – Wehrunterricht etwa oder gezieltes Mobbing von Kindern systemkritischer Eltern – haderte Urban in den siebziger Jahren mit ihrem Beruf. Als sie schwanger war, quittierte sie den Dienst. Den sozialistischen Unterricht verfolgte sie aber weiter: Vier ihrer fünf Kinder gingen in der DDR zur Schule. 1989 gehörte sie zu den Ersten, die Bildungsreformen forderten. Nach der Wende wollte sie zurück in ihren Beruf, landete aber in der Verwaltung.
Die Schüler finden schnell in ihre Rolle: auf Linie bleiben, sich schadlos halten. Einer muss wegen Quatschens aufstehen, sogleich zeigt er auf den Nachbarn – der sei es gewesen. Dann gibt Urban das rote Halstuch der Thälmann-Pioniere herum, das ab der vierten Klasse alle tragen sollen. Fast alle. »Du nicht, Annette!«, triumphiert einer. Auch als die Lehrerin ein Comicheft unter einer Bank findet, richten sich Zeigefinger auf Annette. Sie hat ja nichts zu verlieren.
So sei es nie gewesen, werfen Urbans Kritiker ihr vor, sie führe ein frei erfundenes Gruselstück auf. Und die Geschichtsvergessenen, in deren Rückspiegel der SED-Staat mit jedem Jahr freundlicher wird, sind noch die Harmlosen. Urban wurde schon wüst beschimpft, vor allem von früheren DDR-Lehrern. Der wütendste Protest, sagt Urban, komme von jenen, die ihren Unterricht gar nicht miterlebt hätten. Um sich gegen die Vorwürfe zu schützen, hat sie ein Arsenal von Quellen gesammelt, mehr als 200 Zeitzeugengespräche geführt, die alten Lehrpläne studiert. »Manches in meiner Rolle ist etwas zugespitzt, sonst würden die mir hier einschlafen«, gibt Urban zu. Aber nichts sei erfunden. Manchmal sagten ihr Exlehrer hinterher, sie habe ihnen erstmals vorgeführt, was sie damals angerichtet hätten.
Nach der Wende integrierten sich viele DDR-Pädagogen geschmeidig ins neue System. Heimatkundelehrer schulten kurzerhand auf Ethik um. Und der pädagogische Ansatz des untergegangenen Staates wirkt noch heute nach, etwa in den naturwissenschaftlichen Fächern (siehe Interview).
Auch Elke Urban lobt manches am damaligen Schulsystem, die Mitmacherfahrungen in der Arbeitswelt etwa. Zudem hätten aufrechte Lehrer sich der Indoktrinierung erwehrt. Ohnehin habe sie es nicht auf die DDR abgesehen, vielmehr wolle sie die stete Verführbarkeit des Menschen in einer Diktatur zeigen: die Uniformen, die Parolen, der pathetische Gruß, die Belohnung von Konformität, die harsche Bestrafung Andersdenkender. So war es im Nationalsozialismus, so war es in der DDR. So könnte es wieder kommen. »Dagegen ist niemand gefeit«, glaubt Urban. »Diese Neigung, dass er zu den Guten gehören möchte, die ist doch in jedem drin.«
Gezielt sucht sie die Angepassten, die Zaudernden. Für die frisst sie Kreide. Ein Mädchen, bisher gelangweilt in ihrem Holzstuhl versunken, blüht plötzlich auf, als die Lehrerin sie zur Brigadeleiterin macht. Die ist jetzt auf ihrer Seite. Einen Jungen, buntes, gestyltes Haar, DDR-Name Detlef, hätschelt sie. Sein Vater in diesem Spiel ist NVA-Offizier und »für uns auf Friedenswacht«. Bald möchte der Junge den Pioniermarsch singen, auf die Kriegstreiber in der BRD schimpfen.
Eine Viertelstunde später, der Unterricht ist vorbei, Urban sozusagen wieder in Zivil mit türkisfarbener Bluse, sitzen die Schüler im Kreis. Dem Offizierssohn Detlef hat es insgesamt ganz gut gefallen, ein anderer mochte die strenge Disziplin. Die Nichtpionierin Annette, jetzt wieder eine normale 17-Jährige, sagt: »So ausgegrenzt zu werden war schon extrem. Wenn das im echten Unterricht passieren würde, würde mir das gar nicht gefallen.« Urban fragt in die Runde, warum keiner zu ihr gehalten habe. Weil sie lieb sein wollte, sagt eine. Weil man sagen musste, was erwartet wurde, erklärt ein anderer.
