Menschenrechte Geldmacht China

Die Milliarden aus Peking können kommen, solange sich die Europäer ihre Moral nicht abkaufen lassen.

Freie Menschen sind Ai Weiwei und Hu Jia noch nicht. Aber die beiden chinesischen Regimekritiker sind wieder bei ihren Familien. Das ist ein kleiner Trost im großen Unrecht. Über das Gefängnis hinaus sollen sie mundtot gemacht werden. Das erzwungene Schweigen des Künstlers Ai und des Bürgerrechtlers Hu klagt das Regime an.

Mit dessen Vertretern saß das Bundeskabinett zu Wochenbeginn in Berlin zu Tische: Premiere bei den deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen. Sind die beiden Dissidenten deshalb aus der Haft entlassen worden? Vielleicht wollte Chinas Premier Wen Jiabao Fragen nach dem populären Ai Weiwei vermeiden. Aber nach Hu Jia hätte sich kaum jemand erkundigt; seine Haftzeit war nach 42 Monaten abgelaufen.

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Nein, Chinas Gefängnistüren schließen und öffnen sich nicht nach dem diplomatischen Reisekalender. Sonst müsste auch Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo längst entlassen worden sein, etwa als Geste an Barack Obama beim jüngsten Washingtoner Gipfel. Aber so kalkulieren Pekings Mächtige nicht.

Wer mehr als drei Billionen Dollar Währungsreserven hat, kann seine Gunst nach Gutdünken verteilen. Der kann gönnerhaft durchs alte Europa reisen und sich, wie in London geschehen, kritische Worte als »Mangel an Respekt« verbitten. Der könnte uns geradewegs von allen Staatsschulden erlösen und hätte noch viele, viele Hundert Milliarden übrig, um nach Herzenslust zu investieren. Traumpartner China!

Das Ringen der Seilschaften und Fraktionen in der KP nimmt zu

Dasselbe China erlebt derzeit die schlimmste Repression seit zwanzig Jahren. Hunderte von Bürgerrechtlern, Anwälten, Bloggern und tibetischen Mönchen sind festgenommen worden. Das Selbstbewusstsein, mit dem die asiatische Supermacht nach außen auftritt, korrespondiert mit erstaunlicher Nervosität im Inneren. Dafür gibt es mindestens vier Gründe.

Erstens: Der Arabische Frühling hat in Peking die Angst vor einer chinesischen »Jasmin-Revolution« geweckt. Mögen die Bedingungen noch so anders sein: Die neue Freiheit in Kairo und in Tunis dürfte vor vielen chinesischen Laptops mitgefeiert worden sein.

Zweitens: Die Inflation liegt offiziell bei 5,5 Prozent; aber bei den Lebensmitteln ist sie weit höher. Das spüren vor allem die Armen. Einen »freigelassenen Tiger« nannte Premier Wen die Teuerung; es klang, als könnte der Tiger eine Führung fressen, die dieses Problem nicht löst.

Drittens: Chinas Gesellschaft altert schneller als jede andere. Werden nicht rasch stabile Systeme für Gesundheit, Arbeitslosigkeit und Rente geschaffen, dann werden die Jungen die sozialen Lasten nicht tragen können.

Viertens: Die Führung steht vor einem Generationswechsel. Beim Parteitag im Oktober 2012 dürften nicht weniger als 70 Prozent der Spitzenposten in Partei, Regierung und Armee neu besetzt werden. Bisher hat es in der Geschichte der chinesischen KP erst einmal, im Jahr 2002, einen friedlichen Führungswechsel gegeben. Alle anderen verliefen chaotisch und gewalttätig.

Leser-Kommentare
  1. Demokratischer Wandel kann sich in China wenn, dann nur von innen durchsetzen. Es wird die chinesische Führung wenig beeindrucken, wenn ihnen der Westen mit seiner Doppelmoralkeule daherkommt.
    Man braucht China auch nicht damit kommen, dass die westliche Moral angeblich allen anderen Moralvorstellungen überlegen wäre. Moral ist kontingent und nichts anderes. Sie bildet sich intersubjektiv und dialogisch in sozialer Praxis aus. Es gibt keine universellen Werte, das wusste schon Nietzsche.

    12 Leser-Empfehlungen
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    Ich bin absolut deiner Meinung, waere ich so schnell drauf gekommen, haette ich wohl fast genau das selbe geschrieben.

    Immer wieder gehen wir davon aus, dass die Moral, das Gesetz, vielleicht auch der Kapitalismus besser ist als alles andere.

