Sachbücher Ein-Euro-Philosoph

Zwei Bücher über den Typus des gebildeten Hartz-IV-Empfängers

Die Journalistin und Buchautorin Katja Kullmann (Archivbild)

Die Journalistin und Buchautorin Katja Kullmann (Archivbild)

Kürzlich veröffentlichte die Bundesagentur für Arbeit eine aufschlussreiche Statistik: Die Zahl der sogenannten Selbstständigen, die Hartz IV beziehen, ist in den vergangenen vier Jahren von 50.000 auf 125.000 gestiegen. Was sagt die Zahl? Sie sagt, dass wir unseren Reflexen misstrauen sollten, wenn sich beim Begriff "Hartz-IV-Empfänger" das Bild eines bildungsfernen, bewegungsfaulen Unterschichtsangehörigen einstellt.

Hinter dem Begriff des "Selbstständigen" verbirgt sich nämlich ein soziokulturell ganz anderer Typus, und zwar ein Mensch, der morgens in Berlin-Mitte im Café sitzt, die ZEIT liest und kaschiert, warum er sich hier aufhält: weil die Zeitung nichts kostet und er den Kellner gut genug kennt, um vor einem Glas Leitungswasser zu sitzen. Von diesem Typus des Hartz-IV-Empfängers stammen zwei aktuelle, dringend zu empfehlende Bücher.

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Das eine wurde von Thomas Mahler verfasst. Der junge Mann studierte Philosophie und Literatur, ging kellnern, begann zu schreiben, errang damit kleine Erfolge, die zur Sicherung des Existenzminimums kaum beitrugen. So stand Thomas Mahler eines Tages In der Schlange des Arbeitsamtes in Berlin-Kreuzberg, die sich wie auf Flughäfen um ein Labyrinth roter Absperrbänder windet.

Das andere Buch, Echtleben. Warum es heute so schwierig ist, eine Haltung zu haben, stammt von Katja Kullmann. Ihr Name ist bekannt. Vor neun Jahren stand er auf der Bestsellerliste. Katja Kullmann hatte Generation Ally geschrieben, dafür 2003 den Deutschen Bücherpreis für das beste Sachbuch erhalten. Sie ging nach Berlin, lebte erst mal gut, im Lauf der Zeit als journalistische Freelancerin jedoch immer schlechter. Bis auch sie dort stand, wo die Anträge auf Arbeitslosengeld II ausgehändigt werden.

Thomas Mahlers Buch ist eine schwarze Satire mit Tendenz zur Wallraffiade. Höhepunkt seines Marsches durch die Hartz-IV-Bürokratie ist ein sagenhaft absurder Ein-Euro-Job: Der arbeitslose Philosoph sitzt allein in einem leeren Zimmer und klickt sich durch die Website des Arbeitsamtes Berlin-Kreuzberg, die andere Ein-Euro-Jobler vor ihm erstellt haben.

Katja Kullmanns Echtleben indes gehört in die Reihe der generationsorientierten Mentalitätsstudien. Sie rechnet mit den schönen Lebenslügen der freien Kreativen ab. Ihre Hartz-IV-Phase ist nur ein Element im Gesamtszenario schwankender Existenz. Einer Existenz, die sich materiell von der des arbeitslosen Unterschichtlers zeitweise tatsächlich nicht unterscheidet. Ideell aber schon.

Denn die Verfasser beider Bücher mögen bei Aldi oder Lidl eingekauft haben. Sie kennen aber nicht nur den Weg dorthin, sondern, zum Glück des Lesers, auch den zu Literaturagenten und Verlagslektoren. Anders gesagt: Sie können die Welt, die sich verändert, frei nach Marx, auch interpretieren.

 
Leser-Kommentare
  1. Wenn die beiden genannten Autoren statt von vorherein als brotlose Orchideenfächer bekannte Studiengänge etwas studiert hätten, das auf dem Arbeitsmarkt nachgefragt wird, dann müßten sie auch nicht von staatlicher Unterstützung leben.

    Die jungen Menschen in meinem Bekanntenkreis, die derzeit ihr Studium in Ingenieurwissenschaften, forschenden Naturwissenschaften,... abschließen können sich ihren Arbeitgeber sehr bequem aus einer Vielzahl von Angeboten aussuchen. Und das zu sehr guten Konditionen.
    Oder sie können zu 100% drittmittelgefördert weiter an der Uni forschen und promovieren.

    Vielleicht war es schlicht die falsche Studienfachwahl, die ursächlich für die persönliche Misere der beiden betrachteten Personen ist.

    Wie auch bei der berühmten "Generation P".

    Diese Probleme finden sich offensichtlich fast ausschließlich im medianlen/ krative/ "irgend-was-mit-Medien" Umfeld. Und wird deshalb vielleicht von den Journalisten verstärkt wahr genommen.

    Von einem flächendeckenden Generation-P oder Harzt IV Problem im Bereich der Ingenieurwissenschaften, Chemie, Physik,... habe ich bisher nicht wirklich viel gehört...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Lieber Chris_7, es geht nicht immer nur im Leben um "schwarz/weiß", "richtiges Fach", "falsches Fach", "oben-unten" oder das berühmte Mitleid. Diese Autoren wollen kein Mitleid, sie tun etwas, was Naturwissenschaftler auch tun, jedoch aus einem anderen Blickwinkel: Sie beschreiben die Welt in der sie leben. Punkt. Und daraus kann man in einem zweiten Schritt (muss man aber nicht) Schlüsse ziehen- sowohl praktische (anderes Fach, richtig, falsch, sie wissen schon:) oder auch theoretische (Was ist das für eine Gesellschaft und warum ist sie so?) Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende und den Wunsch und die Freude am Weiterdenken

    es gibt auch genügend Biologen und Chemiker, die sich fragen müssen, ob sich das aufwändige Studium ökonomisch rentiert hat.

    Lieber Chris,

    Sie scheinen mit Konzepten wie Logik oder Reziprozität nicht besonders viel am Hut zu haben. Deshalb hier zwei Thesen in Kurzform, über die nachzudenken für Sie lohnenswert sein könnte:

    a) Ihre Bekannten können sich ihre Arbeitgeber überhaupt nur deswegen aussuchen - falls das tatsächlich wahr sein sollte -, weil es neben den naturwissenschaftlich-technischen Fachbereichen auch Studiengänge wie Philosophie, Literaturwissenschaft, Kunstgeschichte und Theologie gibt. Wären wir alle Naturwissenschaftler, gäbe es dort folglich auch mehr Erwerbslose.

    b) Dass die oben genannten Fachbereiche ebenfalls wichtig und nützlich sind, werden Sie vielleicht nicht gleich verstehen, weil sie in ihrem wissenschaftlichen Umfeld nicht so ohne Weiteres in die Verlegenheit kommen, über Begriffe wie "Nutzen", "Sinn" und "Relevanz" nachzudenken. These: Finanzielle Entlohnung beweist noch lange nicht den tatsächlichen Nutzen einer bestimmten Tätigkeit.