Obwohl Solidarität, Courage, Rebellion für die Schüler – anders als damals – keine echten Nachteile bedeuten, sagt Urban, ordneten sie sich fast immer eilfertig unter. »Nur dreimal hat sich einer gemeldet und gesagt: ›Das ist mein Freund. Wenn er nicht mitkommen darf, bleibe auch ich hier.‹ Das waren Sternstunden.«
Aber die meisten passen sich an: Zuckerbrot den Systemtreuen, für Rebellen die Peitsche. Viele, findet die Museumsleiterin, fügen sich sogar mit einer gewissen Lust ins ideologische Korsett. Erwachsene Berufsschüler erwiesen sich einmal als leidenschaftliche Denunzianten: Westfernsehen schaue der Banknachbar, hieß es da, ganz groß habe er damit geprahlt. »Denen habe ich gesagt: Ihr haltet jetzt die Klappe, Petzen kann ich gar nicht leiden.«
Urban entwickelt in ihrem simulierten DDR-Unterricht einen kuriosen Ehrgeiz: Obwohl sie als Aufklärerin wirken will, gibt sie sich größte Mühe, ausgerechnet die verhasste Ideologie unanfechtbar zu machen. Jedes rhetorische Aufbegehren der Schüler argumentiert sie zurück ins Glied. Auch in der DDR stünden Atomraketen? Der Vater schaue wohl den falschen Sender! Westschokolade schmecke besser? Dafür müssten Kinder in Afrika leiden!
Und: Ob auch Micky Maus ein Kriegstreiber sei? Das habe tatsächlich einmal jemand wissen wollen. Da, sagt Urban mit leuchtenden Augen, habe sie kapituliert vor Lachen – trotz ihres Vorrats an Patentantworten. Denn für einen kurzen Augenblick war Elke Urbans Traum wahr geworden: dass der Diktatur die Argumente ausgehen.
- Datum 22.06.2011 - 13:51 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 22.6.2011 Nr. 26
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Es wird hier indoktriniert und die DDR schlecht gemacht. Heute wird man 24 Stunden mit amerikanischer Werbung beschallt wie man zu sein hat. Ohne Ordnung und Disziplin wäre der ganze Staat zusammengefallen, was er aber im Ostblock nicht durfte.
Ja, das ist natürlich ein schlimmes Vergehen. Dabei lebte sich's hinterm antifaschistischen Schutzwall doch eigentlich ganz gut, wenn man immer schön die Parolen der proletarischen Obrigkeit nachplappern konnte.Immer wachsam bleiben, Genosse, den Klassenfeind fest im Blick behalten und zur Not einen Bericht über ihn schreiben. Schade, dass das sozialistische Brudervolk vom reinen Glauben abgefallen ist.
Ja, das ist natürlich ein schlimmes Vergehen. Dabei lebte sich's hinterm antifaschistischen Schutzwall doch eigentlich ganz gut, wenn man immer schön die Parolen der proletarischen Obrigkeit nachplappern konnte.Immer wachsam bleiben, Genosse, den Klassenfeind fest im Blick behalten und zur Not einen Bericht über ihn schreiben. Schade, dass das sozialistische Brudervolk vom reinen Glauben abgefallen ist.
Ich weiß nicht, was man zu solch einem Unsinn schreiben soll. Ich bin 12 Jahre in der DDR zur Schule gegangen und stolz auf mein erworbenes Wissen, das jedenfalls besser war als in der damaligen und heutigen Bundesrepublik. Ist die Museumsleiterin die Ehefrau vom Hubertus K.? Dann könnte ich die Ausfälle verstehen. Aber bei allem Ernst, so war es gewiß nicht. Zeit-online wird wieder zensieren, wetten?
...kann ich mich hier nur Anschließen. Hier wird ein Extremfall einer kaputten Persönlichkeit dargestellt, aber nicht 'der Lehrapparat' der ehem. DDR.
Ganz sicher nicht.
...kann ich mich hier nur Anschließen. Hier wird ein Extremfall einer kaputten Persönlichkeit dargestellt, aber nicht 'der Lehrapparat' der ehem. DDR.