    Es gibt universelle Werte, die sich die Menschen in den meisten Kulturen zumindest wünschen:

    Angefangen bei "Du sollst nicht töten" und in der Aufklärung weiter ausgebaut mit dem kantschen Imperativ entwickelt sich ein Wertekanon, der dem friedlichen Teil des menschlichen Wesens entspricht.

    Gäbe es keine universellen Werte, die aus dem menschlichen Wesen resultieren, würden sich die babys im Kindergarten überall gegenseitig umbringen. Denken sie mal darüber nach, dann erscheint das auch Ihnen rational und logisch.

    • joG
    • 04.07.2011 um 9:51 Uhr

    ... innen durchsetzen."

    Das ist eine jener platt-plakativen Phrasen, die hierzulande das Wort "alternativlos" ersetzen sollen. Sie hören sich zunächst trivial, einleuchtend und unwiderlegbar an, einfach und überzeugend, die Situation im Griff. So funktioniert hier seit jeher eine Gleichschaltung. Solche Sätze sind aber meist in der Form falsch bzw so allgemein verwendet nur für Dumme.

    Schauen wir hier. Natürlich kann man China nicht militärisch zwingen. Vielleicht hätte man das früher tun sollen, aber nun wäre es eine größere Anstrengung als die Durchsetzung der Demokratie in Deutschland und Japan. Das bedeutet nicht, dass man sich den Gefahren für uns, die von Autokratien ausgehen wie der kapitalistische Seilverkäufer bei Marx fügen sollte. Das wäre selbstzerstörerisch und dumm.

    Natürlich hat man auch die UDSSR und seine Satelliten nicht mit militärischem Einsatz gezwungen proto-demokratisch zu werden....

    Ich bin absolut deiner Meinung, waere ich so schnell drauf gekommen, haette ich wohl fast genau das selbe geschrieben.

    Immer wieder gehen wir davon aus, dass die Moral, das Gesetz, vielleicht auch der Kapitalismus besser ist als alles andere.

    Es gibt universelle Werte, die sich die Menschen in den meisten Kulturen zumindest wünschen:

    Angefangen bei "Du sollst nicht töten" und in der Aufklärung weiter ausgebaut mit dem kantschen Imperativ entwickelt sich ein Wertekanon, der dem friedlichen Teil des menschlichen Wesens entspricht.

    Gäbe es keine universellen Werte, die aus dem menschlichen Wesen resultieren, würden sich die babys im Kindergarten überall gegenseitig umbringen. Denken sie mal darüber nach, dann erscheint das auch Ihnen rational und logisch.

    • joG
    • 04.07.2011 um 9:51 Uhr

    ... innen durchsetzen."

    Das ist eine jener platt-plakativen Phrasen, die hierzulande das Wort "alternativlos" ersetzen sollen. Sie hören sich zunächst trivial, einleuchtend und unwiderlegbar an, einfach und überzeugend, die Situation im Griff. So funktioniert hier seit jeher eine Gleichschaltung. Solche Sätze sind aber meist in der Form falsch bzw so allgemein verwendet nur für Dumme.

    Schauen wir hier. Natürlich kann man China nicht militärisch zwingen. Vielleicht hätte man das früher tun sollen, aber nun wäre es eine größere Anstrengung als die Durchsetzung der Demokratie in Deutschland und Japan. Das bedeutet nicht, dass man sich den Gefahren für uns, die von Autokratien ausgehen wie der kapitalistische Seilverkäufer bei Marx fügen sollte. Das wäre selbstzerstörerisch und dumm.

    Natürlich hat man auch die UDSSR und seine Satelliten nicht mit militärischem Einsatz gezwungen proto-demokratisch zu werden....

  2. Ist doch schon längst abgekauft !!!

    Die Moral klebt uns allen im Körper. In Form von "harmlosen" Baumwoll-T-Shirts vom unterbezahlten chinesischen Wanderarbeiter.

    Oder ist China etwa kein lukrativer Handelspartner für Deutschland und die gesamte Welt ??

    Wegen seiner schönen Billiglöhne und seiner katastrophal schlechten Sozialleistungen im Produktionsbereich ??