    Die Misere ist vielleicht gar nicht so sehr die der erwerbslosen Schöngeister. Die wirkliche Misere ist, dass Menschen wie sie bereits so umfassend von unserer ökonomischen Kultur vereinnahmt sind, dass sie sich auf alternative Lebensmodelle abseits von wirtschaftlichem Pragmatismus, Kosten-Nutzen-Vergleichen und dem sogenannten technischen Fortschritt überhaupt nicht mehr einlassen können - ein Fortschritt, der aufgrund genau dieser Ambivalenz übrigens seit vielen Jahrzehnten völlig zu recht philosophisch problematisiert worden ist.

    • thbode
    • 24.06.2011 um 13:45 Uhr

    Dieser Kommentar ist ein Paradebeispiel für die Arroganz und Ignoranz von den Vielen, die es, trotz Demokratie, so schwer machen eine lebenswertere, menschlichere Gesellschaft zu schaffen.
    Die Argumentation ist so dürftig dass es kaum lohnt darauf einzugehen: man hat nur noch Fächer zu studieren die wirtschaftlich direkt Verwertbares produzieren, und wenn man das nicht will, oder kann, weder Respekt noch Mitgefühl verdient? Naja, vielleicht ist das auch nur Ironie...
    Jedenfalls scheint es aber leider so zu sein dass tatsächlich immer eine kleine Mehrheit in unseren Gesellschaften so egozentrisch und borniert denkt und fühlt. Wie sonst konnte G. W. Bush 2x gewählt werden? Und wie bei uns eine FDP erst mal wieder vier Jahre das Regierungshandeln prägen darf (wo sie sich dann in ihrer ganzen Armseligkeit präsentiert) und einer CDU als willkommener Vorwand dient ihren eigenen Mangel an Empathie und Vision zu bemänteln?

    Chris_7: Sie fragen: "Muß ich jetzt Mitleid haben?"
    Nein, müssen Sie nicht. Sie sollten sich aber einfach vor Augen halten, daß es Menschen gibt, denen es finanziell nicht so gut geht, und daß diese Menschen nicht zwangsläufig faul sind. Deshalb finde ich es gut, daß die Zeit auch solche Beiträge bringt.

    Wenn es momentan (!) sehr gut für Studierende der Naturwissenschaften und Ingenieurwissenschaften aussieht, ist dies ein Grund zur Freude für die Betroffenen, berechtigt aber keinesfalls zu überheblicher Arroganz gegenüber Anderen.

    Außerdem kann es Ihnen sicher nicht schaden, mal ein bisschen über den Tellerrand zu schauen. Eine funktionierende Gesellschaft braucht eben mehr als Ingenieure und andere "nützliche Studierte". Eine gute Gesellschaft braucht auch Menschen, die Geisteswissenschaften studieren, Menschen, die die Aufgabe wahrnehmen, die gesellschaftlichen Trends und das gesellschaftliche Handeln zu hinterfragen. Ich finde es eher sehr bedenklich, daß unsere Gesellschaft keine Wertschätzung für diese Menschen hat.

    Von den Geisteswissenschaften auf der anderen Seite würde ich mir sehr wünschen, daß sie klarer Stellung zu aktuellen gesellschaftlichen Themen beziehen, und dies mit ihrem speziellen Wissen argumentativ untermauern. Beispielsweise wäre eine moralische Einordnung der Prekarisierung der Arbeitswelt doch ein wichtiges Thema. Sozusagen eine bessere Kundenorientierung in den Geisteswissenschaften - wobei der Kunde die breite Masse der Normalbürger ist.

    Lieber Chris_7,

    ich weiß ja nicht, in was für einer Welt bzw. einer Sphäre Sie leben, aber dort muss es toll sein. Man studiert einfach ein naturwissenschaftliches Fach - ob es einem liegt oder nicht ist egal, denn es gibt ja einen Job - und kriegt sofort selbigen. Ist Ihnen bei Ihrem simplen Plan in den Sinn gekommen, dass nicht jeder Student technikaffin oder mathematisch/ naturwissenschaftlich begabt ist? Soll man diese Leute trotzdem durch ein langwieriges Studium prügeln bzw. sollen sie sich selbst quälen? Das macht doch keinen Sinn, denn ein schlechter Ingenieur findet auch keinen Job. Ihr Kommentar zeigt ein ziemlich weit verbreitetes Problem der hiesigen Gesellschaft: die Geringschätzung der Geistes- und Medienwissenschaften. Auch diese Leute werden gebraucht und das vollkommen zurecht. Und sehr viele Menschen, die eines der "Orchideenfächer" studiert haben, improvisieren schon bei der Jobsuche und arbeiten sich in völlig neue Materien ein. Und das oft für ein Gehalt, das in keiner Relation zu den erbrachten Leistungen steht. Diese Geringschätzung ist ein Mentalitätsproblem der Gesellschaft, dass solche starken neo-liberalen, kapitalistischen Züge trägt, dass mir regelmäßig die Laune vergeht.

    Bahnbrechende Entdeckungen wurden bislang nicht von Leuten gemacht, die mit der breiten Masse mitschwimmen. Wenn wir wüssten, auf welche Fächer es unbedingt ankommt um unsere Probleme zu lösen, hätten wir keine. Daher ist es auch wichtig sogenannte "Orchideenfächer" zu unterstützen und Menschen zu motivieren sich diesen auch zu widmen. Die Gesellschaft lebt und profitiert von der Vielseitigkeit und nicht von Gleichgeschalteten, die den Status quo erhalten wollen.

    Genau die ganzen Philosophen und Literaten haben nur Scheiße studiert. Man sollte nur naturwissenschaftliches STUDIEREN! Ach wäre das schön, wenn in den Bibliotheken nur Sachbücher stünden *schwärm
    Ich meine Maschinenbau hat ja auch eine große Zukunft in Deutschland...keine Firma produziert mit ihrem Knowhow in China und Co. Wozu sollten wir auch MENSCHEN haben die über Moral nachdenken?
    Alles Ironie und ich hoffe doch sehr für den Kommentator, dass er nicht sein ganzes Leben lang solch einen eingeschränkten Blick auf die Welt hat.

    "Die jungen Menschen in meinem Bekanntenkreis, die derzeit ihr Studium in Ingenieurwissenschaften, forschenden Naturwissenschaften,... abschließen können sich ihren Arbeitgeber sehr bequem aus einer Vielzahl von Angeboten aussuchen."

