Das Comeback ist Teil fast jeder Musikerbiografie. Und die verläuft für gewöhnlich so: Der Musiker wird schwer berühmt durch eine oder zwei, drei Platten, die Mädchen kreischen vor dem Hotel und fallen in Ohnmacht, die Eltern in der Provinz werden um Interviews gebeten, windige Produzenten umschmeicheln den Star, der dann, logisch, ein bisschen die Orientierung verliert. Wer ist hier Freund, wer Feind? Alle so freundlich, alle wollen etwas von einem, man ist Nabel der Welt. Die alte Beziehung, klar, die geht kaputt. An den ewigen Vorwürfen: »Du drehst dich nur noch um dich!«, »Du Egomonster!« und so weiter. Na, und dann der Suff, Koks, die Frauen, das alte Spiel. Immer schön exzentrisch sein, so als Star. Die wenigsten sind brav wie Justin Bieber .

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Es folgt die kaputte Phase, man zertrümmert das Hotelzimmer, ohne Grund, war so eine Laune. Das ist nicht mal schlecht für das Image, macht fast interessant. Dann aber die Rangelei mit zwei Groupies, die sich zu nah heranpirschten. Da wird das Management doch nervös. In den Boulevardmedien sprechen die Opfer. Immer schlecht, wenn die Opfer sprechen. Der Star ruft die Exfreundin an, zwei Uhr morgens, irgendein Hotelzimmer, irgendeine Stadt, irgendwas aus der Minibar, aber die Exfreundin geht einfach nicht ran. Die Auftritte: versoffen, unkonzentriert, ist doch alles egal. Das geht eine Weile, dann geht gar nichts mehr: Krankenhaus, Entzug, die besorgten Eltern tätscheln dem Star, als wäre er wieder Teenager, die Hand.

Die Produzenten wissen: Jetzt ist Zeit für eine gut dosierte Pause. Die Presse ist schlecht, die Musik verkauft sich nicht, man lebt heute sowieso eher von den Auftritten, aber die gehen mit dem kaputten Star schon mal gar nicht. Also Pause, langer Entzug und dann ganz, ganz ruhig und gezielt am Comeback arbeiten. Gut zureden, aufbauen: »Du schaffst das!« Die Proben: gar nicht schlecht. Wird schon.

Dann der ganz große Auftritt. Und? Riesiger Flop, wer hat ihm nur den Alk besorgt kurz vor der Performance? Es wird ganz laut gebuht. Und der Rest der Tournee abgesagt.

Comebacks misslingen derzeit: Amy Winehouse torkelte gerade auf der Bühne herum, Whitney Houston schwankte, Michael Jackson schaffte den Auftritt gar nicht mehr. Früher starb der Star auf dem Gipfel des Ruhms an Drogen ( Jim Morrison , Janis Joplin), oder ihm gelang das große Comeback ( Johnny Cash , Mickey Rourke ). Das gelungene Comeback ist der amerikanische Traum, an dem sich die Künstlerbiografie orientierte und der nicht mehr gelingen mag. Es muss dieses Land in einer Krise stecken.