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    wenn man T-Shirts aus Afrika kaufen würde?
    Man kann eine Gesellschaft nicht von heute auf morgen von 0 auf Wohlstand bringen. Zu dem Weg über schlechte Arbeitsbedingungen, was ja schon besser ist als garkeine Arbeit, gibt es vermutlich keine Alternative. Auch in Europa hat man so angefangen.
    Und ich bin mir sicher in 30 Jahren wird es in China mit Armut, Elend und Unterdrückung deutlich besser aussehen als in den meisten Teilen der Welt. Der Westen der billige T-Shirts aus China kauft ist langfristig das Beste was dem Land passieren konnte.

    wenn man T-Shirts aus Afrika kaufen würde?
    Man kann eine Gesellschaft nicht von heute auf morgen von 0 auf Wohlstand bringen. Zu dem Weg über schlechte Arbeitsbedingungen, was ja schon besser ist als garkeine Arbeit, gibt es vermutlich keine Alternative. Auch in Europa hat man so angefangen.
    Und ich bin mir sicher in 30 Jahren wird es in China mit Armut, Elend und Unterdrückung deutlich besser aussehen als in den meisten Teilen der Welt. Der Westen der billige T-Shirts aus China kauft ist langfristig das Beste was dem Land passieren konnte.

  3. dass in China eine Repression verstärkt stattfindet. Meinen Informationen nach werden die Verhältnisse eher besser (wenn auch sehr langsam). Bei aller Kritik an der momentanen Situation, die ja durchaus Berechtigt ist, ich habe das Gefühl, der Autor des Artikels weiß nicht wie es vor zehn oder zwanzig Jahren dort zuging.

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    da bringt ein Argument wie es vor 20 Jahren war eigentlich
    gar nichts.
    Wie war es denn hier vor 20 oder 30 Jahren??
    Anders!

    Herr Schumann, mal im Ernst, wo, um Gottes Willen haben Sie denn Ihre Informationen über China her? Von der chinesischen Botschaft vielleicht?
    Natürlich hat sich in 30 Jahren viel geändert, auch zum Besseren, und ich wünsche mir nur, daß die Machthaber in Peking die eigene Verfassung respektieren!
    Im Moment wird die Masse der Einwohner zu Sklaven der Reichen degradiert. Vergessen Sie nicht, daß es in China etwa 800 Millionen Bauern gibt, denen das Land welches sie bewirtschaften NICHT gehört.

    Noch Fragen?

    da bringt ein Argument wie es vor 20 Jahren war eigentlich
    gar nichts.
    Wie war es denn hier vor 20 oder 30 Jahren??
    Anders!

    Herr Schumann, mal im Ernst, wo, um Gottes Willen haben Sie denn Ihre Informationen über China her? Von der chinesischen Botschaft vielleicht?
    Natürlich hat sich in 30 Jahren viel geändert, auch zum Besseren, und ich wünsche mir nur, daß die Machthaber in Peking die eigene Verfassung respektieren!
    Im Moment wird die Masse der Einwohner zu Sklaven der Reichen degradiert. Vergessen Sie nicht, daß es in China etwa 800 Millionen Bauern gibt, denen das Land welches sie bewirtschaften NICHT gehört.

    Noch Fragen?

  4. Es gab mal eine Zeit, da wurde in der Schule von der Demokratie, Menschrechten fairer Umgang der Regierungen miteinander gesprochen. Doch eines Tages wurde ich erwachsen und fing über den "Kampf gegen den Terror" zu lesen, von Bänkern, die einer 90 jährigen Rentnerin einen Vertrag unterjubbeln, indem steht, dass sie erst mit 120 Geld bekommt, von Kampf der amerikanischen Regierung für die Menschenrechte und Demokratie, während sie gleichzeitig einen rechtlosen Boden mit Guantanamo schaffen, von Verhandlungen der Europäer mit den Arabern, obwohl sie genau wissen, dass diese Regierung die Menschenrechte mit Füssen tritt, von großen Freunden aus dem fernen Osten, für die das Wort "Menschenrechte" gar nicht existiert und Aktivisten mit dem Tode bestraft werden.
    Unser Wirtschaftssystem kennt kein Moral, keine Ethik. Mir wird noch immer schlecht dabei, wenn ich sehe, dass an der Universität Absolventen herangezogen werden, die nach dem Prinzip leben: Hauptsache Geld. Es muss doch endlich bald schluss mit diesem Mist sein. Das Problem ist doch, dass wir so tief in der Sch*** sitzen und die Wirtschaft den Menschen kontrolliert, dass ein Neuanfang extrem schwer. Bis dahin brauchen wir uns über Heuchlerei nicht zu wundern, denn wenn das Wirtschaftssystem keine Moral kennt, ist es ihr auch egal ob sie mit dem Teufel oder mit dem lieben Gott einen Vertrag abschliesst, solange das Geld stimmt

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    "Unser Wirtschaftssystem kennt kein Moral, keine Ethik. Mir wird noch immer schlecht dabei, wenn ich sehe, dass an der Universität Absolventen herangezogen werden, die nach dem Prinzip leben: Hauptsache Geld."