    Wer garantiert den Absolventen denn, daß das auch in der Zukunft so bleiben wird?
    Was passiert, wenn die Weltwirtschaft einen dauerhaften Einbruch erleidet?
    In einer Zeit, an die wir alle uns noch erinnern können, eilte den Arbeitsplätzen hinter Bankschaltern der Ruf einer Lebensstellung voraus. Dies hat sich als Irrtum erwiesen.
    Ihre Behauptungen überzeugen nicht.

    und vielleicht ein wenig Wertschätzung gegenüber anderen Werten; Werten nicht allein materieller Natur und den akademischen Berufsbildern, die in unserer Gesellschaft für mehr opportun gehalten werden, um dem rein materialistischen Weltbild zu dienen!

    Unter dem heute überwiegend vorherrschenden Zeitgeist, wären an geistigen Werten orientierte Menschen, wie etwa Sokrates und Platon, wohl schon zu Empfängern von Hartz-IV disqualifiziert worden, weil sie nicht optimal zur maximalen Steigerung von Effizienz und Rendite in kapitalistisch intendierten Fabriken eingesetzt werden könnten ;)

    Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie es Mitte der 90er Jahre aussah im Maschinenbau. Die Absolventen waren froh, wenn sie einen Arbeitgeber fanden. Viele blieben (und sie schätzten sich glücklich) mit einem mies bezahlten Job an der Uni hängen. Ende der 90er Jahre dann aufeinnmal der Hype, es wechselten selbst die zu Daimler&Co, die schon 10 Jahre und mehr an der Uni rumgehangen haben.

    Damals studierte BWL, wer eine Garantie für Job und gutes Geld wollte. Seit einigen Jahren sieht es da auch nicht mehr allzu rosig aus.

    Man sieht also, es gibt keine Garantie, für kein Fach.

    Sollche Phrasen wie Sie drischt entweder nur der, der das Glück hatte, zur richtigen Zeit im richtigen Fach abgeschlossen zu haben, oder jemand, der schlichtweg keine Ahnung hat.

    Lieber Chris_7,

    lesen Sie doch einfach mal den aktuellen Zeit Diversity Artikel

    http://www.zeit.de/karrie...

    Vielfalt und Agilität in Sicht, Denken, Umgang usw. beschert uns als Menschheit mehr Reichtum als straightes "ich-renn-dann-mal-eben-dem-Geld-nach".

    Näheres lässt sich auch unter "Weisheit der Masse" nachlesen. Auf die Mischung kommt's an. Je enger wir denken, fühlen, sehen und handeln, desto gefährlicher, da einseitiger wird es.

    Das sollten Sie als befürwortende(r) Geld-hat-was-tut-was Anhänger eigentlich wissen, erst Recht als BWL-Anhänger. Denn die lernen auch über das Ausbalancieren von Portfolio Strategien und Nachteile von... EINSEITIGKEIT... voilà ! Fällt unter Risiko Management.

    Sie sollten zudem nicht vergessen, dass Marketing und Medien durchaus ein lukratives Geschäft sein können (auch Frau Kullmann konnte - leider nur vorübergehend - sicher ein Lied singen) UND Frau Kullmann traf ihre Wahl in den 90ern, als die Aussichten noch ganz andere waren.

    Bin übrigens BWLerin, hoch international, mehrfach diplomiert, weltweite Führungserfahrung und... EBENFALLS einen H4-Führerschein. Ganz ehrlich: ist sch...! Dennoch kann man viel daraus lernen und sei es auch nur, dass ich gerne jemanden wie Frau KUllmann und Herrn Mahler kennen und schätzen würde als jemanden mit Ihrer abwegigen Sicht.

    Vieles von deren Texten kann ich (leider) nur allzu gut bestätigen. Herz am rechten Fleck und das Leben wird leichter.

    Bestens,
    murksmotte

    Noch ein interessanter Beitrag zum Thema Charakter, Führungsqualitäten und Philosophie. Für den Fall, dass Sie sich nur von führenden und bekannten Köpfen bewegen lassen...

    http://www.spiegel.de/kar...

    Was wäre das für eine arme Welt, die nur nach Nützlichkeit ausgerichtet ist. Dann könnte man gleich Musik, Kunst und Literatur abschaffen.
    Außerdem gibt es Rechtsanwälte, die nach einem anstrengendem Jura-Studium sehr wenig verdienen. Ist halt auch ein Orchideenfach.
    Auch Studierende der Fächer Anglistik, Romanistik sollen danach arbeitslos geworden sein. Offensichtlich sind dies auch vollkommen überflüssige Fächer. Genauso wenig wie man Lehrer braucht.

    Lieber Chris_7, es geht nicht immer nur im Leben um "schwarz/weiß", "richtiges Fach", "falsches Fach", "oben-unten" oder das berühmte Mitleid. Diese Autoren wollen kein Mitleid, sie tun etwas, was Naturwissenschaftler auch tun, jedoch aus einem anderen Blickwinkel: Sie beschreiben die Welt in der sie leben. Punkt. Und daraus kann man in einem zweiten Schritt (muss man aber nicht) Schlüsse ziehen- sowohl praktische (anderes Fach, richtig, falsch, sie wissen schon:) oder auch theoretische (Was ist das für eine Gesellschaft und warum ist sie so?) Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende und den Wunsch und die Freude am Weiterdenken

    es gibt auch genügend Biologen und Chemiker, die sich fragen müssen, ob sich das aufwändige Studium ökonomisch rentiert hat.

    Lieber Chris,

    Sie scheinen mit Konzepten wie Logik oder Reziprozität nicht besonders viel am Hut zu haben. Deshalb hier zwei Thesen in Kurzform, über die nachzudenken für Sie lohnenswert sein könnte:

    a) Ihre Bekannten können sich ihre Arbeitgeber überhaupt nur deswegen aussuchen - falls das tatsächlich wahr sein sollte -, weil es neben den naturwissenschaftlich-technischen Fachbereichen auch Studiengänge wie Philosophie, Literaturwissenschaft, Kunstgeschichte und Theologie gibt. Wären wir alle Naturwissenschaftler, gäbe es dort folglich auch mehr Erwerbslose.

    b) Dass die oben genannten Fachbereiche ebenfalls wichtig und nützlich sind, werden Sie vielleicht nicht gleich verstehen, weil sie in ihrem wissenschaftlichen Umfeld nicht so ohne Weiteres in die Verlegenheit kommen, über Begriffe wie "Nutzen", "Sinn" und "Relevanz" nachzudenken. These: Finanzielle Entlohnung beweist noch lange nicht den tatsächlichen Nutzen einer bestimmten Tätigkeit.

    Die Misere ist vielleicht gar nicht so sehr die der erwerbslosen Schöngeister. Die wirkliche Misere ist, dass Menschen wie sie bereits so umfassend von unserer ökonomischen Kultur vereinnahmt sind, dass sie sich auf alternative Lebensmodelle abseits von wirtschaftlichem Pragmatismus, Kosten-Nutzen-Vergleichen und dem sogenannten technischen Fortschritt überhaupt nicht mehr einlassen können - ein Fortschritt, der aufgrund genau dieser Ambivalenz übrigens seit vielen Jahrzehnten völlig zu recht philosophisch problematisiert worden ist.