Ganz sicher nicht.
erscheinen kann. So etwas würde nicht einmal BILD bringen.
Bei diesen Geschichten würde selbst Münchhausen vor Neid erblassen.
Warum bringen sie nicht einmal eine ordentliche Analyse des DDR-Bildungssystems?
...will keine Analyse sein. Der Artikel macht einwandfrei klar, dass es nicht darum geht den durchschnittlichen Alltag in einer DDR-Schule darzustellen. "Frau Lehmann" bedient sich der Instrumente, die einem ideologietreuen Lehrer theoretisch zur Verfügung standen. Diese Situation wird bewusst auf die Spitze getrieben, um innerhalb von nur einer dreiviertel Stunde bei den Schülern überhaupt etwas zu bewirken. Ziel ist einfach, die grundsätzlichen psychologischen Mechanismen einer gesellschaftlichen Ideologisierung - Gruppenbildung und Ausgrenzung - erfahrbar zu machen.
Davon muss sich niemand angegriffen fühlen, denn über die Qualität der Lehre auf die gesamte Masse von DDR-Schülern bezogen kann und will dieses Experiment gar keine Aussage treffen.
...will keine Analyse sein. Der Artikel macht einwandfrei klar, dass es nicht darum geht den durchschnittlichen Alltag in einer DDR-Schule darzustellen. "Frau Lehmann" bedient sich der Instrumente, die einem ideologietreuen Lehrer theoretisch zur Verfügung standen. Diese Situation wird bewusst auf die Spitze getrieben, um innerhalb von nur einer dreiviertel Stunde bei den Schülern überhaupt etwas zu bewirken. Ziel ist einfach, die grundsätzlichen psychologischen Mechanismen einer gesellschaftlichen Ideologisierung - Gruppenbildung und Ausgrenzung - erfahrbar zu machen.
Davon muss sich niemand angegriffen fühlen, denn über die Qualität der Lehre auf die gesamte Masse von DDR-Schülern bezogen kann und will dieses Experiment gar keine Aussage treffen.
"die Belohnung von Konformität, die harsche Bestrafung Andersdenkender." Gilt/galt das nur DDR Schulsystem? Wo sind etwa die 16 oder 17 jährigen aufgewachsen, die sich schnell im repressiven System eingliederten? Hat ihnen etwa das DDR-Schulsystem verdorben, oder das der BRD?
Mein Vorschlag: Eltern sollen für das Recht kämpfen, ihre Kinder nicht in die Schulen zu schicken, sondern sie zu hause unterrichten zu dürfen! So halt wie in manchen Bundesstaaten in Amerika oder in England. In einem Land, wo Doktoren wie die Heu zerstreut sind, sollte Privatunterricht seine Geltung bekommen.
...die Schulpflicht ist an sich gut, schon deshalb, weil man da mit Gleichaltrigen in Kontakt kommt und keine (z.B. religiösen) Parallelgesellschaften entstehen können. Die Vermögenden schicken ihre Lendenfrüchte ja ohnehin auf Besser-Schulen, das ist Fehlentwicklung genug. Von den USA müssen wir nicht lernen, dann doch noch lieber von dem Bildungssystem der DDR.
ich stimme Ihnen zu.
Homeschooling wird in Deutschland mit eigenartig nervösen Ängsten angesehen, siehe z.B. mein Vorkommentar. keine dieser Ängste ist ansatzweise belegbar, da der Staat beim Ersetzen der Schulpflicht durch Bildungspflicht immer noch Mindestanforderungen stellen kann für diejenigen, die ihre Kinder zu Hause unterrichten möchten.
Schule zu Hause ist nicht nur in den USA, sondern auch in Europa in den vielen Ländern erlaubt, z.B. Norwegen, Großbritannien, Österreich, Dänemark...
Um es kurz zu machen: weder die Bildung "religiöser Parallelgesellschaften", noch die Schwächung sozialen Zusammenhalts, noch die Schwächung der Sozialkompetenz von Schülern, die zu Hause unterrichtet werden, lassen sich auch nur ansatzweise nachweisen! Dass derlei Gerüchte immer noch durch die Köpfe unserer Politiker geistern, finde ich beschämend.
Bereits 1994 hat die OECD-Studie "A matter of choice" Deutschland dafür kritisiert, Homeschooling nicht zu legalisieren. Passiert ist seitdem nichts.
