Ein Graffiti des Facebook "Gefällt mir"-Knopfs

Gerade hat der Gigant Facebook seine User noch durch eine automatisch aktivierte Gesichtserkennung irritiert, da schlagen die Mitglieder zurück. Fanslaves nennen sich die Aufständischen, die es auf der Seite einer gleichnamigen Internetfirma wagen, ihr Kostbarstes, den Kern ihrer virtuellen Identität, zu verkaufen und damit den größten Schatz, den Facebook hat, zu entwerten: Die »Likes« .

Der emporgestreckte Daumen, das mittlerweile bis in den aktiven Alltagswortschatz vorgedrungene »Gefällt mir«, ist nicht nur das Herzstück der Marke Facebook . Das Fan-Sein ist mehr und mehr zu einer realen Währung avanciert. Denn ähnlich wie auf YouTube dient die Anzahl von Klicks als Garant für Aufmerksamkeit und, in der schlichten Logik der Gleichsetzung von Quantität und Qualität, für das Interesse von Werbekunden. Die virtuelle wird damit zur baren Münze.

Die Onlinefirmen, die neuerdings mit Fans handeln, führen dieses Prinzip allerdings gleich wieder ad absurdum. Auf dem Social-Media-Schwarzmarkt werden Sonderangebote wie »100 echte Fans« aus einer frei wählbaren Zielgruppe für schlappe 49 Euro angeboten. Die User verdienen daran einige Cent pro Klick, meist legen sie für ihren neuen Nebenjob einen alternativen Account an, der mit ihrem privaten nichts zu tun hat.

Auf die Verselbstständigungsspirale des Geschäftes mit den falschen Fans hat Facebook nun reagiert und verstärkt die Möglichkeit der Sperre für »Like-Spammer« eingesetzt. Die Mitglieder werden beobachtet und, sobald sie verdächtig oft den Daumen heben, durch eine zeitlich begrenzte Blockade der »Gefällt mir«- Funktion bestraft.

Doch nicht nur sich prostituierende Daumen hat die Sanktion getroffen. Auch einige exzessiv bekenntnisfreudige User, die nur die Aktivitäten, Fotos oder Kommentare ihrer Freunde als positiv bewertet hatten, klagen über das Verbot.

Die Zahl der erlaubten Likes verrät der Konzern nicht, sie variiert, um einen weiteren Missbrauch von gekauften »Gefällt mir« zu verhindern. Facebook versucht damit, eines Problems Herr zu werden, das es nicht lösen kann: dass Nutzer nicht nur Nutzer, sondern auch denkende Menschen sind, die die Logik der Sozialmaschinerie unterwandern können.