    • thbode
    • 24.06.2011 um 13:45 Uhr

    Dieser Kommentar ist ein Paradebeispiel für die Arroganz und Ignoranz von den Vielen, die es, trotz Demokratie, so schwer machen eine lebenswertere, menschlichere Gesellschaft zu schaffen.
    Die Argumentation ist so dürftig dass es kaum lohnt darauf einzugehen: man hat nur noch Fächer zu studieren die wirtschaftlich direkt Verwertbares produzieren, und wenn man das nicht will, oder kann, weder Respekt noch Mitgefühl verdient? Naja, vielleicht ist das auch nur Ironie...
    Jedenfalls scheint es aber leider so zu sein dass tatsächlich immer eine kleine Mehrheit in unseren Gesellschaften so egozentrisch und borniert denkt und fühlt. Wie sonst konnte G. W. Bush 2x gewählt werden? Und wie bei uns eine FDP erst mal wieder vier Jahre das Regierungshandeln prägen darf (wo sie sich dann in ihrer ganzen Armseligkeit präsentiert) und einer CDU als willkommener Vorwand dient ihren eigenen Mangel an Empathie und Vision zu bemänteln?

    Chris_7: Sie fragen: "Muß ich jetzt Mitleid haben?"
    Nein, müssen Sie nicht. Sie sollten sich aber einfach vor Augen halten, daß es Menschen gibt, denen es finanziell nicht so gut geht, und daß diese Menschen nicht zwangsläufig faul sind. Deshalb finde ich es gut, daß die Zeit auch solche Beiträge bringt.

    Wenn es momentan (!) sehr gut für Studierende der Naturwissenschaften und Ingenieurwissenschaften aussieht, ist dies ein Grund zur Freude für die Betroffenen, berechtigt aber keinesfalls zu überheblicher Arroganz gegenüber Anderen.

    Außerdem kann es Ihnen sicher nicht schaden, mal ein bisschen über den Tellerrand zu schauen. Eine funktionierende Gesellschaft braucht eben mehr als Ingenieure und andere "nützliche Studierte". Eine gute Gesellschaft braucht auch Menschen, die Geisteswissenschaften studieren, Menschen, die die Aufgabe wahrnehmen, die gesellschaftlichen Trends und das gesellschaftliche Handeln zu hinterfragen. Ich finde es eher sehr bedenklich, daß unsere Gesellschaft keine Wertschätzung für diese Menschen hat.

    Von den Geisteswissenschaften auf der anderen Seite würde ich mir sehr wünschen, daß sie klarer Stellung zu aktuellen gesellschaftlichen Themen beziehen, und dies mit ihrem speziellen Wissen argumentativ untermauern. Beispielsweise wäre eine moralische Einordnung der Prekarisierung der Arbeitswelt doch ein wichtiges Thema. Sozusagen eine bessere Kundenorientierung in den Geisteswissenschaften - wobei der Kunde die breite Masse der Normalbürger ist.

    Lieber Chris_7,

    ich weiß ja nicht, in was für einer Welt bzw. einer Sphäre Sie leben, aber dort muss es toll sein. Man studiert einfach ein naturwissenschaftliches Fach - ob es einem liegt oder nicht ist egal, denn es gibt ja einen Job - und kriegt sofort selbigen. Ist Ihnen bei Ihrem simplen Plan in den Sinn gekommen, dass nicht jeder Student technikaffin oder mathematisch/ naturwissenschaftlich begabt ist? Soll man diese Leute trotzdem durch ein langwieriges Studium prügeln bzw. sollen sie sich selbst quälen? Das macht doch keinen Sinn, denn ein schlechter Ingenieur findet auch keinen Job. Ihr Kommentar zeigt ein ziemlich weit verbreitetes Problem der hiesigen Gesellschaft: die Geringschätzung der Geistes- und Medienwissenschaften. Auch diese Leute werden gebraucht und das vollkommen zurecht. Und sehr viele Menschen, die eines der "Orchideenfächer" studiert haben, improvisieren schon bei der Jobsuche und arbeiten sich in völlig neue Materien ein. Und das oft für ein Gehalt, das in keiner Relation zu den erbrachten Leistungen steht. Diese Geringschätzung ist ein Mentalitätsproblem der Gesellschaft, dass solche starken neo-liberalen, kapitalistischen Züge trägt, dass mir regelmäßig die Laune vergeht.

    Bahnbrechende Entdeckungen wurden bislang nicht von Leuten gemacht, die mit der breiten Masse mitschwimmen. Wenn wir wüssten, auf welche Fächer es unbedingt ankommt um unsere Probleme zu lösen, hätten wir keine. Daher ist es auch wichtig sogenannte "Orchideenfächer" zu unterstützen und Menschen zu motivieren sich diesen auch zu widmen. Die Gesellschaft lebt und profitiert von der Vielseitigkeit und nicht von Gleichgeschalteten, die den Status quo erhalten wollen.

    Genau die ganzen Philosophen und Literaten haben nur Scheiße studiert. Man sollte nur naturwissenschaftliches STUDIEREN! Ach wäre das schön, wenn in den Bibliotheken nur Sachbücher stünden *schwärm
    Ich meine Maschinenbau hat ja auch eine große Zukunft in Deutschland...keine Firma produziert mit ihrem Knowhow in China und Co. Wozu sollten wir auch MENSCHEN haben die über Moral nachdenken?
    Alles Ironie und ich hoffe doch sehr für den Kommentator, dass er nicht sein ganzes Leben lang solch einen eingeschränkten Blick auf die Welt hat.

    "Die jungen Menschen in meinem Bekanntenkreis, die derzeit ihr Studium in Ingenieurwissenschaften, forschenden Naturwissenschaften,... abschließen können sich ihren Arbeitgeber sehr bequem aus einer Vielzahl von Angeboten aussuchen."

    Wer garantiert den Absolventen denn, daß das auch in der Zukunft so bleiben wird?
    Was passiert, wenn die Weltwirtschaft einen dauerhaften Einbruch erleidet?
    In einer Zeit, an die wir alle uns noch erinnern können, eilte den Arbeitsplätzen hinter Bankschaltern der Ruf einer Lebensstellung voraus. Dies hat sich als Irrtum erwiesen.
    Ihre Behauptungen überzeugen nicht.

    und vielleicht ein wenig Wertschätzung gegenüber anderen Werten; Werten nicht allein materieller Natur und den akademischen Berufsbildern, die in unserer Gesellschaft für mehr opportun gehalten werden, um dem rein materialistischen Weltbild zu dienen!