Die Erziehung der eigenen Kinder ist ein Recht der Eltern. Der Staat muss zwar ins Leben seiner Bürger eingreifen dürfen, er muss aber die Tiefe der Eingriffe legitimieren können. Im Fall Schulpflicht statt Bildungspflicht kann er das de facto nicht.
...die Schulpflicht ist an sich gut, schon deshalb, weil man da mit Gleichaltrigen in Kontakt kommt und keine (z.B. religiösen) Parallelgesellschaften entstehen können. Die Vermögenden schicken ihre Lendenfrüchte ja ohnehin auf Besser-Schulen, das ist Fehlentwicklung genug. Von den USA müssen wir nicht lernen, dann doch noch lieber von dem Bildungssystem der DDR.
ich stimme Ihnen zu.
Homeschooling wird in Deutschland mit eigenartig nervösen Ängsten angesehen, siehe z.B. mein Vorkommentar. keine dieser Ängste ist ansatzweise belegbar, da der Staat beim Ersetzen der Schulpflicht durch Bildungspflicht immer noch Mindestanforderungen stellen kann für diejenigen, die ihre Kinder zu Hause unterrichten möchten.
Schule zu Hause ist nicht nur in den USA, sondern auch in Europa in den vielen Ländern erlaubt, z.B. Norwegen, Großbritannien, Österreich, Dänemark...
Um es kurz zu machen: weder die Bildung "religiöser Parallelgesellschaften", noch die Schwächung sozialen Zusammenhalts, noch die Schwächung der Sozialkompetenz von Schülern, die zu Hause unterrichtet werden, lassen sich auch nur ansatzweise nachweisen! Dass derlei Gerüchte immer noch durch die Köpfe unserer Politiker geistern, finde ich beschämend.
Bereits 1994 hat die OECD-Studie "A matter of choice" Deutschland dafür kritisiert, Homeschooling nicht zu legalisieren. Passiert ist seitdem nichts.
Die Erziehung der eigenen Kinder ist ein Recht der Eltern. Der Staat muss zwar ins Leben seiner Bürger eingreifen dürfen, er muss aber die Tiefe der Eingriffe legitimieren können. Im Fall Schulpflicht statt Bildungspflicht kann er das de facto nicht.
Kaum wagt es mal ein Artikel die Schattenseiten des Bildungssystems des Arbeiter- und Bauernstaates (DDR) näher zu beleuchten, schon fühlen sich die links-lastigen Leser auf dem Schlips getreten und schreibe böse Kommentare. Lustig sowas ;)
die sowas belustigend finden ist mir schon klar. Zeigt auch gleich woher man kommt!
...analysiert überhaupt das Bildungssystem der DDR und wenn dann wird es lächerlich gemacht. Meines Erachtens zu Unrecht.
Ich fand das Bildungssystem besser als das perverse und kinderfeindliche Selektionssystem der BRD. Und das sage ich als unangepasster Nicht-Pionier, der durchaus gelegentlich unter Rechtfertigungszwang stand.
Zum Glück sind auch Lehrer nur Menschen und den beschriebenen Lehrertyp, der Unangepasste mobbte und strikte Systemlinie lehrte, gab es definitiv, aber er war (zumindest in meiner Schülerkarriere) in der Minderheit. Den meisten Lehrern war der ganze Zirkus mehr oder weniger peinlich und sie *vergaßen* schonmal den Pioniergruß abzufragen und ähnliches. Man kann nicht studieren, ohne dass einem der Unterschied zwischen Propaganda und Realität zum Nachdenken bringt, heute nicht und früher auch nicht.
Mit welchen Lehrern man überwiegend konfrontiert war, hing aber auch vom Jahrzehnt, der Gegend und natürlich der Schule ab.
die sowas belustigend finden ist mir schon klar. Zeigt auch gleich woher man kommt!
...analysiert überhaupt das Bildungssystem der DDR und wenn dann wird es lächerlich gemacht. Meines Erachtens zu Unrecht.
Ich fand das Bildungssystem besser als das perverse und kinderfeindliche Selektionssystem der BRD. Und das sage ich als unangepasster Nicht-Pionier, der durchaus gelegentlich unter Rechtfertigungszwang stand.