    Sie treffen genau meine Meinung. Falls Sie Interesse haben, so lesen Sie doch bitte folgende Kommentare, die ich unter einen anderen Artikel bereits geschrieben habe:

    http://www.zeit.de/wissen...

    http://www.zeit.de/wissen...

    Auch ich stimme Ihnen zu, jedoch mit einer "kleinen Einschränkung" ...:

    Sie bringen es theoretisch richtig gut auf den Punkt:

    "Bis dahin brauchen wir uns über Heuchlerei nicht zu wundern, denn wenn das Wirtschaftssystem keine Moral kennt, ist es ihr auch egal ob sie mit dem Teufel oder mit dem lieben Gott einen Vertrag abschliesst, solange das Geld stimmt".

    Haargenau !

    Jedoch ist es nicht ein spezifisches Wirtschaftssystem, das keine Moral kennt, sondern der Mensch, der dieses "System" von innen heraus ausfüllt (siehe Kommentar Nr. 1).

    Geld per se ist eine völlig wertlose Sache.

    Man kann zur Not sogar ein paar Kekse darin einwickeln, statt Butterbrotpapier ... solange in der äusseren Umwelt keine Tauschartikel (alias erwerbbare Produkte) dafür verhanden sind.

    Bsp.:
    in der Antarktis oder der Sahara kann niemand was mit einem 100 Dollar-Schein anfangen, ohne die ihn umgebenden zivilisatorisch umgebenden ERWERBAREN Errungenschaften.

    mittlerweile scheint es für mich so zu sein, dass ich die Zeit vor allem auch wegen der immer wieder intelligenten, interessanten, pointierten, unterhaltsamen oder auch wegen ihres krass gegenteiligen Leserkommentare lese. Die Zeit hat einen Schatz den sie irgendwie noch nicht so recht zu heben weiß: Die-Zeit-Leser.

    Vielen Dank an Euch Kommentatoren, Ihr seit das Salz der Zeit.

    Schreibt weiter.

    Gruß

    Seewespe

    PS:
    Das musste ich mal los werden, denn irgendwie wundere ich mich immer mehr über die Inhalte der Zeit, wenn ich sie für sich alleine unabhängig von den Kommentaren betrachte... "O Herr, schicke Deinen Geist herab."

    Quadrat; Sie haben völlig Recht! Nach 10 Jahren in der "Volks"Republik China frage ich wo denn die Moral unserer Politiker und Unternehmer geblieben ist, als sie anfingen einem korrupten kommunistischen Regime den Hintern zu küssen, und es immer noch tun...

    Unsere Unternehmer haben hier (im Ländle) Arbeitsplätze unwiderbringlich) vernichtet und erwarten nun, daß die Hartzempfänger die 'billigen' (ehemals) deutschen Produkte kaufen... nur wovon? Schlimmer noch ist, daß man in China munter unsere Technologien kopiert, um uns den Mist zu verkaufen. Ergo haben unsere 'schlauen' Unternehmer langfristig wohl keinen Erfolg mit ihrer 'Strategie'.

    Die kommunistische Moral heißt Macht und Geld! So einfach ist das.

    "Unser Wirtschaftssystem kennt kein Moral, keine Ethik. Mir wird noch immer schlecht dabei, wenn ich sehe, dass an der Universität Absolventen herangezogen werden, die nach dem Prinzip leben: Hauptsache Geld."

    Sie treffen genau meine Meinung. Falls Sie Interesse haben, so lesen Sie doch bitte folgende Kommentare, die ich unter einen anderen Artikel bereits geschrieben habe:

    http://www.zeit.de/wissen...

    http://www.zeit.de/wissen...

    Auch ich stimme Ihnen zu, jedoch mit einer "kleinen Einschränkung" ...:

    Sie bringen es theoretisch richtig gut auf den Punkt:

    "Bis dahin brauchen wir uns über Heuchlerei nicht zu wundern, denn wenn das Wirtschaftssystem keine Moral kennt, ist es ihr auch egal ob sie mit dem Teufel oder mit dem lieben Gott einen Vertrag abschliesst, solange das Geld stimmt".

    Haargenau !

    Jedoch ist es nicht ein spezifisches Wirtschaftssystem, das keine Moral kennt, sondern der Mensch, der dieses "System" von innen heraus ausfüllt (siehe Kommentar Nr. 1).