    Unter dem heute überwiegend vorherrschenden Zeitgeist, wären an geistigen Werten orientierte Menschen, wie etwa Sokrates und Platon, wohl schon zu Empfängern von Hartz-IV disqualifiziert worden, weil sie nicht optimal zur maximalen Steigerung von Effizienz und Rendite in kapitalistisch intendierten Fabriken eingesetzt werden könnten ;)

    Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie es Mitte der 90er Jahre aussah im Maschinenbau. Die Absolventen waren froh, wenn sie einen Arbeitgeber fanden. Viele blieben (und sie schätzten sich glücklich) mit einem mies bezahlten Job an der Uni hängen. Ende der 90er Jahre dann aufeinnmal der Hype, es wechselten selbst die zu Daimler&Co, die schon 10 Jahre und mehr an der Uni rumgehangen haben.

    Damals studierte BWL, wer eine Garantie für Job und gutes Geld wollte. Seit einigen Jahren sieht es da auch nicht mehr allzu rosig aus.

    Man sieht also, es gibt keine Garantie, für kein Fach.

    Sollche Phrasen wie Sie drischt entweder nur der, der das Glück hatte, zur richtigen Zeit im richtigen Fach abgeschlossen zu haben, oder jemand, der schlichtweg keine Ahnung hat.

    Lieber Chris_7,

    lesen Sie doch einfach mal den aktuellen Zeit Diversity Artikel

    http://www.zeit.de/karrie...

    Vielfalt und Agilität in Sicht, Denken, Umgang usw. beschert uns als Menschheit mehr Reichtum als straightes "ich-renn-dann-mal-eben-dem-Geld-nach".

    Näheres lässt sich auch unter "Weisheit der Masse" nachlesen. Auf die Mischung kommt's an. Je enger wir denken, fühlen, sehen und handeln, desto gefährlicher, da einseitiger wird es.

    Das sollten Sie als befürwortende(r) Geld-hat-was-tut-was Anhänger eigentlich wissen, erst Recht als BWL-Anhänger. Denn die lernen auch über das Ausbalancieren von Portfolio Strategien und Nachteile von... EINSEITIGKEIT... voilà ! Fällt unter Risiko Management.

    Sie sollten zudem nicht vergessen, dass Marketing und Medien durchaus ein lukratives Geschäft sein können (auch Frau Kullmann konnte - leider nur vorübergehend - sicher ein Lied singen) UND Frau Kullmann traf ihre Wahl in den 90ern, als die Aussichten noch ganz andere waren.

    Bin übrigens BWLerin, hoch international, mehrfach diplomiert, weltweite Führungserfahrung und... EBENFALLS einen H4-Führerschein. Ganz ehrlich: ist sch...! Dennoch kann man viel daraus lernen und sei es auch nur, dass ich gerne jemanden wie Frau KUllmann und Herrn Mahler kennen und schätzen würde als jemanden mit Ihrer abwegigen Sicht.

    Vieles von deren Texten kann ich (leider) nur allzu gut bestätigen. Herz am rechten Fleck und das Leben wird leichter.

    Bestens,
    murksmotte

    Noch ein interessanter Beitrag zum Thema Charakter, Führungsqualitäten und Philosophie. Für den Fall, dass Sie sich nur von führenden und bekannten Köpfen bewegen lassen...

    http://www.spiegel.de/kar...

    Was wäre das für eine arme Welt, die nur nach Nützlichkeit ausgerichtet ist. Dann könnte man gleich Musik, Kunst und Literatur abschaffen.
    Außerdem gibt es Rechtsanwälte, die nach einem anstrengendem Jura-Studium sehr wenig verdienen. Ist halt auch ein Orchideenfach.
    Auch Studierende der Fächer Anglistik, Romanistik sollen danach arbeitslos geworden sein. Offensichtlich sind dies auch vollkommen überflüssige Fächer. Genauso wenig wie man Lehrer braucht.

  2. Zu teuer für 200 Seiten. Kommt nicht in die Tüte.

    Diese "Journalisten" sollten das Buch als eBook für 5 Euro direkt verkaufen.

    Eine Leser-Empfehlung
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    Ein paar Wochen warten. Dann gibt es die "Bestseller" zum Tiefstpreis auf dem Gebrauchtmarkt ;-)

    Dann kennen Sie den Wert unabhängiger Berichterstattung und harter Arbeit an einem Buch nicht. Verdammt viel geht in die Vermarktung eines Titels. Oder wieviele bekannte Selbstverleger kennen Sie (es gibt ein paar, doch der Markteinfluss ist ungleich geringer).

    5 Eur eBooks sind meist lizenzfreie Titel (public domain / creative commons) meist via Online Händler, Titel wie Goethe und Shakespeare, die bereits einen jahrzehnte- oder jahrhundertealten Verwertungsprozess hinter sich haben; oder aber "Loss Leader", also Titel, die Appetit auf anderes machen soll, wo dann mehr verdient wird.

    Ich will hier keinen Vergleich zu anderen Autoren ziehen, sondern darauf verweisen, dass die Rendite im Buchmarkt äußerst gering ist und selbst Bestseller Autoren davon heute zunächst mal NICHT leben können. Wie in vielen modernen freiberuflichen oder startup Situationen geht es um Produktmix und Mehrfachverwertung.

    Was etwas kostet und was es wert ist sind zudem im heutigen Preiskampfwahn höchst unterschiedliche Konzepte. Doch ich gebe zu bedenken: wo hat uns der Preiskampf bei Dioxinwahn, Dönerstinkfleisch, Ausverkauf nach China usw. hingebracht?

    Nicht ohne Grund wachen viele aus ihrer Krisenstarre auf und wissen glasklar: NACHHALTIGKEIT ist es, was zählt - in jeder Lebensperspektive.

    Ein paar Wochen warten. Dann gibt es die "Bestseller" zum Tiefstpreis auf dem Gebrauchtmarkt ;-)

    Dann kennen Sie den Wert unabhängiger Berichterstattung und harter Arbeit an einem Buch nicht. Verdammt viel geht in die Vermarktung eines Titels. Oder wieviele bekannte Selbstverleger kennen Sie (es gibt ein paar, doch der Markteinfluss ist ungleich geringer).

    5 Eur eBooks sind meist lizenzfreie Titel (public domain / creative commons) meist via Online Händler, Titel wie Goethe und Shakespeare, die bereits einen jahrzehnte- oder jahrhundertealten Verwertungsprozess hinter sich haben; oder aber "Loss Leader", also Titel, die Appetit auf anderes machen soll, wo dann mehr verdient wird.

    Ich will hier keinen Vergleich zu anderen Autoren ziehen, sondern darauf verweisen, dass die Rendite im Buchmarkt äußerst gering ist und selbst Bestseller Autoren davon heute zunächst mal NICHT leben können. Wie in vielen modernen freiberuflichen oder startup Situationen geht es um Produktmix und Mehrfachverwertung.

    Was etwas kostet und was es wert ist sind zudem im heutigen Preiskampfwahn höchst unterschiedliche Konzepte. Doch ich gebe zu bedenken: wo hat uns der Preiskampf bei Dioxinwahn, Dönerstinkfleisch, Ausverkauf nach China usw. hingebracht?