Zum Glück sind auch Lehrer nur Menschen und den beschriebenen Lehrertyp, der Unangepasste mobbte und strikte Systemlinie lehrte, gab es definitiv, aber er war (zumindest in meiner Schülerkarriere) in der Minderheit. Den meisten Lehrern war der ganze Zirkus mehr oder weniger peinlich und sie *vergaßen* schonmal den Pioniergruß abzufragen und ähnliches. Man kann nicht studieren, ohne dass einem der Unterschied zwischen Propaganda und Realität zum Nachdenken bringt, heute nicht und früher auch nicht.
Mit welchen Lehrern man überwiegend konfrontiert war, hing aber auch vom Jahrzehnt, der Gegend und natürlich der Schule ab.
Warum müssen alle Berichte über die DDR nur mit Schaum vorm Mund geschrieben werden?
Ist es eine Verpflichtung zu schreiben, dass die DDR böse war und dass in den Schulen jeden Tag wurde an Menschen experimentiert wurde?
Wo bleibt eine differenzierte und sachliche Analyse?
Auch ich bin in diese Schule gegangen. Was ich davon mitgenommen habe, ist eine gute Allgemeinbildung und die Fähigkeit, logisch und differenziert zu denken. Diese Fähigkeit vermisse ich heutzutage bei solchen Artikeln immer wieder.
Ja, es gab Lehrer, welche linientreuer als jegliche Linie sein wollten. Aber es waren nicht alle Lehrer so und selbst bei denen, die es waren hatte man nicht den ganzen Tag Unterricht.
Von den Lehrern, die mich unterrichtet haben, wurde mir u.a. beigebracht, dass Kriege schlecht sind, dass von deutschen Boden nie wieder ein Krieg ausgehen darf und dass Geld und Macht NICHT die wichtigsten Werte auf der Welt sind.
Früher gab es eine vormilitärische Ausbildung, aber auch diese war nicht permanent präsent. Es wurden auch andere Fächer unterrichtet. Heute wirbt die Bundeswehr, eine Armee die zur Zeit in mehreren Ländern im Krieg ist, aktiv an Schulen für Nachwuchs und lässt auch bei Veranstaltungen Kinder mit Waffen "spielen" - Ich glaube nicht, dass dies so viel besser ist.
Warum durfte Frau Urban nicht im Schuldienst bleiben?
Brauchen wir heute nicht solche Menschen, die unseren Schülern Werte und Mut vermitteln.
Warum sind gerade die angepaßtetsten DDR-Lehrer in der Regel in den westlichen Schuldienst übernommen worden?
Ähnelt das westliche System etwa nicht dem der vergangenen DDR hinsichtlich der Förderung von Anpassung und kritikloser Gefolgschaft?
[...]
Entfernt. Bitte diskutieren Sie sachlich und verzichten Sie auf verschwörungstheoretische Inhalte. Danke. Die Redaktion/er
würde Frau Urban nicht im Museum landen, sondern in Hartz IV.
"Ähnelt das westliche System etwa nicht dem der vergangenen DDR hinsichtlich der Förderung von Anpassung und kritikloser Gefolgschaft?"
...man muss sich nur manche Gesellschaftskunde-Bücher anschauen, was da gelogen und geschönt wird. Die political-correcten Euphemismen werden schon den Kindern eingeimpft. Kritisches Denken, Argumentieren usw. wird nicht gelehrt, lediglich Reflexe und Feindbilder (Nazis, Linke usw.) werden konsequent und oft sehr eindimensional vermittelt.
würde Frau Urban nicht im Museum landen, sondern in Hartz IV.
"Ähnelt das westliche System etwa nicht dem der vergangenen DDR hinsichtlich der Förderung von Anpassung und kritikloser Gefolgschaft?"
...man muss sich nur manche Gesellschaftskunde-Bücher anschauen, was da gelogen und geschönt wird. Die political-correcten Euphemismen werden schon den Kindern eingeimpft. Kritisches Denken, Argumentieren usw. wird nicht gelehrt, lediglich Reflexe und Feindbilder (Nazis, Linke usw.) werden konsequent und oft sehr eindimensional vermittelt.
..kann nur jedem die Lektüre der Bücher von Otto Häuser um den"Braven Schüler Ottokar"empfehlen.Hier wird satirisch der Schulalltag eines ostdeutschen Schülers beschrieben und wer auch zwischen den Zeilen lesen kann, kann auch den"simulierten DDR-Unterricht" der Frau Urban als das einordnen was er ist.
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