    Geld per se ist eine völlig wertlose Sache.

    Man kann zur Not sogar ein paar Kekse darin einwickeln, statt Butterbrotpapier ... solange in der äusseren Umwelt keine Tauschartikel (alias erwerbbare Produkte) dafür verhanden sind.

    Bsp.:
    in der Antarktis oder der Sahara kann niemand was mit einem 100 Dollar-Schein anfangen, ohne die ihn umgebenden zivilisatorisch umgebenden ERWERBAREN Errungenschaften.

    mittlerweile scheint es für mich so zu sein, dass ich die Zeit vor allem auch wegen der immer wieder intelligenten, interessanten, pointierten, unterhaltsamen oder auch wegen ihres krass gegenteiligen Leserkommentare lese. Die Zeit hat einen Schatz den sie irgendwie noch nicht so recht zu heben weiß: Die-Zeit-Leser.

    Vielen Dank an Euch Kommentatoren, Ihr seit das Salz der Zeit.

    Schreibt weiter.

    Gruß

    Seewespe

    PS:
    Das musste ich mal los werden, denn irgendwie wundere ich mich immer mehr über die Inhalte der Zeit, wenn ich sie für sich alleine unabhängig von den Kommentaren betrachte... "O Herr, schicke Deinen Geist herab."

    Quadrat; Sie haben völlig Recht! Nach 10 Jahren in der "Volks"Republik China frage ich wo denn die Moral unserer Politiker und Unternehmer geblieben ist, als sie anfingen einem korrupten kommunistischen Regime den Hintern zu küssen, und es immer noch tun...

    Unsere Unternehmer haben hier (im Ländle) Arbeitsplätze unwiderbringlich) vernichtet und erwarten nun, daß die Hartzempfänger die 'billigen' (ehemals) deutschen Produkte kaufen... nur wovon? Schlimmer noch ist, daß man in China munter unsere Technologien kopiert, um uns den Mist zu verkaufen. Ergo haben unsere 'schlauen' Unternehmer langfristig wohl keinen Erfolg mit ihrer 'Strategie'.

    Die kommunistische Moral heißt Macht und Geld! So einfach ist das.

  5. wenn man T-Shirts aus Afrika kaufen würde?
    Man kann eine Gesellschaft nicht von heute auf morgen von 0 auf Wohlstand bringen. Zu dem Weg über schlechte Arbeitsbedingungen, was ja schon besser ist als garkeine Arbeit, gibt es vermutlich keine Alternative. Auch in Europa hat man so angefangen.
    Und ich bin mir sicher in 30 Jahren wird es in China mit Armut, Elend und Unterdrückung deutlich besser aussehen als in den meisten Teilen der Welt. Der Westen der billige T-Shirts aus China kauft ist langfristig das Beste was dem Land passieren konnte.

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    "Der Westen der billige T-Shirts aus China kauft ist langfristig das Beste was dem Land passieren konnte."

    Dass der moralschwindige und billigebegeisterte Westen das Beste war, was China passieren konnte, ist keine Frage.

    Despoten und Autokarten können nur existieren, so lange es Kooperationspartner gibt. Während der Zeit des Kalten Krieges waren einige Kooperationen noch verständlich, heute zeigt sich, dass es einfach mit der eigenen Moral nicht sonderlich weit her ist.

    Am seit Jahrzehnten handelsdefizitären Amerika sehen wir, dass Kapitalismus nicht notwendigerweise das überlegen System ist.

    Kapitalismus funktioniert, so lange Kräftegleichgewichte dafür sorgen, dass der Wohlsand sich einigermaßen verteilt. Moral funktioniert, solange der gesellschaftliche Rückhalt besteht. Indem wir mit Diktaturen vordergründig gewinnbringenden Handel treiben, lösen wir den gesellschaftlichen Rückhalt auf bei uns auf. Das führt direkt in die Abwärtsspirale von weniger Moral und weniger Wohlstandsverteilung.

    Amerika ist in der Entwicklung Jahre voraus. Im Artikel wird der Chinakenner Cheng Li zitiert, der die am armen Volk interessierten Funktionäre als Populisten bezeichnet. So unerklärt, wie dieses Zitat da steht, würde ich sie als Moralisten bezeichnen, die für die politisch schwächsten eintreten. Solche Moralisten hätten Amerika gut getan, als man dort begann, für die bessere Kapitalrendite das Land zu deindustrialisieren.