    Nicht ohne Grund wachen viele aus ihrer Krisenstarre auf und wissen glasklar: NACHHALTIGKEIT ist es, was zählt - in jeder Lebensperspektive.

  3. Lieber Chris_7, es geht nicht immer nur im Leben um "schwarz/weiß", "richtiges Fach", "falsches Fach", "oben-unten" oder das berühmte Mitleid. Diese Autoren wollen kein Mitleid, sie tun etwas, was Naturwissenschaftler auch tun, jedoch aus einem anderen Blickwinkel: Sie beschreiben die Welt in der sie leben. Punkt. Und daraus kann man in einem zweiten Schritt (muss man aber nicht) Schlüsse ziehen- sowohl praktische (anderes Fach, richtig, falsch, sie wissen schon:) oder auch theoretische (Was ist das für eine Gesellschaft und warum ist sie so?) Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende und den Wunsch und die Freude am Weiterdenken

    20 Leser-Empfehlungen
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    Ihre Kritik an dem Beitrag halte ich für verfehlt. Weder wurde hier die Relevanz von Philosophie oder Soziologie (oder anderen unwichtigen Fachgebieten :D :D ) verneint, noch wurde explizit von Mitleid geschrieben.

    Die beschriebene Personengruppe ist jedoch stark auf Mitleid in der Bevölkerung angewiesen, auch wenn ihnen das vielleicht nicht selbst bewusst ist. Durch das beziehen von Harz-4 hängen sie nunmal am Tropf der (produktiv) arbeitenden Bevölkerung und sind daher auf derer Mitleid angewiesen.

    Ihre Kritik an dem Beitrag halte ich für verfehlt. Weder wurde hier die Relevanz von Philosophie oder Soziologie (oder anderen unwichtigen Fachgebieten :D :D ) verneint, noch wurde explizit von Mitleid geschrieben.

    Die beschriebene Personengruppe ist jedoch stark auf Mitleid in der Bevölkerung angewiesen, auch wenn ihnen das vielleicht nicht selbst bewusst ist. Durch das beziehen von Harz-4 hängen sie nunmal am Tropf der (produktiv) arbeitenden Bevölkerung und sind daher auf derer Mitleid angewiesen.

  4. Ich hoffe, dass die Anzahl von dieser Sorte Harz-4-Empfänger nicht nennswert groß ist.

    Wenn ein ungebildeter, unintelligenter Mensch, der aufgrund seiner Fähigkeiten nicht imstande ist einen Arbeitsplatz zu finden habe ich Mitleid und zahle diesen Personen gerne Geld zur Sicherung ihrer Lebensgrundlage.
    Wenn aber ein intelligenter Mensch mit Ambitionen Harz-4 bezieht, nur weil er halt lieber Philosophie oder "Was mit Medien" studiert hat, obwohl es bekannt ist, dass auf diesen Gebieten ein enormes Überangebot an Arbeitskräften herscht oder es eben "Brotlose Kunst"-Fächer sind, dann habe ich wenig mitleid.

    Wenn man also solch ein Fach studiert, dann muss man auch damit leben, dass man arm ist und keine Kohle hat. Anstelle im Kaffe zu sitzen und Zeitung zu lesen, oder Bücher zu schreiben sollten diese Leute lieber arbeiten gehen.

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    ... definieren Sie doch mal "Arbeit".

    Danke.

    Lieber Creedinger,

    Sie scheinen nicht das tatsächliche Problem zu sehen, nämlich dass wir heute schlicht und einfach nicht genug pro-Kopf-Arbeitsvolumen schaffen können, um allen erwerbsfähigen Menschen eine existenzsichernde Vollbeschäftigung zu sichern.

    Davon ausgehend ist es ein ungemein zynischer Vorwurf, die Schuld hierfür bei den Opfern des Mangels an Arbeitszeit zu suchen! Wenn es schlicht und einfach nicht genug Arbeit gibt, wird diese selbst zu einem Gut, das gerecht verteilt werden muss. Genau das ist aber nicht mehr möglich, weil es zu viele Arbeitssuchende und zu wenig Arbeit gibt.

    Was tun? Ich bin der Meinung, dass man sich auf andere Möglichkeiten der Existenzsicherung konzentrieren sollte. Zum Beispiel wäre ein Bedingungsloses Grundeinkommen (BGE) eine interessante Alternative zur fortschreitenden Stigmatisierung von gut ausgebildeten Menschen im "offenen Strafvollzug Hartz-IV". Diese Menschen trifft keine Schuld, sie sind selbst die Leidtragenden eines im Scheitern begriffenen sozialpolitischen und ökonomischen Systems.

    Sparen Sie sich also bitte Ihre Vorwürfe, denn die zielen genau in die falsche Richtung.

    Beste Grüße - D.

    Meine Antwort zum Thema "brotloses" Medien & Marketing schrieb ich versehentlich an Chris_7, doch gehörte eigentlich hierher. Zu kleiner Screen.

    Frau Kullmann wird sich zu ihrer Studienorientierung bereits in den 90ern entschlossen haben - ganz anderer Zeit & Markt.

    Zudem ist es wohl auch Soziologie o.ä. wie ich mich erinnere - also nochmal was anderes.

    Hallo Creedinger,
    .
    Zitat: "Anstelle im Kaffe zu sitzen und Zeitung zu lesen, oder Bücher zu schreiben sollten diese Leute lieber arbeiten gehen."
    .
    Ich kann sicher an die hundert Titanen des Geistes herbeigoogeln, die mindestens eine Zeitlang verarmt waren und dennoch ihr Ding weitergemacht haben. Heute sind wir froh, dass wir sie haben!

    ... definieren Sie doch mal "Arbeit".

    Danke.

    Lieber Creedinger,

    Sie scheinen nicht das tatsächliche Problem zu sehen, nämlich dass wir heute schlicht und einfach nicht genug pro-Kopf-Arbeitsvolumen schaffen können, um allen erwerbsfähigen Menschen eine existenzsichernde Vollbeschäftigung zu sichern.

    Davon ausgehend ist es ein ungemein zynischer Vorwurf, die Schuld hierfür bei den Opfern des Mangels an Arbeitszeit zu suchen! Wenn es schlicht und einfach nicht genug Arbeit gibt, wird diese selbst zu einem Gut, das gerecht verteilt werden muss. Genau das ist aber nicht mehr möglich, weil es zu viele Arbeitssuchende und zu wenig Arbeit gibt.

    Was tun? Ich bin der Meinung, dass man sich auf andere Möglichkeiten der Existenzsicherung konzentrieren sollte. Zum Beispiel wäre ein Bedingungsloses Grundeinkommen (BGE) eine interessante Alternative zur fortschreitenden Stigmatisierung von gut ausgebildeten Menschen im "offenen Strafvollzug Hartz-IV". Diese Menschen trifft keine Schuld, sie sind selbst die Leidtragenden eines im Scheitern begriffenen sozialpolitischen und ökonomischen Systems.

    Sparen Sie sich also bitte Ihre Vorwürfe, denn die zielen genau in die falsche Richtung.

    Beste Grüße - D.

    Meine Antwort zum Thema "brotloses" Medien & Marketing schrieb ich versehentlich an Chris_7, doch gehörte eigentlich hierher. Zu kleiner Screen.

    Frau Kullmann wird sich zu ihrer Studienorientierung bereits in den 90ern entschlossen haben - ganz anderer Zeit & Markt.

    Zudem ist es wohl auch Soziologie o.ä. wie ich mich erinnere - also nochmal was anderes.

    Hallo Creedinger,
    .
    Zitat: "Anstelle im Kaffe zu sitzen und Zeitung zu lesen, oder Bücher zu schreiben sollten diese Leute lieber arbeiten gehen."
    .
    Ich kann sicher an die hundert Titanen des Geistes herbeigoogeln, die mindestens eine Zeitlang verarmt waren und dennoch ihr Ding weitergemacht haben. Heute sind wir froh, dass wir sie haben!

  5. die Vermarktung steht im Vordergrund. Mit dem richtigen Literaturagenten im Rücken darf sich jeder Schriftkundige ohne regelmäßiges Einkommen wie ein kleiner Dostojewski fühlen. Ob dies ein Glück ist - wie die Rezensetin schreibt - mag dahin gestellt sein. Diese Buchbesprechung ist sicher kein Glücksfall für die Autoren. Sie ist geprägt von Ahnungslosigkeit in der Sache und arroganter Ignoranz gegenüber den Menschen.
    Mit der Einführung von Hartz I-IV wurden die arbeitslosen Menschen mit dem Instrument der Ich-AG in die Selbständigkeit gedrängt. Die absurdesten Geschäftsideen wurden gefördert. Die Arbeitslosen mußten schnellstmöglichst aus der Statistik verschwinden. Seit einigen Jahren kommen sie aus einfachem Grund wieder zurück. Es ist schlicht so, daß die Fördermittel auslaufen.
    Wenn die Rezensentinglaubt, daß Thomas Mahler den Höhepunkt der Absurdität unserer Arbeitslosenbürokratie entdeckt hat, so irrt sie gewaltig. Der Höhepunkt war schon bei Beginn der Einführung von HartzIV erreicht. Als die Arbeitsgemeinschaften für Landkreise und Arbeitsämter eingerichtet wurden, stellten sie Personal mit Zeitarbeitsverträgen ein. Es waren nur Zufall und Beziehungen dafür entscheidend wer vor oder hinter dem Schreibtisch saß. Es zeugt von der realitätsfremden Abgehobenheit des Literaturbetriebes wenn die Rezensentin HartzIV-Bezieher als arbeitslose Unterschichtler begreift. Seit Eichborn hätte man mehr Demut erwartet.

  6. es gibt auch genügend Biologen und Chemiker, die sich fragen müssen, ob sich das aufwändige Studium ökonomisch rentiert hat.

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  7. Lieber Chris,

    Sie scheinen mit Konzepten wie Logik oder Reziprozität nicht besonders viel am Hut zu haben. Deshalb hier zwei Thesen in Kurzform, über die nachzudenken für Sie lohnenswert sein könnte:

    a) Ihre Bekannten können sich ihre Arbeitgeber überhaupt nur deswegen aussuchen - falls das tatsächlich wahr sein sollte -, weil es neben den naturwissenschaftlich-technischen Fachbereichen auch Studiengänge wie Philosophie, Literaturwissenschaft, Kunstgeschichte und Theologie gibt. Wären wir alle Naturwissenschaftler, gäbe es dort folglich auch mehr Erwerbslose.

    b) Dass die oben genannten Fachbereiche ebenfalls wichtig und nützlich sind, werden Sie vielleicht nicht gleich verstehen, weil sie in ihrem wissenschaftlichen Umfeld nicht so ohne Weiteres in die Verlegenheit kommen, über Begriffe wie "Nutzen", "Sinn" und "Relevanz" nachzudenken. These: Finanzielle Entlohnung beweist noch lange nicht den tatsächlichen Nutzen einer bestimmten Tätigkeit.

    Die Misere ist vielleicht gar nicht so sehr die der erwerbslosen Schöngeister. Die wirkliche Misere ist, dass Menschen wie sie bereits so umfassend von unserer ökonomischen Kultur vereinnahmt sind, dass sie sich auf alternative Lebensmodelle abseits von wirtschaftlichem Pragmatismus, Kosten-Nutzen-Vergleichen und dem sogenannten technischen Fortschritt überhaupt nicht mehr einlassen können - ein Fortschritt, der aufgrund genau dieser Ambivalenz übrigens seit vielen Jahrzehnten völlig zu recht philosophisch problematisiert worden ist.

    26 Leser-Empfehlungen
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    wenn Sie damit meinen, dass Naturwissenschaftler ihr eigenes Auskommen haben, stimme ich Ihnen zu.

    Wenn Sie damit meinen, dass bestimmte Geisteswissenschaftler viel Kultur, aber eben keine ökonomische haben, stimme ich Ihnen ebenfalls zu.

    Wo ist jetzt die unverschuldete Notlage bei Letzteren, für die die Gemeinschaft aufkommen muss?

    meiner Meinung nach, dass die Leistungen von Philosophie und Literatur längst nicht so wertgeschätzt werden wie die der verschiedenen Wissenschaften. Die Wissenschaft lehrt heutzutage immer mehr, das Religion überflüssig ist und Philosophie vereint die beiden Bereiche auf Vernunft-Basis. Albert Einstein hat einst gesagt "Wissenschaft ohne Religion ist lahm, Religion ohne Wissenschaft ist blind" meiner Meinung nach, die auf den Erkenntnissen der modernen Psychologie beruht, schließen sich die Beiden nicht aus, ganz im Gegenteil sie ergänzen sich unglaublich gut und im Grunde kommt das Eine nicht ohne das Andere aus.
    Ich würde mich freuen wenn Religion und Wissenschaft wieder einen Weg zueinander finden, wie es unter anderem in der Quantenphysik der Fall ist und ich glaube das Philosophie dabei eine große Rolle spielt und Sie nicht unterschätzt werden sollte.
    (Philosophie = Die Suche nach der Wahrheit, Wissenschaft = das Finden der Wahrheit die man sucht um jeden Preis, Religion = der Glaube, dass die Wahrheit dort zu finden ist wo man sie sucht)

    wenn Sie damit meinen, dass Naturwissenschaftler ihr eigenes Auskommen haben, stimme ich Ihnen zu.

    Wenn Sie damit meinen, dass bestimmte Geisteswissenschaftler viel Kultur, aber eben keine ökonomische haben, stimme ich Ihnen ebenfalls zu.