    "Der Westen der billige T-Shirts aus China kauft ist langfristig das Beste was dem Land passieren konnte."

    Dass der moralschwindige und billigebegeisterte Westen das Beste war, was China passieren konnte, ist keine Frage.

    Despoten und Autokarten können nur existieren, so lange es Kooperationspartner gibt. Während der Zeit des Kalten Krieges waren einige Kooperationen noch verständlich, heute zeigt sich, dass es einfach mit der eigenen Moral nicht sonderlich weit her ist.

    Am seit Jahrzehnten handelsdefizitären Amerika sehen wir, dass Kapitalismus nicht notwendigerweise das überlegen System ist.

    Kapitalismus funktioniert, so lange Kräftegleichgewichte dafür sorgen, dass der Wohlsand sich einigermaßen verteilt. Moral funktioniert, solange der gesellschaftliche Rückhalt besteht. Indem wir mit Diktaturen vordergründig gewinnbringenden Handel treiben, lösen wir den gesellschaftlichen Rückhalt auf bei uns auf. Das führt direkt in die Abwärtsspirale von weniger Moral und weniger Wohlstandsverteilung.

    Amerika ist in der Entwicklung Jahre voraus. Im Artikel wird der Chinakenner Cheng Li zitiert, der die am armen Volk interessierten Funktionäre als Populisten bezeichnet. So unerklärt, wie dieses Zitat da steht, würde ich sie als Moralisten bezeichnen, die für die politisch schwächsten eintreten. Solche Moralisten hätten Amerika gut getan, als man dort begann, für die bessere Kapitalrendite das Land zu deindustrialisieren.

  6. bekommt das böse China einen drauf.

  7. das argument mag vor 10 jahren noch gezogen haben, lieber autor

    inzwischen haben sich die machtverhaeltnisse aber bereits so weit verschoben dass wir nicht china unseren stempel "im diktat" aufdruecken koennen, sondern umgekehrt (zumindest in nicht allzu ferner zukunft) wir schon eher froh sein muessen dass es nicht umgekehrt passiert und nicht china uns seinen willen diktiert.

    das muessen auch sie zur kenntnis nehmen. die zeit der imperative ist vorbei...

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    Zumindest, wenn wir bedingungslos Mercedes und BMW nach China exportieren wollen. Für die deutsche Politik an höchster Stelle scheint das unhinterfragbar zu sein. Es ist gar so, die Logik des ewigen Wachstums macht die Politik des ewigen Exports alternativlos.

    Zumindest, wenn wir bedingungslos Mercedes und BMW nach China exportieren wollen. Für die deutsche Politik an höchster Stelle scheint das unhinterfragbar zu sein. Es ist gar so, die Logik des ewigen Wachstums macht die Politik des ewigen Exports alternativlos.

    • iDog
    • 02.07.2011 um 20:27 Uhr

    "Doch unsere Moral dürfen wir uns [von China] nicht abkaufen lassen" steht im Teaser des Artikels.

    Welche Moral fragt man sich da allen ernstes? Ich kann im ökonomischen Agieren Deutschlands seit langem keinerlei Moral erkennen. zB.: Platz 3 der waffenexportierenden Länder, Lohndumping zu Gunster der Corporate Structur seit über 10 Jahren, Zerstörung der eigenen Sozialstrukturen, neokoloniale Attitüden zur Verteidigung von Resourcenzugriff, doppelmoralinsauere Hermesbürgschaften bezüglich von Nukleartechnologie-Exporten usw.

    Das ewige Gelaber über Menschenechte und Dissidenten ist so instrumentalisiert wie es verlogen ist.

    Was hat es dann zu bedeuten, wenn man ohne jeglichen kritischen Kommentar mit einigen protegierten aber angeblich gefährlichen Diktatoren dieser Welt jahrelang gute Geschäfte gemacht hat, und hier aber plötzlich rührselige Bedenken bekommt ? ... nur weil Chinas Stamokap den der US bedroht ? Oder ist es gerade der schwindende Unterschied zwischen den beiden Systemen, der der westlichen Elite so viel Angst bereitet, dass die geneigte Leserschaft hier antizipatorisch schon mal mit den üblichen Nebelkerzen auf ein angelegentliches Feindbild eingeschworen werden soll. Ein weiterer auf atlantische Linientreue gerichteter mit polemischen Deutungen gestopfter Aufbocker?

    Solange es keine internationale Friedens- und Abrüstungspolitik gibt, ist der unilaterale Anspruch das Problem und nicht die Lösung.

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