    Wo ist jetzt die unverschuldete Notlage bei Letzteren, für die die Gemeinschaft aufkommen muss?

    meiner Meinung nach, dass die Leistungen von Philosophie und Literatur längst nicht so wertgeschätzt werden wie die der verschiedenen Wissenschaften. Die Wissenschaft lehrt heutzutage immer mehr, das Religion überflüssig ist und Philosophie vereint die beiden Bereiche auf Vernunft-Basis. Albert Einstein hat einst gesagt "Wissenschaft ohne Religion ist lahm, Religion ohne Wissenschaft ist blind" meiner Meinung nach, die auf den Erkenntnissen der modernen Psychologie beruht, schließen sich die Beiden nicht aus, ganz im Gegenteil sie ergänzen sich unglaublich gut und im Grunde kommt das Eine nicht ohne das Andere aus.
    Ich würde mich freuen wenn Religion und Wissenschaft wieder einen Weg zueinander finden, wie es unter anderem in der Quantenphysik der Fall ist und ich glaube das Philosophie dabei eine große Rolle spielt und Sie nicht unterschätzt werden sollte.
    (Philosophie = Die Suche nach der Wahrheit, Wissenschaft = das Finden der Wahrheit die man sucht um jeden Preis, Religion = der Glaube, dass die Wahrheit dort zu finden ist wo man sie sucht)

  8. Ihre Kritik an dem Beitrag halte ich für verfehlt. Weder wurde hier die Relevanz von Philosophie oder Soziologie (oder anderen unwichtigen Fachgebieten :D :D ) verneint, noch wurde explizit von Mitleid geschrieben.

    Die beschriebene Personengruppe ist jedoch stark auf Mitleid in der Bevölkerung angewiesen, auch wenn ihnen das vielleicht nicht selbst bewusst ist. Durch das beziehen von Harz-4 hängen sie nunmal am Tropf der (produktiv) arbeitenden Bevölkerung und sind daher auf derer Mitleid angewiesen.

    Antwort auf "Graustufen"
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    Ich finde Ihre Kommentare verfehlen eindeutig die Wirklichkeit!
    Sie erzählen von genau dem Bild, was die Redaktion mit diesem Artikel versucht aus der Welt zu schaffen. Hartz IV Empfänger hängen nicht am Tropf der Vielverdiener.. ich würde fast behaupten es ist umgekehrt. Was wären die Vielverdiener ohne günstige Arbeitskräfte die nebenbei Hartz IV beziehen müssen um sich ihr Existenzminimum zu sichern ?! Meine Antwort sie wären "LängstNichtMehrSoVielVerdiener".
    Und um zur allgemeinen Aufklärung beizutragen, Menschen sind unterschiedlich, wirtschaftlicher Wachstum sowie die Ökonomie unseres derzeitigen Systems sagen nichts über die unterschiedlichen Qualitäten von Menschen aus und im ersten Kommentar sieht es für mich doch sehr danach aus als würde sich jemand klüger fühlen weil er mehr Geld verdient, ohne gehässig werden zu wollen, ich finde das inakzeptabel.

    Mag ja sein, dass es für sie so klang, als wenn ich Menschen in Arbeit und Lohn als klüger bezeichnet hätte, aber das habe ich weder so geschrieben, noch war es meine Intention. Über klug und weniger klug mag ich gar nichts schreiben, da das meiner Ansicht nach sehr subjektive Begriffe sind und ich deren Verwendung daher für unsinnig halte.

    Was genau ist produktiv arbeitend:

    ...Banken, die sich v.a. die eigenen Taschen vollmachen und dann am Selbstbedienerbuffet Deutschland Blinde Kuh mit der Regierung spielen?
    ...Datenpannen querbeet im Technik Sektor?
    ...die Realisierung, dass

    Soziologen sind glücklicherweise ein Teil unseres Gewissen, ein Glück gerade auch für Deutschland, denn Sie wissen sicherlich, dass Milgram auch Soziologe war, der Herr mit der Studie zu Autoritätswahn und Obrigkeitsglaube, der Studenten dazu brachte willentlich höchste Stromstöße zu verabreichen OHNE nachzudenken. Der Herr erklärte übrigens auch, warum gerade Deutschland MEHR von unabhängigen Denkern braucht. Nicht weniger.

    Da lob ich mir Soziologen, Philosopen u.a. die es wagen ein Leben in Denken und Handeln gesunder Opposition zu verbringen oder aber den Mut aufbringen darüber zu berichten und anderen damit zu helfen, wenn sie unverschuldet in Not geraten sind.

    Ich finde Ihre Kommentare verfehlen eindeutig die Wirklichkeit!
    Sie erzählen von genau dem Bild, was die Redaktion mit diesem Artikel versucht aus der Welt zu schaffen. Hartz IV Empfänger hängen nicht am Tropf der Vielverdiener.. ich würde fast behaupten es ist umgekehrt. Was wären die Vielverdiener ohne günstige Arbeitskräfte die nebenbei Hartz IV beziehen müssen um sich ihr Existenzminimum zu sichern ?! Meine Antwort sie wären "LängstNichtMehrSoVielVerdiener".
    Und um zur allgemeinen Aufklärung beizutragen, Menschen sind unterschiedlich, wirtschaftlicher Wachstum sowie die Ökonomie unseres derzeitigen Systems sagen nichts über die unterschiedlichen Qualitäten von Menschen aus und im ersten Kommentar sieht es für mich doch sehr danach aus als würde sich jemand klüger fühlen weil er mehr Geld verdient, ohne gehässig werden zu wollen, ich finde das inakzeptabel.

    Mag ja sein, dass es für sie so klang, als wenn ich Menschen in Arbeit und Lohn als klüger bezeichnet hätte, aber das habe ich weder so geschrieben, noch war es meine Intention. Über klug und weniger klug mag ich gar nichts schreiben, da das meiner Ansicht nach sehr subjektive Begriffe sind und ich deren Verwendung daher für unsinnig halte.

    Was genau ist produktiv arbeitend:

    ...Banken, die sich v.a. die eigenen Taschen vollmachen und dann am Selbstbedienerbuffet Deutschland Blinde Kuh mit der Regierung spielen?
    ...Datenpannen querbeet im Technik Sektor?
    ...die Realisierung, dass

    Soziologen sind glücklicherweise ein Teil unseres Gewissen, ein Glück gerade auch für Deutschland, denn Sie wissen sicherlich, dass Milgram auch Soziologe war, der Herr mit der Studie zu Autoritätswahn und Obrigkeitsglaube, der Studenten dazu brachte willentlich höchste Stromstöße zu verabreichen OHNE nachzudenken. Der Herr erklärte übrigens auch, warum gerade Deutschland MEHR von unabhängigen Denkern braucht. Nicht weniger.

    Da lob ich mir Soziologen, Philosopen u.a. die es wagen ein Leben in Denken und Handeln gesunder Opposition zu verbringen oder aber den Mut aufbringen darüber zu berichten und anderen damit zu helfen, wenn sie unverschuldet in Not geraten sind.

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